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Aus dem Leben von Butterblume

GeschichteFantasy / P12 / Gen
Buttercup Johanna Mason
09.01.2021
02.02.2021
3
2.053
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09.01.2021 464
 
Das Erste, an was ich dachte, nachdem ich auf einer verlassenen Straße des Capitols herumstreunte, war, wie sehr ich diese Frau hasste, die sich stundenlang darum kümmerte, dass ihre Haare richtig saßen, die sich komisches pinkes Geschmier in ihr Gesicht rieb und die vergaß mir mein Essen zu geben. Sie war das Einzige, was ich nicht ausstehen konnte.
Dieser Hass wurde nur noch größer, als sie mir eines Tages eine große Schüssel Katzenfutter auf die Terrasse stellte und ich, nachdem ich mich über mein Essen gestürzt hatte, hörte wie sie hinter mir die Tür zuschloss. Ich wartete viele lange Nächte, doch die Tür öffnete sich nicht mehr. An einem regnerischen Tag, an dem ich im Normalfall, nicht eine Pfote aus meinem warmen Körbchen gesetzt hätte, wachte ich in dem Pappkarton auf, den ich vor ungefähr drei Nächten zu meinem neuen Zuhaue erklärt hatte, als ich einen Geruch wahrnahm, den ich aus meinem alten Zuhause kannte, machte ich mich auf den Weg, der Geruchsspur zu folgen. Ich rannte durch viele Straßen, verlor einige Male meine Spur und jedes Mal, wenn ich sie wiederfand, wollte ich nur noch dringender sehen, was es war und vor allem woher es kam. Schließlich erreichte ich einen hohen Maschendrahtzaun, der, wie ich feststellte, das gesamte Capitol von der Außenwelt trennte.
Ich wollte schon wieder umkehren und mich zurück in meinen Karton verkrümeln, da sah ich ein kleines Stück Hoffnung direkt vor meiner Nase. Ich erblickte ein kleines Loch im Zaun und ehe ich darüber nachdachte, was ich tat, war ich auch schon durchgeschlüpft und landete in einer grün leuchtenden Welt. Ich hätte nie gedacht, dass ich in meinem Leben noch einmal etwas anderes als den grauen Betonboden sehen und erfahren würde, wie schön die Welt sein könnte. In meinem ganzen Katzenleben hatte ich noch niemals einen schöneren Ort als diesen gesehen.

Ich rannte los, ohne eine Sekunde nachzudenken, sprang ich über Baumstämme, rannte über wunderschöne, mit Blumen verzierte Wiesen und trank aus hellblauen Flüssen. Irgendwann kletterte ich auf einen Baum und legte mich in eine Astgabel, schloss die Augen und dämmerte langsam und glücklich weg. Als ich aufwachte, war ich der glücklichste Kater von ganz Panem. Ich war zum ersten Mal seit Wochen ausgeschlafen, hatte den Spaß meines Lebens gehabt und...da war er wieder, der Geruch, der mich vor einigen Stunden auf diesen Baum geführt hatte. Diesmal musste ich mir noch nicht einmal die Mühe machen zu suchen. Unter meiner Astgabel war ein Lagerfeuer, über dem ein großer, saftiger Fisch hing. Was für ein Fisch es war, wusste ich nicht, ich wusste nur, dass ich Hunger hatte.
Sobald ich sicher war, dass niemand in der Nähe war, sprang ich von meinem Baum und näherte mich meinem leckeren Ziel, als ich plötzlich in einem dunklen Sack landete...


Fortsetzung folgt!!!
 
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