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Capitol-Born Tribute

GeschichteAbenteuer, Schmerz/Trost / P16 / Het
Beetee Caesar Flickerman Finnick Odair Haymitch Abernathy OC (Own Character)
11.01.2021
01.03.2021
15
26.071
4
Alle Kapitel
15 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
23.02.2021 2.172
 
Hey!

Ich bin ein wenig verpeilt und habe heute den ganzen Tag gestresst, ein Kapitel fertigzukriegen, obwohl ich bereits eines rumliegen hatte. Total vergessen! Naja, hier kommt der nächste Teil. Kleiner weiterer Disclaimer zu Beetees Person: Da sein Alter in den Büchern sehr vage ist, habe ich mir die Freiheit genommen, ihn zu verjüngen. Viel Spaß :)

Außerdem noch vielen Dank für all die Reviews (und Empfehlungen), die bisher hinterlassen wurden! Das freut mich immer und hilft mir sehr!  



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Tag 3: Angriff

Beetee Latier aus Distrikt 3 gewann vor 16 Jahren die 53. Hungerspiele, indem er den Karrieretributen eine Stromfalle stellte und sechs Feinde auf einmal tötete. Er nutzte ein scheinbar nutzloses Stück Draht sowie einen selbst gebauten rudimentären Generator, und voilà. Da ich derzeit ebenfalls alleine gegen eine sechsköpfige Gruppe stehe, wirkt die Taktik einer möglichst großen Falle auf mich wie die perfekte Möglichkeit, meine Siegeschancen zu erhöhen. Und noch etwas spielt mir in die Karten: Ich komme aus Distrikt 5. Strom ist unser täglich Brot, zusätzlich ist mein Ziel genau wie das des jungen Beetee die Wissenschaft. Und wollte ich nicht ohnehin die Arena für meine Zwecke verwenden? Durch einen klugen Einfall gewinnen? Gerade flammt dieser Einfall direkt vor meinen Augen auf. Strom gibt es im Metalllabyrinth mehr als genug, die dauernd brennenden Lampen zeugen davon.
Ich vergewissere mich, allein in meinem Gang zu sein, dann verlasse ich mein Versteck. Auf den Zehenspitzen strecke ich mich zu einer der schmalen Lampen hinauf und nutze wieder einmal die Spitze eines meiner Dolche dazu, die Schrauben aufzudrehen. Als die Abdeckung der Lampe sich löst, gibt sie den Blick auf eine Reihe schmaler Neonleuchten frei. Mein Messer zwischen die Zähne geklemmt ziehe ich die Ärmel meines Overalls über die Finger und greife nach der heißen Leuchtstoffröhre. Da noch Strom auf der Lampe läuft, gebe ich mir Mühe, nur das Glasteil der Lampe zu berühren. Ein Dreh um 90 Grad, dann ziehe ich sie heraus und lege sie hastig auf den Boden, bevor mir der Stoff meiner Kleidung durchschmort. Durch die anderen Lampen bleibt es im Gang hell genug, dass ich meine auseinandergebaute Lampe deutlich sehen kann. Ich muss wissen, wie sie aufgebaut sind. Ein paar weitere Umdrehungen mit dem Messer später habe ich auch die Plastikverkleidung der Lampe entfernt und kann nun die offenen Stromleiter sehen, die die Kabel mit den Platten an den Seiten des Leuchtmittels verbunden haben.
Wie viel Volt durch die Kabel fließt, kann ich nicht sagen, doch ich gebe mir Mühe, keine der leitenden Stellen zu berühren, als ich vorsichtig das Kabel aus seinen Halterungen löse. Auch aus der Wand kann ich es ein wenig herausziehen und als ich einige Windungen herausgezogen habe, ist es erstaunlich lang. Ich schätze, dass es abgetrennt bis fast zum Boden des Gangs reichen würde.
„Zu kurz.“, stelle ich halblaut fest. Das Kabel ist zu kurz, um schlafende Karrieretribute am Boden zu erreichen. Außerdem ist das Risiko zu groß, dass die leitenden Stellen noch unter Strom die Wände berühren, neben denen sie baumeln, und durch das Metall die gesamte Arena inklusive mir gegrillt wird. Nein, das ist nicht das, was ich will.
Wie ich gehofft habe, werde ich im Kapitol erhört – ob Porter, Spud oder ein Sponsor für mein Wohlergehen sorgt, kann ich nicht sagen, aber ich bin dankbar. Die Wände und Lampen aufzuschrauben muss Show genug sein, um zwei Geschenke innerhalb von kürzester Zeit zu erhalten. Gewinnend starre ich an die Decke, als diese sich öffnet und einen großen Fallschirm freigibt. Die blecherne Dose enthält dieses Mal zwei lange, zusammengerollte Kabel mit offenen Drähten an der Seite. Testweise ziehe ich sie auseinander, darauf bedacht, nur die isolierten Ummantelungen anzufassen. Die einen Enden wickle ich um die am Boden liegende Neonlampe, die anderen halte ich vorsichtig an die silbrigen Flächen, die noch oben in der Wand angebracht sind. Die Lampe am Boden flackert, dann leuchtet sie wieder.
Bingo.
Nur das beim nächsten Mal, dass diese Kabel zum Einsatz kommen werden, am Boden keine Leuchtstoffröhre liegen wird.
Vorsichtig trenne ich die Stromverbindung wieder und rollte die Verlängerungskabel zusammen. Nachdem ich sie mir in den Gürtel geklemmt habe, baue ich die Lampe fachmännisch wieder zusammen – sollte jemand in meiner Abwesenheit diesen Flur entlangkommen, soll er schließlich nicht auf mein Versteck hingewiesen werden.
Bevor ich mich, Waffen und Karte in der Hand, auf den Weg mache, fülle ich noch einmal meinen kleinen Flachmann auf und esse den Rest von meinem Trockenfleisch. Jetzt zählt es, da darf ich nicht hungrig sein.

Dieses Mal arbeite ich mich systematisch durch die identischen Korridore. In kreisenden Runden laufe ich durch die Arena und entferne mich dabei immer weiter vom Füllhorn. Nach einer Weile habe ich Sektor A durchkämmt und komme das erste Mal zu der Trennbarriere zwischen den auf der Karte eingezeichneten Teilen der Arena.
Flügeltüren verhindern meine Sicht in den hier viel schmäleren Gang, der mich in Sektor B bringen wird. Ich taste mich vorsichtig heran – zwar sind weder auf der Karte weitere Hindernisse eingezeichnet, noch kann ich etwas erkennen, doch ich wage es nicht, die Arena zu unterschätzen. Wie komme ich hinüber? Gibt es eine Falle? Ein Rätsel? Ein Blutopfer? Als ich jedoch direkt vor der Tür stehe und die sich ohne Probleme öffnen lässt, muss ich einsehen, dass die einzige Gefahr der Trenntore ist, dass man nicht sieht, was dahinter lauert. Ich seufze – all diese Spannung wegen gar nichts. Psychologischer Stress, den ich zusätzlich zum Adrenalin gerade nicht gebrauchen kann.
Kaum habe ich den zweiten Sektor betreten, bleibt mir vor Staunen erstmal der Mund offenstehen. Anstatt in spiegelndem Silber glänzen Wände und Boden hier golden. Ein Blick auf die Karte zeigt außerdem die Abwesenheit der Waschbecken. Interessant. Doch weiter geht meine Runde, ich weiche Fallen aus, linse in Gänge, doch begegne keiner Seele und werde nur einmal kurz durch die Anzeige des heute Gefallenen unterbrochen, dem Jungen aus Distrikt 3.
Dann höre ich Stimmen, Schritte und dumpfe Geräusche. Augenblicklich bleibe ich stehen und drücke mich mit dem Rücken flach an die nächstbeste Wand. Doch was ich höre, bleibt gleich laut, und ich weiß, dass ich gefunden habe, was ich suche: Das Lager der Karrieretribute. Es ist spät, sie scheinen müde zu sein, und auch wenn ich ihre Worte nur in Fetzen verstehe, kann ich mir ausmalen, dass das geräuschvolle Herumrücken von Gegenständen und die langsam verstummenden Gespräche bedeuten, dass sie sich auf die Nacht vorbereiten. Ich harre eine Weile aus, die harte Metallwand im Kreuz. Dann durchzieht ein Schnarchen die Stille.
Ich werfe einen Blick auf meine Karte. Die Karrieretribute können nicht weit entfernt sein, dafür nehme ich sie zu deutlich wahr. Mit dem Finger fahre ich die Gänge entlang und entdecke einen Platz, der im Gegensatz zu einigen anderen Fluren in dieser Umgebung Fluchtwege in drei Richtungen bietet. Ich beschließe, dort mein Glück zu versuchen und schleiche mich vorsichtig in die Richtung, als ich Schritte höre.
Erneut zucke ich zurück und verschwinde gerade noch um eine Ecke, bevor ein schmaler blonder Junge vorbeikommt. Seine Locken schimmern im Lampenschein und er dreht eine Axt um sein Handgelenk. Es ist Saffyr aus Distrikt 1, ein Teil des Bündnisses der Karrieretribute. Was macht er abseits des Lagers?
Flach atmend bleibe ich stehen, überschlage meinen Plan, gehe meine Gedanken durch. Gerade als ich mich dazu entschieden habe, weiterzugehen, kommt er erneut vorbei, aus derselben Richtung wie eben. Erstaunt blicke ich ihm nach, dann husche ich um die Ecke und ziehe erneut meine Karte zu Rate. Und da erkenne ich, dass nicht die Fluchtwege ausschlaggebend für den designierten Lagerplatz sind, sondern die Tatsache, dass er mittig innerhalb eines Vierecks aus Gängen liegt. Und das ist es, was Saffyr tut: Er patrouilliert die Umgebung auf der immergleichen Route.
Ich verharre an meinem Platz und warte. Saffyr kommt mehrfach vorbei, keinmal bemerkt er mich. Ich hingegen bin vollständig auf ihn konzentriert, zähle die Sekunden, die zwischen einem Auftauchen und dem nächsten vergehen. Seine schnellste Runde schafft er in 190 Sekunden, bei seinem wohl trödeligsten Gang taucht er nach 220 Sekunden wieder auf. Ich sehe ihm nach, wie er um eine Ecke verschwindet. Zehn Sekunden braucht er, um sich aus meinem Blickfeld zu begegnen, dann mindestens drei, maximal dreieinhalb Minuten, um wieder vorbeizukommen.
Wie schnell kann ich eine Lampe auseinanderbauen und die Kabel an Körper und Leitplatten anschließen? Ich überschlage die Zeit im Kopf – vorhin habe ich mir Zeit gelassen, doch jetzt weiß ich, worauf ich achten muss. Drei Minuten sind extrem knapp, aber ich kann es schaffen. Der Schlüssel ist die Vorbereitung. Ich packe meinen Dolch bereit zum Schraubendrehen und kontrolliere die Kabel auf verknotete Stellen. Dann atme ich tief durch. Mein Puls geht schnell, aber es ist die gute Art von Aufregung, die man in zielführende Disziplin umwandeln kann.
Saffyr läuft an mir vorbei. Ich warte, bis er um die Ecke verschwunden ist. Meinen Beobachtungen zufolge habe ich nun drei Minuten Zeit, bis er von seiner Runde um das Lager zurückkehrt. Drei Minuten, um mindestens zwei Karrieretribute auszuschalten. Drei Minuten, um mich selbst dem Sieg bei den Hungerspielen näherzubringen. Ich verschwende keine Sekunde und bewege mich rasch vorwärts, hinter Saffyr her, um Zeit zu sparen. Ich biege nach rechts in einen Gang ein und sehe das Lager: Auf dem Boden haben sie breit eine Reihe an Isomatten ausgerollt und liegen in Schlafsäcke gewickelt darauf. All ihr Equipment ist im Gang aufgestellt, stellt den Weg zu ihnen ein wenig zu, aber nicht genug, um ein ernsthaftes Hindernis darzustellen. Bis auf die patrouillierende Wache Saffyr sagt nichts an diesem Lager aus, dass sich auch nur einer der sechs Sorgen macht. Falsch gedacht.
Gerade bin ich an den Vorräten der Meute vorbei und will mich der Decke entgegenstrecken, da bemerke ich eine Bewegung in dem Gang, der mir gegenüberliegt. Augenblicklich gefriere ich und halte alle meine Gliedmaßen still, wage es nicht, zu atmen. Zähle eins und eins zusammen. Ich bin nicht allein am Lager der Karrieretribute. Rasch blicke ich erneut auf die auf dem Boden verteilten schlafenden Körper. Saylor. Cassia. Angel. Riva. Romulus. Saffyr ist auf Patrouille und er wird noch nicht zurück sein, dafür ist der Weg zu lang und meine gezählte Zeit zu knapp.
Doch wenn die Gruppe vollzählig ist, wer wartet dann hinter der Ecke auf der anderen Seite des Lagers?
Langsam hebe ich meinen Dolch höher, dieses Mal zur Verteidigung. Gleichzeitig mache ich langsam einige Schritte rückwärts. Mein Plan ist verworfen, im Gehen packe ich lediglich noch den Träger eines mit Nahrungsmitteln gepackten Rucksacks.
Kaum bin ich wieder in die Richtung zurückgekehrt, aus der ich kam, springt eine Gestalt leise aus dem anderen Gang, eine Machete in der Hand. Es ist ein großer Kerl mit breiten Schultern, doch die Gesichtszüge unter dem buschigen dunklen Haar sind kindlich. Sein sandfarbener Overall hat bereits einige Risse, auf dem Rücken trägt er einen ebenso mitgenommen wirkenden Rucksack. Im Kopf gehe ich die verbliebenen Tribute durch und ordne ihn Distrikt 12 zu. Mit verbissenem Ausdruck schleicht er auf das Lager zu, tritt zwischen die Karrieretribute und hebt die Waffe.
Dann kreuzen sich unsere Blicke. Seine Augen werden riesig, ich weiche weiter zurück. Meinen Dolch und den Rucksack noch umklammert hebe ich die Hände und gehe langsam weiter rückwärts. Und der Junge aus Distrikt 12 führt meinen Plan durch, die Karrieretribute auszuschalten – zumindest fast.
Er ist zu langsam.
Abgelenkt.
Seine Klinge durchtrennt Rivas Kehle in Sekundenschnelle, doch kurz bevor ihre Kanone erklingt, zögert er zu lange zwischen Cassia und Angel. Der Schlag von Rivas Tod donnert durch die Gänge und ich bemerke, wie Leben in die schlafenden Karrieretribute fährt. Bevor Saylor erwacht, vollführt der Junge aus 12 noch einen hastigen Stoß mit seiner Machete und trifft Romulus aus Distrikt 2 am Oberschenkel. Der fährt jaulend hoch und in diesem Moment nehme ich die Beine in die Hand. Ich renne in die Richtung, aus der ich gekommen bin und im allgemeinen Tumult nimmt mich keiner wahr. Ich höre Saylors wütendes Brüllen, dann flinke Schritte, als Saffyr von seiner Patrouille zurückgerannt kommt, ein Trampeln, und als ich bereits zweimal abgebogen bin die zweite Kanone. Die Karrieretribute müssen den Jungen aus 12 erwischt haben. Hastig laufe ich noch einige Korridore weiter, und erst als ich mir sicher bin, dass ich außer Reichweite bin, bleibe ich stehen.
Zwei Gegner weniger. Das ist gut. Und ich musste nicht einmal etwas dafür tun. Trotzdem fluche ich. Mein Plan wäre besser gewesen, hätte mehr gefährliche Gegner ausgeschaltet! Außerdem steigt mit jedem Toten außerhalb der Gruppe der Karrieretribute das Risiko, dass Saylor und die anderen beschließen, fortan ausschließlich mich zu jagen. Wer ist noch übrig? Die Mädchen aus 3, 9 und 10, Tic und ich. Fünf Karrieretribute. Ich stoße verärgert Luft aus. Wieso musste der Junge aus 12 so in seinen Untergang rennen und mir damit das Leben schwer machen? Ein weiteres Mal würden Saylor und seine Gruppe sicherlich nicht nur eine Wache abstellen, von einer Patrouille mal ganz zu schweigen. Wie zum Teufel soll ich nun an sie herankommen, bevor sie mich kriegen?
Kopfschüttelnd ziehe ich die Karte heraus und mache mich verärgert und niedergeschlagen auf den Weg zurück in Sektor A.
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