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Die Ewigkeit beginnt heut' Nacht

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / Het
Alfred Graf von Krolock Herbert von Krolock OC (Own Character) Sarah
09.01.2021
04.05.2021
27
67.756
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04.05.2021 2.395
 
Dieses Mal hat es ein wenig länger gedauert als auch schon. Ich bin irgendwie ein wenig aus dem Rhythmus, aber der Alltag lässt mich kaum verschnaufen.
Ich hoffe trotzdem, dass ihr immer noch fleissig weiterlest. Ich wünsche nun viel Spass mit dem neuen Kapitel.

***

«Sophia, wach endlich auf,» rüttelt Lea an mir. Ich kneife fest meine Augen zusammen, ziehe die Decke über meinen Kopf und drehe mich weg. «Komm schon, Sophia. Es ist mein letzter Tag! Ausserdem musst du mir noch alles von gestern Nacht erzählen!» Ich ziehe die Decke ein wenig runter, öffne ein Auge und schiele genervt zu Lea. Ich grummle ein wenig vor mich hin. «Los, du Schlafmütze! Du sollst endlich aufstehen!» Ich gebe mich geschlagen und drehe mich zurück auf den Rücken. «Wieso kann ich nicht einmal ausschlafen?» gebe ich genervt von mir. «Schlafen kannst du, wenn du tot bist. Komm, lass uns etwas essen und danach erzählst du mir von gestern Abend. Vielleicht bei einem Spaziergang auf dem Schlosshof?» Ich rolle mit den Augen. Lea wird nie aufgeben, wenn ich ihr nicht alles erzähle. Ich seufze: «Gib mir fünf Minuten. Ich komme gleich runter, okay?» Lea nickt aufgeregt und stürmt aus dem Zimmer. Ich bleibe noch kurz liegen und lasse den gestrigen Abend Revue passieren. Es war einfach wunderschön und endlich hat Breda sein Herz ein wenig geöffnet. Ich befürchte aber, dass das noch nicht alles war. Ich hoffe so sehr, dass der Mitternachtsball ein Erfolg wird – für ihn und mich. Ich schlage die Decke zurück und begebe mich zum Kleiderschrank. Wenn ich mich nicht langsam beeile, stürmt Lea bestimmt gleich wieder ins Zimmer.

Nach kurzer Zeit trete ich zu Lea in den Speisesaal. «Na endlich! Ich dachte, du schaffst es gar nicht mehr!» höre ich ihre vorwurfsvolle Stimme. Ich ignoriere sie und setze mich an den Tisch. Kokoul hat mit den vielen verschiedenen Speisen ganze Arbeit geleistet und ich lasse es mir schmecken. Es ist einfach köstlich. Heute habe ich so richtig Hunger, was Lea staunen lässt. «Geht es dir gut, Sophia? Gestern hast du fast nichts gegessen und heute verschlingst du alles?» «Ja, es geht mir gut. Ich habe einfach Hunger,» sage ihr zwischen dem Kauen. «Es ist einfach köstlich!» Mit Lea hingegen scheint etwas nicht zu stimmen. «Was ist mit dir? Alles in Ordnung?» frage ich sie. Sie seufzt. «Der Abschied naht und mit Alfred bin ich gestern kein Stück weitergekommen.» Ich rolle mit den Augen. Dieser Idiot kapiert anscheinend gar nichts. Nun bin ich es, die zu Lea ehrlich sein muss. Ich lege mein Besteck weg und ergreife Leas Hand. «Lea, ich muss dir was erzählen. Ich habe mit Alfred gesprochen.» Ihre Augen werden gross und ein Lächeln breitet sich auf ihrem Gesicht aus. Wie sehr es mich schmerzt, sie jetzt zu verletzen. «Naja, er empfindet, so wie er sagt, nicht dasselbe für dich, wie du für ihn.» Leas Lächeln friert augenblicklich ein. Ich kann sehen, wie sie mit den Tränen kämpft. Das habe ich befürchtet. «Ach Süsse, es tut mir so leid, aber vergiss nicht, andere Mütter haben auch schöne Söhne. Er ist es nicht wert, dass du wegen ihm weinst.» Sie wischt sich die aufkommenden Tränen weg. «Ich weiss. Ich kenne ihn ja auch nicht so gut. Vielleicht sollte er mich erst einmal kennenlernen. Hast du ihm das denn nicht gesagt?» Das sind meine Worte: «Doch, aber für ihn ändert sich nichts daran. Ausserdem ist er hier nur auf der Durchreise. Er lebt einmal hier und dann da. Wahrscheinlich ist es besser so.» Lea schaut zerknirscht auf ihre Hände und zuckt mit den Schultern «Vielleicht hast du recht. Ist es okay, wenn ich den Abend auf meinem Zimmer verbringe? Ich möchte ihm heute nicht mehr begegnen.» «Du reist doch morgen früh ab. Möchtest du dich nicht verabschieden?» Sie schüttelt den Kopf: «Das schmerzt mich zu sehr. Es ist besser so.» Ich lege beruhigend eine Hand auf Leas Knie und lächle sie an. «Na gut. Aber von Herbert musst du dich verabschieden. Ich komme mit ihm zu dir hoch und anschliessend machen wir uns einen schönen Mädelsabend, ja? Ich bringe dann etwas Wein mit,» sage ich verschwörerisch und zwinkere ihr zu. Das bringt Lea zum Lächeln. «Und was ist mit deinem Grafen?» Ich winke ab: «Der kann gut einen Abend auf mich verzichten, denke ich. Wollen wir dann spazieren gehen?» wechsle ich das Thema. Lea sieht mich an: «Ja und dann erzählst du mir alles!» Ich verdrehe die Augen und nicke gequält.

Die Sonne strahlt und nur vereinzelt sind Wolken zu entdecken. Ein herrlicher Tag, um draussen zu sein. Wir gehen in den Schlosshof und schlendern über das grosse Anwesen. Ich vermeide es in Richtung des Friedhofs zu gehen. Daher nehmen wir einen anderen Weg und kommen schnell bei einer wunderschönen grossen und alten Eiche an. Darunter befindet sich eine kleine Holzbank. «Lass uns dort hingehen,» sage ich zu Lea und zeige auf den Baum. Sie nickt. Wir gehen rüber und setzen uns hin. Eine Weile schweigen wir. «Du wirst mir fehlen, Sophia.» Ich drehe meinen Kopf in ihre Richtung und nehme sie reflexartig in die Arme. «Du mir auch,» flüstere ich ihr zu. Eine Weile verharren wir so, bis Lea mich plötzlich von sich wegstösst. «Nun aber zu gestern Nacht. Du musst mir alles erzählen. Wo wart ihr? Was habt ihr gemacht? Ist mehr passiert?» Ich muss einmal mehr die Augen verdrehen, das passiert mir in letzter Zeit sehr häufig. Wenn ich an den vorherigen Abend denke, muss ich lächeln. «Es war wunderschön, Lea. Wir waren am See, welchen wir nicht gefunden haben und haben einfach nur geredet. Mehr ist nicht passiert.» Lea grinst: «Ihr habt also nicht?» Ich schüttle den Kopf. «Nein, haben wir nicht Lea. Ich möchte mir damit noch ein wenig Zeit lassen,» antworte ich ihr. Ob das überhaupt funktioniert? Immerhin ist Breda ein Vampir. «Und über was habt ihr so gesprochen?» fragt Lea neugierig weiter. Ich muss schlucken und vor allem nachdenken. Wie komme ich aus dieser Sache nur raus? Ich versuche ehrlich zu sein, ohne zu viel zu verraten: «Er hat mir ein wenig von seiner Vergangenheit erzählt und ansonsten haben wir über Gott und die Welt gesprochen.» Sie runzelt die Stirn: «Mehr nicht?» Ich schüttle den Kopf. Mehr kann ich ihr einfach nicht verraten, sonst ahnt sie etwas. «Sag mal, wieso sind Herbert, Alfred und der Graf eigentlich immer nur abends anzutreffen? Was machen die den ganzen Tag?» Scheisse! Wie erklär ich ihr das nur? Ich überlege. «Sophia?» Ich schüttle den Kopf und besinne mich wieder: «Herbert und Breda arbeiten in einer entfernten Stadt und müssen früh los. Daher kommen sie abends auch später. Und Alfred… keine Ahnung was der den ganzen Tag treibt. Vermutlich besucht er den einen oder anderen Freund, wenn er wieder einmal hier ist.» Lea nickt wissend und sieht gedankenverloren ins Weite. «An was denkst du, Lea?» Sie zuckt mit den Achseln: «Nichts weiter. Du wirst mir fehlen, Sophia. Kommst du mich mal besuchen?» Damit habe ich irgendwie gerechnet. «Ich werde es versuchen, ja. Gib mir einfach ein wenig Zeit mich an alles hier zu gewöhnen.» Sie nickt: «Aber solltet ihr heiraten, erwarte ich eine Einladung!» sagt sie belustigt. Ich muss lachen. «Keine Sorge, du bist die Erste, die es erfährt. Ausserdem telefonieren wir mindestens einmal in der Woche, ja?» Auf ihrem Gesicht breitet sich ein Grinsen aus. «Auf jeden Fall!» Wir sitzen noch eine Weile auf der Bank und sprechen über die Vergangenheit und was wir alles gemeinsam erlebt haben. «Soll ich dir, bevor die Herren kommen, noch ein kleines Stück auf dem Klavier spielen? Immerhin habe ich dir das versprochen.» «Oh ja bitte! Darauf warte ich schon seit Jahren.» «Gut, dann lass uns zurückgehen.» Wir erheben uns und laufen zurück zum Schloss.

Im Kaminzimmer habe ich mich gleich ans Klavier gesetzt. Lea lehnt sich entspannt an den schwarzen Flügel und ich beginne «Für Elise» von Beethoven zu spielen. Gespannt lauscht Lea meinen Klängen und schliesst dabei die Augen. Als das Stück endet, bricht Lea in tosenden Applaus aus. «Danke, danke, vielen Dank,» sage ich gespielt theatralisch als ich mich vom Klavierhocker erhebe und mich verbeuge. «Das war wunderschön. Kannst du…» beginnt Lea und wird vom Öffnen der Tür unterbrochen. Unsere Köpfe drehen sich in Richtung Tür. Herbert tritt ein, dicht gefolgt von Alfred. Lea blickt mich an und ich verstehe, was sie mir sagen möchte. Ich nicke ihr zu. Gemächlich geht Lea auf die Beiden zu und grüsst sie. Schon nach wenigen Minuten ist sie verschwunden. «Was ist den mit unserer lieben Lea los?» fragt Herbert entrüstet. «So kenne ich sie gar nicht.» Ich seufze: «Ich erkläre es dir später. Wie geht es euch beiden?» «Gut,» sagen beide im Chor. «Und dir meine Süsse? Hattest du gestern einen schönen Abend mit Vater? Du musst mir alles erzählen!» ruft Herbert aufgeregt. «Wie war es?» «Ach Herbert, ich erzähl es dir später, ja? Alfred? Entschuldigst du mich und Herbert kurz?» Mit grossen Augen und etwas verwirrt blickt Alfred mich an. «Ja sicher. Soll ich rausgehen?» «Nein, mach es dir ruhig bequem. Ich nehme Herbert kurz mit.» Ich packe Herbert am Arm und mit einem satten Hüftschwung folgt er mir. Als die Tür hinter uns ins Schloss fällt, entzieht Herbert mir seinen Arm. «Kannst du mir bitte erklären, was los ist?» «Ach Herbert, Lea ist enttäuscht, dass Alfred nicht mehr für sie empfindet und will sich deshalb auch nicht von ihm verabschieden. Daher gehen wir kurz zu ihr hoch, ja?» Er verschränkt die Arme amüsiert vor der Brust. «Was immer alle mit Alfred haben? Er ist doch süss.» Ich verdrehe die Augen: «Du empfindest immer noch etwas für ihn oder Herbert?» frage ich ihn. Er winkt ab: «Ach nein, ich habe da schon jemand anderen im Blick und der empfindet auch so für mich, aber das erzähl ich dir ein anderes Mal. Wollen wir dann los?» Ich nicke und wir gehen die Treppe hoch.

Auf halbem Weg kommt Breda uns entgegen. «Wo wollt ihr beide denn hin?» fragt Graf von Krolock mit tiefer Stimme. «Ähm… wir gehen zu Lea. Und woher kommst du Vater?» gibt Herbert den Ball an seinen Vater zurück. «Dort war ich gerade. Ich habe mich von ihr verabschiedet. Bleibt ihr lange?» Herbert schüttelt den Kopf. «Ich werde heute den Abend mit ihr verbringen, wenn es dir nichts ausmacht. Sie möchte nicht mehr runterkommen,» sage ich an Breda gewandt. Er zieht seine perfekt geformte Augenbraue hoch. «Ich erklär es dir ein anderes Mal. Wir sehen uns morgen Abend wieder, ja?» gebe ich ihm auf seine stumme Frage die Antwort und küsse ihn auf die Wange. «Wenn es sein muss,» sagt er kühl und geht an uns vorbei. Hoffentlich gibt das keinen Ärger. «Keine Sorge, er wird das schon verstehen,» sagt Herbert und zieht mich weiter die Treppe hoch. Als wir vor Leas Zimmer angekommen sind, klopfen wir kurz an und treten ein. Lea wuselt durch ihr Zimmer und packt die letzten Sachen ein. «Hallo Lea. Sieh mal, wenn ich mitgebracht habe,» begrüsse ich sie und zeige auf Herbert. «Lea, Schatz, du kannst doch nicht einfach gehen, ohne dich von mir zu verabschieden,» ruft Herbert und zieht Lea in eine Umarmung. Lea lacht und drückt ihn ebenfalls. «Herbert, ich würde nie gehen, ohne dir Auf Wiedersehen zu sagen. Du wirst mir fehlen.» «Du mir auch Süsse. Keine Angst, ich passe auf Sophia auf.» «Das will ich dir auch geraten haben,» sagt Lea gespielt drohend. Herbert drückt sie indes noch fester. Plötzlich klopft es an der Tür. Ich spähe hinaus. Davor steht ein kleiner Servierwagen mit einer Flasche Wein, zwei Gläsern und ein paar Snacks. Das war bestimmt Kokoul. Der ist wirklich aufmerksam. Ich nehme mir den Servierwagen und ziehe in ins Zimmer. «Also Herbert, geh runter. Ich möchte meine Freundin noch etwas für mich alleine haben,» sage ich und verschränke die Arme vor der Brust. «Ach komm schon, Sophia. Lass mich noch etwas hierbleiben. Das wird bestimmt witzig,» sagt Herbert schmollend. «Nichts da! Nun gibt es einen Mädchenabend. Also raus mit dir,» sage ich und schiebe ihn unsanft in Richtung Tür. «Na gut. Ich wünsche dir einen guten Flug morgen früh und pass auf dich auf Lea,» ruft Herbert und Lea winkt ihm zum Abschied zu. «Also, jetzt lassen wir es krachen,» sage ich mit einem teuflischen Grinsen und öffne knallend die Weinflasche. Lea lacht und wir stossen auf unseren letzten gemeinsamen Abend an.

Wir haben den Abend in vollen Zügen genossen, bis wir beide eingeschlafen sind. Zum guten Glück hat Kokoul in der Früh an die Tür geklopft. Wir hätten sonst sicherlich verschlafen. Wir sitzen wieder in der Kutsche. Breda hat darauf bestanden, dass wir wieder mit diesem alten klapprigen Ding runterfahren. Wenn sie nur so schön wäre, wie die von vorgestern Abend, aber es musste ja so ein altes Ding sein. Lea und ich sitzen schweigend in der Kutsche und jeder hängt seinen Gedanken nach. Als wir am Flughafen ankommen drückt Lea mich fest an sich. «Du wirst mir so fehlen, Sophia. Hoffentlich sehen wir uns bald wieder,» sagt sie mit tränenerstickter Stimme. Ich muss schlucken. Ob das jemals wieder so einfach wird? «Klar,» sage ich überzeugt, «ich komme dich bald besuchen.» Wir beginnen beide an, zu weinen. Plötzlich klopft es an der Tür. Kokoul steht draussen. Vermutlich ist es Zeit, dass Lea zum Check-In geht. «Mach’s gut, Lea. Guten Flug und wir telefonieren morgen oder übermorgen Abend, ja?» Sie bringt kein Wort heraus und nickt nur. Sie steigt aus der Kutsche und Kokoul überreicht ihr das Gepäck. Ich sehe ihr durch das Fenster nach und winke bis sie im Flughafengebäude verschwunden ist. Kaum ist sie weg, setzt sich die Kutsche wieder in Bewegung. Ob es eine gute Idee ist, mein Leben hinter mir zu lassen? Ich werde nie mehr so sein, wie ich war. Werde ich mich beherrschen können, wenn Lea hier ist oder wird die Gier dann stärker sein? Wird Lea verstehen, wieso sie auch mich nur noch nach Sonnenuntergang sieht? Wohl kaum! Ich lege meinen Kopf in die Hände und beginne zu weinen. Es ist noch ein weiter weg bis zum Schloss und es dauert noch Stunden, bis Herbert, Breda und Alfred mir Gesellschaft leisten.

***

Das war es auch schon wieder.
Nun kommt die Woche vor dem Mitternachtsball. Was Herbert Sophia wohl zu erzählen hat? Ausserdem hat Sophia bestimmt noch einige Fragen.
Über ein paar Kommentare würde ich mich freuen.

Hochachtungsvoll
Sophia von Krolock
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