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Licht gegen Donner

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Mystery / P12 / Gen
OC (Own Character)
11.01.2021
14.08.2022
44
67.310
12
Alle Kapitel
42 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
05.08.2022 1.594
 
„Hey Weißpfote! Was machst du da?“, fragte eine fröhliche Stimme ihn und riss Weißpfote aus seiner Konzentration. Verärgert sah er auf und erwiderte genervt: „Ich versuche zu jagen, du Fischhirn.“

„Dann mach das woanders und nicht so nah am Lager. Glaubst du wirklich, die Fische merken nicht, wenn hier Katzen herumstreunen?“, miaute Bachpfote und ließ sich neben ihm nieder.

„Hast ja recht, tut mir leid“, miaute er und seufzte auf. Seine Schwester hatte IMMER Recht.



„Hey, Fluss!“ Verwirrt schreckte Fluss auf, blinzelte und sah sich um. Wo war er? Seit wann war sein Nest so gemütlich und die Höhle so hell?

„Du bist bei Nebel, im Haus der Heiler“, miaute Sand und Fluss fielen wieder die Geschehnisse vom vorherigen Tag ein.

„Morgen“, miaute Fluss und streckte sich. Seine Muskeln schmerzten leicht, aber als der schwarz-weiße Kater vorsichtig auf den hölzernen Boden tappte, fühlte er sich entspannt. Er war es nicht gewöhnt, sich so entspannt zu fühlen und doch genoss er dieses Gefühl.

„Komm mit, Nebel will dich untersuchen und dir Beute geben“, miaute Sand und winkte ungeduldig mit dem Schweif, bevor der kleine Kater davonraste. Hastig folgte Fluss ihm und tappte an schlafenden Hunden und Katzen vorbei, wobei er um die Hunde einen großen Bogen machte. Sie waren alle immer noch ziemlich groß und furchteinflößend! Die beiden Kater sprangen einen seltsamen Weg hinunter und liefen dann in einen anderen Raum. Es war der mit den vielen Kräutern, wo Nebel ihn gestern untersucht hatte. Auch jetzt war der hellgraue Kater hier und streckte seinen Kopf aus einer Öffnung der Steinwände nach draußen.

„So herrlich warm!“, rief Nebel, bevor er sich ihnen zuwandte und von einem Holzbrett vor der Öffnung sprang.

„Wie fühlst du dich Schlafmütze?“, fragte Nebel ihn und deutete mit dem Schweif auf das große, weiche Kissen. Fluss hüpfte erfreut darauf, bevor er sich hinsetzte und miaute: „Ziemlich entspannt. Ich hatte einen seltsamen Traum. Da war ich, aber ich nannte mich selbst anders.“

„Sand hat mir erzählt, dass du ihm erzählt hast, du hättest dein Gedächtnis verloren. Ich nehme mal jetzt spontan einfach an, dass das eine Erinnerung sein könnte, die dein Körper dir gezeigt hat, weil du tief in deinem Inneren scheinbar noch weißt, wer du wirklich bist“, erwiderte der Heiler und drückte mit seiner Pfote so fest auf Fluss‘ Brust, dass er laut aufjaulte.

„Wie hießt du denn im Traum?“, fragte Sand und ließ Nebel nicht aus den Augen. Fluss verzog das Gesicht, als Nebel wieder fest auf sein Vorderbein drückte, bevor er miaute: „Weißpfote. Da war auch eine Kätzin dabei, die ich als Schwester bezeichnet habe.“

„Hört sich an wie ein Clan-Name.“

„Du hast Recht Sand, es hört sich wirklich wie ein Clan-Name an.“

„Okay?“, miaute Fluss verwirrt und atmete erleichtert auf, als Nebel sich von ihm abwandte und zu einem Haufen bunter Blumen ging. War sein Name in Wirklichkeit also Weißpfote? Aber seine Pfote waren doch schwarz, wieso sollte er dann Weißpfote heißen?

„Kannst du mir vielleicht erklären, warum du gesagt hast, mein Traum-Name höre sich wie ein Clan-Name an?“, fragte Fluss den sandfarbenen Kater, welcher nickte.

„Klar. Ein paar Tagesreisen von hier entfernt gibt es einen See, an dem Katzengruppen leben. Sie heißen alle zum Teil irgendetwas mit Clan und leben in mehreren Gruppen rund um den See herum. Ich war einmal als ich noch klein war, für kurze Zeit dort und habe mich mit einem netten Kater unterhalten. Sie haben alle lange Namen, zum Beispiel Nachtherz, Flammenherz, Beerenschweif, Wolfspfote und so weiter. Da hat mich dein Name einfach daran erinnert.“

Angestrengt dachte Fluss nach. Er hatte ein juckendes Gefühl in seinem Körper und auf einmal verspürte er das Bedürfnis, diese Katzen zu finden und sie um Hilfe zu bitten. Konnten sie ihm weiterhelfen? Was konnte er auch sonst tun? Er hatte während seiner Flucht nicht weiter darüber nachgedacht, doch er sollte irgendwohin gehen. Vielleicht war irgendwer seiner Freunde in der Nähe? Dies war der Augenblick, als Fluss zum ersten Mal wieder an seine Freunde dachte und sogleich durchflutete Scham ihn, als ihm das bewusst wurde. Er hatte nur an sich selbst gedacht, dabei hatten sie sich gut um ihn gekümmert!
Der Kater konnte nicht die ganze Zeit hier bei den Heilern bleiben, irgendwann würde er wieder gesund werden und konnte sich auf die Suche nach seinem Zuhause machen. Theoretisch könnte er zwar dableiben und irgendwie helfen oder sich einfach ein neues Leben aufbauen, aber tief in seinem Inneren sehnte er sich danach, herauszufinden, wer er wirklich war. Warum man ihn entführt hatte und was er tun konnte, um sein Gedächtnis wieder zurückzubekommen. Der Kater konnte sich nicht darauf verlassen, dass es von selbst zurückkehrte.
„Hier. Schluck das runter und geh dann in den Hinterhof, dort bewahren wir unser Fressen auf. Nimm dir etwas und fresse dich satt, danach kannst du dich umsehen, wenn du willst“, miaute Nebel und riss Fluss damit aus seinen Grübeleien. Hastig stand er auf und verneigte sich, bevor er zum riesigen Ausgang tappte und in einen anderen Raum schlüpfte. Da er nicht wusste, wo dieser Hinterhof nun genau lag, fragte er vorsichtig eine alte Kätzin, welche sich gerade aus einem anderen Raum schleppte.

„Ähm, Verzeihung? Könntest du mir sagen, wo der Hinterhof ist und wie ich dahin komme?“, fragte er und die alte Kätzin blickte auf. Ihre bernsteinfarbenen Augen schienen ihn regelrecht zu durchbohren, bevor sie mit freundlicher Stimme miaute: „Einfach diesem Gang da folgen und dann rechts, dann stehst du vor der Tür zum Hinterhof.“

„Danke!“, erwiderte er und verneigte sich. Die alte Kätzin schnurrte belustigt, bevor sie krächzte: „Du stammst wohl von den Clans, nehme ich an. Die sind die einzigen, die sich so verbeugen wie du. Obwohl ich gehört habe, dass ihr ziemlich unfreundlich und patriotisch sein sollt. Was führt dich hierher?“

„Ich, ähm, also, ich weiß nicht so recht, ob ich von den Clans bin. Meine Verbeugung war, ähm, Instinkt schätze ich. Ich habe gerade zum ersten Mal, nein, zum zweiten Mal von den Clans gehört. Ich will herausfinden, ob ich zu ihnen gehöre“, stammelte er und sah peinlich berührt auf seine Pfoten. Er konnte sich kaum mit einer älteren Katze unterhalten! Bei den Wächtern hatte es keine Katzen gegeben, die nicht jung oder kräftig waren.

„Oh, glaub mir, du wüsstest, wenn du zu ihnen gehören würdest“, miaute die Katze und er sah auf. Ihr freundlicher Blick war einem nachdenklichen gewichen und sie begann ihr schmutzig weißes Fell zu putzen, bevor sie miaute: „Sie sind wirklich streng, was ihre Regeln angeht. Wenn man so einer Katze begegnet, merkt man, dass sie von den Clans ist. Vorausgesetzt, man weiß von ihrer Existenz. Aber mir gefallen ihre Gesetze, man solle sich bei den Göttern bedanken für jede Maus, die man fängt und so. Hat kaum eine Kultur, zumindest die, die ich kenne. Wie unhöflich von mir, ich habe mich noch gar nicht vorgestellt! Mein Name ist Die Meisterin, es ist mir eine Ehre.“

„Fluss“, erwiderte er knapp und schauderte leicht. Die Wächterin und Die Meisterin hörten sich so ähnlich an. Waren sie verwandt? Nein, sie ähnelten sich vom Aussehen her nicht sonderlich.

„Freut mich, dich kennenzulernen Fluss. Komm, gehen wir gemeinsam etwas fressen, du siehst etwas abgemagert aus!“, miaute die Kätzin und gemeinsam machten sie sich auf den Weg in den Hinterhof. Sie trafen dabei ein paar kleine Hunde, bevor sie erneut durch eine Öffnung in einer der Steinwände kletterten und sauber auf dem Boden landeten. Der Hinterhof war von drei Seiten von Steinen komplett umhüllt, welche bis in den Himmel ragten. An allen Seiten standen silberne Gegenstände, aus denen köstlicher Duft emporstieg. Fluss‘ Magen knurrte und das Wasser lief ihm in der Schnauze zusammen. Das roch alles so verführerisch gut! Ein paar Katzen und Hunde verschlangen gerade Frischbeute und Fluss sprang auf einen der silbernen Gegenstände. Hastig krallte er sich an den Rand und spähte in die Gegenstände hinein. Bei den Sternen, was war das alles?! Selbst in seinem wahren Ich hatte er nie so viel seltsame Beute gesehen, da war sich der Kater sicher. Vorsichtig ließ er sich hinein gleiten und lag im nächsten Augenblick auch schon im silbernen Behälter, umgeben von fremden und köstlichen Gerüchen! Hungrig machte er sich über die ungewöhnliche Frischbeute her und probierte von allem etwas. Das meiste Zeug war Fleisch, aber in den unterschiedlichsten Formen und Größen. Es schmeckte zwar komisch, aber Fluss kam es wie das beste Festmahl der Welt vor! Himmlisch!, dachte er sich und schnurrte zufrieden, als er den silbernen Gegenstand umwarf und hinaus kletterte. Die Meisterin zerriss gerade eine Maus und schleckte die Streifen auf, bevor sie aufsah und bei seinem Anblick laut schnurrte.

„Du bist voll von Essen Fluss“, miaute sie und hastig schüttelte er sich. Tatsächlich landeten neben ihm noch ein paar Fleischreste, welche er gierig aufleckte. Wer wusste, wann er wieder so ein Festmahl genießen würde!

„Ich bin satt!“, rief er und ließ sich neben der Meisterin nieder, welche immer wieder zur Öffnung sah. Auf einmal kletterte eine hellbraune Kätzin aus der Öffnung, sprang auf den Boden und hechtete geradewegs zu ihm und der Meisterin.

„Schönen Tag auch“, miaute sie und plumpste neben Die Meisterin, welche ihr sofort einen zerrupften Vogel zuschob.

„Fluss, das ist Vogelpfote, meine Begleiterin. Vogelpfote, das ist Fluss, ein Kater, welcher zu den Clans reisen will“, miaute Die Meisterin und ihre Augen blitzten wissend auf. Abrupt verharrte Vogelpfote, blickte auf, sah Fluss direkt in die Augen und fragte scharf: „Warum willst du dorthin? Warte einmal, ich kenne dich!“

„Tatsächlich?“, fragte er verdutzt und Vogelpfote nickte mit erstauntem und leicht misstrauischem Blick.

„Was machst du hier Weißstern?"
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