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"Das zweite Ich"

von SaFe
GeschichteHorror / P18 / Gen
10.01.2021
10.01.2021
5
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10.01.2021 2.041
 
Watson sah seinen Partner Schiller ernst an. „Welche Information haben wir über Chloe Martens?“

Schiller zuckte mit den Schultern. „Nicht besonders viel. Sie wuchs als Einzelkind, auf einer Farm in Maine auf. Ihre Lehrerin beschrieb sie als nettes, aber schüchternes Kind. Ihre Eltern sind innerhalb von zwei Jahren gestorben und weitere Verwandte hatte sie nicht. Sie hat sich vor einiger Zeit von ihrem Freund getrennt, die Gründe konnten wir nicht herausfinden.“

„Irgendwelche Krankheiten?“ wollte Watson wissen.

Doch zu seiner Enttäuschung schüttelte sein Partner den Kopf. „Bis auf einen Armbruch, bei dem Versuch mit dem Fahrrad zu fahren, war sie ein gesundes Kind.“

„Hast du noch etwas für mich?“
     
„Das war alles, was ich herausfinden konnte. Wie ist die Blutuntersuchung ausgegangen?“

„Diese war eindeutig. Chloe war vor drei Monate zur Blutspende und deswegen konnten wir das Blut am Tatort mit ihr vergleichen. Es ist ihr Blut, außerdem haben wir mehrere abgebrochene Fingernägel gefunden. Du hast ihre Finger gesehen?“

Schiller nickte. „Habe ich. Also haben wir unsere Mörderin.“

Watson wollte antworten, doch da klingelte das Telefon. Er nahm den Hörer ab und Schiller hörte nur ein gelegentliches ja.

Kurz darauf legte Watson auf und sah seinen Partner an. „Das war Dwight. Er hat interessante Neuigkeiten gefunden.“

Schiller nickte. Das halbe Revier arbeitete an den Fall und Dwight und sein Partner hatten die Aufgabe gehabt die letzten Monate von Chloe Martens zu recherchieren.



Waston nahm zwei Tassen und füllte sie mit Kaffee und gab eine an seinen Partner weiter. Dieser nahm den Kaffee dankbar an.
„Dwight hat herausgefunden, dass Chloe mit zwei Freundinnen an einer Séance teilgenommen hat. Insgesamt waren es sechs plus der Frau, die einen Geist heraufbeschwören sollte. Keiner hat überlebt, bis auf Chloe. Die Kollegen in Boston ermitteln noch, aber sie haben keine Beweise gegen sie, denn das Haus ist komplett abgebrannt.“

„Sehr interessant. Verhaften wir Chloe?“ fragte Schiller.

Watson nickte. „Ich bin gespannt auf ihre Antworten.“ Sie verließen das Büro und andere Kollegen folgten ihnen. Mit Blaulicht fuhren sie zu der Wohnung von Chloe Martens. Was sie erwartete, war der Schrecken ihres Lebens.


Rückblick
Einen Monat vorher

Sie wollte nicht hingehen, doch Steffi, ihre Freundin aus dem Büro drängte sie dazu.

„Komm schon Chloe, schließlich geht´s um meinen toten Mann.“ sagte Steffi. Dieses Gespräch fand in der Küche des Büros stand und auch die dritte Sekretärin, Mary, war anwesend und schenkte allen einen Kaffee ein.

„Ich möchte lieber nach Hause gehen und einen Film anschauen.“ sagte Chloe.

„Na komm schon. Tue es für mich, schließlich möchte ich noch einmal mit ihm reden und seine Stimme hören.“ flehte Steffi Chloe an.

Diese seufzte. Sie hatte sich auf einen ruhigen Abend gefreut. „In Ordnung, aber dafür bist du mir etwas schuldig.“

„Danke, danke. Du wirst sehen, es wird bestimmt interessant werden. Du solltest gegen sieben auftauchen, alles klar?“

Chloe nickte unglücklich. „Ich werde da sein.“

Pünktlich um sieben Uhr stand Chloe vor der Wohnung ihre Freundin und bevor sie klingeln konnte, öffnete Steffi schon die Tür.

„Du bist pünktlich und auch die letzte. Komm rein, die anderen warten schon.“ sagte Steffi und Chloe betrat die Wohnung. Diese bestand aus großem Wohnzimmer mit einem riesigen Tisch.

Um den Tisch stand fünf weitere Personen und sahen sie ernst an, darunter auch Mary und ihr Mann Ben.

„Die anderen sind Paul, Steffen, Sue und die ältere Frau wird die Séance leiten.“ stellte Steffi die Anwesenden vor und zeigte auf die angesprochene Frau.

„Das hier ist Chloe aus dem Büro.“ sagte Steffi. Hände wurden geschüttelt und man begrüßte sich freundlich, aber auch reserviert.

„Ich bin Hannah Steiner und werde Kontakt in die Geisterwelt aufnehmen.“ sagte die ältere Frau und stellte Kerzen auf den Tisch, nachdem sie diese angezündet hatte.

„Setzt euch, wir können gleich anfangen.“ sagte Steiner und die Menschen nahmen am Tisch Platz.

Die Menschen folgten der Aufforderung und sahen neugierig, aber auch ängstlich zu Hannah Steiner. Die ältere Frau war eine Roma und machte eine Séance nicht zum ersten Mal.

„Diese Zeremonie ist gefährlich und darum bitte ich um Ruhe. Ich bitte Sie sich voll zu konzentrieren und nur auf mich zu hören. Außerdem dürfen Sie niemals den Kreis unterbrechen, denn sonst könnte ich die Kontrolle über den Geist verlieren. Noch Fragen?“

Die sechs Menschen schüttelten den Kopf. „Gut, dann fangen wir an. Bitte nehmen Sie die Hände ihres Nachbarn und denken Sie an den Menschen, den wir suchen.“ sagte Steiner.

Die Menschen nahmen die Hände ihres Nachbarn und warteten auf weitere Anweisungen von Steiner. Im Raum herrschte völlige Ruhe und die Spannung war mit den Händen zu greifen.

Steiner schob eine Kerze zu jedem Menschen im Raum, auch vor sich stellte sie eine und zündete sie an. Dann fing sie an den Geist zu rufen, dabei flog ihr Kopf von einer zu anderen Seite.

Chloe sah sich besorgt um, aber die anderen sahen nur auf Steiner und hingen an ihren Lippen.

„Wir rufen Matt. Deine Frau Steffi möchte deine Stimme hören und dir etwas Wichtiges sagen. Bitte komm zu uns und sei unser Gast in diesem heiligen Kreis. Sei Willkommen.“ rief Steiner dreimal, doch nichts passierte.

Chloe seufzte auf. Also wieder einmal hatte sie ihre Zeit für nichts verschwendet und sie schwor sich, dass es das letzte Mal war. Sie wollte schon die Hände der anderen loslassen, als auf einmal ein böiger Wind aufkam. Fast wären die Kerzen ausgegangen, doch das passierte nicht.

„Hey, ich kann mich nicht mehr von der Stelle bewegen.“ beschwerte sich Paul.

„Ich auch.“ stimmten die anderen im Chor zu und Chloe stellte fest, dass der Wind noch mehr zunahm. Er wurde zu einem Tornado und trotzdem konnte sie sich nicht bewegen. Die Kerzen flackerten, erloschen aber nicht.

„Er ist da.“ stellte Steiner fest. „Fahre in mich und spreche dann zu deiner Frau.“ bat sie den Geist.

Kurz darauf sprach Steiner wieder und diesmal war ihre Stimme die eines Mannes. Sie war tief und rau.

„Wer ruft mich? Wieso bin ich hier?“

„Matt, ich bin´s Steffi. Ich vermisse und liebe dich von ganzem Herzen.“ schrie sie, sonst hätte sie niemand verstanden, da der Wind jeden Ton verschluckte.

„Lass mich in Frieden gehen und lebe dein Leben.“ sagte die männliche Stimme und der Kopf von Steiner wälzte sich von einer auf die andere Seite.

„Ich kann nicht.“ schluchzte Steffi und Tränen flossen ihre Wangen runter.

„Du musst oder du stürzt dich nur ins Unglück.“ sagte die Stimme.

„Jetzt habe ich genug. Komm schon, Steffi. Lass ihn gehen und wir können endlich nach Hause.“ rief Paul.

„Mir reichst.“ meinte Steffen und schaffte es mit allen Kräften sich von Chloe zu trennen. Der Kreis war unterbrochen.

„Bist du verrückt?“ fragte Chloe fassungslos.

„Ich habe genug von dem Blödsinn. Ich gehe jetzt nach Hause.“ sagte Steffen und löste seine Hand von der von Paul.

Der Kopf von Steiner drehte sich um 180 Grad nach hinten und man konnte ein lautes Knacken hören, was Chloe etwas zu laut vorkam. Dann fiel die Roma tot auf den Boden. Doch damit war es noch nicht vorbei, denn der Zugang zur Geisterwelt war noch offen. Zwar verschwand der Geist von Matt, doch ein anderer tauchte auf und dessen Kraft blies die Kerzen einfach aus.

„Was geschieht hier?“ fragte Steffi verwirrt.

Das wusste Chloe auch nicht, aber sie wollte jetzt nach Hause. Sie riss sich von der anderen Person los und wollte zur Tür gehen, als sie auf einmal eine Wärme in sich spürte. Zuerst fragte sie sich, ob sie in die Hose gepinkelt hatte, doch die Wärme wurde zu Kälte und auf ihrer Haut bildete sich eine Gänsehaut.

Sie blieb wie angewurzelt stehen und hörte eine Stimme in sich, die so kalt war, dass sie buchstäblich Todesangst bekam.

„Hallo, ich bin Kate Stevens und das hier ist jetzt mein Zuhause.“

Chloe wollte etwas erwidern, doch dazu kam sie nicht mehr. Sie fiel einfach in Ohnmacht und würde erst viele Stunden, ohne jede Erinnerung in ihre Wohnung wieder aufwachen.  

„Chloe ist alles in Ordnung mir dir?“ fragte Steffi besorgt. Ihre Freundin stand auf und drehte sich zu ihr. Diese sah etwas, was Unmögliches. Die Augen von Chloe hatten einen roten Glanz bekommen, so, als würde dort etwas brennen.

„Ich bin nicht Chloe, Liebes.“ sagte sie. Jetzt erst bekam es Steffi mit der Angst zu tun, denn auch die Stimme hatte sich verändert.

„Wer...bist...du?“ stotterte sie ängstlich.  „Ich heiße Kate und ihr werdet heute alle sterben.“ sagte die fremde Frau.

Kate Stevens nahm zwei Kerzen vom Tisch und schleuderte sie Richtung Fenster, wo augenblicklich die Gardinen Feuer fingen.

„Es brennt, wir müssen hier raus.“ schrie Paul in Panik und wollte zu Tür rennen.

Kate entdeckte ein Messer auf einer Kommode und stieß Steffi damit in die Brust und zog es wieder heraus, dann hechtete sie Paul hinterher und schaffte es, ihn vor der Tür abzufangen.

„Nicht so schnell Sportsmann, ich bin mit euch noch nicht fertig.“

„Wer bist du?“ wollte Ben wissen.

„Ich bin Kate und als ihr die Séance abgehalten habt und einer von euch den Kreis unterbrochen hat, konnte ich der Geisterwelt entkommen und mir diesen Körper aussuchen. Einst war ich eine Mörderin und eine Hure, jetzt bin ich frei, dank euch und dafür werde ich euch alle töten.“

„Du bist verrückt.“ schrie Paul. Er nickte den anderen Männern zu und zu dritt nahmen sie Kate in ihre Mitte.

„Ach wirklich? Kommt doch her, ich warte schon auf euch.“ forderte Kate sie heraus. Paul und Steffen warfen sich gleichzeitig auf Kate, doch sie drehte sich weg und erwischte dabei Paul mit dem Messer am Bein. Dieser fiel schreiend auf den Boden und eine Blutfontäne kam aus seiner Wunde.

Inzwischen brannte die halbe Wohnung und der Rauch verdeckte ihnen alle die Sicht. Die Menschen husteten heftig und bekamen keine Luft mehr, außer Kate. Sie war kein normaler Mensch und war schon tot, durch die Übernahme eines Wirtes besaß sie übermenschliche Kräfte.

Und deswegen spürte sie nicht die Hitze des Feuers und so konnte ihr der Rauch auch nichts anhaben. Kate stieß Paul das Messer in den Hals, danach wendete sie sich Steffen zu. Dieser kniete auf den Boden und hustete den Rauch aus. Kate ging zu ihm und schnitt ihm die Kehle durch.

Zur gleichen Zeit arbeiteten sich Ben und Mary bis zu Hintertür durch und Sue wählte den Notruf.

„Wir müssen hier raus.“ sagte Ben und öffnete die Tür. Sie war nicht verschlossen und kalte Nachtluft strömte ins Haus.

„Das sehe ich anders.“ sagte Kate. Sie war kein Mensch und bewegte sie schnell auf die anderen zu. Ohne zu zögern und Mühe rammte sie ihre Faust ins Gesicht von Sue. Diese fiel überrascht auf den Boden und verlor das Bewusstsein.

„Komm schon.“ sagte Ben zu seiner Frau, doch da war es schon zu spät. Kate fand den Messerblock in der Küche und warf die Messer auf das Ehepaar. Ben fiel tot auf den Rasen und blieb dort liegen.

Jetzt war nur noch Mary übrig. „Ich muss hier weg.“ sagte sie und stand auf.

„Also das bezweifele ich.“ sagte Kate hinter ihr und drehte den Gasherd auf. „Was tust du da?“ fragte Mary, obwohl die Frage völlig überflüssig war. Das Feuer fand das Gas und das ganze Haus explodierte mit einem heftigen Knall, dass sogar, drei Meilen weiter, das Fensterglas der anderen Häuser aus ihren Rahmen sprengte.

Kate Stevens befand sich da schon im Garten des Hauses und sah sich das Feuer interessiert an.
Ihr fragt euch, was sie ist? Nun nicht einmal sie selbst kennt die volle Antwort und es war ihr auch egal.

Alles was Kate wusste war, dass ihr Geist mit dem Körper von Chloe eine Vereinigung eingegangen war und sie deshalb über eine größere Körperkraft verfügte, aber sie war nicht unsterblich.

Kate zuckte mit den Achseln und schlenderte zu dem Zuhause von Chloe.
Dort erwachte Chloe dann und erinnerte sich an nichts. Sie wunderte sich nur, dass am Montag zwei ihrer Kolleginnen fehlten.

Aber sie dachte sich nichts dabei und machte schließlich die Arbeit für drei.
Erst als die Polizei sie befragte, wegen des abgebrannten Hauses ihre Freundin, erinnerte sie sich an die Séance.

Chloe erzählte der Polizei, sie habe das Haus früh verlassen und wüsste nichts von der Explosion. Die Polizisten glaubten ihr nicht und stellten weitere Fragen, doch sie konnten ihr nichts nachweisen.

Rückblick Ende
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