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"Das zweite Ich"

von SaFe
GeschichteHorror / P18 / Gen
10.01.2021
10.01.2021
5
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10.01.2021 1.413
 
Am nächsten Morgen wachte Chloe nackt und verwirrt in ihrem Bett auf. Sie richtete sich auf und spürte an mehreren Stellen in ihren Gliedern einen unangenehmen Muskelkater.

Chloe fragte sich, wie sie ins Bett gekommen war. Sie vertrug ohne Probleme viel Alkohol und hatte noch nie einen Kater gehabt, bis jetzt.

Vorsichtig stand sie auf. Ihr Kopf dröhnte vor Schmerzen.
Sie fragte sich, wie viel sie wohl getrunken hatte. Auch hatte sie Bauchschmerzen und kurz überlegte sie, ob sie sich übergeben müsse.


Chloe zog sich langsam ihren Morgenrock an und betrat ihr Wohnzimmer. Verblüfft blieb sie stehen.

Dort auf dem Sofa schlief ein nackter Mann seinen Rausch aus. Chloe sah in das Gesicht des Mannes und erkannte ihn nicht. Wer war er? Und was machte er hier?

Sie wusste es nicht.
In der Küche schaltete sie die Kaffeemaschine ein. Seltsamer Weise hatte sie keine Angst vor ihm und huschte ins Bad.

Sie duschte sich und zog sich danach für die Arbeit an. Das Kostüm war schwarz und darunter trug sie eine weiße Bluse.

Inzwischen war der Mann aufgewacht und er sah sie lächelnd an. „Hi.“ sagte er und hielt sich den Kopf. Sie beachtete ihn nicht und schenkte sich einen Kaffee ein. Chloe sah auf ihre Armbanduhr und stellte fest, dass es schon halb acht war. In einer Stunde musste sie an ihrem Arbeitsplatz sein.

Der Mann stand auf und zog sich seine Jeans und Hemd an. Er lächelte Chloe an und schenkte sich ebenfalls einen Kaffee ein.
„Schöne Nacht.“ meinte er. Sie sagte nichts dazu und sah ihn fragend an. „Du weiß nicht, wer ich bin, oder?“ Sie schüttelte den Kopf und sah wieder auf die Uhr.
„Ich heiße Mark und du hast mich letzte Nacht in der Bar auf der anderen Straßenseite abgeschleppt.“

Sie versuchte sich zu erinnern und konnte es nicht. „Ich muss zur Arbeit.“ sagte sie kurz angebunden und verließ schnell die Wohnung.



Der Zug ratterte auf seinen Schienen und Chloe sah in die Leere. Immer noch fragte sie sich, wer der Mann war und wann sie ihn angeblich kennen gelernt hatte. Sie konnte sich nur daran erinnern, dass sie einen Film angesehen hatte und sie auf dem Sofa eingeschlafen war. Dann nichts mehr.


Zur gleichen Zeit verließ Mark ihre Wohnung und ging die drei Blocks nach Hause. Die Nacht mit der jungen Frau war schön gewesen. Jetzt erst erinnerte er sich an ihren Namen. Kate Stevens. Sie war gut im Bett gewesen und er würde sich lange an sie erinnern.



Der Zug hielt zwei Blocks vor ihrem Arbeitsplatz und sie stieg aus. Chloe ging die Stufen des Untergrunds hoch und marschierte Richtung Norden. Schon von weiten sah sie blaue und rote Blaulichter.

Kurz darauf stand sie vor eine Absperrung und ein Polizist hielt sie beim Weitergehen auf. „Wer sind Sie?“ fragte er wenig interessiert.

„Ich heiße Chloe Martens und ich arbeite hier.“ Der Polizist sah auf ein Klemmbrett und nickte. „Sie können durchgehen. Detektiv Watson hat Fragen an Sie.“

Chloe nickte nur und ging unter der Absperrung durch. Sie betrat das Gebäude und nickte dem Wachmann zu. Chloe drückte den Knopf für den dreizehnten Stock. Langsam setzte sich der Fahrstuhl in Bewegung.

Ein leises Ping und die Türen des Fahrstuhls öffneten sich. Sie ging zu ihrem Schreibtisch und ging die Post durch.

„Sind Sie Miss Martens?“ wollte eine Stimme wissen. Chloe sah auf. Sie blickte einem gut aussehenden Mann ins Gesicht. Seine blauen Augen musterten sie und seine blonden Haare hingen ihm halb ins Gesicht.
„Sie sind?“ fragte Chloe und checkte dabei die Mails ihres Chefs. „Detektiv Watson, ich bearbeitete dem Mord an Mr. Willams. Sie sind seine Sekretärin?“

„Er wurde ermordet?“ fragte sie fassungslos. Er nickte. „Nun, er wurde mit einem großen Messer erstochen und wie es aussieht hatte er vorher noch Geschlechtsverkehr gehabt.“ antwortete Watson.

Chloe konnte es nicht glauben.
Sie hatte ihren Chef gemocht und auch seine Familie hatte sie ins Herz geschlossen.

„Wie lange arbeiten Sie hier schon?“ fragte er. „Seit drei Jahren. Wir hatten ein normales Verhältnis. Er war mein Chef und ich war seine Sekretärin. Das war´s.“

Watson nickte und schrieb ihre Antworten in ein kleines Buch. „Wir gehen davon das er gestern Abend getötet wurde, wahrscheinlich von der Frau mit er Sex hatte.“

„Und wo soll das passiert sein? In seinem Büro jedenfalls nicht, dort sieht alles normal aus.“ Die Tür zu seinem Büro stand offen und Chloe sah seinen verlassen Schreibtisch und dahinter das große Bücherregal. Zwei Techniker der Polizei, in ihren weißen Anzügen, nahmen gerade Fotos auf und untersuchten den Schreibtisch.

Er nickte. „Es passierte in einen Konferenzraum, eine Etage tiefer. Wie es aussieht haben sie sich dort getroffen.“ Sie nickte. Das wäre auch nicht das erste Mal, dass sich zwei Verliebte einen der vielen Räume nutzten, um eine schnelle Nummer zu schieben.

„Wann sind Sie gestern nach Hause gegangen?“ fragte er. „So gegen halb fünf, wie immer.“ antwortete sie. Wieder schrieb er etwas auf und sah sie ernst an.

„Ihr Chef wurde gegen vier ermordet, also waren sie vor Ort. Ist Ihnen etwas aufgefallen?“ Sie schüttelte den Kopf. „Es war ein normaler Tag und wir haben noch an einem Fall gearbeitet.“  

Wenn das mal stimmen würde. Sie hatte eine Zeitlücke von eine gute Stunde. Das letzte, woran sie sich noch erinnerte, war das sie gegen 16:15 an ihrem Schreibtisch saß und ihr die Augen zufielen. Danach nichts mehr, erst im Zug kam sie wieder zu sich und da war sie voller Blut und ein Messer steckte in ihrer Handtasche.

Konnte es sein, dass sie ihren Chef umgebracht hatte? Aber sie war keine Mörderin und schon gar nicht machte sie für jeden Typen die Beine breit. Aber da war der fremde Mann von heute Morgen und er schien sie zu kennen, während sie sich an ihn nicht erinnern konnte.

Irgendetwas stimmte hier nicht. „Ist alles in Ordnung mit Ihnen?“ fragte Watson. Sie blinzelte und versuchte sich auf die Situation zu konzentrieren.

„Ja, ich stehe immer noch unter Schock und kann nicht begreifen, wer so etwas tun kann.“
„Ich verstehe Ihre Verwirrung, aber ich habe noch mehr Fragen an Sie.“

„Wollen Sie einen Kaffee?“ fragte Chloe und stand auf. Er nickte. „Er kann nicht so schlecht sein wie im Revier.“ Sie lächelte. „In der Küche können wir besser reden.“

Sie führte ihn durchs halbe Büro in die Küche. Dort kochte seit einer Stunde der Kaffee und Chloe füllte damit zwei Tassen.
Er nickte dankbar. „Haben Sie Milch für mich?“

Sie nickte, nahm aus dem Kühlschrank Milch und übergab diesen dem Detektiv. „Ich dachte immer alle Cops trinken ihren Kaffee schwarz und sehr stark.“ sagte sie halb im Scherz.

„Dann bin ich wohl die Ausnahme.“ erwiderte er und nahm einen Schluck aus der Tasse.
„Besser als im Revier. Aber zurück zu Ihrem Chef. Wann wollte er sein Büro verlassen?“

„Das hat er nicht gesagt, aber seit zwei Wochen oder so blieb er meistens länger als ich. Ich glaube, er hatte Stress mit seiner Frau.“ antwortete sie.

Er nickte. „Wissen Sie, ob er eine Geliebte hatte. Wir wissen, dass er verheiratet war und zwei Kinder mit seiner Frau hatte.“

Sie nickte. „Ich kenne seine Frau gut, aber ob er fremd ging davon weiß ich nichts. Schließlich haben wir nur zusammengearbeitet und ich habe mich nicht für sein Privatleben interessiert.“

Watson trank seinen Kaffee leer und schrieb wieder in sein Buch.
„Ich verstehe… Okay vorerst habe ich keine Fragen mehr an Sie, aber bitte halten Sie sich zur Verfügung und verlassen Sie die Stadt nicht.“

Sie nickte. „Ich werde noch ein paar Dinge erledigen und dann nach Hause gehen.“ Er nickte zustimmend.
Chloe verließ die Küche und ging wieder an ihren Schreibtisch. Sie bearbeitete noch ein paar Mails und verließ dann das Büro.

Zurück blieb ein nachdenklicher Watson. Er musste zwar auf die Untersuchungsergebnisse der Spurenabteilung und der Rechtsmedizin warten, aber Chloe Martens war ganz sicher seine erste Verdächtige.

Sie war neben zwei andere Sekretärinnen die letzte, die den Toten noch gesehen und mit ihm gesprochen hatte.
Außerdem hatte sie die Gelegenheit, aber ihm fehlte ein Motiv.

Das ganze Büro wird überwacht, mit Ausnahme des Tatorts. Das dort der Mord stattfand war bestimmt kein Zufall. Was merkwürdig war, dass sie kein Sperma gefunden hatten. Sie fanden den Toten nackt und mit zehn Messerstiche im Oberkörper.

Watson ging davon aus, dass er vor seinem Tod Sex hatte. Das sagte ihm sein Instinkt. Sowie er spürte, dass etwas mit Chloe nicht stimmte.

Er verzog das Gesicht und ging wieder an die Arbeit.
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