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Herbststurm

GeschichteLiebesgeschichte / P16
10.01.2021
14.01.2021
2
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Vorbereitungen

"Seid gegrüßt! Kommt bitte alle hier am Tisch kurz zusammen!",rief ich den schnatternden Frauen zu. Sie sahen auf und folgten dann meinem Wunsch. "Was gibt es, Herrin? Ist was passiert?" Fragten einige durcheinander. Ich hob eine Hand, als alle saßen, um mir Gehör zu verschaffen.
"Am Horizont sind mehrere Segel gesichtet worden. Wir müssen leider damit rechnen, dass sie uns nicht friedlich gesinnt sind und uns auf einen Kampf vorbereiten. Unsere Krieger haben in den letzten Jahren bereits viele Angriffe erfolgreich abgewehrt. Auch dieses mal werden sie es schaffen. Und wir werden sie dabei unterstützen.
Fara, nimm dir fünf weitere Frauen und füllt alle Gefäße, die aufzutreiben sind, mit Wasser und stellt sie im Hof bereit. Tamara, du wirst mit vier anderen den großen Saal als letzten Zufluchtsort und Krankenlager vorbereiten. Frauen und Kinder, die von außerhalb kommen, werden dort hingebracht, Helga und Jirna, darum kümmert ihr euch. Wer von den Neuzugängen helfen kann, soll beim Wasser mithelfen. Alle Eingänge zur Burg werden verrammelt, die Küchentür als letztes. Denkt auch an die Fenster! Nora, dafür nimmst du dir sechs Frauen. Ich werde helfen, wo es notwendig ist. Ich werde sehen, dass ich im Burghof zu finden bin."
Die Frauen reagierten sehr unterschiedlich. Einige hatten schon einige Überfälle miterlebt und blieben ruhig. Ich hatte versucht, jeder Arbeitsgruppe eine zuversichtliche Frau an die Spitze zu setzen. Helga und Jirna waren noch sehr jung, aber mutig. Sie waren beide 12 Jahre alt, sahen mich dennoch entschlossen an und ich war mir sicher, dass sie ihre Aufgabe gut meistern würden.
Sie nickten sich gegenseitig aufmunternd zu und beeilen sich, ihren Aufgaben nachzugehen.
Norien war mit mir zurückgeblieben. Sie war sie älteste und konnte nicht mehr lange stehen und brauchte viele Pausen. Aber das Kochen machte ihr noch immer Freude. "Norien, die Krieger werden hungrig sein. Kannst du einen Eintopf bereiten, den wir später verteilen können? Einiges an Gemüse würde ja bereits für das Abendessen vorbereitet.", bat ich sie. Sie ergriff meine Hände, als sie sprach. "Das werde ich gerne tun. Schick mir nur ein Kind von 10 Sommern etwa, das mir beim umrühren helfen kann. Viel Glück dir! Mögen die Götter über die wachen. Ich bete zu ihnen, dass wir uns nach dem Spuk alle wohlbehalten wieder sehen werden."
Ich versprach ihr, eine geeignete Hilfe zu ihr zu schicken und ging in den Hof.
Hier waren alle bereits damit beschäftigt, alles vorzubereiten. Pfeile wurden auf den Mauern verteilt, Körbe voll mit Steinen, Abfall und Mist bereitgestellt. Vielleicht nicht tödlich, dafür aber sehr unangenehm. Vater hat bisher damit gute Erfahrungen gemacht. Das erste Mädchen im passenden Alter, das mir über den Weg lief, schickte ich zu Norien in die Küche.
Nachdem ich mir einen Überblick verschafft hatte, ob alles gut voranging, unterstützte ich Fara beim Wasser schöpfen. Wir hatten einen Brunnen in der Nähe des Haupteingangs. Es war schwere körperliche Arbeit, die Eimer gefüllt herauf zu ziehen. Wir wechselten uns ab, dass jeder einmal den Eimer herauf Zug. Die anderen suchten derweil weiter Gefäße, um das Wasser zu sammeln. Große Fässer, Tonkrüge, Eimer, Wasserschläuche und Schüsseln wurden nach und nach aufgefüllt und an Orten deponiert, wo man es benötigen würde.
Während wir so über den Hof eilten, schwoll der Wind zum Sturm an. Noch brachte er keinen Regen, nur ein leichtes Grummeln und die nun rabenschwarzen Wolken über dem Meer kündigten an, dass es ein schweres Unwetter geben würde.
Die ersten Frauen und Kinder kamen zum Tor herein und wurden untergebracht. Den Männern, die dazu kamen, wurden Aufgaben und auch ein Platz in der Verteidigung zugeteilt.

Die Zeit verging, man sah erste Erfolge der Mühen der Männer und Frauen. Auch viele Kinder brachten sich ein, so gut sie konnten.
Vater kam über den Hof zu mir, als die ersten schweren Regentropfen über den Hof geweht wurden.
"Ich danke dir für deinen Einsatz." Seine Hand lag schwer auf meiner Schulter. "Geh jetzt bitte in die Burg. Die Späher berichten, dass unsere Angreifer mit vier Boten am Strand an Land gegangen sind. Sie haben es tatsächlich geschafft durch den Sturm. Sie sind auf dem Weg hierher, es wird nicht mehr lange dauern, bis der Kampf beginnt." Irritiert sah ich ihn an. "Aber Vater, vorhin sagtest du noch, dass du auf eine friedliche Lösung hoffst?" Er schüttelte betrübt den Kopf. "Mein Späher hat von Drachenköpfen berichtet, die diese Bote schmücken. Nordmänner sind es. Und sie wollen nur plündern. Nur eines noch, bevor du rein gehst. Sollten wir verlieren, verstecke deine Halskette." Ich griff an meinen Hals und legte eine Hand um den kleinen silbernen Anhänger. Diese Kette hatte einst meiner Mutter gehört. Warum sollte ich ausgerechnet diese verstecken? "Warum?" "Sie werden sie dir sonst nehmen.", Antwortete er ausweichend. Ich seufzte und gab mich mit der Antwort zufrieden. "Versprichst du mir, dass dies nicht das letzte mal ist, dass wir miteinander sprechen?", bat ich ihn nun mit Tränen in den Augen, die ich versuchte, zurück zu drängen. "Ich werde mir Mühe geben." Damit umarmte er mich noch einmal und schickte mich dann rein. "Verschließt nun alle Türen." "Was ist mit den verletzten? Sie müssen doch irgendwie rein kommen, um versorgt zu werden!", warf ich noch ein. Er sah mich an, während er überlegte. Dann seufzte er. " Gut. Ich werde zwei Krieger zur Küchentür schicken. Die Heiler sollen sich in der Küche bereit halten und verletzte dann in die Halle bringen. Falls das Tor fällt, wird die Küche verbarrikadiert. Ist das klar?" Ich nickte, küsste meinen Vater zum Abschied auf die Wange. "Mögen die Götter schützend ihre Hand über dich halten!", murmelte ich noch, dann verschwand durch die Küchentür.
 
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