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GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P18
Azriel Cassian Elain Archeron Feyre Archeron Nesta Archeron Rhysand
11.01.2021
19.01.2021
9
20.828
2
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14.01.2021 782
 
Kapitel 4: Erreichen

Rhysand:

Am Morgen kämpfte ich darum, nicht die Kontrolle zu verlieren. Ich dachte, mir sei ein Moment der Ruhe vergönnt , um die Sonne über den nördlichen Bergen zu beobachten, aber ich wurde schnell davon abgelenkt.

Meine Fingerknöchel zeichneten sich weiß auf dem steinernen Geländer ab. Schrecken überflutete mich und meine Knie drohten nachzugeben. Es fühlte sich an wie Eis, das meine Wirbelsäule hinunterlief. All meine Nerven klirrten und zitterten. Ich verlor die Kontrolle, meine Hand gab nach und verschüttete den Morgentee, der an der Bergseite hinunterstürzte. Ich straffte die Zügel, die meine Magie im Zaum hielten. Eine Schweißschicht bildete sich auf meiner Stirn. Ich knirschte mit den Zähnen wegen des Drucks, der sich auf meinen Schultern aufbaute.

Ich schloss die Augen, stieß die Luft aus meinen Lungen und klammerte mich an das Band zwischen ihr und mir. Ich musste mich nicht konzentrieren oder im Dunkeln suchen oder tasten, um es zu spüren. Das Band zwischen Feyre und mir war wie die Sonne und der Mond. Es gab keinen Zweifel an seiner Existenz und sein Licht war wie ein Leuchtfeuer am Himmel. Sobald ich danach griff, ließ der Schmerz in mir langsam nach. Ich folgte dieser Verbindung zu ihrer Quelle und fand sie blockiert. Ich warf mich mit meiner Kraft dagegen um die Barriere zu durchbrechen, aber ich konnte nicht durchdringen. Ich wurde zurückgewiesen. Panik ergriff von mir Besitz und ich wagte es, zu rufen und mich ihr zu erkennen zu geben. Jetzt gab es kein Zurück mehr. Sie würde wissen, dass unser Handel tiefer ging als bis zur Oberfläche ihrer Haut.

Aber zu meiner Erleichterung und unendlichen Panik erhielt ich keine Antwort.
 
Stattdessen verwandelte sich die Wand in einen trüben Sumpf, den ich nicht durchqueren konnte. Als ich einen Schritt hinein versuchte, versank ich in einem Meer aus Taubheit.

Mich zurückziehend, wandte ich mich vom Balkon ab und machte mich auf die Suche nach Azriel. Ich fand ihn beim Training mit Cassian in der unteren Etage des Hauses der Winde. Wie wahre Bastarde tauschten sie Hiebe und Beleidigungen aus und umkreisten einander mit nichts anderem als ihren Baumwollhosen bekleidet.

„Du hast dich also endlich aus deinem Grübeln losgerissen, hm?" Cassian lachte, warf mir einen Blick zu und dann noch einen, als ich nicht einmal grinste. Er erhob sich aus der Hocke und ließ die geballten Fäuste sinken: „Was ist passiert?" Sein Lächeln war verschwunden und an dessen Stelle trat Entsetzen.

„Ich bin mir nicht sicher. Azriel, du musst deine Überwachung wieder aufnehmen."

„Überwachen von wem? Hybern arbeitet schnell, aber er kann nicht in einer einzigen Nacht eine Armee für einen weiteren Angriff mobilisieren. Wir sollten abwarten, was High..."

„Ich rede nicht von diesem Tyrannen", schnauzte ich. Cassian hob die Augenbrauen. Ich dämpfte meinen Zorn und streckte die Muskeln in meinen Händen, um die Anspannung etwas zu lösen, die mich langsam von innen heraus erdrücken wollte. Stattdessen sah ich zu Azriel und suchte seinen Blick. „Azriel ... es geht um Feyre."

Azriel nickte. „Ich werde gehen, Rhys." Er legte mir eine Hand auf die Schulter.

„Feyre? Die Menschenfrau von Unter dem Berg?" fragte Cassian und zog die Augenbrauen zusammen.

„Irgend etwas ist passiert. Ich kann nicht zu ihr durchdringen. Zu ihren Gedanken. Da ist irgendeine... Barriere, die mich daran hindert", lieferte ich Azriel die nötigen Informationen. Er beobachtete mich genau, hing an jedem Wort und jeder Pause. Mein ganzer Körper schrie auf. Jeder Muskel spannte sich an. Mein Bauch krampfte sich schmerzhaft zusammen. Ich wollte Azriel nicht schicken. Ich wollte den Wind teilen und in diesen Hof eindringen, sie finden und die Person, die sie verängstigt hatte vernebeln, als ob sie nie existiert hätte. Dieser Wunsch wuchs mit jedem Gedanken. Ich sollte nicht hierbleiben. Ich musste handeln. Dass ihr Geist mich blockierte, war nicht möglich. Als High Lord trug ich so viel Macht in mir, dass ich Armeen versetzen und sogar Landkarten umgestalten konnte, wenn ich es nur wollte. Doch all das bedeutete nichts, wenn ich nicht zu ihr gelangen konnte. Also war alles, was ich meinen Brüdern sagen konnte: „Ich weiß nicht, was mit ihr passiert ist."

Und Azriel war fort. Seine Schatten brachten ihn zu ihr und ließen Cassian und mich ein paar Schritte voneinander entfernt zurück.

„Wer ist sie, Rhys?"
 
„Ich sagte dir doch, sie hat Amarantha besiegt." erwiderte ich lahm.

Cassian schüttelte den Kopf. „Du bist hier, Rhys. Du bist nicht unter dem Berg. Amarantha ist fort. Du bist von deiner Familie umgeben und du verschließt dich immer noch." Er ging auf mich zu und blieb an meiner Seite stehen. „Eines Tages wirst du uns wieder an dich heranlassen müssen."
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