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A woman named Maura Isles

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / FemSlash
Jane Rizzoli Maura Isles
13.01.2021
15.01.2022
17
41.060
17
Alle Kapitel
48 Reviews
Dieses Kapitel
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15.01.2022 2.654
 
Hallo :)
Mir ist gestern aufgefallen, dass schon ein Jahr vergangen ist, seit ich diese Geschichte geschrieben habe. Ich wollte jedenfalls die Chance nutzen und mich ganz lieb für alle Reads, Favos, Reviews und Empfehlungen bedanken! Vielen vielen Dank.
Besonders danke an Saphira29, dafür, dass sie das schärfste Auge hat, wenn es um meine Fehlerteufelchen geht. ^^ Und Maurakatedensi, mein liebes Betalein.
LG Vani

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Die Straßenlaternen spiegelten sich glitzernd auf dem nassen Boden, als die junge Frau über das Kopfsteinpflaster ging, die Hände tief in die Taschen vergraben, die Kapuze derweil halb über den Kopf gerutscht. Noch immer nieselte es leicht. Sommerregen. Sie hatte es gar nicht mitbekommen, hatte das seichte prasseln nicht an die Scheiben des Hauses im Viktorianischen Stil vernommen, von dem sie erst eine halbe Stunde zuvor aufgebrochen war. Zu laut hatte ihr Herz getrommelt, hatte das Blut in ihren Ohren gerauscht.

Jane biss die Kiefer zusammen. Ihre unbändigen Locken kräuselten sich am Haaransatz noch mehr, erschienen wilder denn je und waren von einem feuchten Film überzogen, der ihr die vordersten Strähnen auf der Stirn kleben ließ. Sie beschleunigte ihren Schritt nun, barg das Gesicht so gut wie möglich im Aufschlag ihrer Jacke, während sie in ihre Straße einbog. Das Licht in den vorbeiziehenden Fenstern war erloschen, ließen sie realisieren, wie spät es für einen Spaziergang war. Und doch wollte sie diesen freien Moment genießen. Einen Moment, in dem sie ihren Gedanken freien Lauf lassen konnte und sah, wohin sie sie trieben.

Janes Finger strichen in ihrer Jackentasche über ein zusammengeknülltes Taschentuch. Sie hatte es hineingestopft, nachdem sie Olivia die Nase geschnäuzt und den Mund abgewischt hatte. Es rief ihr wieder in den Kopf, dass sie sich später das Auto ihres jüngeren Bruders organisieren musste, um die Zwillinge abzuholen, das dieser mürrisch wieder abgeholt hatte, nachdem Jane es vor ihrem Wohnblock hatte stehen lassen.

Sie schnaubte verächtlich und schüttelte den Kopf, wenn sie sich daran erinnerte, wie er sich das letzte Mal beschwert hatte, sie hätte einen Kratzer in den Lack gefahren. Ein Tohuwabohu aus Kraftausdrücken, das damit endete, dass Jane mit hochrotem Kopf aus ihrem Elternhaus gestürmt war. Wieder sie, die das allwöchentliche Familienessen ruiniert hätte. Einem Fest, dem sie nicht mehr regelmäßig beiwohnte. Es war an der Zeit, sich einen eigenen Wagen zu leisten. Jedoch würde das bedeuten, dass sie ihren anderen Traum, ihren Herzenswunsch, aufschieben müsste. Wieder.

Es war nun nicht mehr weit, bis zu ihrem Aufgang, nicht mehr weit, sich in der Sicherheit ihrer eigenen vier Wände zu wiegen. Eine Sicherheit, die sie allerdings nicht davor schützte, sich wieder mit sich überschlagenden Gedanken vor dem Fernseher vorzufinden, unfähig dem aufgezeichneten Spiel der Red Socks zu folgen, wie sie es sich nun schon seit einigen Tagen vorgenommen hatte. Und im Mittelpunkt ihres Gefühlschaos stand die blonde Ärztin unerschütterlich auf ihren hohen Jimmy Choo, blickte sie aus den haselnussgrünen Augen herzensgut an.

Wieder setzte ihr Herz einen Schlag aus, wieder ließ es sie Luft holen, als sie an das Gespräch dachte, das keine Stunde her war. Die Umarmung, die sie beinahe noch fühlen konnte. Der keusche Kuss, der ihre Wange zierte, als hätten die Lippen der Blonden sie noch immer gestreift.

War das Absicht gewesen? Ein Spiel, das wir weiterspielen, wo wir doch die Karten schon offen auf den Tisch gelegt haben, die Pokerfaces längst gefallen sind? Ist das letzte Gefecht noch immer nicht geschlagen? Noch nicht ausgemerzt, wer über wen triumphiert?

Dementsprechend fahrig schloss Jane die Tür auf, nachdem sie die wenigen Treppen in zwei Schritten erklommen hatte, nun unter der wenig schutzbietenden Markise kauerte und zwei Anläufe brauchte, ehe sie den Schlüssel erfolgreich ins Schloss führte.

Endlich im Trockenen stieg sie die Treppe zu ihrer Etage eilig an, öffnete schon den Reisverschluss ihrer Jacke und freute sich, eines der Gerichte aufzuwärmen, die sie noch im Tiefkühler gelagert hatte. Während dem Gespräch mit Maura, das ihr das Herz nur schwerer gemacht hatte, anstelle es zu erleichtern und sie mit dutzenden Fragen, abertausenden Hoffnungen und noch mehr Zweifeln zurückließ, hatte sie keine Zeit gehabt, zu bemerken, wie hungrig sie eigentlich war. Dabei hatte sie, nachdem sie für die Zwillinge ein schnelles und leichtes Abendessen zubereitet hatte, vorgehabt, sich dazuzusetzen. Doch lieber hatte sie das Kinderzimmer aufgeräumt, bevor Maura einen Anfall bekäme. Ebenso hatte sie eine Heidenangst gehabt, der rote Fleck von Wachsmalstiften auf dem Teppich würde nie wieder verschwinden, bis Jane so viel gerubbelt hatte, dass er nur bei direktem Hinsehen sichtbar sein würde. An Essen war da kein Gedanke zu verschwenden.

Prompt grummelte ihr Magen und ließ sie beinahe durch ihre Haustür fallen, als sie diese unverschlossen vorfand. Die Angst, sie hätte vergessen abzuschließen, war nur von kurzer Dauer, als ihr auch schon der Geruch von bratenden Lachs in die Nase stieg und sie das stetige Kratzen von Plastik auf Metallbeschichtung hörte.

„Ma?“, rief sie nur resigniert in die kleine zweieinhalb Zimmer Wohnung und schloss dann misstrauisch die Tür.

„Hier, Janie“, gab ihre Mutter Angela ihre Anwesenheit preis und kam dann auch schon um Janes Frühstückstheke herum, um ihr ältestes Kind in die Arme zu schlingen.

Der große Lockenkopf sträubte sich gegen die Berührung, verkrampfte bei dem engen Griff, mit dem ihre Mutter sie an sich drückte. So anders als bei Maura vorhin. Tief hatte sie da noch ihren Duft eingesogen, hatte sie liebevoll in den Armen gehalten wie jedes Mal, hatte den feinen Stoff ihres Oberteils gefühlt und sich ein ums andere Mal gefragt, was darunter lag. Der feuchte Kuss ihrer Mutter, kam dem zarten, fast ungewollten von Maura in keinster Weise gleich.

Jane wäre wohl in Schamesröte ausgebrochen, irritierte sie die Anwesenheit ihrer überschwänglichen Mutter nicht zu sehr.

„Ich hab schon fast gedacht, du würdest gar nicht mehr nachhause kommen. Sag mal, schläfst du auch manchmal bei dieser Familie? Isst du denn genug? Mir war eben, als könnte ich zweimal um dich rum fassen!“ Angela hatte von ihr abgelassen und ging wieder zurück an den Herd, wandte ihrer Tochter noch immer das Gesicht zu.

„Ma, was machst du hier? Ist das wieder einer deiner Kontrollbesuche? Es geht mir gut, ich habe mein Leben im Griff und hätte mir gleich was warmgemacht. Du brauchst nicht zu kochen.“ Du brauchst nicht da zu sein, fügte sie milde in Gedanken hinzu.

„Freut mich, dass es dir so gut geht. Würde ich dich nicht kennen, würde ich denken hier hätte Ewigkeiten niemand mehr gewohnt. Der abgelaufene Käse ist vorhin in den Müll gewandert und die Staubmilben, die ich im Schlafzimmer gefunden habe, sahen aus, als würden sie sich eigenhändig durch deine Wohnung bewegen!“ Der Plastikschaber landete hart in der Pfanne, als Angela gerade den Fisch wendete. „Ich habe also gewischt und eingekauft.“

„Danke, Ma. Das wäre echt nicht nötig gewesen. Ich hätte mich darum gekümmert, ganz bestimmt.“ Jane musste einräumen, dass sie ihrer Mutter dankbar für ihre Tüchtigkeit war. In letzter Zeit hatte sie nicht allzu viel Zeit in ihrer Wohnung verbracht, hatte gegessen, geduscht und geschlafen und alles auf Akkord.

„Und bis dahin wäre ich alt und grau gewesen, ich weiß schon.“ Ihre Mutter fühlte, dass Jane die Lippen dabei schürzte. „Sag jetzt bloß nichts Falsches, junge Dame, hüte dich!“

Jane zuckte ertappt mit den Schultern, als sie sich auf dem Barhocker an der Theke niederließ und ihrer Mutter beim Kochen zusah, sich wieder so fühlte wie damals, wenn Angela morgens für sie und ihre Brüder Bunny Pancakes gemacht hatte.

„Wofür das alles, Ma? Warum der Aufriss? Ist was passiert?“, fragte sie dann, bedacht darauf, ihre Worte gut zu wählen, ohne in ihrer Mutter eine Hysterie zu wecken.

„Das übliche eben“, antwortete ihre Mutter nach einem Seufzen. „Dein Vater, um es besser zu sagen.“ Sie nahm die Pfanne und den Topf, in dem sie gerührt hatte nun vom Herd und fing an, alles auf zwei Teller aufzufüllen.

„Hattet ihr Streit?“, fragte Jane vorsichtig nach, wusste sie doch, dass ihre Eltern gut und gerne heftig aneinandergerieten.

„Aber keinen allzu Milden. Nur gut, dass Frankie heute Tommy mitgenommen hat. Ich bin rausgestürmt, das hättest du mal sehen sollen. Mit hochrotem Kopf, dass ich hätte explodieren können.“

Bei der Vorstellung musste Jane leicht grinsen und ihre Mutter konnte es ihr nicht verübeln. „Entschuldigung, erzähl weiter. Warum der Streit?“

„Oh du kennst deinen Vater doch. Macht aus einer Mücke einen Elefanten, bis die Wände zittern. Jedenfalls habe ich ihm gesagt, ich würde mir das nicht bieten lassen und er könne mich dann eben finden, wo der Pfeffer wächst.“ Sie raufte sich die Haare und musste dann selbst schief lächeln. „Zumindest dir Erklärung, warum du mich jetzt ertragen musst.“

„Ma“, Jane ergriff ihren Arm, als ihre Mutter ihr gerade einen vollen Teller und Besteck dazu reichte. „Du darfst gerne hier sein. Auch solang wie du möchtest. Nur bitte sag mir Bescheid, bevor du mir meine Staubmilben wegnimmst, okay? Ich habe die kleinen Dinger fast liebgewonnen.“

Nun lachten beide Frauen aus vollem Herzen, bis es wehtat.

„Genug nun. Iss jetzt etwas.“ Sie brauchte es kein zweites Mal zu sagen, Jane hatte sich schon über die Kartoffeln und den Fisch hergemacht und aß auch den Spinat mit Begierde, wo ihre Mutter sie dazu doch immer hatte zwingen müssen.

Manche Dinge hatten eben doch Potential, sich zum Positiven zu wandeln. Doch würden auch wir dieses Potential haben, Maura?

Eine knappe Überlegung, ehe das Besteck laut über die Keramik kratzte.
___

Gerädert war sie am nächsten Morgen aufgestanden, als der Wecker sie unsanft aus ihrer unbequemen, verdrehten Bauchlage weckte, ihr nicht die Zeit lassen wollte, gemächlich die Augen aufzuschlagen. Brutal war sie in den Alltag geschubst worden, rieb sich das Gesicht und fuhr sich durch die Haare, ehe sie sich streckte und gegen alle Logik überzeugt war, dass sie jeden ihrer Wirbel einzeln knacken hörte.    

Bestrebt folgte sie danach ihrer gut manifestierten Routine, band sich das honigblonde Haar zurück und wusch sich das Gesicht, vertrieb den letzten Rest des unsäglichen Schlafes aus den müden, trüben Augen. Sie gähnte, als sie auf den kuschligen Hausschuhen zu der Zimmertür der Zwillinge schlurfte, sie sanft öffnete und leise Richtung Fenster ging und die Vorhänge aufzog, dass die helle Morgensonne hereinbrechen konnte. Jedoch gar nicht zu der Harmonie von Mauras Laune beitrug.          

Sie beugte sich zu ihrem kleinen Sohn, der blinzelnd die Augen aufschlug, geweckt vom plötzlichen hellen Licht. Ein wunderschöner Morgen unter anderen Umständen. Würde Maura nur nicht dieses ungute Gefühl im Bauch haben, das sich wie ein zentnerwiegender Stein in ihr eingelagert hatte, als sie gestern zu Bett gegangen war, als sie realisierte, wessen Namen sie da gestöhnt hatte, als der Höhepunkt ihrer Selbstliebe sie übermannt hatte. Wieder zog sich alles in ihr zusammen, so wie gestern, bei der stoßenden Wärme, die sie erfüllt hatte. Doch diesmal war das Gefühl anders, stärker und grausamer. Tat mehr weh.

„Guten Morgen, Schatz“, sagte sie und strich Stephan durch das gleiche honigblonde Haar, wie sie es hatte. Er lächelte sie verschlafen an und zog sie zu sich runter, damit sie seine Stirn küssen konnte, wie sie es jeden Morgen tat. Ein Ritual zwischen ihnen, das ihre Laune immer, wie auch jetzt, steigen ließ.

„Morgen, Mami“, gab er zurück und lächelte sie strahlend an, während er sich ausgiebig streckte. Keine zehn Sekunden später stieg Stephan dann aus dem Bett und umarmte ihre Beine fest, ehe er sein Spielzeugflugzeug nahm, das seit Neustem einen Platz auf seinem Nachttisch gefunden hatte und damit aus dem Zimmer rannte. Sie fragte sich, woher ihr Kind die Energie hernahm, wo sie selbst sich doch kaum auf den Beinen halten konnte. Doch seit die kleine Schildkröte Bass bei ihnen eingezogen war, wollte Stephan sie jeden Morgen begrüßen und dann füttern. Sie war sich sicher, dass sie bei der Wahl des Haustieres doch alles richtig gemacht hatte. Und sich bei der Namensfindung auf den Gründer der hiesigen Body Farm William M. Bass zu beziehen, zählte sie ebenso zu einer ihrer heroischsten Taten.      

Maura ließ den Blick durch das Zimmer ziehen, sah wie alles in Farbe getaucht wurde und das Blumenprint der Tapete auf der Seite ihrer Tochter geradezu belebte. Der verblasste Fleck auf dem Teppich zu ihren Füßen entging ihr dabei nicht, war jedoch etwas, worum sie sich später kümmern würde. Sie ging schmunzelnd zu ihrem kleinen Mädchen und kniete sich vor das Bett, in dem Olivia sich gerade die Decke über das Gesicht gezogen hatte und auf die andere Schulter rollte.

„Was ist los, Livi? Willst du denn gar nicht deinem Bruder helfen, Bass zu füttern?“, fragte sie und streichelte ihr zärtlich die Schulter, was den kleinen Blondschopf zu ihr blicken ließ. Sie schüttelte den Kopf.

„Will nicht aufstehen“, murmelte das Mädchen stattdessen und hielt die Hand ihrer Mutter in ihren beiden viel Kleineren. Sie zog sie zu sich und schlang die Arme um Mauras Hals, umarmte sie fest. „Bleibst du bei mir, Mama? Nur für fünf Minuten, bitte“, flehte das Mädchen und Maura musste sich fügen, als sie auch nach kurzer Rangelei nicht aus ihrer verkrümmten Haltung kam.

„Fünf Minuten, ist gut“, räumte sie ein, worauf das Mädchen in ihrem Bett direkt für sie Platz machte und ihr die viel zu kurze Decke anhob, damit sie in das Kinderbett kriechen konnte. Es könnte nicht zusammenbrechen, das wusste sie, dennoch hatte sie Bedenken, als sie in eingeengter Form an ihrer Tochter geschmiegt lag, die sie so innig umarmte, dass sie jeden Zweifel bald verwarf.
___

Der Kaffee auf ihrem Schreibtisch war längst nicht mehr warm, als sie noch ihr Diktat abtippte, das sie bei der letzten Obduktion an diesem Tag aufgenommen hatte. Flüssig formulierte sie den Text, wie sie ihn gesprochen hatte und setzte zum Ende noch ein paar Feinheiten. Nach doppeltem Korrekturlesen, speicherte sie die Datei und druckte das Dokument aus, um es in den Akten abzuheften, die sie geflissentlich führte. Selbe verstaute sie in der Aktentasche, die sie neben ihrer Birking Bag täglich mitnahm und zog dann das Zopfgummi raus, das ihre Haare am Hinterkopf zusammengehalten hatte. Wohltuend massierte sie sich die Kopfhaut, als ihr die honigblonden Haare wieder auf die Schultern sanken und über ihren Rücken wallten.

Dann löschte sie das Schreibtischlicht, stand auf und warf sich den knielangen dünnen Mantel über das marineblaue Versace-Kleid, das sie am Morgen ausgewählt hatte, da etwas Extravagantes üblich half, ihre Stimmung zu heben und positiv in den Tag zu starten. Als Dr. Maura Isles nun jedoch den Gürtel des Mantels um ihre Taille band, fiel ihr Blick auf den mittlerweile kalten Kaffeebecher, der noch halbvoll seit heute Morgen auf dem Tisch stand. Nur ab und an hatte sie davon getrunken, seit sie ihn von Jane am Morgen geholt hatte. Auch wenn sie täglich gerne zu dem Café fuhr, um die junge Frau auch außerhalb von sich Zuhause zu sehen, um sich daran zu erinnern, dass der dunkle Lockenkopf ein eigenes Leben hatte, tat sie es insgeheim nur, um den Moment ihres ersten Treffens immer und immer wieder zu erleben. Wie eine endlose Zeitschleife, in der jeder Tag dem vorherigen glich.

Doch heute war es anders gewesen, war ihr Lächeln verhaltener, ihr Gruß leiser – beinahe untergegangen in dem Treiben der anderen Kunden. Und Jane hatte es bemerkt. Zumindest stutzte sie auf Mauras Reaktion auf sie, händigte ihr jedoch freundlich und höflich ihre Bestellung aus.    
Ebendiese kippte Maura nun in den Ausguss und verließ dann das Büro, wonach sie auf dem Gang noch Dr. Burns grüßte, der überraschenderweise noch Dienst hatte.

Und als sie aus dem kühlen Institut in die erfrischende Brise des einleitenden Spätsommers trat, sich innerlich darauf vorbereitete, wie sie nun Jane begegnen würde, die ihren Kindern mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gerade eine Gutenachtgeschichte mit imitierten Stimmen vorlas, bemerkte sie den Mann kaum, der wartend an dem Wagen neben ihrem Lexus lehnte. Als er sie dann jedoch ansprach, gefror ihr das Blut. Vertraute braune Augen blickten in ihr Haselnussgrün, ein Lächeln mit perfekten Zähnen wurde ihr geschenkt und in dem dichten dunklen Haar zeigten sich die ersten silbrigen Fäden.

„Hallo, Maura“, sagte er und ließ sie zurückprallen.
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