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Ein magischer Moment

GeschichteDrama, Romance / P12 / Het
Jim Beckett Kate Beckett Martha Rodgers Richard Castle
10.01.2021
28.01.2021
7
15.752
11
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13.01.2021 2.112
 
Rick schloss die Tür hinter sich und hing seine Jacke, die er bereits im Fahrstuhl ausgezogen hatte, an die Garderobe.
„Wo warst du so lange?“, kam aus dem Wohnbereich die vorwurfsvolle Stimme seiner Mutter.
„In der Klinik, das weißt du doch“, erwiderte er, goss sich ein Glas Wasser ein … auch wenn er eigentlich was Stärkeres gebrauchen könnte … und ließ sich auf die Couch fallen. Er musste nachdenken, da sollte er lieber bei klarem Verstand sein.
„Ja, aber du sagtest, du wärst nach zwei, drei Stunden wieder zurück.“
„Und?“
„Hast du mal auf die Uhr geschaut, Richard? Du warst sechs Stunden fort. Und an dein Handy bist du auch nicht gegangen, geschweige denn dass du dich von selbst gemeldet hast.“ Das war sie einfach nicht von ihrem Sohn gewohnt. Er rief immer an, wenn er sich verspätete.
Sechs Stunden? „Ich hatte das Handy in der Klinik auf lautlos gestellt und hinterher vergessen es wieder umzustellen.“
Er holte sein Handy aus der Hosentasche, sah das seine Mutter ungefähr sechsmal versucht hatte ihn anzurufen, und änderte die Einstellung auf laut. „Tut mir wirklich leid, Mutter. Ich wollte nicht, dass du dir Sorgen machst.“
„Davon, dass du mich nicht absichtlich in Angst und Schrecken versetzt hast, gehe ich aus. Aber was ist passiert?“ Ihr kam ein schlimmer Gedanke. „Ist die Verletzung von Mike doch schwerwiegender?“ Sie kannte ihn, seit er fünfzehn war. So lange waren er und ihr Sohn bereits die besten Freunde.
„Wie?“ Rick schüttelte gedankenverloren den Kopf. „Nein, mit ihm ist soweit alles in Ordnung. Ich war nicht ganz zwei Stunden bei ihm, dann kamen Terry und Jody.“
„Und wo warst du danach? Die anderen vier Stunden?“
„Im Krankenhaus.“ Rick war noch immer nicht bei der Sache, sonst hätte er merken müssen, dass er das nicht sehr geschickt formuliert hatte.
„Wieso? War etwas mit dir?“ Martha hatte langsam die Nase voll. „Herrgott noch mal, Richard. Würdest du mir sagen was los ist?“
Die Sorge in Marthas Stimme holte Rick schließlich aus seinen Gedanken. „Mit mir ist alles in Ordnung, Mutter. Wirklich. Entschuldige bitte, dass ich dir eben so einen Schrecken eingejagt habe. Ich war geistig nicht so ganz anwesend.“
„Was du nicht sagst“, erwiderte Martha trocken. „Was hast du im Krankenhaus gemacht?“
„Ich war bei Kate.“
„Kate?“ Die Schauspielerin ging in Gedanken die letzten Gespräche mit ihrem Sohn durch, konnte sich aber nicht daran erinnern, dass er jemals eine Kate erwähnt hatte. Und eigentlich machte er kein Geheimnis aus den Namen der Damen, mit denen er ausging und vermutlich auch andere Dinge tat. Es gab nur eine Kate, die Rick mal erwähnt hatte. Aber das war schon lange her.
„Kennst du nicht“, murmelte er. „Und ich auch nicht. Jedenfalls nicht richtig. Ne, eigentlich kenne ich sie wirklich gar nicht.“
Martha begann sich erneut Sorgen zu machen. Körperlich schien es Richard gut zu gehen, aber seiner Psyche offenbar nicht. „Richard, wäre es dir eventuell möglich, mir verständlich zu erklären, weswegen du so durch den Wind bist?“
„Mir ist etwas wirklich sehr Seltsames passiert, Mutter.“
Wenn er jetzt anfing, von Begegnungen der Dritten Art zu sprechen, würde sie ihn einweisen lassen. „Ich bin ganz Ohr.“
„Es begann damit, dass ich im Krankenhaus versehentlich auf der falschen Etage ausgestiegen bin. Auf der Intensivstation, um genau zu sein“, fing Rick an zu erzählen und endete schließlich mit. „Und nun habe ich keine Ahnung was ich tun soll.“
„Das ist doch wohl klar“, erwiderte Martha, die nun verstand, warum ihr Sohn so durcheinander gewesen war, als er heimkam. Das war schon eine ganz besondere Situation, in die er da reingeraten war. Zufällig oder vom Schicksal gelenkt.  
„Ich soll morgen wirklich wieder ins Krankenhaus fahren?“
„Du hast es ihrem Vater indirekt versprochen, mein Junge.“ Warum du das auch immer getan hast. So was passt überhaupt nicht zu dir „Abgesehen davon …“
„Abgesehen wovon?“
„Scheinst du es auch zu wollen.“  Was noch viel seltsamer ist
Das stimmte „Ich fürchte nur Jim setzt vielleicht doch zu große Hoffnungen in mich.“
„Seine Tochter liegt seit zwei Wochen im Koma, Richard. Er hat momentan nicht sehr viel mehr als Hoffnung, wird jedoch keine Wunder erwarten.“
„Hoffentlich. Er meinte, es wäre schön, wenn ich mit Kate spreche, aber was soll ich ihr denn erzählen? Ich kenne sie doch gar nicht.“ Rick wirkte wirklich ratlos.
„Aber eines weißt du von ihr“, erwiderte Martha, woraufhin Rick sie fragend anschaute. „Sie liebt deine Romane. Warum liest du ihr nicht aus deinem neuesten vor?“
Rick beugte sich vor und gab seiner Mutter einen Kuss. „Gute Idee! Das weiß ich wenigstens, dass sie ihn noch nicht kennt, da er erst nächste Woche erscheint. Die anderen, so erzählte mir Jim, hat Kate mehrmals gelesen. Er meinte, hätte sie das neueste Buch durch, würde sie mit dem ersten wieder beginnen.“
„Na, da hast du aber einen echten Fan aufgetan“, erwiderte Martha schmunzelnd. „Richard?“
„Ja?“, erwiderte er, verwundert über ihren plötzlich ernsten Ton.
„Kennst du diese Kate wirklich nicht?“
Rick schüttelte sofort den Kopf. „Nein Mutter, ich kenne sie nicht. Deswegen finde ich das doch alles so seltsam.“ Er zuckte kurz mit den Schultern. „Vermutlich so eine <falsche Zeit, falscher Ort> Situation.“
Daran hatte Martha auch gedacht, bei ihr hieß die Situation allerdings <richtige Zeit, richtiger Ort>. Es musste einen Grund geben, der Richard in das Zimmer geführt hatte und auf den war sie wirklich sehr gespannt.

~~~~~~~~

Da bin ich also wieder  Rick schaute an dem Gebäude hoch. Nur diesmal würde er nicht Mike besuchen, sondern Kate.
Er hatte sein neues Buch dabei. Zugebenermaßen kam ihm die Vorstellung jemandem vorzulesen, der im Koma lag, ziemlich absurd vor, aber er hatte am gestrigen Abend im Internet recherchiert und überall stand in etwa das Gleiche.  Es war, wie schon Schwester Marion sagte, wichtig das man mit einem Koma Patienten sprach. Egal was. Und wenn man ihm aus einem Telefonbuch vorlas. Wichtig war dabei nur, dass die Stimme ruhig war. Nun, das würde er hinbekommen. Vorlesen war er schließlich gewohnt, dank seiner zahlreichen Lesetouren.
Langsam ging Rick den Flur entlang und dann in den Raum mit den Kitteln. Er war so nervös, als er hätte er ein bedeutendes Date vor sich. Dabei war das, was er hier tat oder tun wollte … sollte … so viel mehr.
„Da sind Sie ja wieder, Mister Castle“, begrüßte ihn Schwester Marion, der irgendwann am gestrigen Abend, nach einem zufälligen Blick auf eine Buchvorschau in der Zeitung, aufgegangen war, wen sie da kennengelernt hatte. Sie war nicht der Typ, der die Klatschseiten las, weswegen er ihr zwar bekannt vorgekommen war, aber mehr auch nicht. Und sie gehörte  auch nicht zu den Frauen, die gleich in Ohnmacht fielen, wenn ihnen ein berühmter, und zugebenermaßen gutaussehender, Mann über den Weg lief. Daher konnte sie mit ihm umgehen, wie mit jedem anderen Besucher. Außerdem machte er es ihr leicht, weil er nicht den Star raushängen ließ.
„Ich werde jetzt öfter kommen, Schwester Marion“, meinte Rick. „Sofern es mir möglich ist jeden Vormittag.“
„Das ist gut“, nickte sie. „Je mehr Besuch, je besser.“
Die beiden betraten das Zimmer, Rick überließ der Schwester natürlich den Vortritt. „Ich habe Ihnen jemanden mitgebracht, Mrs. Beckett“, meinte sie, kontrollierte kurz die Werte von Kate, trug sie ein und verließ das Zimmer. An der Tür drehte sie sich allerdings noch einmal um. „Sollten Sie etwas brauchen, klingeln Sie einfach.“
„Mach ich. Danke Schwester.“ Leise fiel die Tür ins Schloss und Rick war mit Kate allein.  Und nun?  Zunächst stand Rick ein wenig hilflos im Zimmer, dann atmete er durch. „Guten Morgen, Kate. Wie gestern versprochen, bin ich wieder da und habe etwas mitgebracht, woraus ich dir gerne vorlesen würde. Ich hoffe, du freust dich darüber.“

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Rick las und las, ohne zu bemerken, wie die Zeit verflog.
„Derek bog um die Ecke, die Waffe im Anschlag. Er spürte ein Kribbeln im Nacken, so als würde er beobachtet. Langsam drehte er sich um und …“
Verwirrt schaute Rick auf, als die Tür geöffnet wurde. Für einen Moment wusste er nicht, wo er sich eigentlich befand, doch das leise Summen des Beatmungsgerätes und das verdutzte Gesicht einer Frau, die vermutlich in Kates Alter war, brachte ihn in die Realität zurück.
„Wer sind Sie?“, fragte die Fremde und stutzte kurz. „Nein, falsche Frage. Was tun Sie denn hier, Mister Castle?“
Oh, sie hat mich erkannt und es schien sie genauso wenig zu interessieren wie die Schwester „Ich lese Kate vor. Ihr Vater hatte mich darum gebeten“, erklärte er. „Und wer sind Sie?“ Gleiches Recht für alle
„Dr. Lanie Parrish.“
„Ach, dann sind Sie die Ärztin von Kate?“
„Eher nicht“, entgegnete Lanie. „Dann wäre Kate nicht hier, sondern in der Pathologie. Ich bin Gerichtsmedizinerin.“
„Ah, verstehe. Quasi eine Kollegin von Kate.“
„Und ihre beste Freundin.“ Die mit der guten Kate ein Hühnchen rupfen würde, sobald sie aufwacht
Die Tür ging ein weiteres Mal auf und Jim kam herein. Ein wenig überrascht war er schon, Rick hier zu sehen. Zugebenermaßen hatte er nicht damit gerechnet, dass er wirklich kommen würde. „Hallo, ihr beiden.“
„Hallo Jim“, nickte Rick ihm zu, was für noch mehr Verwirrtheit bei Lanie sorgte. Er nannte Kates Vater beim Vornamen? Was zur Hölle hatte ihre Freundin ihr alles verschwiegen?
„Mister Beckett“, lächelte Lanie ihm zu.
„Ich nehme an, Ihr habt euch schon bekannt gemacht?“
„Haben wir“, bestätigte Rick. „Dr. Parrish ist ein wenig verwirrt über meine Anwesenheit hier, wie mir scheint.“
„Nun ja, schon“, gab Lanie zu. „Ich habe nicht gewusst, dass Sie … oder Kate … Mister Castle kennen. Aber letztlich geht es mich nichts an.“ Auch wenn ich vor Neugierde platze
„Kate kennt ihn nicht“, meinte Jim, weil er nicht wollte, dass Lanie schlecht von ihrer Freundin dachte. Die beiden waren so eng miteinander, dass seine Tochter ihr auf jeden Fall von Rick erzählt hätte. „Dazu ist es noch nicht gekommen. Ich habe Rick erst vor kurzem kennengelernt, eher zufällig. Und irgendwie verstanden wir uns gleich gut. Ich wollte Kate bei nächster Gelegenheit mit einem Treffen überraschen. Dazu kam es leider nicht mehr. Als Rick hörte, was mit Kate passiert ist, fragte er mich, ob er irgendwie helfen könnte.“ Warum er Lanie nicht einfach die Wahrheit sagte, wusste Jim nicht. Vermutlich weil sich die Geschichte von Rick, wie er in diesem Zimmer gelandet war, ziemlich weit hergeholt anhörte.
„Ich habe es leider erst gestern erfahren und gleich Jim angerufen. Er bat mich, so oft es mir möglich wäre Kate zu besuchen, damit sie vormittags nicht so allein ist. Ich habe mir gedacht, ich könnte ihr aus meinem neuen Roman vorlesen“, fuhr Rick fort, der sich gleichzeitig darüber wunderte, wie gut Jim lügen konnte. Anderseits musste er als Anwalt wohl ein gewisses Talent dafür mitbringen. Und er selbst, stellte Rick fest, war darin offenbar auch nicht so schlecht. Wobei, einiges davon entsprach ja sogar der Wahrheit. Irgendwie jedenfalls. Er war Jim jedenfalls dankbar, dass er nicht die Wahrheit erzählt hatte.
„Aha.“ So richtig wusste Lanie nicht, was sie von dieser Erklärung halten sollte, aber es stand ihr auch nicht zu diese infrage zu stellen. „Sicherlich eine gute Idee, wo Kate Ihre Bücher so mag, Mister Castle.“
„Sagen Sie bitte Rick zu mir“, wurde sie von ihm gebeten. „Wir alle sind doch hier, um Kate zu helfen.“
Ich schon, bei dir bin ich mir da noch nicht so sicher „In Ordnung, dann nennen Sie mich Lanie.“
„Gerne.“
„Dr. Parrish, würden Sie mir einen Gefallen tun? Nein, eigentlich zwei.“
„Natürlich Mister Beckett, welche?“
„Erstens … nennen Sie mich bitte auch Jim. Wir kennen uns nun schon so lange und ich denke, es wird jetzt wirklich mal Zeit dafür und zweitens, würden Sie Javier und Ryan von Rick erzählen? Ich fürchte nämlich ihr Beschützerinstinkt wird es den beiden unmöglich machen, erst die Fragen zu stellen, wenn sie ihn hier sehen.“
Lanie lächelte leicht. „Natürlich … Jim. Und ich schätze, damit liegen Sie gar nicht so falsch. Sie würden den armen Rick am Kragen hier rausschleifen und dann vielleicht, aber auch nur vielleicht, Fragen stellen.“
Besagter Rick bekam große Augen. „Sollte ich mir einen Bodyguard besorgen?“
Lanie grinste. „Nein, ich habe die beiden Jungs gut im Griff. Sie werden Ihnen kein Haar krümmen.“
„Na, da bin ich ja beruhigt“, meinte Rick. Er ging zu Kate und strich ihr kurz über den Arm, was Lanie sehr genau beobachte. Es war eine zärtliche Geste und sie fragte sich, was hier gespielt wurde. „Ich werde morgen wiederkommen, Kate. Jetzt hast du ja erst einmal genug Gesellschaft.“  
Er verabschiedete sich von Jim und Lanie und verließ die Klinik, um heim zu fahren.


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Nicht allzu viel passiert,  es plätschert alles gemütlich vor sich hin.  Aber immerhin ist auch Martha dabei ;-
Im nächsten Kapitel erfährt Rick etwas, das ihn ein wenig durcheinander bringt.
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