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Für immer

von MarisaAdr
KurzgeschichteDrama, Freundschaft / P16 / Het
Charlotte Slättberg /Sprotte Friedrich Baldwein / Fred
12.01.2021
08.02.2021
12
13.197
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12.01.2021 968
 
06.11.2009
„Sprotte, du machst das falsch.“ Sie hatte das Mehl für den Geschmack der achtjährigen wohl etwas zu wahllos auf der Arbeitsfläche verteilt. „Dann mach's doch selber.“ Grinsend schob sich die achtjährige vor ihre große Schwester und verteilte das Mehl gleichmäßig auf der Holzplatte. „Guck, so macht man das.“ Sprotte nickte ihrer Schwester nur zu, klopfte sich das Mehl von den Händen und lehnte sich gegen die Arbeitsplatte neben Josy. „Werde ich den Tag noch erleben an dem du zu viele Kekse gegessen und gebacken hast?”
Josy liebte Kekse backen, egal zu welcher Jahreszeit. Sprotte weigerte sich allerdings vehement mit ihr zu backen so lange es weder November noch Dezember war, aber da inzwischen der 6. November war, hatte sie ihrer Schwester klein beigeben müssen. „Nö. Nicht in diesem Leben.“ Mit zwischen den Lippen eingeklemmter Zungenspitze stach Josy einen Keks nach dem nächsten aus und legte ihn auf das mit Backpapier belegte Blech.
Für eine Weile beobachtete die große rothaarige die kleinere rotblonde. Josy sah Sprotte erstaunlich ähnlich, abgesehen von den etwas helleren Haaren, trotz dem Altersunterschied der Schwestern. Nachdem ihr Handy den Ton einer neuen Mail von sich gegeben hatte, zog sie das Handy aus ihrer Hosentasche und öffnete eilig die Mail.

Hi,
anbei das abgesegnete Manuskript. Das Buch geht nächste Woche in den Druck, noch kannst du wieder zum Pseudonym wechseln. Melde dich wenn du dich doch noch um entscheidest, aber so wie ich dich kenne wirst du es wirklich offiziell machen.
Liebe Grüße
Alena

Alena war ihre Lektorin gewesen seitdem sie zum ersten Mal etwas an ihren Verlag geschickt hatte und so hatte sich über die letzten sechs Jahre und vier Bücher eine Freundschaft zwischen den beiden entwickelt. Abgesehen von dem Verlag wusste nur Fred von ihrem Pseudonym, nicht einmal ihre Eltern oder besten Freundinnen wussten, dass sie überhaupt Bücher schrieb. Alle dachten sie würde in einem Verlag in der Buchhaltung arbeiten. Sie schloss das Mailprogramm und öffnete die Nachrichten um eine kurze Nachricht an Fred zu schicken.

„Habe das Manuskript wieder. Ab nächster Woche ist es vorzubestellen.“

Seine Antwort kam keine halbe Minute später.

„Dann wird es wohl Zeit Zoe an den Nagel zu hängen.“

Grinsend steckte Sprotte ihr Handy weg und stellte sich hinter Josy, die das erste Blech fast voll hatte. „Was hältst du davon wenn du weiter Kekse backst und ich mich an den Küchentisch setze und ein bisschen arbeite.“ Josy zuckte mit den Schultern, während sie ein ausgestochenes Herz auf das Backblech legte. „Mach doch.“

Als ihre Eltern zwei Stunden später kurz nacheinander nach Hause kamen, hatte sie bis Seite 214 gelesen und war mehr als zufrieden mit ihrem Werk. Als ihre Mutter die Küche betrat, klappte Sprotte Ihren Laptop zu, ließ sich von ihrer Mutter auf die Wange küssen und stützte die Ellenbogen auf den Tisch. Josy saß ihr inzwischen gegenüber und verzierte ihre Kekse mit Schokolade.
Ihr Vater betrat ein paar Minuten später ebenfalls die Küche und begrüßte seine Töchter. „Sprotte, bleibst du zum Abendessen? Wir wollten beim Italiener bestellen. Du könntest Fred fragen ob er auch kommen will.“ Sie nickte, klemmte sich ihr Handy zwischen Ohr und Schulter um nebenbei den Laptop zurück in ihren Rucksack zu stecken.

„Es trifft sich erstaunlich gut, dass wir heute Abend zusammen essen, weil ich euch noch etwas erzählen möchte.“ Ihre Mutter zog beide Augenbrauen hoch und legte ihr Besteck weg, ihr Vater verschluckte sich fast an seinem Bier und Josy schob weiter fleißig Nudeln in ihren kleinen Mund. „Du bist schwanger?!“ Ihr stieg die Röte ins Gesicht und sie lachte kurz auf. „Nein, Mum. Und wir werden auch nicht heiraten, zumindest ist das mein letzter Stand.“ Sie warf kurz einen Blick zu Fred, der neben ihr saß und grinste ihn an. „Oder sollte ich etwas wissen?“ Er schüttelte grinsend den Kopf und biss von seinem Pizzastück ab.
„Ich habe ein Buch geschrieben und es kommt in drei Monaten raus. Da man es aber ab nächster Woche vorbestellen kann, wollte ich es auch persönlich sagen.“ Sybille griff nach der Hand ihrer großen Tochter und lächelte stolz. „Ich bin stolz auf dich, Sprotte.“ Sie warf kurz einen Blick zu ihrem Mann. „Sind wir beide.“
„Danke. Das ist aber noch nicht alles. Das ist nicht mein erstes Buch, ich habe bereits drei Bücher, eine Reihe, unter einem Pseudonym, geschrieben und, naja, du hast sie gelesen, geliebt und jedem empfohlen, Mum.“ „Zoe Persson? Die Bestsellerreihe?“ Sprotte nickte mit einem breiten Grinsen auf den Lippen. „Die hast wirklich du geschrieben?“ Die rothaarige nickte erneut. Ihr Vater lächelte noch immer stolz, hatte aber noch nichts dazu gesagt.

Als Sprotte die Haustür hinter sich zuzog und Fred die Stufen nach unten folgte grinste sie noch immer. Natürlich hatte sie nicht erwartet, dass ihre Familie ausrasten würde, aber sie hatte damit gerechnet, dass sie enttäuscht wären darüber, dass sie erst jetzt von ihrem richtigen Job erfuhren. Sie stieg auf der Beifahrerseite von Freds Wagen ein und schob ihren Rucksack zwischen die Beine, während sie den Kopf an den Sitz lehnte. „Glücklich?“ Sie drehte den Kopf zu ihm und nickte.
„Morgen werde ich es den anderen erzählen, morgen ist schließlich Hühnersamstag.“ Fred nickte grinsend und beugte sich kurz vor um ihr einen Kuss auf die Lippen zu drücken. In über acht Jahren Beziehung hatte sie nie genug davon bekommen können, wie er sie küsste. „Bekomme ich das Manuskript denn schon heute zu sehen oder erst wenn du die ersten Drucke in der Hand hast?“
„Vielleicht zeige ich dir meine Lieblingsstelle.“
„Okay, dann sollte ich wohl jetzt los fahren, denn ich möchte dieses jetzt schon großartige Buch lesen.“ „Du kennst doch die Regeln inzwischen. Keine ganzen Kapitel bevor der Druck nicht fertig ist. Ich muss heute Abend aber noch die letzten 250 Seiten gegenlesen.“ Fred küsste sie noch einmal und startete dann den Motor.
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