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Rettet den Teufelstopf

von Bibi1098
GeschichteDrama, Freundschaft / P12 / Mix
Joschka Leon Markus Raban Vanessa Willi
10.01.2021
09.06.2021
17
15.168
3
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34 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
27.04.2021 739
 
Hey,
hier ist auch schon das nächste Kapitel.
Habt Spaß beim Lesen.
LG Bibi

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Die beiden standen da und schwiegen. Die Sonne begann langsam, aber sicher unterzugehen. Der Horizont färbte sich von blau zu lila und Raban und Joschka packten ihr Werkzeug ein. „Das ist mein Zeichen zu gehen. Ich habe nämlich kein Interesse daran, allein mit dir zu sein.“ Vanessa verließ Camelot.
Das alte Baumhaus stand still und starr in der Dämmerung. Maxi saß allein im hohen Gras, „Wir hauen ab, die Kids müssen ins Bett.“ erklärte Joschka, der Lena auf dem Arm hatte. Maxi nickte stumm. Er war voll und ganz in seine Gedanken verfallen. Es saß einfach so da und starrte auf ihre alte Festung. Auf dem echten Camelot hatten die Ritter der Tafelrunde gesessen. Früher, ja früher, hätte man die Kerle mit ihnen vergleichen können. Sie waren immer füreinander eingestanden, hatten einander geholfen und kämpften für ihre Rechte und ihren Willen. Jetzt stand das alte Baumhaus da und zerfiel in seine Einzelteile. War das mit Camelot auch passiert? Hatten die Ritter es verlassen und einfach so der Natur überlassen. Für Maxi war es das traurigste, was hätte passieren können. Es tat ihm weh. Ein Schatten fiel über seine Knie. „Worüber denkst du nach?“ fragte Markus und ließ sich neben ihm in das Gras fallen. „Ehrliche Antwort?“ Markus nickte. „Ich dachte darüber nach, wie zerfallen unser schönes Camelot ist. Ich konnte mir damals nicht vorstellen, es zurückzulassen, alle anderen sind weitergezogen. Nur ich sitze noch hier und weiß nicht so wirklich was ich mit dem Leben anfangen soll.“ „Ich komme regelmäßig her. Nachts, meistens allein und starre auf den kleinen Bach hinterm Haus.“ „Aber du und Düse, habt ihr nicht über eine Familie nachgedacht?“ Markus schnaubte. „Das Vampirgift hat über die Jahre alles, damit meine ich alles, kaputt gemacht. Kinder werden wir wohl nie bekommen. Heiraten können wir nicht. Du glaubst doch nicht, dass irgendein Standesamt den Namen Düsentrieb von Theumer akzeptiert, oder?“ Er schmunzelte. „Wie meinst du das?“ Maxi war verwirrt. „Ist Blossoms Name immer Blossom gewesen?“ Fragend zog Maxi eine Braue hoch. „Die Mädchen haben Jahrhunderte mit ihrem Spitznamen gelebt. Düsentrieb ist nicht ihr echter Name, aber sie weiß ihren echten Namen nicht. Kein Name, kein Personalausweis, keine Heirat, keine Adoption. Unser Leben ist kein bisschen weiter fortgeschritten als deines. Wir treten auf der Stelle.“ Traurig sah Markus Maxi an. „Und da kann man nichts machen?“ fragte Maxi. Markus schüttelte den Kopf. „Blossom hat oft den Sonnenaufgang beobachtet. Die Freude in ihren Augen war mit am schönsten. Ich habe völlig vergessen, dass jede von ihnen ihre eigene Geschichte hat.“ „Wieso hast du Blossom verlassen?“ Markus öffnete eine Dose Bier und reichte sie Maxi. „Wir mussten feststellen, dass wir nie die gleichen Ziele hatten. Sie wollte auf Bali bleiben, dort fand sie die Sonnenaufgänge am schönsten. Ich fühlte mich dort aber nie wirklich sicher, oder wohl. Mir fehlte etwas, etwas wirklich Wichtiges. Also bin ich gegangen und habe mein Glück woanders gesucht.“ Er nahm einen kräftigen Schluck. „Und du hast es nicht gefunden.“  „Nein, ich dachte ich hätte es. May war wundervoll, aber auch sie war nicht meine Endstation.“ Maxi zuckte die Schultern. „Wie lange habt ihr zwei schon euren Laden?“ Maxi wechselte das Thema. „Seit zwei oder drei Jahren. Es läuft gut. Wir verkaufen viele Räder an den Rennsport.“ „Und zwischen euch? Leidet eure Beziehung nicht unter dem gemeinsamen Geschäft?“ Markus lachte laut. „Nenn‘ es doch Leidenschaft und nicht Geschäft. Wir lieben, was wir tun und haben hart dafür gearbeitet. All der Stress hat sich gelohnt.“ Er lächelte. Maxi hatte dieses Funkeln in seinen Augen noch nie gesehen. „Du liebst sie, wie vor zehn Jahren, oder?“ Markus nickte, bis sich auf die Unterlippe und gab ein leises Kichern von sich. „Verrückt, oder?“ Es war inzwischen ganz dunkel geworden. Die schwarze Decke hatte sich über die Bäume gelegt, hier und da schwirrten Glühwürmchen. „Ich gehe jetzt nach Hause zu meiner Freundin und kuschle mich ins weiche Bett. Wo pennst du?“ „Bei meinem alten Herren, wo denn sonst?“ „Du könntest bei uns schlafen, wenn du willst.“
Maxi lehnte dankend ab und fuhr Heim. Er öffnete die schwere Tür, legte seinen Schlüssel auf dem alten Eichentischchen ab und rief: „Papa, ich bin zu Hause.“ Auf dem Küchentisch stand ein Pizzakarton. Maxis Vater war nicht da. Der junge Mann nahm sich ein Stück Pizza, schaltete den Fernseher an und lies die Ereignisse des Tages Revue passieren.
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