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InkTober52 - Ein Meer aus Worten

von Eiche
Kurzbeschreibung
SammlungAllgemein / P16 / Gen
10.01.2021
22.03.2021
11
4.455
2
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17.01.2021 1.113
 
Kleine Kinder sitzen auf dem Boden, spielen mit Murmeln. Um sie herum sind Zelte, überall sind große Pfützen. Es ist kalt und nass. Sie alle haben hunger. Täglich sterben Menschen. Wie kann das sein? Diese Menschen, warum müssen sie unter diesen erbärmlichen Umständen leben? Nichts schützt sie gegen die Kälte, gegen die Überschwemmung. Nur wenig Hilfe gibt es. Sie leben wie die Tiere, ja schlimmer noch. Und sie alle können nichts dafür.

Sie wollen nur ein Zuhause, nichts als einen Ort, an dem sie leben können, in Frieden. Denn ihre ursprüngliche Heimat versinkt in Krieg, es gibt dort nur Gewalt und Hass. Kein Ort zum Leben, kein Ort für die Kinder, um aufzuwachsen. Deshalb fliehen sie. Sie sind auf der Flucht, wollen ein besseres Leben. Wollen Frieden, und Wohlstand. Und jetzt? Jetzt sitzen sie in überfüllten Flüchtlingslagern fest, können nirgends hin, obwohl man ihnen doch helfen müsste. Es gibt keine Wärme, keine Sicherheit. Niemand tut etwas dagegen. Dabei leben sie unter erbärmlichen Umständen, dabei wäre es nur menschlich, ihnen zu helfen, etwas gegen dieses Grauen zu unternehmen. Denn das, was die Menschen dort haben, ist kein Leben. Und wir könnten ihnen auch helfen, all diesen Menschen. Es gibt Platz für sie, das ist klar.

Aber wir fordern einen gemeinsamen europäischen Weg, und erkennen dabei nicht, wie viele Menschen darunter leiden. Wir könnten sie aufnehmen, aber wir tun es nicht, weil es zu viele Pseudogründe dagegen gibt. Das ist so absurd. Was sind wir für Monster? Was ist denn mit all den Kindern, die in irgendwelchen Zeltstädten leben? Was mit den Familien, deren Hoffnungen zerschlagen werden, während sie doch nur auf Hilfe warten. Manche sterben, andere überleben, überleben in diesen grauenvollen Flüchtlingslagern. Flüchtlingslagern, die nichts mit einem Zuhause zu tun haben. Das alles hat nichts mehr mit Menschenrechten zu tun. Aber warum tut dann niemand etwas?

Wir können es doch selbst kaum ertragen, Bilder aus den Lagern zu sehen, ertragen es kaum, noch mehr darüber zu erfahren. Dabei gibt es so viel, was wir jetzt tun müssten. Irgendeine Lösung muss es doch geben. Aber niemand macht sich die Mühe, eine zu suchen. Das Lager bleibt, als Abschreckung, damit keine weiteren Menschen kommen. Damit nicht noch mehr Menschen in friedliche Länder fliehen, weil sie nicht bleiben können, woher sie kommen. Das ist doch so verrückt. Und kaum jemand weiß etwas darüber.
Das Thema Flüchtlinge ist zurzeit kaum präsent in den Medien. Niemand erfährt etwas darüber. Warum? Ich denke, wir wollen es einfach nicht wissen, wir wollen nicht wissen, was alles für grauenvolle Dinge passieren. Wir verschließen die Augen, damit wir nicht sehen, was wir schon wieder tun, oder besser gesagt nicht tun. Wir ignorieren, unter welchen Umständen dieses Menschen leben, damit wir uns nicht schuldig fühlen müssen und wer kann es uns verübeln. Es gibt so viel Schlechtes, warum sollte man dann nicht auch Nachrichten über überschwemmte Flüchtlingslager ignorieren? Sonst wird man ja nie glücklich.

Wie verrückt ist das alles bitte? Wie können wir so sein? Es sind Kinder dort, unglückliche Kinder, die schon so viel erlebt haben in ihren Leben. Kinder die mit Hunger und Leid aufwachsen, Kinder, die keine richtige Kindheit haben dürfen. Kinder, die sterben. Und wir tun nichts. Wir sichern eine Aufnahme von einigen dieser Kinder zu, aber was folgen darauf dann für Taten? Es ist nicht genug, es geschieht viel zu spät. Und wir alle lassen das zu. Wir lassen zu, dass jeden Tag weitere Menschen sterben, denen wir doch helfen könnten. Und niemand sagt etwas dagegen. Wir wissen ja ich nicht, was dort passiert. Es wird nichts darüber berichtet, und wenn, dann wollen wir es gar nicht hören.

Wie soll man glücklich sein, bei all dem Unglück, das tagtäglich passiert? Aber ist nicht eher die Frage, wie man durch Ignoranz so glücklich werden kann? Ist nicht die Frage, wie wir das Recht haben, glücklich zu sein, während so viele Menschen leiden? Das ist alles so falsch. Wir müssen doch etwas tun. Aber was? Wie können wir helfen? Ich weiß es nicht. All diese Menschen wollen nur ein Zuhause, aber niemand interessiert sich für sie. Weil wir lieber unsere Augen verschließen, weil das leichter ist, als etwas zu tun, leichter als erst einmal herauszufinden, was man tun kann. Es ist gleichzeitig so verständlich und verrückt.

Ich bin ja auch nicht besser. Ich weiß nicht, was ich gegen all das Leid tun soll, und ich tu nichts dagegen, auch wenn ich weiß, dass ich es müsste. Auch wenn ich weiß, dass es einen Weg geben muss, zu helfen. Aber ich bin zu faul, herauszufinden, was ich tun kann, habe nicht die Lust, mich weiter mit dem Thema zu beschäftigen. Und dafür hasse ich mich. Denn es gibt keine Ausrede. Und dennoch versuche ich es nicht einmal. Ich bin mir sicher, dass es vielen Menschen so geht. Und die Augen zu verschließen hilft, denn dann muss man sich nicht dafür schämen, dass man nichts tut.

Vielleicht ist das der erste Schritt. Vielleicht ist der erste Schritt, zu erkennen, was man alles nicht tut, obwohl man es könnte. Der erste Schritt ist vielleicht nicht, etwas zu tun, sondern die Augen zu öffnen, und zu sehen, was alles falsch läuft. Und dann kann man überlegen, was man dagegen tun kann, und will. Und wenn man nichts machen will, dann ist das in Ordnung, aber ich denke es ist wichtig, dass man sich dennoch bewusst wird, dass man einfach nichts tun will, auch wenn das nichts ändert. Vielleicht werden irgendwann die Schuldgefühle groß genug, dass man doch versucht, etwas zu bewirken. Und selbst wenn man untätig bleibt immerhin weiß man, dass es keine Entschuldigung, keine Rechtfertigung dafür gibt. Man ist mit sich selbst im Reinen und lügt sich wenigstens nicht selbst an.

Natürlich, es ist leichter einfach blind zu bleiben, ist es leichter, weiter die Augen zu verschließen. Das ist menschlich. Es ist menschlich, die Schuld und Verantwortung von sich zu weisen und es ist menschlich, sich vor sich selbst und vor anderen zu rechtfertigen. Aber das ändert nichts daran, dass es falsch ist. Wir müssen unsere Augen öffnen, diese Ignoranz muss endlich enden. Denn die Lügen bringen uns nicht weiter. Wir müssen der Realität ins Auge sehen, wie schwer das auch fallen mag. Es ist schwer, ja, und es tut weh. Aber ist es nicht dennoch besser als all diese Lügen? Wenn wir immer unsere Augen verschließen, und nur an die Dinge denken, die uns selbst betreffen, dann sind wir vielleicht glücklicher. Aber wie soll sich dann irgendetwas ändern? Wie sollen diese Flüchtlinge je ein lebenswertes Zuhause bekommen? Wie soll der Kampf gegen all das Schlechte in dieser Welt je Erfolg haben? Blindheit bringt uns nicht weiter, egal wie einfach es sein mag.
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