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Die Ewigkeit beginnt heut' Nacht

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Alfred Graf von Krolock Herbert von Krolock OC (Own Character) Professor Abronsius
09.01.2021
02.03.2021
11
26.754
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23.02.2021 2.359
 
Danke vielmals KleinerFlughund und kleine sandy für die lieben Reviews. Ihr bringt mich zum Strahlen. Daher habe ich gleich weitergeschrieben und hoffe, dass auch dieses Kapitel bei euch und meinen Schwarzlesern Anklang findet.

***

Langsam komme ich wieder zu mir. Wo bin ich? Was ist passiert? Ich öffne langsam meine Augen und finde mich in einem riesigen Himmelbett wieder. Irgendwie kommt mir das Ganze hier bekannt vor. Langsam weiss ich, wo ich bin – zurück im Schloss. Nur wage kann ich mich an die Vorkommnisse erinnern. Wie lange war ich bloss weggetreten? Ich setze mich langsam im Bett auf. Als ich mich aufstützen will, verspüre ich einen messerscharfen Stich in meinem linken Arm. Als ich ihn mir genauer betrachten möchte, realisiere ich, dass ich nicht mehr meine Kleider, sondern bloss ein weisses knielanges Nachthemd mit kurzen Ärmeln anhabe. Wer mich wohl umgezogen hat? Vielleicht Herbert oder… nein das kann nicht sein. An meinem Oberarm entdecke ich einen Verband, der an einer Stelle leicht rötlich verfärbt ist. Ist das Blut? Ich werde fast wieder ohnmächtig. Gerade noch kann ich mich sammeln. Ich werde mir besser etwas überziehen und mich auf die Suche nach Herbert machen. Mein Blick durch das Fenster verrät mir, dass es bereits wieder Nacht ist. Ich öffne den Schrank neben dem Fenster und ziehe das erst Beste Kleidungsstück heraus – ein dunkelroter Samtmantel mit langen Ärmeln. Als ich fertig bin, gehe ich Richtung Tür.

Als ich barfuss auf den Gang trete, ist mir leicht schummrig. Womöglich habe ich mehr Blut verloren, als ich dachte. Ich stütze mich an den Wänden entlang Richtung Treppe. Hoffentlich falle ich in meinem Zustand nicht die Treppe runter. Ich will mir nicht noch mehr Blessuren zu ziehen. Nach einer gefühlten Ewigkeit bin ich endlich unten angekommen. Ich stehe auf wackeligen Beinen. Die Eingangstür geht auf und herein kommt Kokoul. Er sieht mich mit grossen Augen an. «Guten Abend Kokoul. Können Sie mir sagen, wie lange ich schon hier bin? Und vielleicht auch, wo Herbert ist?» Anstatt mir zu antworten, läuft er auf die Tür zum Kaminzimmer zu und öffnet sie. Er bedeutet mir, einzutreten. Eigentlich hätte mir eine Antwort genügt. Ich bin ein wenig ängstlich und kann mich immer noch kaum auf den Beinen halten. Irgendwie schaffe ich es aber ins Kaminzimmer hineinzugehen. Schnell zieht Kokoul die Tür mit einem lauten Krachen wieder zu und ich zucke zusammen. Ein Gedanke schiesst mir durch den Kopf. Als ich das letzte Mal hier war, bin ich geflohen. Ich hatte Angst. Seltsamerweise fühle ich dieses Mal diese Angst nicht. Ich gehe langsam auf die roten Ohrensessel zu. In einem kann ich eine Gestalt ausmachen. Ist es Herbert oder der Graf?

Als ich näher komme schnellt aus dem Ohrensessel ein Kopf empor. «Sophia, wie geht es dir?» Freudestrahlend und doch etwas besorgt, sieht Herbert mich an, steht auf und kommt auf mich zu. «Ich fühle mich noch etwas schwach und kann mich kaum erinnern. Kannst du mir sagen, wie lange ich schon hier bin?» «Ich kann dir das nicht exakt sagen. Da müsstest du Vater fragen. Ich bin vor ein paar Tagen zurückgekehrt und da warst du bereits hier.» «Wie lange ist das her?» Er blickt nachdenklich an die Decke: «Vermutlich so drei bis vier Tage. Aber frag am besten Vater. Er wird bestimmt gleich zu uns stossen. Kannst du dich an irgendetwas erinnern?» Ich überlege. Ich weiss noch, wie ich auf dem Heimweg von der Arbeit war und verfolgt wurde. Ich wurde angegriffen, aber von wem? Plötzlich sammeln sich Tränen in meinen Augen und ich beginne zu weinen. «Sshh… Sophia. Es ist alles gut, du bist in Sicherheit.» Herbert nimmt mich in den Arm. Ich kann kaum aufhören zu weinen. Was ist bloss mit mir los? «Wieso hat Tamara mir das angetan?» schluchze ich. «Ich habe ihr doch gar nichts getan!» Herbert sagt nicht, streichelt nur sanft über meinen Rücken. Langsam beruhige ich mich ein wenig. «Komm,» sagt Herbert. «Setz dich erst einmal hin und iss eine Kleinigkeit. Ich denke, es wird für alles eine Erklärung geben.» Ich setze mich gegenüber von Herbert in den Ohrensessel. Ich fühle mich wie ein Häufchen Elend. Ich nehme einen Biss vom harten Brot, welches auf dem Teller steht und trinke einen Schluck Wasser. Ich ziehe nochmals meine Nase hoch: «Kennst du den Grund, Herbert?» Ich blicke in aus traurigen Augen an. Ich kann spüren, dass er mir nicht die Wahrheit sagen will oder kann. «Herbert, ich weiss, dass du den Grund kennst. Wieso sagst du es mir nicht einfach?» Er seufzt: «Ich denke, Vater sollte dir alles erklären.» Gerade als ich ihn anschreien will, er solle mir gefälligst die Wahrheit sagen, ertönt hinter mir eine dunkle samtige Stimme: «Ich werde es dir erklären, meine Liebe. Alles zu seiner Zeit.» Ich drehe mich erschrocken um. Wieder habe ich den Drang zu fliehen. Wie er so aristokratisch vor mir steht mit seinem dunklen Umhang und mich aus allwissenden blauen Augen ansieht. Kann ich ihm vertrauen? Immerhin ist er ein Vampir. Aber wieso vertraue ich dann Herbert? Er ist ja auch einer. Wieso muss alles so kompliziert sein. Ein Lächeln umspielt die Lippen des Grafen: «Vertrau mir, mein Sternenkind.» Ich bin skeptisch und meine Augen verengen sich zu Schlitzen. Im Moment bringe ich nur Verachtung für ihn auf: «Natürlich,» sage ich schnippisch. «Immerhin, Excellenz, haben Sie mir ja von Anfang an die Wahrheit gesagt. Ich hasse Lügen.» Woher kommt meine plötzliche Kühnheit? Ich erhebe mich ruckartig vom Ohrensessel. In Anbetracht meines Zustandes war das aber keine gute Idee. Wieder wird mir fast schwarz vor Augen und meine Knie geben nach. Im letzten Moment kann Herbert mich noch stützen. «Sophia, ist alles gut?» Ich ziehe meinen Arm weg und funkle ihn böse an: «Ja, mir ging es gut, bis ich euch beide getroffen habe!» Trotz meiner wackeligen Beine schaffe ich es loszurennen und erreiche die Tür vom Kaminzimmer. Keiner der Beiden macht Anstalten mir nachzulaufen.

Als ich vor der Tür stehe, kann ich einfach nicht mehr. Ich lasse mich an der Wand entlang hinuntergleiten. Ich lege meinen Kopf auf die Knie und beginne hemmungslos zu weinen. Wieso hat Tamara mich angegriffen? Was habe ich ihr getan? Und was ist bloss los mit mir? Ich bin doch sonst auch kein solcher Gefühlschaot, der seine Gefühle in die Welt hinausträgt. Ich will einfach wissen, was mit mir los ist. Ich höre, wie die Tür sich öffnet und jemand hinaustritt. Ich sehe nicht auf. «Sophia, komm zurück. Ich weiss, dass du das nicht so gemeint hast. Vater, kann dir wirklich alles erklären. Ich habe ihn überzeugt, dass er es sofort tut.» Ich wische mir meine Tränen ab und blicke mit rotunterlaufenen Augen Herbert an. Er ist einfach so liebevoll und einfühlsam. Ich kann ihm nicht lange böse sein, aber dem Grafen? Ach, zum Teufel damit. Er ist mir eine Erklärung schuldig. Ich erhebe mich und blicke in Herberts Augen: «Na gut. Aber ich will jetzt eine Erklärung.» Ich benehme mich wie ein trotziges Kind. Meine Gedanken und Gefühle fahren Achterbahn. Ich bin hin und her gerissen zwischen Verzweiflung, Angst und… was ist das für ein Gefühl? Das kann nicht sein. Egal! Herbert schenkt mir sein schönstes Lächeln und nickt schnell. Ich erhebe mich langsam und lasse mich von ihm zurück ins Kaminzimmer führen.

Als wir durch die Tür treten, sehe ich, dass sich der Graf bereits in einen der Ohrensessel vor dem Kamin gesetzt hat und gedankenverloren hineinblickt. Ich betrachte ihn. Mein Herz beginnt schneller zu schlagen. Er hat wahrhaftig ein wunderschönes Profil. Seine Gesichtszüge sind streng und aristokratisch, aber mein Gefühl sagt mir, dass sich dahinter ein weicher Kern verbergen muss. Seine blasse Haute ist so rein und seine blauen Augen funkeln durch die Flammen des Feuers noch viel mehr. Die Haare hängen im prachtvoll über die Schultern. Seine Lippen sehen so verführerisch aus. Wie gerne möchte ich… Reiss dich zusammen, Sophia! Ich sollte langsam aufhören, ihn noch attraktiver zu machen als er schon ist. Ich sehe, wie ein Lächeln seine Lippen umspielt. Mist, ich sollte wirklich aufpassen, was ich denke.
Herbert führt mich zum Ohrensessel und setzt sich neben mir auf die Sessellehne. «Entschuldigen Sie, Excellenz, dass ich vorhin so aufbrausend war. Ich weiss im Moment nicht, was mit mir los ist.» Es tat mir wirklich leid. «Ich kann dich verstehen, Sternenkind. Die ganze Situation muss verwirrend für dich sein,» erwidert der Graf und blickt weiter in die Kaminflammen. Ich nehme meinen Mut zusammen: «Können Sie mir sagen, wieso Tamara mich angegriffen hat?» Lange Zeit erwidert er nichts. Ich will meine Frage schon wiederholen, als er plötzlich zu sprechen beginnt: «Sie ist eifersüchtig auf dich, Sophia.» Ich runzle die Stirn: «Wieso ist sie eifersüchtig? Ich habe nichts, was ihr fehlen würde.» Er lacht leise in sich hinein. «Du verstehst es wirklich nicht, oder?» Langsam reichts mir auch schon wieder und ich werde lauter: «Herrgott nochmal! Ich habe keine Ahnung von was zum Teufel Ihr sprecht! Könnt Ihr mich endlich aufklären? Es wird mir langsam zu blöd, immer wieder dieselben Fragen zustellen!» Ich werde wirklich wütend.
‘Mässige dich etwas in deinem Ton, Sternenkind. Du willst nicht erleben, wie wütend ich werde, wenn man so mit mir spricht.’
Ich erschrecke ein wenig, aber das macht mich nur noch rasender: «Wenn Ihr mit mir sprechen würdet, würde ich mich in meinem Ton mässigen! Ausserdem sitze ich neben Ihnen, Excellenz. Also können Sie auch mit Worten und nicht nur in Gedanken mit mir sprechen.» Ich spüre, wie seine Miene sich verhärtet. Bin ich zu weit gegangen?
‘Noch nicht, Sternenkind. Ich verstehe deinen Unmut. Bitte lass mich alles erklären. ’
Wieder spricht er in meinen Gedanken. Ich atme einige Male tief durch und warte einfach mal ab. Nichts geschieht. Langsam beruhige ich mich wieder. Wieso werde ich in seiner Nähe immer gleich zu einer Furie. Entweder ich raste aus oder ich fliehe. Ich starte einen etwas höflicheren Versuchen: «Es tut mir leid, Excellenz. Ich möchte nur endlich Antworten erhalten.» Langsam entspannen sich seine Gesichtszüge wieder und endlich beginnt er zu sprechen: «Nun gut, du scheinst wirklich ahnungslos zu sein. Dann werde ich es dir einmal erklären.»

Ich habe gar nicht bemerkt, dass Herbert aus dem Raum gegangen ist und ich mit dem Grafen mittlerweile allein bin. Wieder erfasst mich die Angst vor ihm und mein Herz schlägt mir bis zum Hals. «Wieso fürchtest du dich bloss so vor mir, Sternenkind?» Mir hat es die Sprache verschlagen und ich kann ihm einfach keine Antwort darauf geben. Daher versuche ich, mich auf etwas anderes zu konzentrieren. Einfacher gesagt als getan. Meine Gedanken wechseln schnell zu meinen Träumen und darin kommt auch der Graf vor. Er scheint das zu bemerken. Ich sehe seine Mundwinkel nach oben wandern. Ich schüttle den Kopf. «Gut. Dann werde ich dir erzählen, was passiert ist, nachdem Tamara dich angegriffen hat.» «Ich weiss, was passiert ist, Excellenz. Sie haben mich hierhergebracht. Ich möchte lieber wissen, wieso Tamara das getan hat.» Er seufzt auf und blickt starr ins Feuer. Ich rutsche auf dem Sessel hin und her. Wieso sagt er es mir nicht einfach. Ich bin doch kein kleines Kind mehr, das die Welt nicht versteht. So schlimm kann es ja nicht sein.
‘Es ist komplizierter als du denkst, Sophia. ’
Ich blicke erschrocken auf. Wieder spricht er nur in Gedanken mit mir. «Bitte, Graf von Krolock. Ich möchte es doch nur verstehen,» flehe ich ihn schon fast an. Er dreht langsam seinen Kopf in meine Richtung. «Ich habe vor ein paar Tagen Tamara zum Mitternachtsball eingeladen,» beginnt er mit seiner Erzählung. «Sie war begeistert, dass sie eingeladen wurde und nicht du, Sophia.» Okay, jetzt bin ich baff. Wieso hat er sie denn eingeladen? Er blickt mir tief in die Augen und spricht weiter: «Du bist nichts für diese Art Ball, meine Liebe. Willst du wirklich wissen, was sich dort zuträgt?» Langsam schwant mir übles, aber ich verziehe keine Miene und warte, bis er weiterspricht.
‘Du bist ziemlich neugierig. Nun gut, einmal sehen, wie lange es dabei bleibt. ’
Ich hasse dieses ewige Gedankengerede, aber ich bleibe stumm und warte auf die weiteren Erklärungen des Grafen. «Der Mitternachtsball dient dazu, uns zu befriedigen. Mit uns meine ich mein Gefolge, Herbert und mich. Ich suche uns ein Opfer aus, welches ich als Erster beissen darf. Anschliessend macht sich mein Gefolge darüber her.» «So wurde Tamara zum Vampir, das verstehe ich, aber was habe ich damit zu tun?» falle ich ihm unhöflicherweise ins Wort. Er schüttelt mit einem ungläubigen Lächeln den Kopf. «Ach Sophia, du naives kleines Ding. Tamara dachte, sie wird meine Gefährtin.» «Aber?» hake ich bei ihm nach. «Als Tamara zu einem Geschöpf der Nacht wurde, hat sie mich angehimmelt und wich mir fast nicht von der Seite. Ich habe ihr klar gemacht, dass es nur eine Gefährtin für mich geben würde. Ich musste ihr nicht einmal sagen wen. Daraufhin hat sie wutentbrannt mein Schloss verlassen. Ich sah sie erst wieder, als sie dich angegriffen hat. Das war vor vier Tagen.» Er wollte Tamara nicht als seine Gefährtin. Aber wieso? Sie war doch hübsch. Ausserdem ist sie eine starke Frau. Wer soll es denn sonst sein? «Sie hat dich schwer verletzt und du hast viel Blut verloren, Sophia. Daher habe ich dich hierhergebracht und Herbert hat dich dann von deinen blutverschmierten Kleidern befreit. Ich musste wahre Stärke beweisen, damit ich nicht gleich über dich herfalle. Kokoul hat dann deine stark blutende Wunde am Arm versorgt.» Ich höre ihm nur noch mit einem Ohr zu. Mich interessiert nur eines – wer soll seine Gefährtin sein oder besser gesagt werden, wenn es nicht Tamara ist? Ich betrachte nachdenklich meine Finger.
‘Du, mein Sternenkind. Ich möchte dich als meine Gefährtin. ’
Schlagartig löse ich den Blick von meinen Fingern und blicke ihm in die Augen. Mich?! Das heisst ja, ich soll ein Vampir werden. Er nickt nur. Ich spüre meinen Herzschlag an meinem Hals. Das ist alles zu viel für mich. Meine Atmung wird schneller und wieder wird alles schwarz vor meinen Augen.

***

So, nun hoffe ich das Kapitel hat euch gefallen. Es lässt noch viel Spielraum auf das weitere Geschehen. Mal schauen, ob Sophia das alles verdauen kann. Und ob Tamara nochmals versucht, ihr den «Platz» streitig zu machen? Wir werden sehen.

Hochachtungsvoll
Sophia von Krolock
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