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Rettet den Teufelstopf

von Bibi1098
GeschichteDrama, Freundschaft / P12 / MaleSlash
Joschka Leon Markus Raban Vanessa Willi
10.01.2021
04.05.2021
11
9.849
3
Alle Kapitel
24 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
04.05.2021 840
 
Hey Leute,
hier ist das neue Kapitel. Ich habe zusätzlich zu dieser Geschichte eine OS-Sammlung (Neun Wege), die die Vergangenheit der Jungs beleuchtet, hochgeladen, schaut gerne vorbei :)
Habt Spaß beim Lesen
LG Bibi

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Marlon hingegen stand auf dem Hügel vor dem Teufelstopf und sah wie sich eine Gestalt im dunklen Stadion bewegte. Die Gestalt hielt eine Taschenlampe in der Hand und sah sich um. Langsam schritt Marlon den Hügel hinab, bis er erkannte wer da umherschlich. „Raban, was machst du hier?“ fragte er. Raban wandte sich um und sah Marlon lange an, ehe er sagte: „Ich weiß es nicht genau. Du?“ Er leuchtete sein gegenüber an. „Ich weiß es nicht genau.“ Die Beiden lachten kurz. Ein paar Sekunden standen sie einander gegenüber und sagten nichts. Raban ging rüber zu der alten Tribüne und ließ sich fallen. Marlon setzte sich neben ihn. „Weißt du es wirklich nicht?“ fragte der Ältere. „Ehrlicherweise…Ehrlicherweise hatte ich gehofft, dass wir… dass ich irgendwie eine Antwort auf meine Fragen finden könnte.“ „Auf was für Fragen?“ Raban zuckte die Schultern. „Raban, hör mal, ich habe keine Lust die alles aus der Nase zu ziehen.“ „Warum wir versuchen den Teufelstopf zu retten? Oder was uns, also Joschka und mich, dazu bewegt hat herzukommen? Wir haben ein eigenes, wirklich gutes Leben. Wir sind glücklich.“ „Und doch seid ihr hier.“ Raban nickte. „Hast du eine Antwort gefunden.“ „Ich habe keine Ahnung. Wie wahrscheinlich ist es, dass es einen rationalen Grund dafür gibt?“ Marlon lachte. Er hatte bereits verstanden, dass es ein absolut emotionales Thema war. „Du weißt, dass es keinen rationalen Grund gibt. Es sind die Erinnerungen. Ein rein emotionales Thema.“ Raban lächelte leicht. Emotional war es auf jeden Fall. Freundschaften wurden geschlossen und wieder zerstört, Spiele gewonnen und verloren, aber das allerwichtigste war der eine Moment, der eine Moment vor sieben Jahren. Er erinnerte sich daran, als sei es gestern gewesen. Genau an diesem Punkt saß er, hatte ein Buch in der Hand und lernte für sein Abitur. Joschka hatte ihn damals gefragt, ob sie nach dem Abiball abhauen wollten. Raban hatte ihn fragend angesehen und nur gemeint, dass sie, doch nicht wüssten wohin. Es war ein kleiner Teil von ihm gewesen, den es schon länger zu dem leeren Grundstück dort im Wald zog. Es hatte seinem Onkel gehört und seine Mutter, die es geerbt hatte, nutzte es nicht. Sie schlugen zehn Wochen später genau dort ihre Zelte auf und gingen auf die Reise eine echte Familie zu werden. Eine Familie, die nicht nur aus dem etwas verschobenen Paar bestand. Joschka hatte sich immer gewünscht, dass er irgendwann Vater werden könnte. Raban hielt diese Idee damals für ziemlich absurd und heute? Heute wusste er, dass Joschkas Wunsch alles andere als verrückt gewesen war. Er liebte Basti und Lena. Sie waren eine tolle Familie. „Es ist doch verrückt, wie sehr mir mein Hirn sagt ich solle doch einfach gehen und Camelot und den Teufelstopf zurückzulassen… und doch schreit es zeitgleich ‚Rette die Erinnerung‘.“ Marlon schmunzelte. „Das kann ich leider verstehen. Ich befürchte, dass können wir alle. Unsere Erinnerungen an diesen Ort sind sehr… ich glaube man sagt durchwachsen. Leon hat mir gestern von dem Spiel gegen die Nationalmannschaft erzählt und irgendwie ist da nur Schlechtes hochgekommen. Aber weißt du was?“ Abwartend sah Raban den Älteren an. „Es ist wichtig, dass wir auch die schlechte Erinnerungen aufrechterhalten, um was besser machen zu können.“ Raban lachte und antwortete: „Ich hab nur eins gelernt. Ich lasse meine Kinder auf keinen Fall mit jemandem von hier eine Fußballmannschaft gründen.“ Marlon lies sich nach hinten Fallen und rief dabei laut: „Ahhh…der ging direkt ins Herz!“ Die Beiden lachten, ehe die Tür von Willis altem Wohnwagen aufging.
„Wer ist da?“ fragte der Alte in die Dunkelheit. „Wir sind’s Willi.“ Antwortete Raban. „Wer ist wir?“ fragte Willi. Die beiden jungen Männer sahen sich verwirrt an. „Na siehst du das denn nicht?“ Raban richtete seine Taschenlampe in Willis Richtung. Dieser bewegte sich im Lichtkegel in ihre Richtung und stolperte über eine leere Bierdose. „Nein, ich sehe euch nicht. Ihr sitzt ja schließlich im Dunkeln.“ „Bist du dir da sicher?“ fragte Marlon. „Ja, es ist Mitternacht, natürlich ist es dunkel.“ Raban hob die Taschenlampe, sah kurz Sterne und richtete sie wieder in Richtung Willi. Für einen kurzen Moment hatte er überlegt, ob er sich den Lichtschein nur eingebildet hatte. Ohne lange nachzudenken, fragte er: „Willi? Bist du blind?“ Marlon boxte den Jüngeren auf den Oberarm. „Wie kommst du darauf?“ entgegnete Willi. „Ich habe eine sehr helle Taschenlampe in der Hand und, bevor du fragst, ja sie ist eingeschaltet.“ Willi taumelte zu ihnen an die Tribüne und setzte sich zu ihnen. „Ich bin alt, Jungs, dass wisst ihr doch.“ „Wie lange schon?“ fragte Marlon. Er war in diesem Moment sauer auf sich selbst. Jahre lang waren sie jeden Tag hier gewesen und keiner hatte mitbekommen, dass Willi inzwischen erblindet war. „Es hat vor einigen Jahren angefangen. Völlig blind bin ich seit etwas über einem Jahr.“ erklärte ihr Trainer und fügte hinzu: „aber ich komme klar.“
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