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A woman named Maura Isles

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / FemSlash
Jane Rizzoli Maura Isles
13.01.2021
20.03.2021
8
19.239
13
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13.01.2021 2.175
 
Das kalte Wasser, das ihren Körper herabrann, ihre Haare, ihre Kleidung durchnässte, war das Geringste, das die junge Frau störte, als sie mit verklärtem Blick auf die Scheibe blickte, in der sich ihre eigene zusammengesunkene Silhouette spiegelte. Die Tränen, die ihr stumm über die Wangen rollten, mischten sich mit dem Wasser, das auf sie prasselte.

Das hätte alles nicht passieren müssen, dachte sie, während sie unter dem Lauf des Duschkopfes stand, die Finger fest in die Fliesen hinter sich gekrallt, um zumindest etwas an Halt zu gewinnen. Ihre Knie begannen zu zittern und sie gab ihrem Körper nach, der nicht mehr in der Lage war, sie aufrecht zu halten.

Sie sackte zusammen, kam mit einem harten, plumpsenden Geräusch auf dem Boden ihrer Keramikbadewanne auf. Die sonst wilde, unbändige, schwarze Lockenmähne hatte sich in triefenden Strähnen an ihrem Schädel abgesetzt, von den Spitzen der langen Haare liefen ihr Rinnsale um Rinnsale über die Arme.

Sie wippte, starrte sich noch immer wie apathisch an, die heißen Tränen waren das Einzige, das ihr Wärme spendete und sogar dafür verdammte sie sich. Sie brauchte Kälte, erbarmungslose Kälte, nichts anderes glaubte sie verdient zu haben. Was verdiene ich überhaupt?, ging ihr durch den Kopf.

Sie zog die Beine an die Brust, bettete das Kinn auf die Knie und umschlang ihre Schienbeine fest, beinahe krampfhaft. Sie spürte, dass ihre Unterlippe bebte, schob es auf ihre Gefasstheit, nicht völlig in Tränen auszubrechen, die sich in ihrer Kehle ansammelte und drohten, wie ein Tsunami über sie einbrechen zu wollen.

Dass es ebenfalls der Kälte geschuldet war, dass ihre Zähne klapperten und das Beben ihrer nun blauen Lippen eigentlich ein Schlottern war, verdrängte sie. Sie brauchte es. Zumindest glaubte sie, es zu brauchen. Als Bestrafung für das, was sie angerichtet hatte. Ein Leben, das durch ihre Unaufmerksamkeit beinahe ausgelöscht wurde. Und auch jetzt stand in den Sternen, ob das Kind überleben würde.

Letztendlich gewannen ihre Gefühle und rissen ihre schützende Mauer ein als wäre sie aus Sand. Flutwellen um Emotionen schlugen auf sie ein, ließen sich ihren so kleinen, nun beinahe kindlichen Körper winden. Sie vergrub das Gesicht in den Schenkeln, bemüht ihre Klagelaute so leise wie möglich zu halten, wollte sich nicht selbst eingestehen, dass sie vor Reue an ihrem Selbsthass um Erlösung bat. Um Vergebung. Sie hörte sich selbst schreien, als es von den gefliesten Wänden an ihre Ohren hallte. Alles so weit weg.

___
Jane Rizzoli lag in dem Sonnenstuhl, abgeschirmt von weißem Polyester und beobachtete das fünfjährige Mädchen, das mit den quietschgrünen Schwimmflügeln in dem Pool hin- und herschwamm.

„Mach ich das gut, Jane?“, fragte sie und blickte den Lockenkopf freudestrahlend an.

„Das machst du ganz klasse, Mäuschen“, lobte Jane und grinste breit, nachdem das Mädchen wie ein Hund zu paddeln begann und mehr Wasser von sich spritze, als dass sie sich darin fortbewegte.

„Du sollst dich doch wie ein Frosch bewegen, Alice!“ Jane machte ihr die Bewegung vor, indem sie die Arme vor sich streckte und sie dann zu zwei Halbkreisen nach hinten bewegte, die Handflächen dazu nach Außen gedreht, um möglichst viel Wasser verdrängen zu können. „Wie ein Frosch.“

„Fröschli!“, wiederholte Alice und war dann erpicht, Janes Anweisungen so gut wie möglich nachzukommen.

Zufrieden lehnte der Lockenkopf sich wieder zurück, das Mädchen noch immer im Auge. Das rote T-Shirt, das sie über ihrem schwarzen Bikini trug, endete nur kurz unter ihrem Nabel und gab den Blick auf eine olivgrüne Haut preis, die sich über angedeuteten Bauchmuskeln spannte. Das hatte sie sich durch hartes Training erkämpft. Ihre täglichen meilenweiten Läufe, sowie das Krafttraining im Fitnessraum, mit welchem sie es allerdings nicht inmitten dieser Testosteron vollgepumpten Masse übertrieb.

Jane Rizzoli war gerade volljährig geworden, hatte die Schule mit einem guten Schnitt absolviert und stand nun mit beiden Beinen im Leben, gewillt ihr eigenes Geld zu verdienen, damit sie sich ihre Ausbildung an der Polizei-Hochschule finanzieren konnte. Schließlich kam ein College soweit nicht für die Achtzehnjährige in Frage, noch für ihre Eltern.

Der Entschluss, als Kindermädchen zu jobben, war schnell gemacht, immerhin sittete sie ihre beiden jüngeren Brüder seit sie zehn war. Frankie war damals fünf und Tommy war mit zwei Jahren gerade einmal aus den Windeln rausgewesen.

„Komm doch auch ins Wasser, Jane“, forderte das kleine Mädchen und löste sie somit aus ihren Erinnerungen.

„Bedaure, kleine Wasserratte.“ Jane richtete sich auf und blickte auf ihre Uhr. Unter dem Schirm hatte sie gar nicht mitbekommen, dass die Sonne bereits im Zenit stand. „Deine Schwimmzeit ist jetzt auch leider um, also raus mit dir und abtrocknen. Hopp hopp“, sagte Jane und stand auf, um sich an die Leiter zu stellen, an welcher sie das Mädchen aus dem Wasser hob.

„Aber es war gerade so schön“, erwiderte sie kleinlaut, was von Jane unkommentiert blieb. Sie hasste es, ihr den Spaß nehmen zu müssen.

Sie kniete nieder, um mit Alice auf einer Augenhöhe zu sein, als sie ihr bemüht vorsichtig die Schwimmflügel von den Armen streifte, was natürlich nicht ohne kleine Schmerzenslaute seitens der Fünfjährigen von statten ging, aber allgemein hielt sich tapfer.

Jane wickelte das Mädchen in ein Handtuch und rubbelte es ab, was dieses wieder zum Lachen brachte. Als sie zum Vorschein kam, standen ihr die dunklen Haare vom Kopf ab. „Ich bin sehr stolz auf dich“, flüsterte Jane und eh sie sich versah, hatte Alice ihr beide Arme um den Hals geschlungen und sich an sie gepresst, durchnässte das warme T-Shirt mit ihrem pinken Minnie Mouse Badeanzug. Jane erwiderte die Umarmung, nahm unverständliches Kindergemurmel gedämpft durch ihr Haar wahr. Was Alice sagte, ließ ihr Herz höherschlagen.

„Ich hab dich auch lieb, Kleines.“

Ihre Zweisamkeit wurde von einem unaufhörlichen Klingeln an der Tür unterbrochen, was Jane aufspringen und Alice wieder in ein Handtuch wickeln ließ.

„Lass uns nachsehen, wer da ist“, schlug Jane mit einem geheimnistuerischen Ton in der Stimme vor und ging mit dem Mädchen durch den Hintereingang und dann quer durchs Haus, um an die Vordertür zu spähen. Alice hinterließ nasse Fußabdrücke auf den Holzfußböden, während sie hinter Jane hertrottete.

Als weniger spannend stellte sich heraus, dass es nur der Postbote war, der sowohl Pakete für die Familie von Alice als auch für die Nachbarn bei sich hatte.

„Sie sind offenbar nicht da und ich kann mit all dem ja nicht wieder zurückfahren. Wäre es da ein Problem für dich sie anzunehmen?“, fragte der Mann, der geräuschvoll auf einem Kaugummi kaute.

Jane überlegte, hielt das tropfende Mädchen gegen ihre Hüfte und strich ihr mit den Fingerspitzen über die Schultern.

„Ich nehme an, das ließe sich machen“, sagte Jane und ließ Alice los, die darauf direkt wieder zur Hintertür lief, nachdem ihr das Gespräch der Erwachsenen zu langweilig wurde. Der schmatzende junge Mann überreichte dem Lockenkopf die Pakete, die sie darauf in dem Flur abstellte. Sie bemerkte seinen Blick auf sich, besser gesagt auf ihrem nur von dem schwarzen Elasthan wenig bedecktem Po.

„Wohnst du hier? Ich hab dich bisher noch nie hier gesehen.“

Jane lächelte nur höflich, ging nicht auf den Flirtversuch ein. Stattdessen erwiderte sie: „Wo muss ich unterschreiben?“

Noch immer wanderten seine Augen von oben bis unten an ihr herab und der unumgängliche Wunsch, sich zu bedecken, keimte in Jane auf.

Wie aus der Trance gerissen, reichte er ihr das Klemmbrett, auf welchem sie eine Signatur hinterlegen sollte.

„Ist ein süßes Mädchen, die Kleine. Deine Tochter?“, erkundigte er sich und Jane wollte ungläubig auflachen. Für wie alt hielt er sie? Doch plötzlich runzelte sie die Stirn, als Alice nicht mehr an ihrer Seite war und sie sie auch sonst nicht hörte.

„Alice? Alice!“, rief Jane und wandte sich von dem Mann. Sie blickte sich um, konnte das Kind, auf das sie aufpassen sollte, allerdings nirgends entdecken. Sie sah die kleinen Fußabdrücke, die von ihr zurück zum hinteren Ausgang des Hauses führten. Jane bekam sofort ein ungutes Gefühl in der Magengegend. Mit schnellen Schritten begab sie sich in Richtung der Terrasse, wo sie Alice vermutete. Oh lieber Gott, lass das nicht wahr sein!, flehte Jane, als sie auf den heißen Stein trat und sich umblickte, ehe sie den treibenden Körper an der Wasseroberfläche ausmachte. Das Gesicht nach unten.

„Alice!“, hörte sie sich wieder schreien und ab dann war alles wie auf Autopilot gestellt. Jane kontrollierte ihren Körper nicht, sie handelte.

Sie sprang direkt ins Wasser, das gerade so tief war, dass sie selbst stehen konnte. Jane packte das Mädchen und drehte es in eine Rückenlage. Sie betastete Alices Gesicht, wartete auf eine Reaktion, darauf, dass sie zu lachen begann und ihr erklärte, dass es ein Scherz gewesen war, dass sie Jane nur erschrecken wollte. Doch das blieb aus. Jegliche Reaktion blieb aus.

Jane hob sie auf die Arme und legte sie über den Beckenrand auf den heißen Stein, stemmte sich selbst ebenfalls kurz darauf in einer fließenden Bewegung über die Kante.

„Alice? Alice, Maus, sag doch was!“, flehte Jane, während sie mit dem Handrücken gegen das Gesicht des Mädchens klopfte. Dann beugte sie sich runter, bedeckte sie beinahe gänzlich mit ihren langen, nassen Locken, als sie auf ein Atemgeräusch lauschte. Nichts. „Verdammt, rufen Sie einen Krankenwagen!“, schrie Jane so laut, dass der Mann es an der Eingangstür auch mit Sicherheit hören konnte. Das war ihre einzige Hoffnung so schnell wie möglich Hilfe zu bekommen. Doch wieder blieb jegliche Antwort aus.

Jane wusste, dass ihr und Alice die Zeit davonlaufen würde und so begann sie selbst mit der Herzdruckmassage, wie sie sie im Notfall für einen Erste-Hilfe-Eingriff gelernt hatte.

Mit ineinander verschränkten Fingern, dabei die obere Hand zur Faust geballt, übte sie mit ausgestreckten Armen stoßweise Druck auf Alices Brustkorb auf. Nach ungefähr zwanzig Mal, Jane hatte vergessen mitzuzählen, legte sie dem Mädchen den Kopf in den Nacken, öffnete seinen Mund und blies ihm ihren eigenen Atem in die Lungen, während sie ihm dabei die Nase zuhielt. Zwei Atemstöße, dann wieder das Pumpen auf den kleinen Körper.

„Du darfst nicht sterben! Hörst du mich, Alice?! Du darfst nicht sterben, hörst du!“ Sie war verzweifelt, schrie noch immer um Hilfe, während sie für das Kind stille Gebete sprach. Warum hatte sie sie nicht festgehalten? Warum hatte sie nicht besser aufgepasst? Zum Teufel, warum hatte sie ihr die Schwimmflügel abgenommen?! Sie war doch erst fünf!

„Der Rettungswagen kommt“, sagte der Postbote plötzlich, der, wie sie es befohlen hatte, den Notruf getätigt hatte.

Sie wollte sich gerade wieder über den Mund des Mädchens lehnen, als Alice eine große Menge Wasser spuckte und hustete. Jane liefen Tränen der Erleichterung übers Gesicht, als Alice schwach die blauen Augen öffnete und sie dann vor Erschöpfung wieder schloss. Es bedeute einen Moment des Aufatmens für Jane, als sie der Fünfjährigen über die Wangen streichelte, ihr durch die Haare fuhr und sie in ihren Schoß zog, während sie sie an sich drückte und ihr Tränen über die Wangen liefen.

___
Plötzlich das laute Klopfen. Jane konnte sich nicht erinnern, dass da ein Klopfen war und so blickte sie auf. Ihr Nacken schmerzte vor Verspannung, die Gliedmaßen wie eingefroren, als sie den Griff um ihre Beine löste. Sie musste eine Ewigkeit in dieser Position verbracht haben, dabei prasselte das kalte Wasser wie jeher auf sie nieder. Da war wieder dieses Geräusch, sie hatte es sich nicht eingebildet.

„Jane! Jane, jetzt mach die Tür auf! Mach endlich auf, Kind!“, schrie eine hysterische Stimme, die sie als die ihrer Mutter erkannte.

Janes Kopf sank nach hinten gegen die Fliesen. Sie spürte das kalte Wasser auf ihrem Gesicht, schmeckte wie es die salzigen Tränen von ihrem Gesicht verbannte.

„Jane, verdammt! Jetzt mach die Tür auf, bevor ich sie einbreche!“ Darauf ertönte ein Rütteln an der Tür und das Holz begann nachzugeben. Jane war nicht gewillt, dass ihre Mutter sie so sah und so griff sie über ihren Kopf hinweg und schaltete den Hahn aus. Plötzlich war es so still, so unsagbar ruhig, dass sich die Kälte erbarmungslos, grauenhaft tief in ihre Glieder fraß, dabei klebte ihr der Jeansstoff penetrant steif an den Beinen, das rote, kurze T-Shirt war wie angegossen.

Die Klagelaute ihrer Mutter vernahm sie nicht, als sie aufstand, aus der Wanne trat und sich mit schwerfälligen, klatschenden Schritten über den Boden arbeitete, versucht, nicht erneut die Kraft in ihren Gliedern zu verlieren.

Sie öffnete halbblind, die Augenlider so schwer vor Kälte und Erschöpfung.

„Oh Jane“, kam es wie ein Flüstern von ihrer Mutter, als die Tür aufschwang und eine leichenbleiche, blauangelaufene Jane Rizzoli zum Vorschein kam. Das Herz der Mutter krampfte, als sie ihr Kind in die Arme zog, es so fest an sich presste, sich nicht kümmernd, dass Jane eiskalt war und triefte. „Oh, Kind“, sagte sie, als sie ihrer Tochter über den Rücken strich, ihr die Wärme gab, die Jane nicht annehmen wollte. Als Jane erneut zu schluchzen begann, waren es unergründliche Töne.

Voll Schmerz, voll Zorn, voll Leid.
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Hallo ;)
ich hoffe, euch gefiel das erste Kapitel, auch wenn es einen so bösen Start hatte. Ich hab die Idee schon länger gehabt und hab mich entschieden, wo ich gerade bei meiner anderen FF etwas hänge, sie einfach aufzuschreiben. Und das ging dann im Akkord.
Ich würde mich sehr über Rückmeldung freuen ;)

Vani-Sashanista
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