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Neues Jahr – neues Slashglück: Tag 10 – Missverständnis mit Folgen

OneshotFamilie, Liebesgeschichte / P18 Slash
Castiel Dean Winchester Sam Winchester
10.01.2021
10.01.2021
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Hi, ihr Lieben,

schön, dass ihr hierhergefunden habt. :) Zunächst bedanke ich mich bei SquirrelFeathers und Maja Lito für die Organisation und die Einladung. Ich freue mich riesig, dabei zu sein. :)

Mit meinem Beitrag sind wir dann auch schon wieder am Ende unseres »slashigen Neujahrsempfangs« angekommen. Schade, aber alles Schöne geht mal vorbei. Ich hab mich wirklich über die tollen und abwechslungsreichen Geschichten gefreut. :)
Mein OS ist natürlich wieder länger geworden als geplant. So viel zum Thema Augenmaß … Tut mir leid, aber ich habe mich bewusst ans Ende setzen lassen, unter anderem aus Zeitgründen, aber auch wegen der Länge.
Und so zum Abschluss dachte ich mir, darf es ruhig auch mal P18 Slash sein (was sich natürlich auch auf die Länge ausgewirkt hat). Ich habe lange überlegt, ob ich das im Rahmen eines Gemeinschaftsprojekts wirklich bringen kann, aber ich habe es tatsächlich gewagt. :D
Ich danke auch für den vielen Zuspruch, den ich beim Planen und Schreiben des One-Shots bekommen habe. Wer weiß, ohne das hätte es den OS in dieser Form wohl nie gegeben. Also danke! :*

Spoiler: Gibt es keine, Sam, Dean und Castiel dürften bekannt sein, ebenso wie der Bunker.
Warnungen: Alkoholkonsum (aber nichts, was wir nicht auch aus der Serie kennen ;)) und was das Rating angeht … wer die P16 Slash Beiträge problemlos lesen konnte, kann auch das lesen. Das ist kaum expliziter. ;)

Jetzt bleibt mir nur noch, euch viel Spaß zu wünschen. Ich hoffe, der OS gefällt euch, ich jedenfalls hatte beim Schreiben großen Spaß. :) Über eure Rückmeldungen würde ich mich natürlich wie immer sehr freuen!

Liebe Grüße,
eure Phoenix :*



*** *** ***** *** ***


Missverständnis mit Folgen



Castiel wusste nicht, wie lange er bereits vor Deans Zimmertür stand, mit seiner eigenen Unsicherheit rang und es doch nicht wagte, einzutreten, aber es kam ihm wie eine Ewigkeit vor. Sein Verstand war träge, sein Blick unscharf und verschwommen, als hätte sich ein Schleier über ihn gelegt, den er nicht zu durchdringen vermochte. Er fühlte sich merkwürdig, wie in Watte gepackt.

Dean hatte diesen Ausdruck vor einer Weile verwendet, verstanden hatte Castiel das damals jedoch nicht. Jetzt tat er es. Er nahm seine Umgebung nur eingeschränkt wahr, reagierte verlangsamt und fühlte sich benommen, fast wie im Halbschlaf. Seine Glieder gehorchten ihm kaum und seine Umgebung schien sich ständig zu bewegen. Kein gutes Gefühl, fand er.

Vielleicht war Sams Idee doch nicht so gut, überlegte Castiel, ohne den Blick vom Türblatt abzuwenden.

Es war eigentlich nicht seine Art, andere mit seinen Gefühlen zu behelligen, aber er vertraute Sam und insgeheim hatte er auf einen Rat oder aufmunternde Worte gehofft. Also hatte er Sam vor ein paar Tagen in das Gefühlschaos eingeweiht, in welchem er seit geraumer Zeit steckte und das zunehmend verwirrender wurde. Und der Grund dafür war ausgerechnet Dean Winchester.

Castiel wusste nicht, was der Auslöser dafür gewesen war, dass sich seine Gefühle für Dean geändert hatten. Welcher Moment dafür ausschlaggebend gewesen war, welche Worte oder welcher der vielen Blicke, die sie stumm ausgetauscht hatten. Seither tat er so, als wäre alles in Ordnung, aber das war es nicht. Er hatte sich entgegen seiner Art verliebt, leidenschaftlich, völlig unrettbar und ziemlich unklug.

Sam war nicht überrascht gewesen. Nicht wirklich. Es war ihm vielmehr so vorgekommen, als hätte er es längst geahnt. Am Anfang war Castiel nicht wohl dabei gewesen, die verwirrenden Empfindungen offenzulegen, aber dann hatte es gutgetan, mit jemandem darüber reden zu können.

Dean wird nie den ersten Schritt machen. Wenn du ihn willst, wirst du ihn dir holen müssen, Cas, hatte Sam gesagt und ihm dabei ermutigend zugelächelt.

Castiel schnaubte. Das war leichter gesagt als getan, es ging schließlich um Dean Winchester und der war nicht dafür bekannt, sich mit den Gefühlen anderer auseinanderzusetzen. Er setzte sich nicht einmal mit den eigenen Gefühlen auseinander, wie sollte Castiel ihm dann begreiflich machen, dass er sich in ihn verliebt hatte?

Er wollte mit Dean reden, das wollte er wirklich. Weil er Gewissheit brauchte und er es nicht ertrug, die Empfindungen länger zu unterdrücken, doch die Angst vor einer Zurückweisung hatte ihn bisher davon abgehalten.

Sam hatte seine Zweifel verstanden und ihm den Rat gegeben, es einfach zu wagen. Vielleicht würde Dean ihn sogar überraschen.

Weil Castiel trotz dieser Andeutung noch immer unsicher gewesen war, hatte Sam ein Glas Whisky vorgeschlagen. Etwas Mut antrinken, hatte er das genannt und dabei gelacht. Es sollte ihm dabei helfen, die Nerven zu beruhigen und die Zunge zu lockern.

Castiel war sich nicht sicher, ob Sam die Worte wirklich ernst gemeint hatte, er hatte es trotzdem getan und sich ein bisschen Mut angetrunken … vielleicht auch ein wenig mehr als nur ein bisschen. Er war schließlich ein Engel, da versprach ein Glas Whisky wohl kaum den erwünschten Effekt. Jemand wie er brauchte da schon etwas mehr als nur ein bisschen.

Fakt war, er war betrunken. Zum zweiten Mal in seinem Leben, und wieder war ihm ein Schnapsladen zum Verhängnis geworden.

Mit einem Seufzen fuhr sich Castiel über das Gesicht und rief sich Sams aufmunternde Worte ins Gedächtnis, dann gab er sich einen Ruck und schloss die Hand um die Türklinke. Im Stillen redete er sich Mut zu, ehe er die Tür fast geräuschlos aufschob.

Dahinter empfing ihn Dunkelheit, lediglich der schwache Schein der Nachtbeleuchtung drang vom Flur her in den Raum. Unter normalen Umständen reichte das Licht für seine Augen aus, um jedes Detail wahrzunehmen, in seinem benebelten Zustand jedoch sah er lediglich ein paar unscharfe Schemen, die zu einem wirren Durcheinander verschmolzen. Weiter vorne erkannte er das Bett und Deans verschwommene Gestalt darin.

Anhand der ruhigen und flachen Atmung stellte Castiel schnell fest, dass Dean schlief. Er ärgerte sich und ließ frustriert die Schultern hängen. Er hatte sich extra Mut angetrunken, um seine Zunge zu lockern … umsonst. Dabei hätte er es eigentlich wissen müssen, immerhin hatte Dean ihm vorhin am Telefon erzählt, wie erschöpft die Brüder nach der letzten Jagd waren.

Kurz dachte Castiel darüber nach, ihn zu wecken, entschied sich jedoch schnell dagegen. Vielleicht war das gar nicht so schlecht. Ihm war ohnehin nicht wohl dabei, Dean die Wahrheit zu sagen. Auch nicht, nachdem er einen ganzen Schnapsladen leergetrunken hatte. Stattdessen formte sich in seinem berauschten Verstand ein anderer Gedanke, bei dem ihm eine angenehme Wärme in die Wangen schoss.

Das hier war vermutlich die einzige Gelegenheit, bei ihm zu sein, ohne sich einen Vortrag über persönlichen Freiraum anhören zu müssen. Und je länger er Deans schlafende Silhouette betrachtete, umso stärker wurde der Wunsch. Dieses ungestillte Sehnen nach Nähe, Vertrautheit und Intimität, welches weit über das Körperliche hinausging und dem er in nüchternem Zustand nie nachgeben würde.

Aber er war nicht nüchtern und die Warnungen in seinem Verstand waren verstummt. Plötzlich erschien ihm die Vorstellung, sich zu Dean zu legen und ihn in den Armen zu halten, nicht mehr falsch, sondern vielmehr verlockend. Ohne darüber nachzudenken, traf er einen Entschluss, schloss lautlos die Tür hinter sich und näherte sich dem schlafenden Jäger.

Castiel hatte die rechte Hand bereits um die Bettdecke geschlossen, als er jäh in der Bewegung innehielt. Erst jetzt bemerkte er, dass er noch immer vollständig bekleidet war. Dean hatte ihn mehr als nur einmal argwöhnisch angesehen, wenn er sich mitsamt Trenchcoat, Krawatte und Anzughose hingelegt hatte. Es war unbequem, sagte Dean immer.

Für Castiel machte das kaum einen Unterschied, er empfand die Kleidung nicht als unbequem, trotzdem streifte er mit fahrigen Bewegungen den Mantel von den Schultern und ließ ihn achtlos zu Boden gleiten, genau wie das schwarze Jackett, die Krawatte und das Hemd.

Als er aus den Schuhen schlüpfte, hätte er beinahe das Gleichgewicht verloren, doch er fand gerade noch rechtzeitig Halt am Schreibtisch. Anschließend zog er die Hose aus, ehe er lediglich in Shorts gekleidet unter die Bettdecke schlüpfte.

Dean lag mit dem Rücken zu ihm gewandt auf der Seite und schlief derart fest, dass er Castiel nicht einmal bemerkte. Er wirkte größer als sonst, aber er stempelte es als Einbildung ab und verdrängte den Gedanken. Stattdessen streckte er vorsichtig die Hand nach ihm aus, bis seine Finger den muskulösen Rücken des anderen ertasteten. Überrascht stellte Castiel fest, dass Dean offenbar kein Shirt trug.

Dean stieß lediglich ein wohlwollendes Brummen aus, als Castiel über den Rücken des anderen streichelte. Behutsam, um ihn bloß nicht zu wecken. Seine Haut war warm und weich, weicher als in Castiels Vorstellung, und obwohl die Berührung nur sanft war, spürte er dennoch deutlich die Muskeln, die sich darunter abzeichneten.

Es fühlte sich unbeschreiblich an, Dean zu berühren und ihm nah zu sein. So nah und doch nicht nahe genug, um die schwelende Sehnsucht zu stillen. Castiel wollte mehr. Er wollte die weiche Haut auf seiner spüren, die angenehme Wärme, den gleichmäßigen Herzschlag und das Heben und Senken seiner Brust bei jedem seiner flachen Atemzüge.

Anstatt länger darüber nachzudenken, schlang Castiel den Arm um den starken Oberkörper und zog ihn in eine liebevolle Umarmung. Dean ließ ihn gewähren und schmiegte sich im Schlaf gegen die Brust des anderen. Mit einem zufriedenen Seufzen ließ Castiel die Lider zu fallen, vergrub die Nase in Deans Haaransatz und atmete seinen Geruch tief ein.

Die Haare erschienen ihm länger als sonst und auch der frische Geruch, der ihnen anhaftete, war ihm nicht so vertraut, doch sein müder Verstand war nicht dazu in der Lage, den Gedanken richtig zu erfassen. Stattdessen ließ er sich von der einschläfernden Wärme weiter einlullen, bis er mit einem Lächeln auf den Lippen in einen erholsamen und traumlosen Dämmerzustand glitt.


*** *** ***** *** ***


Sam schlief schon eine ganze Weile nicht mehr, doch anstatt aufzustehen, genoss er die angestaute Wärme unter der Decke und döste träge. Er hatte keine Ahnung, wie spät es war, aber es interessierte ihn auch nicht. Er hatte sich die letzten Nächte mit Recherche um die Ohren geschlagen, während Dean geschlafen hatte. Er hatte sich die Ruhe zweifellos verdient.

Vom Flur her waren leise Geräusche zu hören, doch sie drangen nur gedämpft bis zu ihm durch. Vermutlich Dean. Es kam nicht oft vor, dass er früher wach war als Sam, aber er war ausgelaugt, erschöpft und müde und er hatte nicht vor, so schnell aufzustehen. Im Gegenteil, er vergrub das Gesicht in seinem Kissen und versuchte, die Geräusche auszusperren.

»Komm schon, Sammy! Du hast lang genug gepennt, du alte Schlafmütze«, hörte er plötzlich Deans Stimme, dicht gefolgt von dumpfen Schritten. Sam brummte und betete, Dean würde nicht hereinkommen, doch das verräterische Quietschen der Türangeln und der Lichtschein, der daraufhin in das Zimmer fiel, belehrten ihn eines Besseren. »Sammy?«

»Verschwinde, Dean. Ich hab recherchiert, während du gepennt hast, also lass mich schlafen«, beschwerte sich Sam und schickte ihn mit einer flüchtigen Handbewegung fort, ohne ihn anzusehen. Doch anstatt zu gehen, schaltete Dean das Licht an.

»Was zum …?«, entwich es Dean.

Der entgeisterte Klang seiner Stimme ließ Sam aufhorchen. Wenngleich das Licht in seinen müden Augen brannte, öffnete er die Lider und hob den Kopf weit genug an, um Dean ansehen zu können. Seine Miene war entsetzt und jegliche Farbe aus seinem Gesicht gewichen.

»Was ist? Du siehst aus, als hättest du einen Geist gesehen«, wollte Sam perplex wissen. Dean gab ihm keine Antwort. Er stand wie versteinert im Türrahmen und starrte ungläubig auf das Bett, mit großen Augen und offenstehendem Mund, dann wandte er den Blick hastig ab.

»Mir wird schlecht«, sagte Dean mehr an sich selbst gerichtet. Noch bevor Sam reagieren konnte, machte er auf dem Absatz kehrt und eilte davon.

»Dean? Bist du jetzt vollkommen übergeschnappt? Komm zurück, du …«, rief er seinem Bruder hinterher und wollte sich gerade aus der Bettdecke schälen, als er auf der Matratze eine Bewegung wahrnahm.

Sam hielt abrupt inne und lauschte angespannt in die Stille hinein. Er hörte ein leises Brummen, das sich unter das Rascheln der Bettdecke mischte, ehe ein kurzer Ruck durch die Matratze ging. Plötzlich hellwach warf Sam einen Blick über die Schulter. Seine Atmung geriet ins Stocken, als er in zwei blaue Augen blickte, die ihm verwirrt entgegensahen.

»Sam?«, kam es heiser über Castiels Lippen.

Sam schluckte den Kloß in seinem Hals hart hinunter. Castiel lag direkt hinter ihm in die Decke eingewickelt, kaum eine Handbreit von ihm entfernt. Die Haare waren wirr, das Blau in seinen Augen müde und das Gesicht merkwürdig zerknautscht. Die verrutschte Bettdecke gab den Blick auf Castiels nackten Oberkörper frei.

Sam blinzelte ein paar Mal, als hoffte er, sein ermatteter Verstand spielte ihm einen Streich, doch Castiel lag noch immer neben ihm in seinem Bett. Verdammt, wann war das denn passiert? Und wieso zum Teufel hatte Castiel nichts an? Er war definitiv ohne ihn eingeschlafen, das wusste er mit Sicherheit.

Schlagartig dämmerte Sam, wieso Dean das Szenario derart entgeistert betrachtet hatte und zutiefst gekränkt davongelaufen war. Das hier sah eindeutig so aus, als hätte er sich ausgerechnet jenen Engel ins Bett geholt, in den Dean bereits seit geraumer Zeit verliebt war.

»Scheiße!«, fluchte Sam, schlug die Bettdecke zur Seite und sprang hastig auf. Erst jetzt entdeckte er Castiels Kleidung, die im gesamten Zimmer verteilt lag. Ein Umstand, der seine Situation nicht gerade verbesserte. Er musste das klären, und zwar so schnell wie möglich.

»Sam, was ist hier los?«, fragte Castiel. Er hatte sich inzwischen aufgesetzt und musterte Sam sichtlich verwirrt. Wenigstens trug Castiel noch die weißen Boxershorts, das beruhigte Sam jedoch kein bisschen.

»Was hier los ist? Ich hatte gehofft, du könntest mir das erklären, Cas!«, begehrte Sam auf, während er in eine frische Jeans schlüpfte. »Was machst du in meinem Bett? Und dann auch noch fast nackt?«

Mit schiefgelegtem Kopf und zusammengezogenen Augenbrauen sah sich Castiel im Zimmer um. Sam konnte regelrecht dabei zusehen, wie die Verwirrung wachsender Erkenntnis wich.

»Ich wusste nicht, dass es dein Bett ist«, sagte Castiel, sah Sam dabei jedoch nicht an.

»Was?«, entwich es Sam perplex. Castiel grübelte für ein paar Augenblicke, als suchte er nach einer Erklärung.

»Du hast gesagt, ich soll mit Dean reden … über meine Gefühle. Und weil ich nicht wusste, wie ich das anstellen soll, habe ich deinen Rat befolgt und mir etwas Mut angetrunken. Ich fürchte, ich habe dabei etwas übertrieben«, gab Castiel kleinlaut zu.

»Etwas übertrieben?«, wiederholte Sam die letzten Worte des Engels.

»Ich habe einen Schnapsladen leergetrunken«, sagte Castiel trocken.

Sam stieß die Luft durch die Nase aus und schlug die Hände vor dem Gesicht zusammen. Er erinnerte sich noch gut an eine ähnliche Situation vor einigen Jahren. Damals war Castiel auch betrunken gewesen, aber er hatte sich wenigstens nicht halb nackt zu ihm ins Bett gelegt, sondern ihn aufgrund des Dämonenbluts in seinen Adern verabscheuungswürdig genannt.

»Verdammt, Cas! Das sollte nur ein Witz sein. Wenn überhaupt dachte ich höchstens an ein Glas Whisky, um die Nerven zu beruhigen, und nicht an einen ganzen Schnapsladen«, stieß Sam verzweifelt aus. »Und wie kommst du bitte halb nackt in mein Bett?«

»Ich habe mich wohl im Zimmer geirrt«, gestand Castiel, den Blick auf das zerwühlte Laken gerichtet.

»Ich hab gesagt, du sollst mit ihm reden, und nicht, dass du dich heimlich zu ihm ins Bett legen sollst … und das auch noch fast nackt«, hielt Sam dagegen.

»Ich war wohl nicht ganz bei Sinnen«, erwiderte Castiel mit einer Ruhe, die Sam beinahe in den Wahnsinn trieb.

»Offensichtlich nicht«, brachte er zwischen hart aufeinandergepressten Zähnen hervor und fuhr sich mit der Hand hilflos über das Gesicht. »Okay, das klären wir später, jetzt sollten wir erst mal Dean klarmachen, dass es nur ein dummes Missverständnis war.«

»Du hast recht«, stimmte Castiel ihm zu, erhob sich unter dem Blick des anderen und wollte den Raum verlassen, doch Sam hielt ihn zurück, indem er nach seinem Handgelenk griff.

»Aber zieh dir bitte vorher was an«, bat Sam. Vermutlich konnte er sich nicht einmal annähernd in Deans Gefühlslage hineinversetzen, aber er bezweifelte, dass es nach dieser Aktion gut bei ihm ankam, sollte Castiel lediglich in Boxershorts zu ihm gehen. Der Engel sah prüfend an sich herab und nickte zustimmend.

Sam atmete erleichtert auf, schnappte sich ein frisches Shirt und zog es sich hastig über, ehe er Castiel mit seiner wild verstreuten Kleidung allein zurückließ. Hoffentlich würde Dean ihm zuhören. Er hatte nur helfen und Castiel in die richtige Richtung schubsen wollen, aber er hatte nicht damit gerechnet, dass dieser Versuch dermaßen nach hinten losgehen würde.

Natürlich hätte er Castiel niemals in diese Richtung gestoßen, hätte er nicht gewusst, wie Deans Reaktion ausfallen würde. Sam wusste, sein Bruder liebte den Engel. Nicht, weil Dean es ihm gesagt hatte – eher würde die Hölle zufrieren, bevor Dean mit ihm über seine Gefühle reden würde –, doch das war auch gar nicht nötig gewesen. Es war offensichtlich … zumindest für Sam.

Ihm entging nicht, wie sich Deans Verhalten schlagartig änderte, wenn Castiel in der Nähe war. Wie die beiden die Nähe des jeweils anderen suchten, und sei es nur durch eine schlichte Berührung an der Schulter. Wie er den Engel ansah, wenn er glaubte, keiner würde es bemerken. Doch Sam hatte es bemerkt und seine eigenen Schlüsse daraus gezogen … die richtigen.


*** *** ***** *** ***


Mit einem lauten Knall warf Dean die Tür hinter sich ins Schloss, stapfte zu seinem Bett und ließ sich mit einem frustrierten Schnauben rücklings auf die Matratze fallen. Die Hände hinter dem Kopf verschränkt lag er da, den Blick starr auf die Zimmerdecke gerichtet, während sein eigener Puls in seinen Ohren rauschte und er vor Wut und bitterer Enttäuschung am ganzen Leib zitterte.

Seine Gedanken waren rastlos. Sie schwirrten durch seinen aufgewühlten Verstand, drehten sich im Kreis und trieben ihn beinahe in den Wahnsinn. Alles, was sein Denken in diesem Moment beherrschte, war das Bild von Sam und Castiel, welches sich in sein Gedächtnis gebrannt hatte wie heiße Glut.

Wahrscheinlich wäre es das Beste, in den Impala zu steigen und für ein paar Tage oder Wochen unterzutauchen. Auf diese Weise könnte er den beiden aus dem Weg gehen und müsste sich nicht mit ihnen auseinandersetzen, aber im Moment fühlte er sich nicht dazu in der Lage, einen Wagen sicher zu steuern, und er wollte Baby nicht gegen den nächsten Baum setzen.

Verdammt, wie hatte es nur so weit kommen können? Wie konnte Sam ihm dermaßen in den Rücken fallen? Nach allem, was sie gemeinsam durchgestanden hatten? Hatte Dean nicht alles für ihn getan? Vollkommen egal, was zwischen ihnen gestanden hatte? Was hatte er falsch gemacht, dass ihm sein eigener Bruder so etwas antat?

Vielleicht war er nicht ganz unschuldig an der Situation. Er hätte nur mit Castiel reden und ihm sagen müssen, dass er sich in ihn verliebt hatte, doch daran wollte er nicht denken. Es hätte eh nichts gebracht. In diesem Moment wurde ihm schmerzlich bewusst, was für ein Idiot er eigentlich war. Weil er trotz aller Unterschiede doch eine zögerliche Hoffnung gehegt hatte, dass Castiel dasselbe für ihn empfand.

Dean war derart in seinem Zorn und der Enttäuschung gefangen, dass er die nahenden Schritte erst hörte, kurz bevor sie direkt vor seiner Zimmertür verstummten. Wahrscheinlich Sam, der die Wogen glätten wollte. Oder Castiel, aber wenn er ehrlich war, wollte er mit keinem von beiden reden. Er wusste nicht einmal, ob er es ertrug, sie auch nur anzusehen, wie sollte er ihnen da zuhören?

Mit einem leisen Quietschen wurde die Tür aufgeschoben. Kein Klopfen … nichts. Dean hätte es ohnehin ignoriert. Er musste den Blick nicht von der Zimmerdecke abwenden, um zu bemerken, dass es sein Bruder war, der langsam eintrat.

»Dean?«, richtete Sam vorsichtig das Wort an ihn. Vielleicht hätte er doch verschwinden sollen, jetzt war es zu spät.

»Hau ab«, knurrte Dean in seine Richtung, den Blick weiterhin auf die Zimmerdecke gerichtet. Sam verharrte an Ort und Stelle und seufzte resigniert.

»Dean …«, wagte Sam einen weiteren Versuch.

Der besorgte Unterton ließ die Wut derart schnell überschwappen, dass Dean keine Chance hatte, sie zu kontrollieren. Mit grimmiger Miene und hart aufeinander gekrampften Kiefern setzte er sich abrupt auf und beobachtete, wie Sam unter dem zornigen und zugleich gekränkten Blick einen Schritt zurückwich.

»Was hast du dir dabei gedacht, Sam? Du vögelst Cas? Und das hinter meinem Rücken?«, begehrte Dean auf.

»So ist es nicht, ich …«

»Wie ist es dann, Sam?«, fragte Dean, doch er war sich sicher, die Antwort gar nicht hören zu wollen. Sam fuhr sich mit der Hand über das Gesicht und biss sich auf die Unterlippe, als suchte er nach den richtigen Worten. »Sag bloß, du hast dich auch in Cas verliebt?«

In diesem Moment war es Dean sogar egal, dass er seine Gefühle für den unbeholfenen Engel zum ersten Mal in Worte gefasst hatte. Sam hatte es ohnehin längst bemerkt, selbst wenn er nie auf einen Gesprächsversuch seines Bruders eingegangen war. Er wusste es, wieso also noch länger leugnen?

»Das ist doch Unsinn und das weißt du«, entgegnete Sam. »Selbst wenn es so wäre, hätte ich keine Chance bei ihm.«

»Das sah aber ganz anders aus«, schnaubte Dean geringschätzig.

»Du irrst dich, Dean. Zwischen Cas und mir läuft nichts, okay? Ich weiß, das sah grad ziemlich eindeutig aus, aber vielleicht beruhigt es dich etwas, wenn ich dir sage, dass er eigentlich gar nicht in mein Bett wollte, sondern in deins«, sagte Sam eindringlich, aber dennoch mit einer Ruhe, die Dean überraschte.

»Was? Wovon redest du eigentlich?«, fragte Dean verwirrt, doch anstatt ihm eine Antwort auf die Frage zu geben, trat Sam einen Schritt zur Seite.

»Ich glaube, das sollte Cas dir erklären«, sagte Sam und sah in den Flur hinaus.

Dean folgte seinem Blick und entdeckte Castiel, der unsicher in das Zimmer spähte. Der Knoten in seinem Magen verstärkte sich, aber wenigstens hatte Castiel genügend Zeit gehabt, sich anzuziehen, bevor er ihm gefolgt war. Der Trenchcoat hing schief auf seinen Schultern, die Krawatte lose um den Hals und das weiße Hemd zum Teil aus der Hose. Er hatte es offenbar eilig gehabt. Sam schien es ebenfalls zu bemerken, doch er ließ es unkommentiert.

»Hallo, Dean«, sagte Castiel reumütig und verharrte unbeholfen im Türrahmen. Dean musterte ihn lediglich, ehe er den Anblick nicht mehr ertrug und zähneknirschend zur Seite sah.

»Ich lass euch dann besser allein«, sagte Sam. »Ich bin in der Bibliothek, wenn was sein sollte.«

Als Dean nichts erwiderte und weiter stur zur Seite sah, wandte er sich wortlos ab. Im Vorbeigehen legte er Castiel aufmunternd eine Hand auf die Schulter, dann verschwand er und zog die Tür hinter sich zu.

Dean und Castiel blieben allein zurück und für eine ganze Weile sagte keiner von ihnen auch nur ein einziges Wort. Die angespannte Stille lastete schwer auf ihren Gemütern. Deans Zorn kochte beinahe über, gleichzeitig hatte ihn dieser Verrat derart verletzt, dass sich sein Brustkorb qualvoll zusammenzog und ihm jeder Atemzug schwerfiel.

»Du bist wütend«, wagte Castiel schließlich doch den Versuch, ein Gespräch zu beginnen. Dean schnaubte verbittert.

»Wütend, durcheinander … such dir was aus«, brummte Dean, sah ihn aber nach wie vor nicht an. Castiel trat vorsichtig einen Schritt auf ihn zu, bis er mitten im Raum stehenblieb.

»Aber du hast keinen Grund«, erwiderte Castiel flehend.

»Ach, hab ich nicht?«, konterte Dean und funkelte ihn grimmig an.

»Nein«, sagte Castiel. Er atmete noch einmal tief durch, ehe er erneut zu reden begann. »Was ich dir jetzt sage, fällt mir alles andere als leicht, und ich fürchte, es war meine eigene Unsicherheit, die dieses Schlamassel erst ausgelöst hat, aber …«

»Was, aber?«, hakte Dean nach. Er sah Castiel an, wie sehr er mit sich haderte, als er jedoch weitersprach, waren sowohl seine Stimme als auch sein Blick erstaunlich fest.

»Ich liebe dich, Dean«, kam nach einer Weile die Antwort, die Dean völlig unvorbereitet traf. Unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen, starrte er den Engel ungläubig an, auf seinen Zügen waren jedoch keinerlei Zweifel erkennbar.

»Was?«, brachte Dean verwirrt hervor.

»Ich liebe dich. Schon so lange, dass ich nicht mehr weiß, wann sich meine Gefühle für dich geändert haben … oder ob es nicht schon immer so war«, sagte Castiel, mit sanfter Stimme und weichem Blick. »Ich bin gefallen, habe mich gegen meine Geschwister gestellt und alles riskiert … für dich! Gleichzeitig hast du mir so viele Dinge gezeigt, die ich nie für möglich gehalten hätte. Sogar, dass jemand wie ich zu tiefen Gefühlen fähig ist … und der Grund bist du.«

Die Erkenntnis ließe ihn taumeln, würde er in diesem Moment nicht sitzen. Niemals hatte er mit einem derartigen Geständnis gerechnet, doch es war die unumstößliche Aufrichtigkeit in Castiels Stimme, die jegliche Bedenken verstummen ließ. Die ihm die Sicherheit gab, dass Castiel jedes seiner Worte vollkommen ernst meinte. Dass er ihn allen Widrigkeiten zum Trotz liebte, ohne Wenn und Aber.

»Aber … aber wieso warst du dann …?«, wollte er fragen, doch seine Stimme versagte ihm den Dienst.

»Wieso ich in Sams Bett war?«, beendete Castiel seinen Satz. Dean nickte, zu mehr war er nicht imstande. »Wie Sam schon sagte, ich habe mich im Zimmer geirrt.«

»Ausgerechnet du?«, entwich es Dean, bevor er über die Worte nachdenken konnte. Castiel zuckte mit den Schultern.

»Ich war betrunken«, kam die prompte Erklärung.

»Du warst betrunken?«, wiederholte Dean zur Sicherheit. Castiel seufzte langgezogen.

»Hast du eigentlich eine Ahnung, wie es ist, wenn einem bewusst wird, dass man sich ausgerechnet in den größten Gefühlslegastheniker des gesamten Planeten verliebt hat?«, konterte Castiel mit einer Gegenfrage.

Dean kräuselte verdutzt die Stirn. Er hatte die erneute Liebesbekundung durchaus gehört, sie rührte und verwirrte ihn gleichermaßen, aber er war auch überrascht. Nicht nur über die Aussage, sondern auch über die Wortwahl. Gefühlslegastheniker? So hatte ihn noch keiner genannt, wenngleich Sam es insgeheim sicher dachte.

»Gefühlslegastheniker? Wo hast du das denn her?«, fragte Dean und fuhr sich mit der Hand über den Nacken. Genau wie er es immer tat, wenn er überfordert war.

»Sam hat dich so genannt«, erwiderte Castiel. Dean schnaubte und nickte verstehend. Natürlich hatte er das von Sam. »Ich wusste nicht mehr weiter, also habe ich Sam um Rat gefragt.«

»Und er hat dir gesagt, du sollst dich volllaufen lassen und dich dann zu mir ins Bett legen?«, hakte Dean nach. Das konnte er sich nur schwer vorstellen. Vermutlich hatte Castiel wieder etwas missverstanden. Wie so oft.

»Er meinte, ich soll mit dir darüber reden … über alles. Du würdest mich vielleicht überraschen, hat er gesagt«, erwiderte Castiel. Ja, das klang eher nach seinem Bruder. »Aber ich war mir unsicher, hatte Angst vor deiner Reaktion, also hat Sam gesagt, ich könnte mir vorher etwas Mut antrinken. Und da ein Glas Whisky bei mir nicht wirkt, bin ich in einen Schnapsladen gegangen und hab ihn leergetrunken.«

Dean zog verwundert die Stirn kraus und musterte Castiel eingehend. Als ihm allmählich dämmerte, dass er die Wahrheit sagte, lachte er auf und schlug sich die Hand vor das Gesicht. Das war so typisch Castiel, dass ihm jegliche Worte dafür fehlten.

»Du weißt aber schon, dass Sam mit Sicherheit nicht gemeint hat, dass du einen ganzen Schnapsladen leertrinken sollst?«, neckte Dean ihn. Castiel verzog die Lippen zu einem dünnen Strich und stieß die Luft geräuschvoll durch die Nase aus.

»Ja, das weiß ich«, sagte er. Deans Grinsen wurde breiter. »Aber es hat geholfen, ich habe mich bereit gefühlt, mit dir zu reden, deshalb bin ich in dein Zimmer gegangen. Du hast geschlafen und ich … ich wollte dir nur nah sein. Nur dieses eine Mal … also habe ich mich zu dir gelegt … dachte ich jedenfalls. Und den Rest kennst du bereits.«

Dean wollte ernst bleiben, schaffte es jedoch nicht, das Grinsen zu unterdrücken. Es war nur ein dämliches Missverständnis. Castiel hatte nicht in Sams Bett gelegen, weil sie Gefühle füreinander hatten, sondern weil sich der Engel im Zimmer geirrt hatte. Er hätte es wissen müssen. Sam und Castiel würden ihm nie etwas dergleichen antun.

»Du hast das alles nur gemacht, weil du Angst hattest, mit mir zu reden?«, fragte Dean. Der Engel nickte.

»Verzeih mir, Dean. Ich würde nie …«, setzte Castiel an, hielt jedoch inne, als Dean den Kopf schüttelte. Es gab nichts zu verzeihen.

»Komm her«, flüsterte er, griff nach der Hand des anderen und zog ihn derart abrupt zu sich, dass Castiel die wenigen Schritte nach vorne stolperte. Noch bevor er etwas einwenden konnte, legte Dean die andere Hand in seinen Nacken, streckte sich ihm regelrecht entgegen und erstickte jedes weitere Wort mit einem Kuss, der so voller Erleichterung und Sehnsucht war, dass alles andere mehr und mehr in völlige Bedeutungslosigkeit überging.

Dean fühlte, wie sich Castiels Leib im ersten Moment perplex verkrampfte, er entspannte sich jedoch schnell wieder und ließ sich bedenkenlos auf ihn und den zärtlichen Kuss ein. Ermutigt von der eindeutigen Reaktion, zog Dean ihn noch dichter an sich heran. Der Engel gab ihm nach und als ihm nichts anderes übrigblieb, als sich halb auf seinen Schoß zu setzen, tat er es ohne Zögern.

Der Moment erschien ihm endlos, bis Castiel sich langsam von seinen Lippen löste, er blieb ihm jedoch nahe genug, damit sich ihre Nasenspitzen beinahe berührten. Als Dean die Lider aufschlug, sah er direkt in die Augen des anderen, in die er bereits unzählige Male geblickt hatte, noch nie zuvor war ihm jedoch das Blau darin so intensiv vorgekommen wie in diesem Augenblick.

»Sam hatte recht. Deine Reaktion überrascht mich wirklich«, brachte Castiel nach einer Weile hervor. Er wirkte perplex, unendlich erleichtert und … glücklich. Dean formte die Lippen zu einem schiefen Grinsen. Sam hatte noch in vielen anderen Dingen recht, aber das würde er nie zugeben.

»Wieso? Weil du dir nicht vorstellen kannst, dass ich auch was für dich empfinde?«, erwiderte Dean.

»Tust du das?«, fragte Castiel und Dean glaubte, anfängliche Unsicherheit in dem warmherzigen Blau zu erkennen.

Dean antwortete nicht darauf. Es fiel ihm noch immer schwer, seine Gefühle in Worte zu fassen. Er war ein Mann der Taten, nicht der Worte. Castiel wusste das und er akzeptierte es. Dean sagte zwar nichts, aber das musste er auch gar nicht. Das liebevolle Lächeln auf seinen Lippen vermittelte Castiel alles, was er wissen musste. Mehr als jegliche Worte dieser Welt es könnten.

Die Gewissheit gab dem Engel den nötigen Mut, um die letzten Zentimeter zu überwinden und ihn seinerseits zu küssen. Die Erwiderung folgte prompt und als sich Castiel wieder von ihm löste, waren seine Lippen zu einem Lächeln geformt, das Dean noch nie zuvor auf seinen Zügen gesehen hatte. Der Engel war glücklich. So glücklich wie vielleicht noch nie zuvor während seiner gesamten Existenz.

Der bloße Anblick zwang Dean beinahe in die Knie und ließ jegliche Zweifel verstummen, hätte er noch welche gehabt. Er wusste, er hatte den Engel nicht verdient. Würde er auch nie. Er hatte so vieles falsch gemacht, so viele Fehler und Laster, aber Castiel … er war makellos, unschuldig und gut. Er war perfekt. Der Gedanke, dass ausgerechnet ein Engel – ein Wesen aus purem Licht – dazu fähig war, jemanden wie ihn zu lieben, überwältigte ihn.

»Hör zu, Cas. Du kennst mich, ich bin nicht der Beziehungsmensch, aber das hier … das ist was anderes. Ich will nicht so weitermachen wie bisher. Ich will mit dir zusammen sein, scheißegal, was andere sagen. Ich will, dass das hier funktioniert … mit uns. Du bist mir zu wichtig, um das zu versauen«, sagte Dean unbeholfen und überspielte die eigene Unsicherheit mit einem Lächeln. »Also, was sagst du? Bist du dabei?«.

»Immer, Dean. Das ist alles, was ich immer wollte. Du bist alles, was ich immer wollte«, antwortete Castiel. Dean atmete erleichtert auf. »Vollkommen egal, wohin uns dieser Weg führt, ich gehe ihn mit dir. Das war schon immer so und daran wird sich nichts ändern.«

Bei den Worten des Engels wurde Dean warm ums Herz. Er wusste, zwischen ihnen hatte schon immer ein besonderes Band bestanden, schon seit Castiel in die Hölle hinabgestiegen war und ihn aus der Verdammnis geholt hatte. Wie besonders dieses Band war, begriff er erst in diesem Augenblick. Ja, Castiel war gefallen … auf jede denkbare Weise. Für ihn!

»Aber nur, um eine Sache gleich klarzustellen«, setzte Dean mit ernstem Tonfall an, das Schmunzeln konnte er sich jedoch nicht verkneifen. Castiel horchte interessiert auf und legte fragend den Kopf schief. »Du schläfst ab jetzt nur noch in meinem Bett.«

»Dagegen habe ich nichts einzuwenden«, sagte Castiel mit einem frechen Grinsen. Dean schnaubte belustigt, dann zog er den Engel ein weiteres Mal in einen innigen Kuss.


*** *** ***** *** ***


Castiel konnte sein Glück noch immer nicht fassen, als er gemeinsam mit Dean das Zimmer verließ und dem Gang in die Richtung der Bibliothek folgte. Sam hatte gesagt, er würde dort warten. Ginge es nach Castiel, würde er in der Abgeschiedenheit von Deans Zimmer noch ein wenig die Zweisamkeit genießen, aber jetzt, da zwischen ihnen alles geklärt war, hatte Sam wohl ein paar Entschuldigungen verdient.

Nie hatte Castiel zu hoffen gewagt, dass Dean dasselbe für ihn empfinden könnte. Ein Teil von ihm hatte das sogar akzeptiert, selbst wenn die Gewissheit, nie auf Erwiderung zu stoßen, äußerst schmerzhaft gewesen war. Solange er Dean einen Freund nennen konnte, war das für ihn in Ordnung gewesen, und es hatte ihm genügt, ihn aus der Ferne zu lieben.

Castiel hatte immer gedacht, Dean wäre nicht für die Liebe gemacht. Stattdessen hatte er immer den Eindruck gehabt, das eine oder andere belanglose Sexabenteuer wäre genug für ihn. Vielleicht war das bisher auch so gewesen, aber das hatte sich geändert.

Der Gedanke machte ihn glücklich. Nein, Dean machte ihn glücklich. Vielleicht zum allerersten Mal in seinem Leben. Nach allem, was er getan hatte, verdiente er vielleicht keine Vergebung, aber wenn er bei Dean war, spielte das keine Rolle. Nicht seine Fehler, nicht seine Taten … nichts davon. Und andersherum war es genauso. Sie fanden Halt in den Armen des anderen und das war weit mehr, als ihnen zustand.

Castiel schreckte erst aus seinen Gedanken, als er eine Hand spürte, die seine umschloss und sacht drückte. Dean lächelte ihn warm an und nickte in eine bestimmte Richtung. Überrascht stellte Castiel fest, dass sie bereits in der Bibliothek angekommen waren. Sam saß mit dem Rücken zu ihnen gewandt an einem der Tische, mit einem Buch in der einen Hand und einer Tasse in der anderen.

»Hey, Sammy«, begrüßte Dean ihn mit einem unbeholfenen Grinsen. Sam sah mit hochgezogenen Augenbrauen von den Zeilen auf, als er jedoch Deans Hand bemerkte, die Castiels noch immer umschlossen hielt, legte er das Buch weg und lächelte zufrieden. Ein Blick genügte und Sam erfasste alles, was er wissen musste.

»Sieht so aus, als konntet ihr das Missverständnis aus der Welt räumen«, war alles, was Sam sagte.

»Ja …«, bestätigte Dean und fuhr sich mit der freien Hand über den Nacken. Sam nickte und obwohl er nichts dergleichen sagte, war ihm die aufrichtige Freude dennoch anzusehen. »Hör zu, Sam, ich … es tut mir leid. Ich war ein Idiot, ich …«

»Schon gut, Dean«, unterbrach Sam ihn und winkte beiläufig ab. »Ich hätte an deiner Stelle wahrscheinlich dasselbe gedacht. Ich bin einfach nur froh, dass sich alles aufgeklärt hat und ihr endlich miteinander geredet habt. Das wurde auch Zeit.«

»Ja …«, sagte Dean ein weiteres Mal. Zu mehr war er offenbar nicht imstande, aber für Sam schien das in Ordnung zu sein.

Es stand nichts zwischen den Brüdern und das war nicht nur für Dean ein beruhigender Gedanke, sondern auch für Castiel. Trotzdem gab es da noch etwas, das der Engel unbedingt aus der Welt schaffen wollte. Wenngleich Sam zu tief geschlafen hatte, um sich daran zu erinnern, wie Castiel sich an ihn geschmiegt hatte, fühlte er sich unwohl in seiner Haut.

»Sam, ich … wegen letzter Nacht, ich …«, setzte er zu einer Entschuldigung an, doch Sam schüttelte lächelnd den Kopf.

»Vergiss es einfach«, sagte er. Castiel zog überrascht die Stirn kraus und wollte etwas einwenden, doch Sam ließ ihn kaum zu Wort kommen. »Ich mein’s ernst, Cas. Vergiss es. Ich glaube, das ist das Beste für uns alle. Aber bitte tu mir einen Gefallen.«

»Welchen?«, fragte Castiel mit einer Mischung aus Erleichterung und Verwirrung.

»Verirr dich nie wieder in mein Bett«, sagte Sam mit einem provokanten Grinsen. Dean lachte auf und auch Castiel konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Nach dem schwierigen Start in diesen Tag tat diese Unbeschwertheit unglaublich gut. Ihnen allen.

»Dafür werde ich sorgen«, antwortete Dean an seiner Stelle.

»Da bin ich mir sicher«, konterte Sam mit einem wissenden Lächeln. »Ehrlich, ich freue mich für euch. Ihr habt es verdient.«

Castiel lächelte dankbar und sogar Dean wirkte erleichtert über die Zustimmung seines Bruders. Wenn Castiel ehrlich war, hatte er mit keiner anderen Reaktion gerechnet. Schließlich hatte er von seinen Gefühlen für Dean gewusst und ihm den nötigen Mut gegeben. Er hatte es gewagt, zwar anders, als Sam sich das vorgestellt hatte, aber das Ergebnis war alles, das zählte. Und das konnte sich durchaus sehen lassen.


*** *** ***** *** ***


Der Rest des Tages verlief ruhiger und weniger ereignisreich als der Morgen und das war nach dem Durcheinander auch gut so. Weil Sam und Dean noch immer erschöpft von der Jagd waren, entschieden sie sich für einen Kinotag, natürlich im Bunker. Sie unterbrachen das Programm nur, um Bier zu holen oder darüber zu diskutieren, was sie als nächstes anschauen sollten.

Die Ruhe tat gut und Dean genoss die Zeit mit Castiel und seinem Bruder. Für einen kurzen Augenblick hatte er befürchtet, alles verloren zu haben, aber er hatte sich geirrt. Sam und Castiel waren noch immer an seiner Seite. Besser noch, das ohnehin starke Band zwischen ihm und dem Engel hatte durch dieses alberne Missverständnis nur noch an Beständigkeit gewonnen.

Sam war zwar die meiste Zeit bei ihnen, aber nicht einmal vor den Augen seines Bruders scheute sich Dean davor, Castiels Nähe zu suchen. Sei es nur eine kurze Berührung, eine Hand auf Castiels Oberschenkel oder ein flüchtiger Kuss. Sam konnte sich zwar ein paar Scherze nicht verkneifen, aber jedes Wort machte deutlich, dass er sich aufrichtig für die beiden freute.

Sogar während des Abendessens ließ Dean die Hand auf dem Schenkel des Engels. Sam war das nicht entgangen, aber er hatte es lediglich mit einem Grinsen abgetan.

»Okay. Ich hau mich jetzt aufs Ohr. Ich bin immer noch hundemüde, außerdem hab ich euch lang genug gestört«, sagte Sam nach dem Essen und trank den letzten Schluck Bier.

»Was? Sammy, ich …«

»Schon gut, Dean. Ich weiß, wann ich störe. Ich leg mich ins Bett und höre mir den Podcast an, den ich schon vor einer Ewigkeit runtergeladen hab … mit Kopfhörern«, meinte er und grinste bei den letzten Worten schelmisch.

»Sehr rücksichtsvoll«, erwiderte Dean sarkastisch.

»Eigentlich mehr reiner Selbstschutz«, konterte Sam schulterzuckend, stand auf und griff nach seinem Geschirr und der leeren Bierflasche. Bevor er die Bibliothek verließ, zwinkerte er den beiden kurz zu. »Viel Spaß!«

Dean rollte lächelnd mit den Augen. An diverse Anspielungen würde er sich wohl gewöhnen müssen, aber das war es allemal wert. Er gönnte Sam den Spaß, es war ohnehin großartig, wie gelassen, verständnisvoll und selbstverständlich er mit dieser ungewöhnlichen Situation umging.

»Und was machen wir mit dem restlichen Abend?«, fragte Castiel nach einer Weile. Er klang so unbedarft, als wäre ihm Sams Wink völlig entgangen. Nur eine der vielen Eigenschaften, die er zu lieben gelernt hatte.

»Ich wüsste da was …«, sagte Dean mit einem spitzbübischen Grinsen auf den Lippen. Im nächsten Moment drehte er sich zu Castiel, packte ihn mit beiden Händen an den Hüften und zog ihn ein wenig umständlich auf seinen Schoß. Noch bevor Castiel reagieren konnte, hatte Dean die Lippen längst auf seine gelegt.

Castiel war im ersten Moment überrascht, doch er wich nicht zurück und drückte sich ihm stattdessen ein Stück entgegen. Angespornt von der deutlichen Reaktion, ließ Dean die linke Hand seine Seite entlangwandern und schob sie langsam unter das weiße Hemd. Die Haut war warm und unfassbar weich unter seinen rauen Händen, und Dean spürte, wie ein wohliger Schauer durch den Leib des Engels fuhr.

Eine Woge des Verlangens umhüllte sein Bewusstsein. Es überraschte Dean, wie heftig er auf die Berührungen reagierte. Das letzte Mal, dass er diese Erfahrung mit einer anderen Person geteilt hatte, war viel zu lange her, doch da war noch etwas anderes. Der Wunsch, ihm nah zu sein, und das nicht nur körperlich. Das Sehnen nach Intimität, Halt und blindem Vertrauen, nach Armen, die ihn schützend festhielten und ihn auffingen, wenn er fiel.

Seine Sinne waren wie berauscht, doch er wollte nichts überstürzen. Nicht mit Castiel. Hinzu kam die eigene Unsicherheit, die ihn mehr und mehr überkam und ihn zögern ließ. Das hier war schließlich nicht nur für Castiel eine neue Erfahrung, sondern auch für ihn, und er wollte nichts durch unbedachte Handlungen zunichtemachen.

»Sorry, Cas«, sagte Dean, löste sich ein wenig atemlos von ihm und lockerte den Griff um seine Hüften. »Ich wollte nicht dich nicht überrumpeln, ich …«

Weiter kam er nicht, denn Castiel legte die Hände auf die seinen und hielt sie somit an Ort und Stelle. Dean musterte ihn verwundert.

»Glaub mir, Dean«, flüsterte er und Dean spürte, wie er unter dem eindringlichen Blick des anderen wohlig erschauderte, »wenn ich das hier nicht wollen würde, hätte ich längst etwas gesagt.«

Als wollte Castiel seine Aussage untermauern, ließ er die Hände zärtlich über Deans Brust und die Schultern bis hin zu seinem Rücken gleiten, ehe er den Griff um seinen Leib festigte und sich ihre Mitten unweigerlich berührten. Mit einem überraschten Keuchen legte Dean den Kopf in den Nacken.

»Gott, Cas«, stöhnte Dean und küsste sein Kinn, bevor seine Lippen Castiels Hals hinabwanderten, der durch die Sitzposition auf idealer Höhe lag.

Es gefiel Dean, dass Castiel in dieser Hinsicht doch nicht so zurückhaltend war, wie er bisher angenommen hatte. Das machte das hier um ein Vielfaches einfacher. Natürlich würde er Rücksicht auf jede erdenkliche Unsicherheit nehmen, welche den Engel plagten. Sie waren völlig normal, doch er wusste sie gut zu überspielen. Auch Dean war unsicher, aber er war bereit, sich voll und ganz auf ihn einzulassen.

Als sich ihre Lippen ein weiteres Mal trafen, ließ sich Castiel darauf ein, ohne den Hauch von Zögern in seinem Handeln. Von einer starken Sehnsucht getrieben, schlang er die Arme um Deans Leib, zog ihn dichter an sich heran und grub die Fingerkuppen fest in die angespannten Muskeln. Das dunkle, raue Seufzen, das Castiels Kehle entwich, vibrierte dumpf an seinen Lippen.

Eine Zeitlang genossen sie die völlig neue Zweisamkeit und die Nähe des anderen, tief versunken im Augenblick, bis die Berührungen und die Küsse immer hungriger und fordernder wurden. Castiel zog sich erst von seinen Lippen zurück, als die Hitze zwischen ihnen weiter anschwoll und Dean kaum noch einen klaren Gedanken fassen konnte.

»Dean?«, flüsterte Castiel und strich mit dem Daumen unaufhörlich über Deans Wange. Federleicht wie eine laue Brise und trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – so unglaublich wohltuend.

»Hm?«, brummte Dean. Castiel antwortete nicht, doch das war auch gar nicht nötig. In seinem Blick erkannte Dean ganz genau, was er wollte. Er wollte ihn, mit allem, was dazugehörte. Mit Leib und Seele.

Dean schluckte hart. Wenngleich ihn die Intimität und die fordernden Berührungen alles andere als kalt ließen, hatte er das nicht unbedingt im Sinn gehabt. Mit Castiel hatte er keine Eile. Das zwischen ihnen bedeutete ihm so viel mehr als all die zwanglosen One-Night-Stands. Es war mehr als nur Sex.

Er liebte Castiel und er begehrte ihn, das tat er schon eine ganze Weile, hatte sich den Gedanken aber stets verboten. Jetzt war er Realität, trotzdem zögerte er. Dean war bestimmt nicht verklemmt und er konnte von sich selbst behaupten, im Bett mit einiger Erfahrung aufwarten zu können, die Situation war dennoch eine gänzlich andere.

Er wusste, Engel waren geschlechtsneutral, die Hülle dagegen nicht. Er hatte kein Problem damit, zumindest nicht mehr, seit er sich die Gefühle für Castiel eingestanden hatte, aber das machte das Bevorstehende auch für ihn zu einer neuen Erfahrung. Er war unsicher, zum ersten Mal seit Langem, und Castiels Unerfahrenheit machte es nicht unbedingt leichter für ihn.

»Cas …«

»Ich weiß, ich bin unerfahren, und für dich ist das auch Neuland, aber ist das nicht immer so, wenn man sich zum ersten Mal auf eine andere Person einlässt?«, unterbrach Castiel ihn, als hätte er Deans Gedanken gelesen.

Es überraschte Dean jedes Mal aufs Neue, wie gut Castiel ihn inzwischen kannte. So gut, dass er jede seiner Stimmungen problemlos deuten konnte, als hätte er für jede einzelne davon einen Sinn entwickelt, um sie richtig einordnen zu können. Er wusste, wenn er wütend war oder er drohte, unter all der Last, die er zu schultern hatte, zusammenzubrechen. Vermutlich kannte ihn niemand besser als Castiel. Außer Sam vielleicht.

»Das schon, aber … es ist nicht so, dass ich nicht wollen würde, und glaub mir, ich will sogar sehr, aber wir müssen nichts überstürzen. Wir haben alle Zeit der Welt, Cas«, sagte Dean und er meinte es auch so.

»Ich weiß, aber ich habe diese Sehnsucht so lange unterdrückt. Ich will nicht länger warten«, flüsterte Castiel und hauchte einen federleichten Kuss auf Deans Lippen.

»Gut, ich nämlich auch nicht«, brachte er schmunzelnd hervor, die Stimme heiser und dunkel. »Es ist nur so … für mich ist das auch neu. Ich will, dass das funktioniert mit uns. Nicht nur für eine Nacht.«

»Das will ich auch, Dean. Du bist alles, was ich je wollte und du gibst mir schon jetzt so viel mehr, als ich je zu hoffen gewagt habe«, erwiderte Castiel. Dean lächelte liebevoll und fuhr mit dem Daumen sacht über seine Wange.

»Ich will nichts erzwingen, okay?«, sagte Dean. Wäre das hier nur ein belangloser One-Night-Stand, hätte er keine Hemmungen, aber es war so viel mehr als das. Er liebte Castiel und gerade deshalb war dieser Moment so besonders für ihn. »Also, wie wär’s, wenn wir uns in mein Zimmer verziehen und rausfinden, wie weit wir gehen, was meinst du?«

Castiel antwortete nicht und zog ihn stattdessen in einen weiteren Kuss, dieses Mal weniger stürmisch, aber genauso innig und zärtlich. Das war für Dean Antwort genug. In diesem Moment wusste er, Castiel war zu allem bereit, was in dieser Nacht passieren sollte. Der Gedanke beruhigte ihn und nahm den Druck von ihm.

»Komm mit«, raunte Dean gegen Castiels Lippen und schob ihn ein Stück von sich. Ein wenig umständlich kroch der Engel von seinem Schoß und ließ es zu, als Dean nach seiner Hand griff und ihn regelrecht hinter sich her in die Richtung seines Zimmers zog.

Kaum war die Tür hinter ihnen ins Schloss gefallen, zog Castiel ihm zwischen hungrigen Küssen die Kleidung aus. Dean musste über die Ungeduld leise lachen, doch er ließ ihn gewähren und hielt ihn nicht zurück, als Castiel ihm das Shirt über den Kopf zog und sich dann ohne jede Scheu oder Zurückhaltung an seinem Gürtel zu schaffen machte.

Als Dean die Jeans mit dem Fuß zur Seite schob, wanderten Castiels Lippen über seinen Hals und die entblößte Brust und hinterließen eine prickelnde Spur, die mühelos unter die Haut ging. Trunken vor tiefem Verlangen, streifte Dean ihm den störenden Trenchcoat von den Schultern und zog ihm die restliche Kleidung aus, bis auch er nur noch die weißen Shorts trug.

Castiel leistete keinerlei Widerstand, als Dean sanften Druck auf ihn ausübte und ihn rückwärts in die Richtung seines Bettes schob. Als er mit den Beinen gegen die Bettkante stieß und sich rücklings auf die Matratze sinken ließ, hielt Dean in seinem Tun inne und ließ den Blick bewundernd über seinen Körper wandern.

Er hatte seinen Oberkörper schon sehr oft gesehen, aber nie so bewusst wahrgenommen wie in diesem Augenblick. Er betrachtete die blasse, aber makellose Haut, die kleinen Brustwarzen, die Muskeln, die sich deutlich unter der Haut abzeichneten, und die schwarzen Haare, die vom Bauchnabel ausgehend eine wirre Spur nach unten bildeten, bis sie im Bund seiner Shorts verschwanden.

Dean schluckte hart und wagte es nicht, den Blick abzuwenden. In diesem Moment wurde ihm schlagartig bewusst, dass er der erste Mensch war, der ihn auf diese Weise berührte. Nicht nur den Körper, sondern auch das reine Geschöpf, dem er als Hülle diente. Der Gedanke ließ ihn hart schlucken und er kroch voller Bewunderung zu Castiel auf die Matratze.

»Dean …«, wisperte Castiel und legte eine Hand an seine Wange. Dean schmiegte sich für einen Moment in die liebevolle Berührung, dann schloss er die Finger um den Bund von Castiels Shorts und zog sie fast quälend langsam hinunter.

Der Engel erschauderte unter der Intensität des Blickes, mit welchen Dean ihn ansah, als er die Hand ausstreckte und ein paar Mal über Castiels Glied fuhr, bevor er die Finger um den Schaft schloss. Mit einem Seufzen ließ Castiel die Lider zu fallen und den Kopf auf das Kissen sinken, als Dean mit dem Daumen sacht über die empfindliche Spitze fuhr.

Castiel war wie Wachs unter seinen Händen und Dean – erregt und fasziniert zugleich von den eindeutigen Reaktionen – fuhr damit fort, mit gekonnten Bewegungen die Spannung in Castiels Leib zu steigern. Veränderte gelegentlich Geschwindigkeit und Reibung, um herauszufinden, worauf der Engel am intensivsten reagierte.

Dean hielt erst in seinem Tun inne, als Castiels Körper mit einem glänzenden Schweißfilm bedeckt war und sein Atem rasch und abgehackt über die halbgeöffneten Lippen glitt. Ein letztes Mal fuhr er mit der Hand über den harten Schaft, dann kroch er langsam über ihn und beugte sich für einen hingebungsvollen Kuss zu ihm herab.

Haltsuchend klammerte sich Castiel an den Leib über ihm, ehe seine Hände über den Rücken weiter nach unten wanderten und ungestüm am Bund seiner Shorts zerrten. Dean, der es mittlerweile kaum noch erwarten konnte, sie endlich loszuwerden, half ihm ein wenig umständlich dabei. Als das störende Stück Stoff achtlos zu Boden fiel, zog Castiel ihn zu sich, bis nichts mehr zwischen sie passte. Nicht einmal mehr eine Handbreit Luft.

Eng umschlungen verbrachten sie in der Abgeschiedenheit von Deans Zimmer lange Zeit damit, sich innig zu küssen und jeden Zentimeter ihrer Körper zu erkunden, den sie mit den Händen oder ihren Lippen erreichen konnten. Sie ließen sich Zeit, genossen jeden Augenblick, und unabhängig davon, was in dieser Nacht noch passieren sollte, war das hier schon jetzt mehr, als sich Dean je erträumt hatte.

Mit der Zeit wurden auch die letzten Unsicherheiten von einer Welle des Verlangens regelrecht hinfort gespült. Es war kein Platz mehr dafür, sondern nur für den jeweils anderen. Stattdessen herrschte schon nach kurzer Zeit ein blindes Einverständnis zwischen ihnen, das jegliche Worte überflüssig machte. Dean wusste, er wollte Castiel und der Engel wollte ihn.

Castiel überließ ihm die Kontrolle, ohne darüber nachdenken zu müssen. Behutsam bereitete Dean ihn vor, küsste die halbgeöffneten Lippen, das ausgeprägte Schlüsselbein, seine kleinen, harten Brustwarzen … jede Stelle des makellosen Körpers, die er erreichen konnte. Als er der Meinung war, ihn lange und ausgiebig genug vorbereitet zu haben, zog Dean ihn in eine warme Umarmung, umschloss ihn regelrecht mit seinem Körper, und sank mit angehaltener Atmung vorsichtig in ihn hinein.

Castiel entwich ein raues Keuchen und für eine Weile verharrten sie eng umschlungen auf der Matratze. Gaben einander Zeit, um den wilden Herzschlag zu beruhigen. Erst, nachdem sie sich an das unbeschreibliche Gefühl gewöhnt hatten, hob Dean behutsam seine Hüften an und begann, sich in ihm zu bewegen. Anfangs nur langsam und behutsam, doch mit der Zeit stetig schneller und tiefer, bis sie einen Rhythmus fanden, der für sie beide funktionierte.

Dean war überwältigt von dem Gefühl, das ihn mit jedem verstreichenden Augenblick mehr und mehr überrollte. Das Gefühl, ihm so nah zu sein wie noch nie zuvor, von Verbundenheit, Intimität und Halt, das sie einander gaben. In diesem Moment wusste Dean, das hier war das einzig Richtige. Dass keine Macht dieser Welt das starke Band zwischen ihnen je zerstören konnte.

Es dauerte nicht lange, bis Castiels Atem in raschen, flachen Zügen über die Lippen kam und er mit einem erstickten Keuchen den Kopf in den Nacken warf. Als er seinen Höhepunkt erreichte, küsste Dean ihn innig auf die Lippen, um die tiefen Schreie zu dämpfen. Als auch Dean wenig später kam und das Gesicht gegen den Hals des anderen drückte, hielt Castiel ihn liebevoll in den Armen und küsste ihn auf die mit warmem Schweiß benetzte Schläfe.

Eine Zeitlang verharrten sie auf der Matratze, dicht an den Leib des anderen geschmiegt, mit hämmernden Herzen und übermannt von einer wohligen Mattigkeit. Erst, nachdem die letzten Wellen von Deans Orgasmus abgeklungen waren und sich sein Puls halbwegs normalisiert hatte, hob er träge den Kopf und presste einen liebevollen Kuss auf Castiels Lippen.

Erschöpft hielten sie einander fest, fuhren mit den Händen sacht über die erhitzte Haut des anderen und küssten einander ruhig und langsam. Dean kroch erst von ihm herunter, als eine bleierne Müdigkeit von ihm Besitz ergriff. Castiel deckte sie zu, dann zog er Dean in seine Arme und hauchte einen sachten Kuss auf seine Stirn, aber Dean nahm ihn nur noch am Rande wahr.

Nur wenig später schlief Dean ein, mit geflüsterten Liebesbekundungen und dem beruhigenden Herzschlag des Engels im Ohr.


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