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A woman named Maura Isles

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 Slash
Jane Rizzoli Maura Isles
13.01.2021
19.01.2021
3
6.878
9
Alle Kapitel
10 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
14.01.2021 2.354
 
Hallo :)
Ich bin mal wieder schlaflos und dachte mir, dass ich dann auch an dem zweiten Kapitel arbeiten kann. Ich bin übrigens wirklich sprachlos vor Überraschung, wie viel Aufmerksamkeit die Story schon in nur 24h erhalten hat! Wahnsinn! Danke auch an die lieben Rückmeldungen, ich hab mich sehr gefreut. (Hier übrigens wieder gerne gesehen ^^)
Viel Spaß jetzt also beim Lesen.

Vani-Sashanista

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Zwei Jahre später...


Die Sonne stand schon hoch im Zenit, als die klickenden Absätze über die steinernen Treppen traten und sich ihren Weg über das Kopfsteinpflaster bahnten. In beinahe gebieterischen Schritten, gefasst und dennoch flink wie ein Model auf dem Catwalk, schritt die Frau zu dem großen Möbelwagen, wo sie die Männer in ihren hochgekrempelten Ärmeln den Inhalt des Transporters ausladen sah. Ihr fiel auf, wie ruppig sie mit ihrem Eigentum umgingen, als könnten sie nicht schätzen, welchen Wert sie hatten. Und das nicht nur materiell, sondern ebenfalls für die Frau persönlich.

„Vielen Dank, ich trage das selbst rein“, sagte sie, ihre Stimme sinnlich wie eine Melodie mit einer Spur von Selbstbestimmung, und lächelte, was die kleinen Fältchen um ihre Augen zum Vorschein treten ließ.

„Keine Sorge, ich schaff das, Ma’am“, erwiderte der Jüngere von den beiden Helfern und stutzte sein Basecap, wobei er ihr zuzwinkerte. Die Frau schätze ihn mindestens zehn Jahre jünger als sich, weshalb sie darauf nur mit einer hochgezogenen Augenbraue reagierte. Er hob den Karton an, als wollte er ihn besser in den Händen positionieren, als etwas im Inneren gefährlich rappelte.

„Bitte!“, entfuhr es der Frau plötzlich erschrocken, als sie doch selbst mit beiden Händen nach dem Karton griff und mit ihrem festen Halt unmissverständlich um das Loslassen ihres Gegenübers flehte. „Sie sind sehr zerbrechlich.“ Er ließ davon ab und sie machte sich daran, die große Kiste selbst in das neue Haus zu tragen. Ihr Haus.

Doktor Maura Isles war sich dabei nicht bewusst, wie attraktiv sie wirkte, so darauf besessen, keine ihrer Kostbarkeiten in fremde Hände zu geben. Dazu das Makeup-freie Gesicht, das sie jünger, frischer aussehen ließ, eingerahmt von den honigblonden Strähnen, die ihr aus ihrem losen Zopf fielen. Ihr Alter von vierunddreißig konnte man ihr nicht ansehen, selbst wenn man versuchte, jede ihrer Facetten zu studieren. Und sie hielt es so.

„Mami! Mami, kann ich ein Eis haben?“, rief der kleine Junge mit honigblondem Haarschopf, als er auf seinen kleinen nackten Füßen aus dem Haus gerannt kam und sich um eines ihrer Beine schlang, der Kopf war unter dem glockigen Rock ihres geblümten Sommerkleides verschwunden.

„Natürlich, mein Schatz. Gib deiner Schwester auch eins ab, hörst du?“, sagte sie, als er direkt nach ihrer Einwilligung von ihr abgelassen hatte und zurück ins Haus gestürmt war. Sie hatte zwar noch nicht mal eine Waschmaschine im Haus angeschlossen, aber für das Wichtigste an Lebensmitteln war zumindest gesorgt. Dabei war Maura meist darauf bedacht, ihren Kindern nicht allzu viel Zucker zu geben, sonst bekam sie sie nicht ins Bett. Doch einem kleinen Kind an einem gleißenden Sommertag ein süßes Wassereis zu vergönnen, hielt sie für barbarisch.

Die Kartons stapelten sich im Eingangsbereich, als sie für kurze Zeit in den Schatten ihres neuen Reichs trat und die Kiste abstellte. Vorsichtshalber spähte sie hinein, um sicher zu gehen, dass keine der ägyptischen Figuren zu Bruch gegangen war. Beruhigt, dass alles noch ganz war, stellte sie einige Stücke auf die Kommode mit großem Spiegel, eines der wenigen Möbel, die bereits einen guten Platz gefunden hatten. Den Rest müsste sie noch umstrukturieren, bevor sie sich wieder wie Zuhause fühlte.

Zuhause. Unwillkürlich musste sie an Kalifornien denken, ihre Heimat. Sie vermisste schon jetzt die Palmen, die Meeresbriese, die ihr durch die Haare wehte, wann immer sie am Manhattan Beach spazierte, damals noch Hand in Hand mit ihrem Mann.

Maura schüttelte schnell den Kopf, um den Gedanken an ihn zu vermeiden. Er war der Grund, dass sie regelrecht vor sich selbst geflüchtet war.

Sobald sie von der Affäre mit seiner Sekretärin erfahren hatte, hatte sie die Scheidungspapiere eingereicht. Es gab nichts, worüber sich reden lassen konnte, nichts, womit er seine Tat hatte rechtfertigen können. Keine Entschuldigung, sie so zu hintergehen und das, was er gehabt hatte, mit Füßen zu treten. Und als sie erfuhr, dass das Ganze schon ein Jahr am Laufen war, schlug sie ihm blind vor Wut ins Gesicht. Zu mehr war sie nicht fähig, war eine solche Tat doch sonst nie und nicht einmal ihr letzter Ausweg.

Im Nachhinein war Maura vor allem wütend auf sich selbst gewesen. Wütend, dass sie es nie für schlimm gehalten hatte, wenn er zu spät von der Arbeit kam, wenn er anrief und sagte, er bliebe das Wochenende im Büro, hätte zu viele Fälle vorzubereiten. Und so zog sich die Schlinge um den Hals des Herrn Anwalt zu.

Sie zählte schnell eins und eins zusammen, als sie vor dreieinhalb Wochen das weiße Hemd mit dem roten Lippenstiftfleck am Kragen in der Wäsche fand, wusste sie doch, dass sie selbst keinen roten Lippenstift besaß.

Und so endete die fünfjährige Ehe von Maura Isles und Dennis Rockmond, hatte sie doch so stürmisch begonnen.

Eine hitzige Liebesaffäre im Gerichtsaal. Er als Staatsanwalt und sie als Rechtsmedizinerin, die ihr Gutachten bei Mordfällen wiedergab. Damals noch hatten sie als Team fungiert. Maura kam nicht umhin, sich nun doch an die Zeiten zu erinnern, in denen sie beide wie wilde Tiere in seinem Büro übereinander hergefallen waren. Sei es vor oder nach Anhörungen gewesen. Und manchmal sogar in den Pausen, in denen sich das Gericht zurückzog, um ein Urteil zu fällen.

Maura schoss die Röte in die Wangen und ihre Finger verkrampften sich um den kalten Stein der Sphinx. Sie wollte nicht daran denken, sonst erlitt sie wieder nur einen Nervenzusammenbruch und das konnte sie nicht gebrauchen. Nicht, nachdem sie alles getan hatte, um ihn und alle Erinnerungen an ihn aus ihrem Leben zu verbannen. Sie hinter sich zu lassen und sich nie wieder nach ihnen umdrehen zu müssen.

Doch die Sache hatte einen Haken. Er war der Vater ihrer Kinder und mit jedem Blick in ihre Gesichter, sah sie ihn wieder, denn die beiden hatten das Beste von ihnen geerbt. Auch wenn sie das alleinige Sorgerecht beantragt hatte und mit ihrem Anwalt auf bestem Wege war, dieses zu ergattern, hielt er stark dagegen, plädierte auf sein Recht als Vater, seine Kinder auch sehen zu dürfen, Teil ihres Lebens zu sein, denn Himmel, er war ihr Vater!

Es war eine irrationale Überlegung, was passiert wäre, hätte sie ihn nie kennengelernt. Die Antwort war leicht: sie hätte ihre Kinder nicht. Und diese würde sie um nichts in der Welt eintauschen, geschweige denn sich auch nur ein Leben ohne das Glück vorstellen, das die beiden ihr gebracht hatten.

Bei der Hochzeit mit Dennis war Maura bereits schwanger gewesen und unter dem langen weißen Satin, sie erinnerte sich in jeder Einzelheit an das Kleid, da sie es extra hatte maßanfertigen lassen, zeichnete sich selbst schon im dritten Monat eine deutlich sichtbare Rundung ab. Denn kein Wunder, in ihr wuchsen schließlich gleich zwei Babys heran.

„Mama!“, der Klagelaut ihrer Tochter ließ sie hochschrecken.

„Ja, Süße?“, antwortete sie und gab dem kleinen Mädchen ein warmes Lächeln, als sie aufgeregt zu ihr kam und am Saum ihres Kleides zog, mit der anderen kleinen Hand den Stiel vom Eis umschlang, welches um Rinnsale über ihre Finger triefte.

„In der Küche ist ein Fleck auf dem Boden! Ich hab versucht ihn wegzumachen, aber es klebt so!“, rief das Mädchen in völliger Verzweiflung und Maura konnte nicht anders, als zu schmunzeln. Olivia erinnerte sie zu sehr an sich selbst, als sie klein war.

„Versuch es mit Wasser, mein Schatz“, riet sie ihr und als noch immer dieser flehende Blick in ihren Augen lag, übernahm Maura es schließlich selbst, den Boden zu wischen, das hatte sie heute eh noch vorgehabt und mit dem Nasswischer dauerte es auch gar nicht lange.

Die Zwillinge blicken ihr mit geteilter Aufmerksamkeit von der Kücheninsel zu, auf welche Maura sie kurzerhand abgesetzt hatte, und immer wieder ging ihr Blick zur Eingangstür, wo die beiden Männer abwechselnd Kartons in den Flur stellten. Sie winkten sogar, als sie die beiden Kinder entdeckten und die beiden winkten zurück, während sie ihr Eis bis auf die Stiele hinunterschleckten.

___
„Ich denke, das wäre der Letzte gewesen“, sagte der Mann, den Maura für sympathischer empfand. „Und von nun an kommen Sie alleine zurecht?“

„Sicher. Anders geht es immerhin nicht.“ Sie zuckte die Schultern. Die Sonne war mittlerweile weiter gesunken, wie auch die Temperatur und sie empfing die leichte Brise, die ihr über die Haut wehte und den Schweiß trocknete, den die körperliche Belastung mit sich gebracht hatte.

Der Mann wusste nicht mehr zu sagen, war die Szenerie von seinem Kollegen, der wie ein geschellter Hund nach seiner andauernden Pöbelei in das Fahrerhaus des Transporters verfrachtet wurde, aus dessen heruntergelassenen Fenster er nun stierte, zu peinlich. Schließlich sagte der Mann mit dem Blick auf’s Haus: „Eine ganz schöne Rasselbande haben Sie da.“

„Ja“, gab sie lachend zu, „und dabei sind es gerade einmal zwei.“

„Sie machen das schon.“ Er drehte sich auf der Ferse und ging zum Wagen, ließ Maura stehen, die über seine letzten Worte nachdachte.

Sie blickte dem Transporter nach und ließ den Blick dabei durch die Nachbarschaft schwenken. Mit den Leuten, die neugierig die Vorhänge vor den Küchenfenstern zurückschoben, würde sie alle Zeit der Welt haben, Bekanntschaft zu schließen.

Boston war doch um einiges enger als hier geliebtes Los Angeles, das musste sie zugeben. Aber immerhin und das war für sie bald das Wichtigste, konnte sie von hier aus noch die ein- oder auslaufenden Schiffe am Port hören. Zumindest ein Stück Heimat.

___
Es war schon spät am Abend, die Dämmerung hatte eingesetzt und Maura hatte provisorische Fliegengitter vor die Fenster angebracht, um sich vor den Stechmücken zu schützen, die sie bereits surren hörte.

Mit einem Glas Wein hatte sie es sich auf der Couch im Wohnzimmer gemütlich gemacht. Obwohl sie es noch nicht wirklich als ein solches benennen mochte. Abgesehen von der Couch und dem Teppich war nicht wirklich viel vorhanden, was ihr an der Einrichtung der Vorbesitzer gefiel. Sie selbst hatte ihr Haus mit ihrem Exmann ohne Möbel verlassen, sollte er doch darin wohnen bleiben und nachts durch die leeren Flure gehen, alleine in seinem Bett liegen und die Laken nach ihr abtasten. Sicher füllte Mauras Geruch noch die Kissen, das Kinderlachen das nun so leere Reich, das er sein Eigen nennen durfte.

Maura schluckte bitter und trank dann einen weiteren Schluck ihres 2009 Pernod. Die Kinder links und rechts von ihr gebettet. Sie würde sie später mit nach oben zu sich ins Schlafzimmer nehmen. Schließlich das einzige Zimmer im Haus, das soweit ein aufgebautes Bett hatte. Das Zimmer der Zwillinge, sie wollten kein getrenntes haben, plante sie die Tage, wie auch alles andere, einzurichten.

Sie blickte auf die beiden runter, die die Köpfe gegen ihre Rippen gelegt hatten. Stephan hielt ihre linke Hand fest in den Armen und Olivia hatte ihre Hände in den Stoff von Mauras Kleid gefistet. Beide schliefen fest.

Die Ärztin wollte bei ihrem Anblick schmelzen. Beim Gedanken an ihre eigene Kindheit ging ihr wie so oft durch den Kopf, ob ihre Adoptivmutter sie auch so an sich gehalten hatte, ihr das Herz vor Stolz und Liebe platzen wollte, wenn sie Maura so friedlich schlafen sah.

Und wieder erinnerte sie sich an die gemeinsamen Fernsehabende, die sie zu viert auf der Couch verbracht hatten. Maura und Dennis außen, die Kinder, die den meisten Platz einnahmen, in der Mitte an sie gekuschelt. Oft trugen sie sie dann ins Bett, bevor sie selbst schlafen gingen und es war immer eine Herausforderung gewesen, ja nicht auf eines der Spielzeuge zu treten und sie dadurch zu wecken. Ein wahrer Hindernisparcour für Eltern. Und Maura hatte geliebt, wie ihr Mann sich einen Spaß daraus gemacht hatte. Er hatte sie immer zum Lachen gebracht.

Aber nur daran zu denken, dass sie ihn geküsst hatte, mit offenen Armen empfing, wenn er abends von der Arbeit kam, schon dort das doppelte Spiel mit ihr trieb, und ihr Blick lüstern wurde, dass sie es manchmal gar nicht mehr bis ins Schlafzimmer schafften, ehe die Begierde ihre Falle über sie zuschnappen ließ.

Zu wissen, dass seine Lippen nicht nur die ihren küssten, seine Hände nicht nur ihre Rundungen, ihre Brüste, ihren Po immer und immer wieder erkundeten, als sähe er sie zum ersten Mal nackt. Der Duft ihrer Haare nicht der Einzige war, den er in sich aufnahm, wenn sie sich liebten. Er nicht nur sie die Befriedigung spüren ließ, wenn er in sie eindrang und sie die pure Lust zerreißen wollte. Ob sinnlich oder fordernd.

Nun ekelte es sie an.

Sie wurde nostalgisch, das machte der Wein. Nachdem sie das Glas in einem weiteren Zug geleert hatte, versuchte Maura sich so vorsichtig wie möglich aus dem Klammergriff ihrer Kinder zu befreien. Die nächste Hürde meisterte sie ebenfalls, auch wenn ihr schleierhaft war, wie sie es fertigbrachte, sich ein Kind auf jede Hüfte zu setzen und mit je sechzehn Kilogramm im Arm die Treppe emporstieg und all das ohne einen der Zwillinge zu wecken oder sich selbst zu stoßen. Eine Leistung, für die sie sich irgendwann mal loben sollte.

Sie legte beide Kinder in ihr großes Bett und zog ihnen problemlos ihre Schlafanzüge an, bevor sie sich selbst ins Bad aufmachte, um ebenfalls so schnell wie möglich in ihren dringend nötigen Schlaf zu driften. Maura beobachtete sich beim Zähneputzen im Spiegel, während sie sich nach ihren Wahrscheinlichkeitsstudien ausrechnete, wie viel Stunden Ruhe sie haben dürfte, bevor die Vierjährigen um Beschäftigung bettelten.

Wieder wartete ein Tag auf sie, an dem sie völlig auf sich gestellt war. In LA kannte sie sich zumindest aus, hatte als Forensikdozentin an der University of California einen gutbezahlten Beruf gehabt mit anständigen Arbeitszeiten. Doch Boston war ihr so fremd. Wenn sie jetzt auch wieder als Vollzeit in den Beruf der Gerichtsmedizinerin gehen wollte, musste sie sich darauf einstellen, rund um die Uhr auszurücken. Das konnte sie nicht. Doch gestorben wurde immer. Sie ging zurück ins Schlafzimmer.

Mit einem schweren Kopf ließ sie sich in die Kissen sinken, gekuschelt an ihre Kinder, und schlief fast augenblicklich ein.
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