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Wollen wir tanzen?

von Ms J
DrabbleRomance, Fantasy / P12 / Gen
Ciri
09.01.2021
09.01.2021
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Während sie an einem schönen mit geschnitzten Blumen verzierten Fenster stand, dachte Ciri daran, was sie als Nächstes tun sollte, sowohl im globalen Sinne, als auch heute und jetzt. Sie konnte immer noch fröhliche Klänge des in der großen Halle des Palastes gefeierten Festes vernehmen, obwohl sie bereits ziemlich weit weg den Flur entlang gegangen war.

Das Volk Aen Elle feierte sein eigenes – allem Anschein nach wichtiges - Fest, sie stellte keine klarstellenden Fragen, als Auberon sie nach dem weiteren fehlgeschlagenen Versuch das gemeinsame Kind zu zeugen fragte, ob sie so lieb wäre ihn bei den anstehenden Festlichkeiten zu begleiten. Es handelte bei der Frage nur um eine Formalität, denn sowohl der König, als auch das Mädchen wussten, dass sie keine andere Wahl hatte, als seinem ausgesprochen höflichen Befehl Folge zu leisten.

Andererseits konnte Ciri bei bestem Willen nicht behaupten, dass so eine Wendung ihr gegen den Strich ging. Der Elfenkönig war immer außerordentlich nett zu ihr, zärtlich im Bett und überhaupt eine gute Seele, im Gegensatz zu anderen Elfen, besonders weiblichen. Die Bitte des Königs kam ihr daher wie gerufen, denn auf diese Weise konnte Ciri es allen Aen Elle heimzahlen, die sie öffentlich verachteten, ohne einen Hehl daraus zu machen.

Der König war nicht verheiratet und konnte deswegen laut dem Gesetzt jede Elfe edlen Blutes dazu auffordern seine Begleitung abzugeben, wählte aber  s i e  – ein einfaches Mädchen, eine Halb-dhoine, wenn auch mit einem tief versteckten Lara-Gen in ihren Adern.

Die von Ciris Erscheinen ausgelöste Reaktion übertraf ihre kühnsten Erwartungen. Es bereitete ihr ein sagenhaftes Vergnügen zu zusehen, wie die schönen hochgeborenen Elfinnen vor Wut regelrecht kochten, besonders deswegen, weil keine es zu kaschieren vermochte, so stark sie sich auch bemühte. Der männliche Teil der Versammlung schien aber eher interessiert, denn Ciri wurde für die Feier wirklich in Schale geworfen – so ein erlesenes Kleid hatte sie bisher an keiner der Damen gesehen. Und ihr Haar hat man so kunstvoll gestaltet, dass ihre aus der Sicht der Elfen überaus hässliche Narbe kaum zu bemerken war.

Kurz gesagt, sie sah umwerfend aus und genoss es. Sogar Avallac'h schien ihr mit faszinierten Blicken zu folgen, obwohl die Wissenden zu den Versuchungen der materiellen Welt eigentlich blind und taub sein müssten. Mindestens hatte Ciri das immer gedacht, jetzt aber war sie sich nicht mehr so sicher.

"Die Diener müssen mich nicht belogen haben, " dachte Ciri bei sich. "Die Kleidung der Aen Elle steht mir anscheinend wirklich gut. "

Es fiel ihr nicht schwer den anbrechenden Abend an Auberons Seite zu verbringen und die Königin der Feier zu verkörpern, der Spaß verging aber ziemlich schnell. Nach der offiziellen Eröffnung und nur einem einzigen (!) gemeinsamen Tanz, verkündete Auberon, dass er müde wäre und das Fest verlasse. Ciri aber erlaubte er sich weiter auch bis spät in die Nacht zu amüsieren, weil er der Müdigkeit wegen sie heute in ihrem Schlafgemach kaum besuchen würde.

Als er gegangen war fühlte sich das Mädchen plötzlich unwohl. Letzten Endes war sie keine richtige Königin, sondern nur eine niedliche Attrappe, die überhaupt kein Recht darauf hatte in Abwesenheit des Königs an der Tafelspitze zu sitzen. Außerdem wurde sie von fast Unbekannten (Avallac'h mal ausgenommen) umgeben, die sie zwar interessiert ansahen, aber keine Anstalten machten sie in ein Gespräch zu verwickeln, von einem Tanz ganz zu schweigen.

Dem war nicht so, dass Ciri es unbedingt wollte, es war aber auf jeden Fall besser und angebrachter, als inmitten einer großen Feier alleine am Tisch zu verharren von Musik, Gelächter und fröhlichem Gezwitscher der tanzenden Paare umgeben. Der früher erwähnte Wissende war da nicht besser, als die anderen, obwohl er eigentlich in der Situation keine großen Hemmungen haben müsste, sie kannten sich ja bereits.

"Angsthasen, " flüsterte Ciri empört. "Fürchten sich königliche Puppe sogar anzusprechen."

Letzten Endes entschied sich Ciri dafür das Fest doch zu verlassen, denn sie fühlte sich dort so fehl am Platze, wie noch nie in ihrem Leben. Niemand schien ihren schlichten Abgang bemerkt zu haben, mindestens machte keiner der Anwesenden Anstalten sie daran zu hindern.

Während sie aber durch den Flur ging, fühlte sie, wie sich ihre Schritte allmählich verlangsamten, bis sie endgültig an einem der zahlreichen Fenster stehen blieb ihren sehnsüchtigen Blick in den hell beleuchteten Garten richtend.

Die Nacht war noch jung und Ciri fürchtete sich vor der Dunkelheit des kalten Schlafzimmers, vor der eigenen Einsamkeit. Sie wollte nicht allein sein, besonders nicht, wenn alle anderen feierten. Und in dem stillen Halbdunkel des geräumigen Flurs fühlte sie sich besonders einsam.

Von allen vergessen und verlassen. Verloren.

Während sie sich über ihre nicht besonders rosige Lage Gedanken machte, bemerkte Ciri nicht, wie sich eine Gestalt ihr langsam und geräuschlos näherte.

"Was treibst du denn hier schönes?" flüsterte der Unbekannte sich ganz dicht hinter ihrem Rücken stellend und sich tief über sie beugend. "Dich langweilen etwa?"

Ciri zuckte zusammen und drehte sich abrupt um. Eredin lächelte sie unverhohlen schelmisch an, er hatte anscheinend auf exakt so eine Reaktion ihrerseits gewartet und wurde nicht enttäuscht. Ihre Blicke kreuzten sich. Viel zu nahe.

"Was geht es dich an?" keifte Ciri zurück, indem sie vergeblich ein bisschen mehr Platz zwischen ihnen zu gewinnen versuchte, das breite Fensterbrett hinter ihrem Rücken hinderte sie aber an diesem Vorhaben.

"Aber, aber," der Elf schüttelte spielerisch tadelnd seinen Kopf und machte seinerseits einen halben Schritt zurück. "Warum denn so zickig? Heute soll man doch feiern. Wollen wir tanzen?"

"Das hättest du wohl gern!" gab sie verbissen zurück.

Ciri erkannte schnell ihre Chance und nutzte den gewonnenen Abstand, um sich an Eredin vorbei zu quetschen dem ihr unangenehmen Gespräch dadurch ein Ende setzend.

Sie wird sich ein anderes Fenster suchen, weit von diesem arroganten unerträglichen Zeitgenossen. Soll er sich doch eine angetrunkene und zu allem bereite Elfe in der feierlichen Halle suchen, wenn ihm nach Tanzen und auch nach was Anderem nachher zumute ist. Es gibt da reichlich welche, die willig auf seinen ersten Wunsch hin zu ihm ins Bett springen werden. Sie ist dafür aber nicht zu haben.

Den Elf mit ihrem zornigen Blick durchlöchernd hob Ciri daraufhin trotzig ihr Kinn und machte ein paar Schritte Richtung Ausgang, stolperte dann aber über ihren ungewöhnlich viel zu langen Rock und wäre kopfüber auf dem Boden gelandet, falls Eredin sich nicht eingemischt hätte.

Blitzschnell reagiert, sprang der Elf vor und bewahrte das Mädchen vor solch einer peinlichen Blamage, indem er sie in der Lüfte auffing und fest an sich drückte. Vielleicht auch viel zu fest, als in dieser Situation notwendig gewesen wäre.

"Pass auf," lächelte er sie zuckersüß und ein bisschen überlegen an. "Hier ist eine gemeine Stufe."

Der Elf schien sich über ihren Fehltritt köstlich zu amüsieren und legte überhaupt keinen Wert darauf es vor ihr zu verbergen. Im Gegenteil wollte er es ihr so klar, wie nur möglich nahelegen, wollte, dass sie es versteht.

Und sie hat es verstanden zudem es keine einzige Stufe an dem fraglichen Platz gab.

"Lass mich los!" zappelte Ciri seine Hände an ihrem Körper spürend. "Auf der Stelle!"

"So viel zu deiner Dankbarkeit," grinste Bréacc Glas, während er ihr wieder sicheren Boden unter den Füßen gewährte. "Übrigens wer von den Dienern hat dich denn angezogen? Die gehören alle schön ausgepeitscht, weißt du?"

"Was stimmt denn nicht?" versuchte Ciri es vorsichtig in Erfahrung zu bringen, weil sie es eigentlich selbst war, die die Kleider so verunstaltete.

Sie pflegte sich immer selbst ein- und auszuziehen, sogar, als sie noch bei ihrer strengen Großmutter Calante genannt Löwin von Cintra lebte. Und dann hatte sie in ihrem weiteren kummervollen Leben niemanden mehr, der ihr damit helfen konnte, weder als angehende Hexerin, noch als missratene Räuberin.

Und als die ihr zugewiesenen Diener ihr das festliche Kleid präsentierten, schickte sie sie ohne nachzudenken fort, um weiter ratlos festzustellen, dass sie keine Ahnung hatte, wie man den Rock richtig um den Körper wickelt und all die Schleifen und Schnürchen drum herum bindet. Diese peinliche Tatsache den Elfen einzugestehen ging ihr gegen den Strich und so versuchte sie die Situation selber zu meistern, ohne jeglichen Erfolg, wie es sich jetzt plötzlicherweise herausstellte.

"Alles," lautete seine Antwort.

Und bevor sich Ciri versehen konnte, zog er blitzschnell an einer der zahlreichen, aber der alles entscheidenden Schleife, die die ganze schiefe Konstruktion nur noch wie durch ein Wunder zusammen hielt. Als der Knoten aber gelöst war, hing der breite Rock und andere komplementierenden Kleider lose an Ciri, wie an einem Kleiderständer nieder.

Ohne einen Augenblick abzuwarten und Ciri damit eine Möglichkeit zu geben das mit ihr gerade Geschehene zu verarbeiten, drehte Eredin sie herum und drückte sie mit dem Rücken an sich. Ciri spürte, wie sich seine Hände an ihrem Körper zu schaffen machten, obwohl nur an den Stellen, wo es für das Zurechtrichten des Kleides unbedingt nötig war. Manchmal drehte und wendete er sie nach Belieben, um das entstehende Gesamtbild besser zu erkennen.

Ciri blieb stumm und regungslos, ließ das ganze Prozedere einfach über sich ergehen. Anders ging es einfach nicht, denn was würde sie wohl mit einem auch so lauten Protest erreichen können? Nichts.

Außer seinen Jagdinstinkt unnötig zu reizen, versteht sich. Und so ein Vergnügen wollte sie ihm auf keinen Fall bereiten, die Rolle seiner Beute, seines machtlosen Opfers bekam ihr ganz und gar nicht. Aber andererseits war es irgendwie doch der Fall, denn sie konnte zerren und zappeln so lange und so heftig, wie sie nur wollte, nichtdestotrotz würde sie nur dann und nicht früher frei sein, wenn er es ihr erlauben würde aus seinem eisernen Griff zu entkommen.

Die Entscheidung lag somit einzig und allein bei dem Elf, der es sowohl wusste, als auch schamlos zu seinen Gunsten ausnutzte.

"Je ruhiger ich mich verhalte," dachte sie bei sich, "desto schneller ist das hier vorbei."

Als ob er ihre Gedanken zu lesen verstand, arbeitete sich Eredin so langsam, wie nur möglich vor, ein schelmisches Lächeln umspielte dabei ununterbrochen seine Lippen.

Ciri tat daraufhin das Einzige, was ihr in der Situation noch übrig blieb und zwar schloss sie ihre Augen, um seinem überlegenen Blick zu entfliehen. Das Mädchen versuchte sich auf ihre Gedanken zu konzentrieren, was sich zu ihrer Überraschung als gar nicht so leicht herausstellte, weil die Berührungen Eredins sie mehr mitnahmen, als ihr eigentlich lieb wäre.

Am liebsten hätte sie sie schlicht ignoriert, konnte es aber nicht, denn trotz anfänglicher Antipathie, fühlte sich seine Nähe gar nicht so schlimm an. Sogar ein bisschen angenehm. Mist!

"Jetzt bist du fein," weckte der Elf sie aus ihren Wachträumen auf, seine Hände von ihrer Taille entfernend. "Kannst weiter gehen, wohin auch immer du gehen wolltest."

Seine Stimme klang sanft, anscheinend war er mit seinem Werk sehr zufrieden. Ciri zögerte, was ihm eine Möglichkeit gab weiter zu sprechen.

"Ich sagte, du  k a n n s t  gehen, aber du  w i r s t  nicht. Und weißt du warum, Zirael?"

Während er sprach, trat der Elf einen Schritt vor und drängte Ciri dadurch sich ein bisschen ängstlich gegen eine kalte Wand anzulehnen. Die Entfernung zwischen den beiden schrumpfte gefährlich und als Ciri ihr Gegenüber stumm ansah, dachte sie daran, dass nichts ihn jetzt davon abhalten konnte, sie zu küssen, falls er darauf aus war.

Ungeachtet der aufregenden Nähe, hatte sich Eredin aber bisher ziemlich gut im Griff. Statt das wehrlose Mädchen mit seinem Körper gegen die Wand zu pressen und sich an ihr ohne jegliche Gegenwehr zu erfreuen, platzierte er seine Hände zu beiden Seiten von ihrem Kopf und nötigte sie dadurch zu einem Blickkontakt.

"Ich verrate dir warum," sein heißer Atem streifte ihren Hals. "Du bist hier ganz allein. Du möchtest es nicht, und bist es trotzdem. Du hättest so gerne an all den Festlichkeiten teilgenommen, aber keiner hat dich eingeladen. Und wird es auch nicht, glaub mir. Avallac'h auch nicht. Hab ich recht?"

Ciris Augen wurden nass, sie war bereits den Tränen nahe. Der Elf hat wirklich ins Schwarze getroffen, als ob er ihre Gedanken von vorhin erraten hätte.

"So viel dazu," schnell trat er zurück und streckte seine Hand zum wiederholten Male nach ihr. "Daher wiederhole ich. Wollen wir tanzen?"

"Auf keinen Fall," schoss Ciri durch den Kopf.

Ohne ein Wort zu sagen, stoß sie die ihr angebotene Hand von sich weg und machte sich daran das Feld erhobenen Hauptes zu verlassen.

"Nie im Leben!" funkte sie ihn im Gehen an, der Blick war aber um Längen nicht so zornig, wie sie es gerne hätte. "Auch nicht, wenn du der letzte Mensch, ich meine der letzte Elf in dieser verdammten Welt wärst!"

Ihre Stimme klang übrigens auch nicht so bestimmt wie früher und, um das zu kaschieren, beschleunigte Ciri ihren Schritt und stolzierte weg mit hohen spitzen Absätzen laut krachend. Die Tatsache, dass ihr Kleid dank Eredins Einmischen wirklich besser saß und ihre Bewegungen nicht mehr so einschränkte, brachte sie regelrecht auf die Palme.

Wider Erwarten, wurde Eredin bei so einem Gesprächsausgang nicht zornig, sondern nur jagdgieriger. Es schien, als fühle er sich herausgefordert und nähme das Spielchen amüsiert an.

"Eigentlich habe ich nicht erwartet, dass du mein Angebot so ohne weiteres annimmst," warf er ihr als ob nebenbei hinterher. "Du bist unmöglich stur, aber genau das macht dich besonders, Zirael."

Etwas in seiner Stimme veranlasste Ciri dazu ihren Schritt zu verlangsamen.

"Während ich deine Welt bereiste, hab ich mir Eines gut eingeprägt," sprach er in dem Moment weiter, seine Falle weiter aufbauend. "Und zwar, dass Hexer niemals was umsonst machen. Na dann, ich bin bereit zu zahlen."

"Das wäre ja zu viel des Guten," empörte sich Ciri bei sich. Dachte er etwa, man könne sie kaufen?!

"Jeder ist käuflich Zirael," beantwortete er ihre unausgesprochene Frage und lächelte abermals. "Man muss einfach den richtigen Preis nennen."

"Was hättest  d u  denn zu bieten?"

"Deine Freiheit."

Es folgte Stille. Es gelang ihm tatsächlich das auf den Mund nicht gefallene Mädchen sprachlos zu kriegen.

"Nicht in dem Sinne, in dem du es gerne hättest," köderte er sie geschickt weiter. "Aber auf jeden Fall besser, als nichts."

"Was meinst du damit?"

"Soweit ich informiert bin, lässt der magische Kreis dich nicht weit von dem See und vom Turm wegreiten, du kehrst immer wieder zurück, egal ob du es willst, oder nicht, oder?"

"Was hast du noch alles Bekanntes zu berichten?!" Ciri fand langsam die Sprache wieder.

"Ein bisschen Geduld, gleich kommt es." Er amüsierte sich unverhohlen königlich über ihre Reaktion. "Bald machen die Reiter unter meinem Kommando wieder einen Beutezug in deine Welt und ich dachte mir, dass ich dich vielleicht ausführen könnte, falls du brav bist, versteht sich. Und nachdem ich dir ein Dimeritiumhalsband verpasst habe," dachte er noch bei sich.

"Ausführen," Ciri verzog ihr Gesicht. Als ob er von einem Hund sprechen würde. Der Sinn der Sache wurde aber durch solch eine Wortwahl nicht minder anziehend.

Während er sich ihr langsam näherte, bemerkte Eredin, dass sie keine Anstalten machte die Entfernung zwischen ihnen aufrechtzuerhalten. Sie hatte bereits ihre Zweifel, er hat also den richtigen Nerv getroffen.

"Wie lautet also deine Antwort?" Zum dritten und letzten Mal bot er ihr seine Hand an. "Keine Angst, Zirael. Es ist nichts weiter, als ein Tanz."

Ciri dachte schnell nach und gelang zu der Entscheidung, dass sie außerhalb des magischen Kreises viel mehr Chancen haben würde zu fliehen. Also musste sie sich jetzt situationsgemäß fügen und wohl oder über einwilligen.

Obwohl tief in ihrem Inneren wusste sie, dass sie es nicht nur aus dem unvermeidlichen Zwang, sondern auch aus eigenem sehnsüchtigen Impuls nach Nähe und ein bisschen Zärtlichkeit heraus machte. Eredin sollte es aber auf keinen Fall spüren, deswegen blickte sie ihn weiter missgelaunt an und murmelte, dass sie einverstanden sei.

"Wie bitte?" er gab vor sie nicht gehört zu haben.

"Ich sagte, ich bin einverstanden!"

"Braves Mädchen."

Mit einem herrischen Blick befahl er ihr ihn unter den Arm zu fassen. Einen Moment lang zögerte Ciri, leistete aber doch noch seinem Befehl folge, denn es hätte ja ziemlich blöd ausgesehen, falls sie getrennt in den Festsaal zurückkehren würden, um anschließend miteinander zu tanzen.

Mit einem Tanz war die Sache aber nicht getan. Als ob in stummer Übereinstimmung (und in Wirklichkeit Eredins Befehl befolgend) spielten die Musiker nur noch langsame Melodien, die sich alle irgendwie gleich anhörten. Es gab also für Ciri keine Möglichkeit den Tanz nach all den vorgeschriebenen Regeln der Förmlichkeiten zu beenden und fortzugehen. Ob sie in dem Moment überhaupt noch fortgehen wollte galt noch herauszufinden.

Sich im Tanz herumdrehend zog Eredin Ciri immer näher an sich heran und gab Ruhe nur dann, als ihre Wange seine samtene Jacke streifte. Er wollte eigentlich ihren Kopf an seiner Schulter abgelegt haben, ihr Größenunterschied war aber dafür zu groß, so sollte er sich damit begnügen, sie seinem Herzschlag zuhören zu lassen.

Die Zeit verging wie im Flüge und allmählich ertappte sich Ciri an dem Gedanken, dass Eredins Hände an ihrer Taille ihr keine Unannehmlichkeiten mehr bereiteten, zudem er sich ziemlich kavalierhaft benahm und kein einziges Mal sie als ob zufällig an verbotenen Stellen zu berühren versuchte, obwohl es mehr als genügend Möglichkeiten dazu gab.

Im Gegensatz zu schwachem Auberon, hielt Bréacc Glas seine Tanzpartnerin fest und besitzergreifend, aber zur gleichen Zeit unbegreiflich aufmerksam. Wie genau er es anzustellen vermochte – blieb sein Geheimnis, aber eines stand ziemlich fest und zwar, dass der Anführer der Roten Reiter auch mal zärtlich sein konnte. Vorausgesetzt er wollte es selbst.

Irgendwann legte Ciri – der Bequemlichkeit wegen – ihre Hände um seinen Hals und schmiegte sich dadurch noch näher an ihn. Sein Gesicht blieb vor ihr verborgen, das Mädchen konnte aber schwören, dass seine Lippen sich zu einem triumphierenden Lächeln formten.

"Soll er doch seine Freude haben," dachte sie bei sich.

Sie wird trotzdem fliehen können, aber nicht heute. Später. Und heute… Zu ihrem Entsetzen begriff Cirilla, dass sie sich bereits fast bereitwillig in seinen Armen aufhielt. Es klang absurd, aber seit langem hatte sie sich nicht so geborgen und sorgenfrei gefühlt, wie an diesem Abend. Zum ersten Mal seit gefüllter Ewigkeit wurde sie nicht gezwungen eine starke Frau abzugeben und konnte sich daher wie ein zierliches Mädchen benehmen. Endlich.

"Das ist aber nicht richtig," versuchte sich Ciri mit letzter Willenskraft wachzurütteln. "Er ist doch dein Feind."

Es nützte aber nichts, denn sie konnte auch bei bestem Willen nicht leugnen, dass der Elf heute einfach umwerfend aussah. Sie war es gewohnt ihm in seiner voller Ausrüstung zu begegnen und hatte daher überhaupt keine Ahnung, wie anziehend er in ziviler Kleidung aussehen würde.

Eigentlich konnte man sogar in der Ausrüstung seinen athletischen Körperbau erkennen, die antaillierte Jacke brachte aber seine breiten Schulter noch mehr zur Geltung. Die mit einer Gürtelschnalle in Form des Reiter-Symbols versehene Hose und die hohen zum Reiten geeigneten Stiefel erinnerten aber gleichzeitig daran, dass es bei diesem Elf um keinen gewöhnlichen Aen Elle handelte, sondern um einen Krieger. Immer bereit das Fest zu verlassen, um seinen direkten Amtspflichten nachzugehen.

Sein Haar, das im Alltag fast immer unter dem Helm versteckt war, fühlte sich jetzt weich und samtig an und lud Ciri regelrecht ein darüber mit der Hand zu fahren.

Sie wollte es weiter berühren. Sie wollte  i h n  berühren. Und seine Berührungen auf eigener Haut spüren.

In unerwartet angenehme Gedanken versunken, bemerkte sie nicht, wie die Musik langsam verstummte.

"Wach auf," flüsterte er ihr direkt ins Ohr, worauf es ihr kalt den Rücken runterlief. "Seit ein paar Minuten kreisen wir in absoluter Stille."

Ciri zuckte zusammen und löste sich von ihm so schnell, wie sie nur konnte, aber doch viel zu spät. Ihre Wangen glühten.

"Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird," sein Grinsen schien sie nicht mehr abzustoßen.

"Ich hab meinen Teil der Abmachung erfüllt," versuchte sie ihre Sinneswandlung zu kaschieren. "Jetzt bist du dran."

"Ich halte immer, was ich verspreche."

Er gab ihr noch einen letzten Kuss auf die Hand und ging dann weg, ohne sich sogar einmal umzudrehen, als ob er wüsste, dass sie ihm mit ihrem Blick folgen würde.

Und sie tat es tatsächlich. Schalt sich dafür, aber konnte nicht anders.

Als er den Festsaal verließ, lächelte Eredin Bréacc Glas triumphierend. Er wusste, die Nacht wird heute lange dauern. Sehr lange.
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