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Das Kuriositäten-Kabinett

von Angon
Kurzbeschreibung
SammlungAllgemein / P12 / Gen
13.01.2021
02.07.2021
5
11.776
3
Alle Kapitel
10 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
13.01.2021 895
 
Der Weltraum ist bevölkert von unendlich vielen Spezies, die uns bereits besucht haben, ohne dass wir es wissen. Manche sind sehr clever, manche sind sehr groß, manche sind sehr fortschrittlich. Manche sind... das nicht.
Genre: Humor, Science Fiction


Dieses Kapitel ist ein Beitrag zur Wochen-Challenge. Die Vorgabe findet ihr in dem verlinkten Post.




„Der Wassergehalt ist sehr gering. Es muss ein Hartkäse sein.“ Renat stellte diese Mutmaßung im Brustton der Überzeugung an.
Doch offenbar hatte Patak Zweifel. „Seltsam. Die Farbe hat mich eher auf Frischkäse schließen lassen.“ Er betatschte die Probe, die in einer sterilen Schale lag. „Jedenfalls ist er nicht sehr fettig. Es muss wohl Magerstufe sein.“
„Kannst du Blauschimmel erkennen? Von weitem sah der Käse recht bläulich aus.“
„Nein.“ Patak kratzte sich am Kopf. „Ich kann hier überhaupt nichts erkennen. Das sieht alles so unkäsig aus!“
Renat zuckte mit den Schultern. „Wir sollen den Käse untersuchen. Befehl vom Admiral.“
„Ja du hast Recht.“ Patak befeuchtete seinen Finger, strich damit über die Probe und leckte schließlich an der Fingerkuppe. „Salzig.“
„Salzlakekäse!“, rief Renat aufgeregt.
„Aber er ist doch von keiner Sole umgeben“, widersprach Patak.
Renat seufzte. Sie wussten ja nicht einmal, von welchem Wesen die Milch für dieses riesige Käsebällchen stammte. Vielleicht von einer Sternqualle oder einer Weltraumamöbe? Er kannte sich nicht sonderlich gut aus mit interstellaren Lebensformen. Er konnte ja kaum die Planeten seiner eigenen Galaxie auseinander halten.
„Bist du sicher, dass es überhaupt Käse ist?“, fragte Patak.
Renat sah ihn schockiert an. Patak war zwar nicht die hellste Kerze auf dem Kuchen, doch auch er musste wissen, dass es undenkbar war dem Admiral zu widersprechen.

***

Etwas früher am Tag hatte das Kundschafterschiff der Flotte gemeldet, dass man ein unbekanntes Sonnensystem erreicht habe. Das Flaggschiff hatte zum Sammeln aufgerufen und so waren die vier Schiffe des Verbandes, sowie die sechs kleineren und schwach bemannten Aufklärer zum Treffpunkt geflogen.
Die Scanner hatten festgestellt, dass nur ein Planet des Systems bewohnt war. Der Admiral hatte die vier Kapitäne der Raumschiffe mit der Untersuchung der restlichen Planeten betraut, die Aufklärer nahmen Daten von einigen Himmelskörpern und einem Zwergstern. Er selbst näherte sich mit dem Flaggschiff jenem blauen Planeten um herauszufinden, ob man Kontakt aufnehmen sollte oder nicht.
Der Flaggkapitän war ein diensteifriger Geselle. Schnell hatte er festgestellt, dass auch der bewohnte Planet von einem auffälligen Himmelskörper umkreist wurde. Darum erkundigte er sich bei seinem Admiral, wie damit verfahren werden solle.
„Was meinen Sie, Kapitän?“, versetzte der Admiral.
„Sie haben schließlich die Aufklärer ausgeschickt um die restlichen Monde zu untersuchen. Sollten wir dann nicht…“ Doch der Kapitän wurde rüde unterbrochen.
„Was interessieren mich die Monde dieses Systems? Ich will die Leute doch nur beschäftigen, damit sie nicht auf dumme Gedanken kommen. Sie wissen genau, dass nichts dazwischenfunken darf, wenn wir hier wirklich eine Kontaktaufnahme in die Wege leiten. Offenbar steckt die Raumfahrt dieser Spezies noch in den Kinderschuhen, das ist eine höchst heikle Angelegenheit!“
Der Kapitän nickte. „Jawohl Sir.“ Er biss sich auf die Lippe.
„Wollten Sie noch etwas anmerken, Kapitän?“, fragte der Admiral lauernd.
„Ja, Sir. Ich meine, nein, Sir. Also…“
Der Admiral schaute verkniffen drein.
„Vielleicht wäre es gut, wenn ich ein paar Leute mit einem Shuttle zu diesem Mond schicke. Dann stellen die schon nichts Dummes an, wie sie ja selbst bereits darlegten“, brachte der Kapitän endlich hervor.
Der Admiral wirkte belustigt. „Haben Sie da konkrete Mannschaftsmitglieder im Sinn?“
„Allerdings, Sir.“ Der Kapitän sagte nichts weiter. Er musste dem Admiral ja nicht gleich die Namen seiner dämlichsten Offiziere auf die Nase binden. Es war schon schlimm genug, dass diese es überhaupt in den Offiziersstand geschafft hatten. Doch wenn er sich den veränderten Ausdruck auf dem Gesicht seines Vorgesetzten so betrachtete, dann ahnte er, dass dieser längt wusste, an wen er dabei dachte.
„Na schön, dann lassen sie die beiden antreten“, befahl der Admiral schließlich.
Wenige Minuten später standen Renat und Patak vor ihm stramm, die Hand grüßend zum Hut gehoben.
„Der Kapitän hat Sie beide empfohlen um eine Außenmission zu absolvieren.“ Die beiden blickten so aufgeregt drein, dass der Admiral ein Augenrollen nicht zu unterdrücken vermochte.
Der Kapitän wandte sich nun an die beiden. „Sie werden sich ein Shuttle nehmen und diesen Mond umfliegen.“ Er wies auf den Hauptbildschirm, der den blauen Planeten samt seinem Trabanten zeigte. „Dabei werden Sie das Objekt scannen und die Daten auswerten.“
„Jawohl, Sir“, stammelte Patak.
Renat tat es ihm gleich, hängte jedoch eine Frage an. „Wünschen Sie, dass wir auch Proben nehmen, Sir?“
Der Kapitän war überrascht. „Ich halte es nicht für notwenig, dass Sie das Shuttle verlassen.“ Keinesfalls wollte er das Unternehmen für diese beiden Deppen unnötig kompliziert gestalten.
„Mit Verlaub, Sir, aber wir werden keine ausreichenden Daten erhalten, wenn wir nicht auch Proben nehmen.“ Renat kam sich mächtig klug vor.
Der Kapitän wollte diesen Unfug gerade abschmettern, als der Admiral gereizt ausrief: „Herrje, dann untersuchen Sie diesen Käse eben! Und jetzt verschwinden Sie!“
Der Kapitän gluckste. Bei der nächsten Landung an der Heimatbasis mussten sie diese beiden Idioten dringend loswerden.

***

„Es hat auch gar keine Löcher“, warf Patak ein.
„Nicht jeder Käse hat Löcher“, hielt Renat dagegen. Irgendetwas mussten sie übersehen.
„Und wenn es nun wirklich kein Käse ist?“, fragte Patak ängstlich.
Renat sah Patak einen Augenblick lang schweigend an. Schließlich schlug er einen ernsten Tonfall an und sprach feierlich: „Wenn der Admiral sagt ‚Untersuchen Sie den Käse‘, dann tun wir das auch.“
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