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Capitol-Born Tribute

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18 / Het
Beetee Caesar Flickerman Finnick Odair Haymitch Abernathy OC (Own Character)
11.01.2021
11.05.2021
38
77.461
11
Alle Kapitel
83 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
11.01.2021 854
 
Hallo :)

Das hier ist seit ewig langer Zeit meine erste Fanfiction. Da ich aktuell die „Panem“-Bücher nach Jahren re-reade bin ich voll im Thema. Mal sehen, wie ich mich mache. Ich freue mich auf Rückmeldung – auch gern von Leuten, die beim Lesen noch nicht beim aktuellen Kapitel sind (ich spoilere euch nicht in Reviewantworten)!

Bevor es losgeht noch ein paar Anmerkungen:
•     Die Geschichte beginnt mit den 69. Hungerspielen.
•     Wir kennen Panem, das Kapitol und die brutalen Geschehnisse dieses Universums. Einiges davon werde ich im Laufe dieser FF darstellen. Vor den jeweiligen Kapiteln werde ich genauere Triggerwarnungen einfügen.
•     Ich werde wahrscheinlich eine ganze Menge an Kapiteln hochladen und das wirkt erst einmal viel – aber lasst euch nicht abschrecken, ich schreibe tendenziell kurze Kapitel!



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Ernte

Ich stehe inmitten der Menge und doch weiß ich, wessen Name heute gezogen wird, noch bevor der Betreuer aus dem Kapitol den Mund aufmacht. Stumm spreche ich die Worte mit, die auf der Bühne gesagt werden, ahme im Kopf den Akzent des Kapitols nach. Als ich theatralisch das Gesicht verziehe, wirft mir das Mädchen links von mir einen verwirrten Blick zu. Ich zucke die Achseln und genau in diesem Moment fällt mein Name. Ich sage ihn gemeinsam mit dem Betreuer, „Alys Brunel“, und das Mädchen neben mir sieht zeitgleich entgeistert und erleichtert aus. In diesem Moment werden die Kameras auf mich gerichtet und mir bleibt nicht viel mehr übrig, als die Augen zu verdrehen, mit den Achseln zu zucken und laut zu sagen „Na, da habt ihr euch aber Zeit gelassen!“, bevor mich die Friedenswächter zur Bühne begleiten.
Dass ich in die Spiele muss, weiß ich seit Jahren. Meine Mutter nahm damals teil, hochschwanger, und – Überraschung – überlebte nicht. Eine Horde Karrieretribute erledigte sie, die sie nicht so schnell fliehen konnte, kurz nachdem unter Stress ihre Wehen begannen. Wer überlebte, war ich. Nachdem die anderen Tribute mich damals freundlicherweise aus meiner Mutter herausgeschnitten hatten, sandten die Spielmacher ein Hovercraft, um mich zu holen, gemeinsam mit ihrer Leiche. Ich wurde zurück in den Distrikt meiner Familie gebracht und von meinen Großeltern aufgezogen. „Du bist eine Botschaft!“, sagt meine Großmutter immer säuerlich, schon seit ich ein Kind war. „Nichts als eine Botschaft!“
Was sie meint? Nun, die Ernte, bei der meine Mutter ausgewählt wurde, beendete einen neuen Trend unter Mädchen zwischen 16 und 18 Jahren, die den Spielen durch eine Schwangerschaft zu entgehen versuchten. Dass meine Mutter ausgewählt wurde, schockte das Land. Zeitgleich sank die Zahl der Schwangerschaften unter Minderjährigen in den kommenden um ein Vielfaches. Klar, die Gewissheit darum, dass auch eine Schwangerschaft sie am Erntetag nicht schützen würde, musste sich wie ein Lauffeuer verbreitet haben. Und eine Schwangere hat keine guten Chancen bei den Spielen.
Meine Großmutter, bitter wie sie ist, vertritt seit dem Tod ihrer Tochter in der Arena die feste Ansicht, dass diese damalige Ernte kein Zufall war. Deshalb drillte sie mich darauf, dass auch ich eines Tages ein Tribut werden würde – als weiteres Zeichen an ganz Panem, dass das Kapitol alle Macht hat. Dass niemand sicher ist. Nicht einmal ein in der Arena und damit im Kapitol geborenes Kind. Und nun, beinahe 19 Jahre später, ist es so weit, und allein die Reden meiner Großmutter halten mich nun davon ab, in Panik zu verfallen.
Abschätzig lasse ich den Blick über die Bewohner meines Distrikts gleiten und versuche dabei nach Kräften, möglichst gelassen auszusehen. Die Leute tuscheln so laut, dass der Betreuer mehrfach auf sein Mikrofon klopfen muss, bevor er den Namen des diesjährigen männlichen Tributs ziehen kann. Während seine Hand zwischen die Zettel gleitet, halte ich Ausschau nach meiner Familie. Meinen Großvater erspähe ich sofort, seine Körpergröße ist unmöglich zu übersehen. Meine Großmutter steht direkt daneben. Keiner von beiden sieht überrascht aus – eine viel größere Überraschung war es für die beiden, als ich nicht direkt in meinem ersten Erntejahr im Alter von zwölf in die Arena geschickt wurde.
„Tic Anderson“, sagt der Mann aus dem Kapitol breit lächelnd. Mir entfährt ein Seufzen. Ein schlechteres Jahr hätte der arme Tic überhaupt nicht treffen können. Die Menschen unterhalten sich noch immer über mich, als er die Bühne betritt. Er ist ein kleiner, dicker Junge mit flammend rotem Haar, kreidebleich seit dem Moment, in dem sein Name fiel. Ich nicke ihm zu und merke ihm an, dass er mich am liebsten ignorieren würde, es jedoch genauso wenig kann wie all die anderen Bewohner von Distrikt 5 es gerade können. Natürlich – die Leute kennen mich. Sie alle kennen mich, manche persönlich, aber alle haben sie bereits meinen Namen gehört. So ist es eben, wenn eine Geburt in der Arena geschieht – die Menschen erinnern sich. Und wenn ich lebend aus diesen Spielen herauskommen will, muss ich das genauso zu meinem Vorteil nutzen wie die Kampftechniken, die ich mir über die Jahre antrainiert habe. Wie meine Großeltern es mir beigebracht haben lächele ich nun also in die Kameras, berechnend, stark, sogar belustigt. Als Porter Millicent Tripp und ein älterer Mann, frühere Sieger aus unserem Distrikt, mir und Tic die Hände schütteln, bringe ich sogar eine fast mühelose kleine Konversation hervor. Tic hingegen spricht kein Wort.
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