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Ein magischer Moment

GeschichteDrama, Romance / P12 / Het
Jim Beckett Kate Beckett Martha Rodgers Richard Castle
10.01.2021
28.01.2021
7
15.752
11
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16.01.2021 1.332
 
„Fährst du gleich wieder zu Kate?“, wollte Martha wissen, während sie das Frühstücksgeschirr auf das Tablett stellte.
Rick schaute auf die Uhr. „Erst in zwei Stunden. Jim schickte mir gestern Abend eine SMS, dass heute morgen noch Untersuchungen gemacht werden würden.“
„Was für Untersuchungen?“
„Keine Ahnung“, erwiderte ihr Sohn. „Vielleicht erfahre ich später etwas darüber. Wenn nicht ist es auch egal.“
„Klar.“ Martha stand auf, nahm das Tablett und brachte es zur Spüle. „Das wäre es dir früher gewesen.“
Rick schluckte. Seine Mutter hatte ihn durchschaut. Natürlich interessierte es ihn. Alles was Kate betraf. „Okay, sicher würde es mich interessieren. Ist eigentlich auch völlig natürlich. Immerhin besuche ich sie mittlerweile seit zwei Wochen jeden Tag.“
Und genau das war für Martha ziemlich erstaunlich. Sie liebte ihren Sohn. Sehr. Aber sie verschloss nicht ihre Augen vor seinen Fehlern und einer davon war, das sein Interesse mehr sich selbst als anderen galt. Jedenfalls war es mal so gewesen. Und daher war sie davon ausgegangen, dass er Kate einmal, vielleicht auch zweimal besuchen würde und dann nicht wieder. Doch da hatte sie sich geirrt. Jeden Tag verbrachte er mehrere Stunden bei ihr. Solange bis entweder ihr Vater oder jemand ihrer Freunde kam. Erst dann ging er.
„Du hast dich sehr verändert, mein Junge.“ Und wenn sie es sich recht überlegte, begann dieser Prozess bereits vor längerem.
„Wurde wohl auch Zeit“, entgegnete er selbstkritisch, auch das war erstaunlich. „Kate hat mir geholfen, zu erkennen was wichtig ist. Seltsam, oder?“
Wenn man bedachte, dass Kate nach wie vor im Koma lag … sehr „Irgendwas verbindet euch.“
„Ja, aber was denn? Wir sind uns nie begegnet. Wie kann uns da was verbinden? Und wie kann sie mein Leben derart verändern?“
„Keine Ahnung“, meinte diesmal Martha. „Aber ich bin froh, dass sie es getan hat. So gefällst du mir nämlich viel besser, Richard.“
„Ich mir auch“, stimmte Rick seiner Mutter zu. „Ich war ein ziemliches Arschloch, oder?“
„Oh nein, nein. Das wirklich nicht“, widersprach Martha ihm. „Deine Berühmtheit war dir nur etwas zu Kopf gestiegen, mein  Junge.“
„Etwas ist gut“, murmelte Rick. „Ich hatte einen Höhenkoller und Kate hat mich geerdet. Wie auch immer ihr das gelungen ist.“
Darüber hatte sich Martha auch schon ihre Gedanken gemacht, die sie allerdings für sich behielt.

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Pünktlich zwei Stunden später betrat Rick das Zimmer von Kate und wie jeden Tag hoffte er auf eine Art Wunder. Aber natürlich hatte sich nichts geändert und die junge Frau lag noch so da, wie er sie verlassen hatte.
„Morgen Kate, da bin ich wieder. Ich hoffe, die Untersuchungen waren nicht so schlimm“, redete er einfach drauf los. Manchmal fragte er sich dabei, ob und wie viel Kate davon möglicherweise mitbekam. Und wenn sie wüsste, dass er hier war … würde sie sich darüber wundern. „Beinahe hätte ich die Zeitung vergessen, aber Mutter erinnerte mich zum Glück daran.“ Rick las Kate inzwischen zuerst aus der Tageszeitung und dann erst aus dem Buch vor. Das tat er, damit er nicht zu schnell mit dem Buch durch war.
Die Tür ging auf und Schwester Marion kam ins Zimmer. „Habe ich doch richtig gesehen, das Sie am Schwesternzimmer vorbeigegangen sind, Mister Castle. Ich habe Ihnen einen Tasse Kaffee mitgebracht.“
„Hallo Schwester Marion und vielen Dank. Sehr nett von Ihnen. Wie waren Ihren beiden freien Tage?“, erkundigte sich Rick höflich.
Das er sich daran erinnert „Danke, sehr schön. Ausschlafen und viel faulenzen standen auf dem Plan.“
Rick lachte. „Guter Plan.“ Er deutete auf Kate. „Nichts Neues, oder?“
Schwester Marion schüttelte bedauernd den Kopf, während sie Kates Werte kontrollierte. „Leider nein.“
Rick seufzte. „Ach Kate“, murmelte er und merkte nicht, dass Schwester Marion das Zimmer wieder verließ. „Nun, dann will ich mal beginnen, bevor die anderen kommen.“
Er wusste, heute wollten Kates Kollegen zusammen hier auftauchen. Er hatte keine Ahnung weshalb, bisher kam eigentlich immer nur einer von ihnen. Bis auf den zweiten Tag, wo er Kate besuchte. Da standen auf einmal die beiden Männer in der Tür und auch wenn Lanie ihm versichert hatte, sie würden ihm kein Haar krümmen, fühlte sich Rick in ihrer Gegenwart ziemlich unwohl. Man merkte ihnen an, wie gerne sie ihn in die Mangel genommen und Informationen aus ihm rausgequetscht hätten, aber sie hielten sich zurück.  Lanie schien sie wirklich gut im Griff zu haben. Dennoch hoffte Rick, zukünftig … wenn überhaupt … nur jeweils einem von ihnen zu begegnen.

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„Hallo Rick.“
Wie immer war Rick so im Vorlesen vertieft, dass er völlig die Zeit vergessen hatte. „Oh, ist es schon so spät? Hi Lanie … Javier, Ryan.“ Mit Lanie kam Rick inzwischen sehr gut zurecht, die beiden Männer waren freundlich, aber distanziert. Und Rick hatte das Gefühl, jede seiner Bewegung würde von ihnen beobachtet. Er stand auf, packte Zeitung und Buch ein. „Nun, dann werde ich jetzt mal gehen und Sie vier allein lassen.“
„Wollen Sie denn nicht mitfeiern?“, erkundigte sich Lanie überrascht.
„Feiern? Was denn?“
„Kate hat heute Geburtstag“, erklärte Ryan.
„Oh, das habe ich nicht gewusst“, erwiderte Rick bedrückt. Dann erinnerte er sich daran, ihr Geburtsdatum am ersten Tag in der Akte gelesen zu haben, hatte aber einfach nicht mehr daran gedacht und das ärgerte ihn jetzt maßlos. „Egal, ich werde trotzdem gehen.“
„Warum?“, fragte Javier.
Das die Frage ausgerechnet von Javier kam, überraschte Rick ein wenig. „Weil Sie Ihre Freunde sind und ich nur hier bin, weil mich der Zu… weil Jim mich darum gebeten hat.“ Rick zuckte mit den Schultern. „Und ich denke auch nicht, dass Sie mich dabeihaben wollen, Javier. Oder Ryan.“ Lanie hätte sicher nichts dagegen, wenn er blieb. Aber das wäre dann eine gegen zwei Stimmen.
„Blödsinn“, meinte Ryan. „Natürlich können Sie bleiben. Ich bin mir sicher, Kate würde sich das wünschen.“
„Natürlich würde sie das“, stimmte Lanie ihm bei und selbst Javier nickte.
„Mhm, okay. Dann bleibe ich sehr gerne“, lächelte Rick. „Vielen Dank. Ich muss nur meiner Mutter schnell eine SMS schicken, dass ich später heimkomme.“
Ohne es zu wissen, punktete er damit bei Javier und Ryan.

Es wurde ein schöner Nachmittag, es gab … natürlich alkoholfreien … Sekt und die drei erzählten Rick ein paar Anekdoten aus ihrem Job. Aber nichts, was Kate in irgendeiner Weise bloßstellen würde.
„Ich wünsche mir, dass Kates Tattoo ihr Glück bringt“, meinte Lanie plötzlich. Sie hatten gerade über Glücksbringer gesprochen.
„Es ist ein vierblättriges Kleeblatt, oder?“, erkundigte sich Ryan.
„Ist es“, bestätigte Lanie und meinte im gleichen Atemzug. „Nein Jungs, ich verrate euch nicht, wo Kate es hat.“
„Man kann es ja mal versuchen“, meinte Ryan mit schiefem Grinsen, während Rick aufhorchte.
Vierblättriges Kleeblatt?
Er musterte Kate unauffällig, aber der Verband, Beatmungsschlauch und die geschlossenen Augen machten es ihm nicht leicht, irgend etwas bekanntes in dem Gesicht zu erkennen. Vermutlich war es eh nur Zufall. Und wenn nicht? Ihm wurde heiß. Irgendwie musste er es herausfinden.

~~~~~~

„Warum bist du denn so nervös, Richard?“, erkundigte sich Martha. „Das fällt mir übrigens nicht erst heute auf. Ist was passiert?“
„Nein … Also nicht direkt … keine Ahnung …“, stotterte Rick, bevor er einmal durchatmete. „Vielleicht. Ich weiß es noch nicht, Mutter.“
„Und wann wirst du es wissen?“
Kommt darauf an, wann ich endlich den Mut habe es rauszufinden „Vielleicht heute.“
„Aha.“ Martha war sehr irritiert über das Verhalten ihres Sohnes. „Soll ich dir die Daumen drücken?“
„Ja, bitte mach das.“ Rick wusste nur nicht wofür … dafür, dass er den Mut fand oder dafür, dass es wirklich stimmte.
„Es könnte übrigens sein, dass ich noch nicht zuhause bin, wenn du kommst, Richard. Ich bin doch heute mit meiner alten Schuldfreundin Claire verabredet. Ich hatte dir davon erzählt.“ Keine Reaktion. „Wir wollen zum Mars fliegen.“
„Mhm? Ja, alles klar“, nickte Rick abwesend. „Ich wünsche euch viel Spaß.“
Martha zog es vor, darauf nichts mehr zu erwidern. Mit einem liebevollen, aber auch besorgten Blick schaute sie zu ihrem Sohn bevor sie aufstand, um sich für ihre Verabredung fertig zu machen.

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Ja ja, die Jungs ;-)

Und Rick ist wegen eines vierblättrigen Kleeblatts völlig durch den Wind. Im nächsten Kapitel geht er der Sache auf den Grund.

Habt ein schönes Wochenende
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