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Capitol-Born Tribute

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18 / Het
Beetee Caesar Flickerman Finnick Odair Haymitch Abernathy OC (Own Character)
11.01.2021
12.08.2022
108
335.909
49
Alle Kapitel
552 Reviews
Dieses Kapitel
10 Reviews
 
 
11.01.2021 1.170
 
Hallo :)

Das hier ist seit ewig langer Zeit meine erste Fanfiction. Da ich aktuell die Trilogie nach Jahren nochmal lese, bin ich voll im Thema. Mal sehen, wie ich mich mache. Ich freue mich auf Rückmeldung jeder Art, beantworte gern eure Fragen und diskutiere mit euch mal das Fandom – auch, wenn ihr beim Lesen noch nicht beim aktuellen Kapitel seid (ich spoilere euch nicht in Reviewantworten)! :)

Bevor es losgeht noch ein paar Anmerkungen:
•     Die Geschichte beginnt mit den 69. Hungerspielen.
•     Was ich schreibe, ist eine Erweiterung vom Bücher-Canon und daher größtenteils mit dem, was ihr schon wisst, kompatibel.
•     Wir kennen Panem, das Kapitol und die brutalen Geschehnisse dieses Universums. Einiges davon werde ich im Laufe dieser FF darstellen. Vor den jeweiligen Kapiteln, die den Mord und Totschlag der Spiele überschreiten, werde ich genauere Triggerwarnungen einfügen.
•     Ihr hab das sicher schon in der Kurzbeschreibung gelesen, aber ich habe ganz hinten in der FF ein Personenverzeichnis eingefügt. Wenn die Charaktere also in ihrer Zahl wachsen, gibt es einen Ort, an dem ihr die wichtigsten Infos nachschlagen könnt.
•     Falls ihr neben dieser FF auch
Stundenzähler ins Auge gefasst habt: Die beiden Geschichten sind unabhängig voneinander verständlich, aber diese hier birgt kleine Spoiler für die andere (in Kapitel 44, 51, 52 und 53). Stundenzähler funktioniert daher als Prequel vielleicht besser, obwohl ich die Geschichte später geschrieben habe – eure Entscheidung.


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Ernte

Ich stehe inmitten der Menge und doch weiß ich, wessen Name heute gezogen wird, noch bevor der Betreuer aus dem Kapitol den Mund aufmacht. Stumm spreche ich die Worte mit, die auf der Bühne gesagt werden, ahme im Kopf den Akzent des Kapitols nach. Es ist jedes Jahr dieselbe Rede und die Art, wie der Mann spricht, ist mir nach all der Zeit, die ich auf diesen Moment warte, längst in Fleisch und Blut übergegangen. Als ich im letzten Satz theatralisch das Gesicht verziehe, wirft mir das Mädchen links von mir einen verwirrten Blick zu. Ich grinse sie spöttisch an und genau in diesem Moment fällt mein Name. Ich sage ihn gemeinsam mit dem Betreuer, „Alys Brunel“, und das Mädchen neben mir sieht zeitgleich entgeistert und erleichtert aus. In diesem Moment werden die Kameras auf mich gerichtet und mir bleibt nicht viel mehr übrig, als die Augen zu verdrehen, mit den Achseln zu zucken und laut zu sagen „Na, da habt ihr euch aber Zeit gelassen!“, bevor mich die Friedenswächter zur Bühne begleiten.
Die Ernte ist keine Überraschung. Dass ich in die Spiele muss, weiß ich seit Jahren. Meine Mutter nahm damals teil, hochschwanger, und – Überraschung – überlebte nicht. Eine Horde Karrieretribute erledigte sie, die nicht so schnell fliehen konnte, kurz nachdem unter Stress ihre Wehen begannen. Wer überlebte, war ich. Nachdem die anderen Tribute mich damals freundlicherweise aus meiner Mutter herausgeschnitten hatten, sandten die Spielmacher ein Hovercraft, um mich zu holen, gemeinsam mit ihrer Leiche. Ich wurde zurück in den Distrikt meiner Familie gebracht und von meinen Großeltern aufgezogen. „Du bist eine Botschaft!“, sagt meine Großmutter immer säuerlich, schon seit ich ein Kind war. „Nichts als eine Botschaft!“
Damals beendete die Ernte, bei der meine Mutter ausgewählt wurde, einen neuen Trend unter Mädchen zwischen 16 und 18 Jahren, die den Spielen durch eine Schwangerschaft zu entgehen versuchten. Dass meine Mutter ausgewählt wurde, schockte das Land. Zeitgleich sank die Zahl der Schwangerschaften unter Minderjährigen in den kommenden Jahren um ein Vielfaches. Klar, die Gewissheit darum, dass auch eine Schwangerschaft sie am Erntetag nicht schützen würde, musste sich wie ein Lauffeuer verbreitet haben. Und eine Schwangere hat keine guten Chancen bei den Spielen.
Meine Großmutter, bitter wie sie ist, vertritt seit dem Tod ihrer Tochter in der Arena die feste Ansicht, dass diese damalige Ernte kein Zufall war. Deshalb drillte sie mich darauf, dass auch ich eines Tages ein Tribut werden würde – als weiteres Zeichen an ganz Panem, dass das Kapitol alle Macht hat. Dass niemand sicher ist. Nicht einmal ein in der Arena und damit im Kapitol geborenes Kind. Und nun, beinahe 19 Jahre später, ist es so weit, und allein die Reden meiner Großmutter, das ständige Wiederholen meiner eigenen Geschichte im Kopf, halten mich nun davon ab, in Panik zu verfallen. Ich habe es immer gewusst – jetzt muss ich damit klarkommen, nein: Jetzt kann ich mich beweisen.
Ich straffe die Schultern, so wie ich es mir antrainiert habe, richte mich auf. Abschätzig lasse ich den Blick über die Bewohner meines Distrikts gleiten und versuche dabei nach Kräften, möglichst gelassen auszusehen. Wie ich aussehe, wird nicht widergespiegelt. Überall um mich herum sehe ich weit aufgerissene Augen, Furcht, die nicht unbedingt mir und meinem Leben gilt. Wo Tribute in allen anderen Jahren noch die Sekunden abwarten, in denen eine Freiwilligmeldung ihnen das Leben retten könnte, gehe ich direkt nach vorne. Mit mir als Tribut wird sich niemand den Spielen aussetzen – nicht, dass das in Distrikt 5 je häufig der Fall wäre, aber mein Name bringt eine symbolische Kraft mit sich, die sich gerade wie ein Schatten über die Menge gelegt hat, dunkel und schwer. Trotzdem tuscheln die Leute so laut, dass der Betreuer oben auf der Bühne mehrfach auf sein Mikrofon klopfen muss, bevor er den Namen des diesjährigen männlichen Tributs ziehen kann. Während seine Hand zwischen die Zettel gleitet, halte ich Ausschau nach meiner Familie. Meinen Großvater erspähe ich sofort, seine Körpergröße ist unmöglich zu übersehen. Meine Großmutter steht direkt daneben. Keiner von beiden sieht überrascht aus – eine viel größere Überraschung war es für die beiden, als ich nicht direkt in meinem ersten Erntejahr im Alter von zwölf in die Arena geschickt wurde.
„Tic Anderson“, sagt der Mann aus dem Kapitol breit lächelnd. Mir entfährt ein Seufzen und dieses Mal höre ich meine eigene Reaktion von den Umstehenden als Echo zurückgeworfen. Ein schlechteres Jahr hätte der arme Tic überhaupt nicht treffen können. Die Leute unterhalten sich noch immer über mich, als er die Bühne betritt, ihm selbst hat auf seinem Weg herauf niemand Aufmerksamkeit geschenkt. Tic ist ein kleiner, dicker Junge mit flammend rotem Haar, kreidebleich seit dem Moment, in dem sein Name fiel. Ich nicke ihm zu und merke ihm an, dass er mich am liebsten ignorieren würde, es jedoch genauso wenig kann wie all die anderen Bewohner von Distrikt 5 es gerade können. Natürlich – die Leute kennen mich. Sie alle kennen mich, natürlich nicht alle persönlich, aber jeder im Distrikt hat bereits einmal meinen Namen gehört. So ist es eben, wenn eine Geburt in der Arena geschieht – die Menschen erinnern sich. Und da ich lebend aus diesen Spielen herauskommen will, muss ich das genauso zu meinem Vorteil nutzen wie die Kampftechniken, die ich mir über die Jahre antrainiert habe. Wie meine Großeltern es mir beigebracht haben lächele ich nun also in die Kameras, berechnend, stark, sogar belustigt. Als Porter Millicent Tripp und ein älterer Mann, frühere Sieger aus unserem Distrikt, mir und Tic die Hände schütteln, bringe ich sogar eine fast mühelose kleine Konversation hervor. Tic hingegen, von meiner Selbstsicherheit im Angesicht der tödlichen Spiele vollkommen überwältigt, spricht kein Wort.
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