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Ein magischer Moment

GeschichteDrama, Romance / P12 / Het
Jim Beckett Kate Beckett Martha Rodgers Richard Castle
10.01.2021
28.01.2021
7
15.752
11
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57 Reviews
Dieses Kapitel
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25.01.2021 2.357
 
Rick hatte in der Nacht lange Zeit am Laptop gesessen und an einem Roman gearbeitet. Abgabetermine waren etwas, die leider nicht zu verschieben waren. Dadurch war der Schlaf viel kurz gekommen und so passierte, was er niemals für möglich gehalten hätte … er schlief mitten während des Vorlesens ein. Irgendwann sackte sein Arm zur Seite, das Buch fiel ihm aus der Hand und landete auf dem Boden.

Ob es das Geräusch des auf den Boden fallenden Buches oder letztlich nur Zufall war  … wer weiß, aber genau in dem Moment schlug Kate ihre Augen auf.
Oh, verdammt ist das hell. Wieso habe ich nicht das Rollo runtergezogen
Sie drehte den Kopf ein wenig zur Seite … blinzelte … blinzelte noch einmal … doch das Bild verschwand nicht. Neben ihrem Bett saß Rick Castle.
Was zum Henker macht Rick in meinem Schlafzimmer? Und warum sitzt er an meinem Bett. Schlafend?
Kate rieb sich über die Augen und blinzelte noch einmal in seine Richtung. Er war immer noch da
Gott, muss ich einen Kater haben. Oder ich schlafe und träume. Ja, das wird es sein. Ich warte einfach, bis ich aufwache. Dann ist Rick verschwunden und ich wieder allein in meinem Schlafzimmer. Vielleicht fühle ich mich dann auch nicht mehr, als hätte mich ein Laster gleich mehrfach überrollt.
Kate schloss ihre Augen, entspannte sich ein wenig … Moment, mein Schlafzimmer? Kate öffnete blitzschnell wieder die Augen, stöhnte erneut wegen der Helligkeit und schaute sich um.
Eindeutig nicht mein Schlafzimmer … nicht mein Bett. Weiße Wände, Geräte. Was mach ich denn in einem Krankenhaus?
Die junge Frau dachte angestrengt nach. Zunächst ohne Erfolg, doch dann kamen nach und nach die Erinnerungen.
Ich war bei der Beerdigung vom Captain, hielt meine Rede … dann war da ein Knall und ein kurzer Schmerz
Kate versuchte sich an das danach zu erinnern, aber da war nur Leere.
Dieser Schmerz … ach Scheiße. Deswegen bin ich hier Nur weshalb Rick an ihrem Bett saß war ihr noch immer ein Rätsel.
Gibt wohl nur einen Weg, das herauszufinden
„Rick?“ Kate erschrak über ihre eigene Stimme, da sie mehr einem Krächzen glich. Sie räusperte sich einige Male und gerade als sie den Namen des Schriftstellers wiederholen wollte, schlug dieser seine Augen auf.  „Na, gut geschlafen?“ Immer noch etwas kratzig, aber besser als eben
Das Gesicht von ihm, als er begriff das er nicht träumte, sondern sie wirklich mit ihm sprach, würde Kate nie vergessen.
„Kate?!?!?!?“ Rick sprang so schnell von seinem Stuhl auf, dass dieser nach hinten umkippte. „Kate.“ Ganz ehrfürchtig schaute er sie an und ihr wurde ganz warm ums Herz. „Ich muss … ich muss. Was muss ich? Ach ja, den Arzt holen.“ Rick wollte loslaufen, überlegte es sich,  beugte sich vor und gab Kate einen Kuss, erst dann rannte er los.
Benommen strich Kate sich über die Lippen. Ich träume offenbar doch und immer noch

Wenig später kam Rick zurück … im Schlepptau den Arzt und eine Krankenschwester. Alle drei strahlten, als hätten sie im Lotto gewonnen.
„Da sind Sie ja wieder, Mrs. Beckett“, meinte der Arzt. „Ich bin Dr. Cunningham. Wie geht es Ihnen?“
„Sagen Sie es mir.“
„Erinnern Sie sich daran, was passiert ist?“
„Ja“, erwiderte sie leise. „Ich war auf der Beerdigung meines Captains. Dann war da ein Schmerz und mehr weiß ich nicht. Bin ich angeschossen worden?“
„Ja, Mrs. Beckett. Und Sie haben uns wirklich ziemlich viel Kummer bereitet“, begann der Arzt ihr behutsam zu erklären. „Bei der Operation erlitten Sie einen Herzstillstand und wachten aus der Narkose nicht auf. Sie lagen sieben Wochen im Koma und mussten eine Zeitlang künstlich beamtet werden. Aber Sie sind aufgewacht und können mit uns völlig normal sprechen. Das stimmt mich zuversichtlich, dass Sie sich vollständig erholen werden. Es wird nur eine Weile dauern.“ Er wartete einen Moment auf eine Reaktion. „Haben Sie mich verstanden, Mrs. Beckett?“
„Habe ich, Doktor. Ich fühle mich nur … ich weiß nicht, noch nicht ganz da, würde ich sagen.“
„Das ist verständlich. Die Schwester wird sie in Kürze zu den ersten Untersuchungen abholen, die kann ich Ihnen leider nicht ersparen.“
„Ist in Ordnung. Danke, Doktor Cunningham.“
„Wir sehen uns später.“
Der Arzt und die Schwester verließen das Zimmer. Kate und Rick waren allein. Stumm schauten sie sich an.
„Was machst du hier, Rick? Es mag noch alles etwas wirr in meinem Kopf sein, aber ich weiß, dass wir uns seit zwei Jahren nicht gesehen haben.“
Rick hob den Stuhl sowie das Buch auf und setzte sich. „Das stimmt. Leider. Ich hätte es mir anders gewünscht.“
Was soll das denn bedeuten?
„Was machst du hier?“, wiederholte Kate ihre Frage. „Oder anders gefragt … wie kommst du hierher?“
„Durch die Tür“, lächelte er. „Und das soll jetzt keine Veralberung sein, Kate. Ich hatte einen Freund besucht und als ich gehen wollte, bin ich auf der falschen Etage ausgestiegen … und ehe ich mich versah befand ich mich in diesem Zimmer.“ Nun erklärte Rick ihr genau die Zusammenhänge. „Tja, so war es. Deswegen bin ich hier.“
„Du hast mich nicht erkannt?“ Die ganze Geschichte klang seltsam, aber das besonders.
„Verband um den Kopf, Beatmungsschlauch, Augen geschlossen? Nein Kate, ich habe dich nicht erkannt. Doch ich habe gespürt, dass da etwas zwischen uns ist.“
„Wieso Verband um den Kopf?“
„Du bist beim Fallen auf einen Stein gestürzt und hattest dir eine Wunde am Hinterkopf zugezogen.“
„Verstehe.“ Dafür verstand sie etwas anderes nicht. „Dad hat dich wirklich gebeten, mich zu besuchen? Obwohl er dich nicht kannte?“
„Er hatte keine Erklärung dafür und ich auch nicht. Wir haben uns darauf geeinigt, es einfach so hinzunehmen.“
Darüber muss ich noch mal mit Dad sprechen „Und wann hast du mich erkannt?“
Rick räusperte sich. „Nun ja, ähm, als ich dein Tattoo sah.“
„Mein Tattoo?“
„Nicht was du denkst!“
„Was denke ich denn?“
„Was Unanständiges. Lanie hatte mal dein Tattoo erwähnt. Das vierblättrige Kleeblatt und da setzte sich ein Gedanke in mir fest, der mich nicht losließ. Wirklich daran geglaubt habe ich nicht, aber es nicht zu wissen, machte mich verrückt. Also habe ich meinen Mut zusammengenommen und Jim gebeten, mir das Tattoo zu zeigen. Er muss gespürt haben, wie wichtig das für mich war. Es war wie ein Schlag, als ich begriff dass du wirklich meine Kate bist.“
Seine Kate?  „Das ist alles so verwirrend“, erwiderte sie. „Und ich bin so müde.“
„Natürlich. Entschuldige, dass ich daran nicht gedacht habe. Ich hätte dich vor den Untersuchungen lieber etwas schlafen lassen sollen, statt dich zuzutexten.“
„Ich habe dich doch darum gebeten, mir alles zu erzählen. Und danke Rick.“
„Wofür?“
„Das du in den letzten Wochen hier warst.“
„Immer.“
Die Tür ging auf und Schwester Marion kam herein. „So, Mrs. Beckett. Los geht es.“
„Rick …“
„Ich benachrichtige deinen Dad“, versprach Rick. „Und auch Lanie und die Jungs.“
Er kann meine Gedanken erraten. Das wird jetzt echt mysteriös
„Danke.“
„Immer.“

Die Schwester schob Kate samt Bett nach draußen, schloss die Tür und Rick atmete erst einmal durch. Da hoffte und betete er wochenlang, dass Kate endlich aufwachen würde und dann verschlief er diesen Moment. Egal. Wichtig war nur, Kate war aufgewacht! Rick hätte jubeln können, als ihm das nun wirklich bewusst wurde. Er holte sein Handy aus der Tasche. Bis Kate zurückkam, wollte er die versprochenen Anrufe erledigt haben. Oh, was würden sie alle staunen.

~~~~

Lanie seufzte und konnte ihren Blick nicht von Kate nehmen, der das langsam unheimlich wurde.
„Was ist los, Lanie? Habe ich einen Fleck auf der Nase?“
„Nein“, schniefte ihre Freundin. „Es ist nur … ich hatte so eine Angst, dass du nie wieder aufwachen würdest, Kate. Und den Jungs ging es genauso. Und jetzt bist du nicht nur wach … es geht dir gut. Ich kann mit dir reden. Du hast keine Ahnung, was wir alle durchgemacht haben.“
Kate schluckte und schämte sich. Wie es ihrem Vater ergangen war, hatte sie ahnen können, aber dass ihre Freunde genauso gelitten haben … darüber hatte sie nicht nachgedacht.
„Es tut mir leid, Lanie. Ich habe nicht daran gedacht.“ Sie breitete die Arme aus. „Komm mal her.“
Lanie stand sofort auf und die beiden Frauen umarmten sich. Sehr lange. Dann löste sich Lanie von ihrer Freundin und grinste verschmitzt.
„Sag mal Kate, hat es dich nicht umgehauen als du aufgewacht bist und ein fremder Mann saß an deinem Bett, der sich als dein Lieblingsautor entpuppte?“
„Hat es wirklich“, nickte Kate. „Allerdings aus einem anderen Grund.“
„Ach ja?“
„Rick war mir nicht fremd, Lanie.“
Lanie bekam große Augen. „Ihr zwei habt euch schon vorher gekannt?“ Kate nickte. „Seit wann?“
„Wir lernten uns vor zwei Jahren kennen.“
„Wow. Dann haben dein Dad und Rick gelogen, als sie sagten ihr würdet euch nicht kennen.“
„Nein, haben sie nicht. Rick hat mich wegen des Verbandes und des Beatmungsschlauchs nicht erkannt … bis er mein Tattoo sah.“
Lanie schüttelte den Kopf. „Moment, ich komme da  nicht mehr mit. Wieso hat er dein Tattoo gesehen? Er hat doch nicht etwa …?“
„Nein, er hat nicht einfach nachgesehen“, beruhigte Kate ihre erboste Freundin schmunzelnd. „Er bat Dad es sehen zu dürfen. Nachdem du es erwähnt hattest, musste er sich vergewissern. Es hätte das gleiche Tattoo, aber an anderer Stelle sein können.“
„Mhm.“ Lanie kniff die Augen zusammen, als ihr klar wurde, was es bedeutete, dass Rick wusste, wo sich das Tattoo befand. Das war schließlich keine Stelle, die auf den ersten Blick zu sehen war. Nicht wenn Kate Kleidung trug. „Ihr habt damals miteinander geschlafen?“ Ihre Stimme überschlug sich vor Aufregung beinahe.
Kate seufzte bei der Erinnerung. „Haben wir.“
„Und es war offenbar gut.“
„Eine Frau genießt und schweigt“, grinste Kate.
„Erzählst du mir, wie ihr euch kennengelernt habt?“
Kate nickte und ihr Blick ging in die Ferne, als sie an diesen Abend dachte, der ihr Leben verändern sollte, was sie zu dem Zeitpunkt natürlich nicht wusste.
„Ich hatte einen ziemlich blöden Tag und war ins The Old Haunt gegangen, um ein Bier zu trinken. Als ich reinkam lief im Hintergrund <Piano Man>. Alle Tische waren besetzt, nur an der Theke waren noch Plätze frei. Aber wirklich eine Auswahl hatte ich trotzdem nicht, weil die Männer mich alle mit gierigen Blicken anschauten. Ich wollte entspannen und mich nicht gegen betrunkene Typen zur Wehr setzen müssen. Wobei vermutlich schon ein leichter Schubs gereicht hätte, um sie von ihren Hockern zu befördern. So setzte ich mich neben den einzigen Typen, der mit dem Rücken zur Tür saß und sich nicht mal umgedreht hatte, als ich reingekommen war.“
Kate musste noch im Nachhinein grinsen, als sie daran dachte, dass sie darüber eigentlich hätte beleidigt sein müssen.
„Als ich mich hinsetzte, stieß ich ihn versehentlich an und entschuldigte mich natürlich sofort. Er meinte nur <nichts passiert> und schaute mich an. Mir blieb fast das Herz stehen, als ich erkannte neben wen ich mich gesetzt hatte. Doch ich schaffte es, mir nichts anmerken zu lassen. Ich bestellte mein Bier und nach ein paar Minuten kamen wir ins Gespräch. Wie viele andere hatte auch ich, aufgrund der ganzen Medienberichte, Vorurteile gegen ihn. Als Autoren mochte ich ihn, als Mensch konnte ich das nicht unbedingt behaupten. Aber er überraschte mich. Rick war klug, witzig und … natürlich … äußerst charmant. Wir unterhielten uns hervorragend, aber alles Persönliche ließen wir außen vor. Das war wie eine stumme Vereinbarung zwischen uns, daher nannten wir auch nur unsere Vornamen. Irgendwann, es muss um Mitternacht rum gewesen sein, verließen wir die Kneipe. Es war warm, wir gingen zu Fuß. Er bestand darauf, mich nach Hause zu bringen  … und blieb über Nacht. Für uns beiden war klar, dass es nur eine Nacht werden sollte. Keine Verpflichtungen, kein Bedauern danach. Nur atemberaubender Sex. Am nächsten Morgen brachte er mir Frühstück ans Bett und verabschiedete sich. Wenn ich nicht in einem völlig zerwühlten Bett gelegen und das Schlafzimmer nach seinem After Shave gerochen hätte, wäre ich wohl in Versuchung gekommen, zu glauben, geträumt zu haben.“
„Kate Beckett, tztz“, meinte Lanie breit grinsend. „Du bist mir ja eine. Und er brachte dir echt Frühstück ans Bett?“
„Ja.“
„Und ging dann einfach?“
„Ebenfalls ja.“
„Das habe ich noch nie erlebt“, seufzte Lanie. „Meistens sind die Typen schon weg, wenn ich aufwache.“
„Arme Lanie“, lachte Kate. Allerding fragte sie sich bis heute, warum Rick das gemacht hatte.
„Und wie. Aber sag mal … warum hast du mir damals nichts davon erzählt? Wir haben doch sonst keine Geheimnisse voreinander.“
„Es hatte nichts damit zu tun, dass ich es geheim halten wollte. Na ja, schon, aber nicht vor dir. Ich konnte es nicht, Lanie. Irgendwie war da das Gefühl, dieser Zauber würde verfliegen wenn ich darüber spreche. Und ich hatte doch nicht mehr als die Erinnerung.“
„Du hattest dich in Rick verliebt, oder?“
Kate zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht. Kann man sich in jemanden verlieben, mit dem man ein paar Stunden in einer Kneipe verbrachte und anschließend Sex hatte?“
„Ihr hattet keinen Sex, liebe Kate. Deiner Rede nach war es mehr eine Offenbarung … und ja, man kann sich in so jemanden verlieben.“ Lanie lächelte verschmitzt. „Und selbst wenn du dich damals nicht ihn verliebt hast, was eher unwahrscheinlich ist, hast du es inzwischen getan.“
„Innerhalbe eines Tages? Ich bin erst gestern aufgewacht, Lanie.“
„Dafür reichen mitunter schon Sekunden, meine liebe Kate.“
„Vielleicht.“
„Ganz sicher, meine Süße.“ Lanie dachte kurz nach. „Was ich  mich grad frage, wie kam Rick eigentlich in dein Zimmer, wenn er weder Jim kannte noch dich erkannt hatte?“
„Durch einen Zufall“, begann Kate mit dem, was Rick ihr erzählt hatte.
„Das war kein Zufall“, sinnierte Lanie hinterher mit glänzenden Augen. „Das war ein magischer Moment.“
„Lanie, du schaust zu viele Liebesfilme“, erwiderte Kate milde lächelnd, gab ihr aber innerlich recht. Etwas war an diesem Abend … und in der Nacht … vor zwei Jahren geschehen. Sie hatte nur noch keinen Namen dafür.

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Na, ich hoffe ihr seid nun zufrieden das Kate aufgewacht ist und, das Wichtigste dabei, es ihr gut geht. Hätte ja auch anders sein können.  Und in Rick ist sie ja vielleicht verliebt ;-)

Und falls ihr ein Gespräch Jim/Kate vermisst - dafür fiel mir irgend nichts nennenwertes ein. Gebe ich zu. Fand ich allerdings auch realtiv überflüssig. Das Kate/Lanie Gespräch war wichtiger ;-)

In drei Tagen kommt dann das letzte Kapitel - heul!
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