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Ein magischer Moment

GeschichteDrama, Romance / P12 / Het
Jim Beckett Kate Beckett Martha Rodgers Richard Castle
10.01.2021
28.01.2021
7
15.752
11
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Dieses Kapitel
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19.01.2021 2.351
 
Jim war heute wieder einmal etwas früher gekommen und beobachte Rick nun schon eine Weile. Er war ruhiger, irgendwie in sich gekehrt und Jim begann sich Sorgen zu machen.
„Rick, haben Sie ein Problem? Kann ich Ihnen helfen?“
Rick schreckte hoch, lächelte verlegen. „Könnten Sie schon, Jim. Die Frage ist, ob sie es auch tun … wenn Sie erfahren, worum es geht.“
„Da bin ich jetzt aber mal gespannt.“
Rick atmete durch. „Kate hat doch ein Tattoo … ein vierblättriges Kleeblatt. Lanie erwähnt es.“
„Ja, hat sie. Und?“
„Würden Sie es mir zeigen? Ich muss nur einen kurzen Blick darauf werfen. Bitte.“
Jim wollte das natürlich sofort rundweg ablehnen und Rick zurechtweisen, dass ihn das nun wirklich nichts anginge, als ihm sein flehentlicher Blick begegnete. „Warum ist Ihnen das so wichtig?“
„Seit zwei Tagen, seit Lanie es erwähnte, kreisen irre Gedanken in meinem Kopf und wenn ich das nicht endlich kläre, werde ich noch verrückt.“
Dein Eindruck hatte der Anwalt auch. Das war also der Grund, weswegen Rick die letzten beiden Tage so abwesend wirkte. Jim hatte schon die Befürchtung, er hätte keine Lust mehr, jeden Tag herzukommen. Was ihm niemand verübeln könnte, schließlich hatte er mit Kate nichts zu tun. Eigentlich war es Jim eh ein Rätsel, weswegen der junge Mann sich überhaupt darauf eingelassen hatte.

Jim stand auf und trat an das Bett seiner Tochter. „Tut mir leid, Katie, aber ich habe den Eindruck es ist wirklich sehr wichtig. Nicht nur für Rick“, flüsterte er seiner Tochter zu, bevor er die Bettdecke etwas zur Seite schlug und das Klinikhemd, welches Kate trug, ein wenig runterzog. Nicht viel, nur weit genug das Rick das Tattoo erkennen konnte.
Rick schnappte nach Luft. „Grundgütiger“, murmelte er. „Sie ist es wirklich.“ Es war ziemlich unwahrscheinlich, dass eine andere Frau das gleiche Tattoo an der gleichen Stelle haben würde. Oberhalb der linken Brust.
„Wer ist sie?“, wollte Jim wissen, während er Kate wiederherrichtete.
„Die Frau, in die ich mich vor zwei Jahren verliebt habe.“ Rick seufzte frustriert. „Nur habe ich das leider erst gemerkt, als es zu spät war. Zu dem Zeitpunkt war ich auf einer Lesereise. Wie Sie es sich vorstellen können, waren viele weibliche Fans gekommen und einige von denen machten mir ganz unverhohlen Avancen.“
Das klang nicht überheblich, sondern eher angewidert, wie Jim fand. „Das kann ich mir sehr gut vorstellen.“
„Es waren Frauen dabei, bei denen ich sonst nicht nein gesagt hätte“, gab Rick zu.
„Diesmal aber schon?“
„Ja. Diesmal interessierte mich keine einzige von denen. Im Gegenteil. Ich fand es grauenvoll. Was mich zugegebenermaßen selbst ziemlich überraschte. Zurück im Hotelzimmer, allein mit einer Flasche Wein, grübelte ich über den Grund nach.“ Rick schaute zu Kate und sein Blick nahm wieder diesen weichen Ausdruck an, den Jim mittlerweile kannte. „Sie war der Grund.“ Er zuckte, wie entschuldigend, die Schultern. „Ich habe, unbewusst, alle Frauen mit Kate verglichen und keine von denen konnte auch nur im Entferntesten mit ihr mithalten.“
„Wow, da hatte es Sie aber ganz schön erwischt“, stellte Jim fest und fragte sich gleichzeitig, warum Kate ihm nichts von dieser Beziehung erzählt hatte. Oder gab es gar keine? Ein wenig verwirrend fand der Anwalt das alles schon.
„Und wie“, nickte Rick mit einem tiefen Seufzer.
„Und Kate?“ Vielleicht würde er jetzt Antworten bekommen.
„Tja, das hätte ich gerne rausgefunden, aber ich kannte ihre Telefonnummer nicht. Ich musste also warten, bis die Lesereise endlich vorbei war. Sechs lange Wochen. Dann bin ich direkt vom Flughafen zu ihr gefahren, um ihr von meinen Gefühlen zu erzählen und sie um ein Date zu bitten.“ Rick seufzte, was ziemlich traurig klang … genau wie seine Stimme, als er fortfuhr. „Als ich an ihrer Wohnung ankam, öffnete ein Typ, Marke Bodybuilder. Ich dachte zuerst, das wäre vielleicht ihr Freund, aber als ich zaghaft fragte, ob Kate zuhause wäre, schaute mich der Typ an, als würde ich chinesisch sprechen. Er hatte keine Ahnung, von wem ich sprach. Das beruhigte mich zwar, brachte mich aber leider keinen Schritt weiter. Ich hatte keine Anhaltspunkte, wo ich sie hätte suchen sollen. Keinen Nachnamen, keine Telefonnummer. Nichts.“
Da Jim wusste, dass die jungen Leute sich meistens nur mit dem Vornamen vorstellten, wunderte ihn das nicht so sehr. Ein paar andere Dinge schon.
„Da ist es dann wirklich schwer jemanden zu finden, selbst mit Ihren Beziehungen. Eines würde mich interessieren, Rick.“
„Ja?“
„Wann haben Sie sich in Kate verliebt? Besser gefragt, wann und wo haben Sie sich überhaupt kennengelernt?“
Rick überlegte, was er Jim erzählen sollte und beschloss bei der Wahrheit zu bleiben. Zumindest bis zu einem gewissen Punkt.
„Wie erwähnt ist es zwei Jahre her. Es war ein anstrengender Tag gewesen und so bin ich noch in meine Stammkneipe <The Old Haunt>, um ein Bierchen zu trinken. Es wurde gerade <Piano Man> gespielt. In der Kneipe war es voll, ich saß an der Bar, mit dem Rücken zum Eingang, spürte aber einen Lufthauch, als sich die Tür öffnete. Die anderen Männer an der Theke starrten wie gebannt zur Tür und ich hatte das Gefühl, den lief das Wasser im Mund zusammen.“ Entschuldigend sah Rick den Vater von Kate an, aber der lächelte nur. Er wusste schließlich um die Wirkung seiner Tochter. „Ich drehte mich nicht um, obwohl ich zugegeben schon neugierig war.“  Und das Gefühl hatte, gleich würde etwas Bedeutendes passieren „Beim Hinsetzen stieß sie mich an und entschuldigte sich sofort. Wir kamen ins Gespräch, und obwohl ich mir sicher war, dass sie mich erkannt hatte, da war so ein Aufblitzen in ihren Augen als sie mich sah, ließ sie sich sonst nichts anmerken. Eigentlich bin ich dann besonders vorsichtig, weil ich nie weiß, ob sich auf diese Weise nicht eine Sensationsreporterin an mich ranmachen will, aber bei Kate … keine Ahnung … ich habe ihr einfach sofort vertraut.“
Donnerwetter. Den hatte es aber echt erwischt  Nun wusste Jim auch, dass Rick keinen Weg gefunden hatte, seine Frauengeschichten aus der Presse rauszuhalten … es gab keine mehr. Nicht seit diesem Abend.
„Und weiter?“
„Wir haben den Abend miteinander verbracht und uns richtig gut unterhalten. Es war einfach nur schön. Später, ich glaube es muss schon um Mitternacht rum gewesen sein, habe ich Kate nach Hause gebracht. Es war noch warm, wir sind zu Fuß gegangen, damit wir noch etwas mehr Zeit hatten.“
Jim wartete einen Moment, doch mehr wollte Rick offenbar nicht erzählen. „Nun werden Sie mir aber nicht weismachen wollen, dass Sie Kate nur bis zur Haustür brachten und sich dann brav verabschiedet haben, Rick.“ Der Anwalt lachte, als Rick etwas zusammenzuckte. „Aha, erwischt. Mein lieber Junge, ich bin weder prüde noch von gestern. Mir ist sehr wohl bewusst, dass meine Tochter nicht wie eine Nonne lebt.“
„Nun ja, es zu wissen ist doch etwas anderes als davon zu hören“, meinte Rick.
„Stimmt auch wieder. Gut, die Einzelheiten der Nacht lassen wir mal weg“, meinte Jim amüsiert. „Aber was geschah dann?“
„Nichts. Am nächsten Morgen bin ich gegangen.“ Eine Kleinigkeit ließ Rick in seiner Erzählung aus, weil er selbst nicht wusste, warum er das damals getan hatte. „Sowohl für Kate als auch für mich war klar, dass es lediglich eine Nacht sein sollte. Sie meinte, sie hätte keine Zeit für eine Beziehung, weil ihr Job sie so forderte. Welchen Job sie hatte, sagte Kate nicht … und ich fragte nicht. Unverbindlicher Sex. Mehr sollte es nicht sein.“ Rick schaute Jim entschuldigend an. „Auch nichts, was man über seine Tochter hören möchte. Tut mir leid.“
„Schon gut, Rick. Es ist schon seltsam, aber Kate ist erwachsen und führt ihr eigenes Leben. Mit allem drum und dran.“
„Darf ich Sie etwas fragen, Jim?“
„Nur zu.“
„In den letzten beiden Jahren … hatte Kate da einen Freund?“
„Nein, da gab es niemanden. Sie mag mir das ein oder andere verschwiegen haben, aber einen Freund hätte sie auf jeden Fall erwähnt. Und ihn mir vorgestellt.“
„Danke, Jim.“ Rick nickte zufrieden. Vielleicht hatte Kate ihn ja auch nicht vergessen können.
„Sagen Sie Rick, als sie in der Krankenakte den Namen gelesen haben … kamen Sie da gar nicht ins Grübeln?“
„Dafür gab es keinen Grund“, entgegnete Rick. „Natürlich dachte ich sofort an die Frau von damals. Aber mit Ihrer Tochter habe ich sie nicht in Verbindung gebracht. So selten ist der Name Kate schließlich nicht. Und erkannt habe ich sie nicht … wie auch. Ihre schönen Haare sind von dem Verband verdeckt, die ausdrucksstarken Augen geschlossen.  Und sie ist so blass.“ Bleich traf es eher. „Von dem Tubus mal abgesehen. Der verändert das Aussehen ziemlich.“
„Stimmt.“ Jim hätte seine Tochter bald selbst nicht erkannt, als er sie das erste Mal nach der Operation wiedergesehen hatte. Wie hätte es da also Rick tun sollen.
„Würden Sie das bitte für sich behalten, Jim? Ich meine, das Kate und ich uns kennen? Vielleicht möchte Kate nicht, dass es jemand erfährt.“
„Mit jemand meinen Sie ihre Freunde?“
„Ja. Ich möchte da einfach nicht vorpreschen. Wenn Kate aufwacht kann sie selbst entscheiden, ob sie ihnen davon erzählt.“ Natürlich gab es noch die Möglichkeit, dass Kate gar nicht mehr aufwachen würde und dann bräuchte es erst recht niemand wissen. „Sie scheint selbst Lanie nichts erzählt zu haben, sonst hätte sie mich bestimmt längst darauf angesprochen.“
„Das denke ich auch“, nickte Jim. „In Ordnung, ich verrate nichts.“
„Danke.“ Rick schüttelte den Kopf. „Ich kann es einfach nicht glauben. Kate, meine Kate.“ Er strich ihr zärtlich über die Wange. „Jetzt musst du erst recht aufwachen, hörst du? Wir zwei sind noch nicht fertig miteinander.“  Noch lange nicht
Jim hoffte inständig, dass Kate ihn nicht enttäuschen würde. Er hatte Rick nicht erzählt, dass die Beziehungen seiner Tochter selten länger als einige Monate hielten, weil Kate nie wirklich Zeit für ihre Partner hatte. Ihr Job bedeutete ihr mehr als alles andere. Doch vielleicht würde es diesem jungen Mann gelingen, ihr zu zeigen, dass es andere Dinge gab, für die es sich zu leben lohnte.

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„Ich bin wieder da, Richard“, rief Martha, als sie das Loft betrat. Es war ein schöner Vormittag gewesen und nun war sie gespannt darauf, was er ihr zu berichten hatte. „Richard?“
Martha hing ihre Jacke an die Garderobe und ging in den Wohnbereich. Rick saß auf der Couch und starrte wie hypnotisiert in ein Glas mit Whiskey. Der Schauspielerin sackte das Herz in die Hose.
„Richard, was ist passiert? Geht es Kate schlechter? Oder, oh Gott, sag nicht, dass sie …“ Martha mochte gar nicht daran denken, geschweige denn es aussprechen.
„Nein, es geht ihr gut. Also so wie immer. Keine Veränderung.“
„Nun, das ist ja erst einmal beruhigend. Aber was versetzt dich dann so in Aufruhr? Irgendwas muss doch geschehen sein.“
„Ist es auch“, nickte Rick. „Und das ist einfach … keine Ahnung. Mir fehlen dafür die Worte.“
„Würdest du mir erzählen was passiert ist?“ Martha setzte sich neben ihren Sohn.
„Kate hat ein Tattoo … ein vierblättriges Kleeblatt.“
„Und?“
„Genau wie meine Kate. An der gleichen Stelle.“
Moment. Das würde ja bedeuten … „Du meinst doch nicht …“
„Doch, Mutter, genau das meine ich. Es gibt nicht zwei Frauen in meinem Leben, die zufällig Kate heißen. Es ist ein und dieselbe Frau.“
„Ach du meine Güte.“ Martha war selten sprachlos, aber jetzt war sie es. „Wow.“
„Du sagst es.“
So fassungslos Martha auch war … eines fiel ihr dennoch ein. „Woher weißt du denn plötzlich, dass diese Kate … also die im Krankenhaus … Himmel ist das verwirrend. Also, woher weißt du von dem Tattoo?“
„Lanie hatte vor zwei Tagen erwähnt, dass Kate eines hätte und wünschte sich, dass es ihr Glück bringen würde. Da es ein vierblättriges Kleeblatt ist. Und irgendwie setzte sich da bei mir ein Gedanke fest, den ich natürlich für absolut absurd hielt.“ Rick atmete durch. „Und heute habe ich all meinen Mut zusammengenommen und Jim gefragt, ob er mir das Tattoo zeigen würde. Er hat wohl gespürt, wie wichtig das für mich war. Tja und als ich das Tattoo sah … an der gleichen Stelle wie bei meiner Kate damals … war alles klar. Sie ist wirklich meine Kate, Mutter.“  Für Rick war das noch immer unfassbar.
Das war es also, was Rick in das Zimmer von Kate geführt hatte. Magie   Martha wurde immer neugieriger auf die Frau, die ihren Sohn so verändert hatte und das, ohne wirklich etwas getan zu haben. „Was sagt Jim?“
„Na ja, der hatte natürlich ein paar Fragen. Wie wir uns kennengelernt haben und so. Ich habe es ihm erzählt.“
„Alles?“ Martha klang fast ein wenig entsetzt, sodass Rick lachen musste.
„Keine Details. Und ich hätte auch gerne verschwiegen, dass wir die Nacht miteinander verbracht haben, aber Jim meinte nur, er wisse schon, dass seine Tochter nicht wie eine Nonne leben würde.“
Martha war noch immer fassungslos. Sie hatte damals mitbekommen wie verzweifelt Richard nach seiner Lesereise gewesen war und als er ihr schließlich anvertraute, sich verliebt zu haben, aber nicht wüsste, wie er seine Traumfrau finden könnte, war sie genauso enttäuscht und traurig. Den Vorschlag, sie über die Medien zu suchen, so in der Art <Rick sucht Kate> lehnte er ab aus Angst, dass rauskommen würde, wer sich hinter dem Namen Rick verbarg … und vor den ganzen Frauen, die dann auf einmal alle Kate hießen.
„Ich hoffe für dich, mein Junge, dass Kate bald aufwacht und ihr beide endlich eure Chance bekommt.“ Was wäre, wenn Kate gar nicht wie Rick empfand, wollte sich Martha lieber nicht vorstellen und den Gedanken, dass die junge Frau vielleicht nie wieder aufwachen oder gar sterben würde, schob sie erst recht weit von sich.
„Danke Mutter.“ Rick stand auf und gab ihr einen Kuss auf die Wange. „Ich geh ins Büro, muss ein paar Telefonate führen. Gina nervt mich wegen der ausgefallenen Termine.“
„Ach die blöde Kuh“, murmelte Martha. „Hier geht es um Liebe, aber davon hat die hohle Nuss eh keine Ahnung.“
Rick lachte noch, als er längst in seinem Büro verschwunden war.

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Die meisten von euch haben bestimmt schon damit gerechnet, dass sich Kate und Rick kennen. Nach dem letzten Kapitel war es ja so gut wie klar. ;-) Wobei ... kennen ist ja eigentlich doch etwas übertrieben.
Martha durfte natürlich nicht fehlen ;-)

Im nächsten Kapitel macht Kate einen kleinen Fortschritt und Rick erfährt etwas über ihre Vergangenheit.
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