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Die Ewigkeit beginnt heut' Nacht

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / Het
Alfred Graf von Krolock Herbert von Krolock OC (Own Character) Sarah
09.01.2021
16.06.2021
32
79.009
3
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31 Reviews
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1 Review
 
28.04.2021 3.223
 
Wie schade! Schon länger kein Review mehr *traurig schau* Ich hoffe einmal es liegt nicht am Verlauf der Geschichte.
Ich schreibe trotzdem fleissig weiter. In diesem Kapitel erfahrt ihr etwas mehr über Graf von Krolock. Ich hoffe es gefällt euch.

***

Ich schlage meine Augen auf und blicke zur Uhr. Es ist bereits Mittag. Wie lange ich wieder geschlafen habe. Ich strecke mich. Was wollte ich heute gleich noch tun? Ach ja, heute gehe ich ja mit Lea ein wenig an die frische Luft und am Abend findet der Ausflug mit Breda statt. Wo er wohl hin möchte? Kaum habe ich an Lea gedacht, geht auch schon die Zimmertür auf. «Auch schon wach, Schlafmütze?» ruft sie fröhlich in mein Zimmer und setzt sich mit Schwung auf mein Bett. Ich beginne zu husten. «Musst du mich so stürmisch begrüssen, Lea? Du weisst doch, ich bin noch nicht gesund,» sage ich, immer wieder durch einen kurzen Hustenanfall unterbrochen. «Tut mir leid. Du siehst wieder fit aus und ausserdem wollten wir doch noch ein wenig in den Wald. Sag mal, wieso ist deine Lippe so geschwollen?» Reflexartig greife ich mir an die Lippen. Das hätte ich fast vergessen. «Ähm…» «Sag nichts, ich will gar nicht wissen, was du und dein heisser Graf gestern noch getrieben habt.» Ich rolle mit den Augen. «Nicht was du denkst, aber gut. Wollen wir zuerst etwas essen?» Lea nickt: «Das ist eine gute Idee. Ich verhungere schon fast. Wir treffen uns unten. Zieh dich aber schon mal fertig an. Ich möchte nicht den ganzen Tag vergeuden.» Mit diesen Worten lässt sie mich zurück und ich atme hörbar aus. Wieder überkommt mich ein Hustenanfall. Hoffentlich ist das mit dem Spaziergang auch wirklich eine gute Idee. Nicht das ich am Ende vor Atemnot noch tot umfalle. Ich schwinge also meine Beine aus dem Bett und begebe mich zum Kleiderschrank.

Nach ungefähr 20 Minuten bin ich dann bei Lea im Speisesaal. «Ich dachte schon, du kommst gar nicht mehr.» Geduld war noch nie Leas Stärke. Ich setze mich wortlos zu ihr an den Tisch und beginne ein paar Kleinigkeiten zu mir zu nehmen. Irgendwie ist mir nicht nach Essen. «Geht es dir nicht gut, Sophia? Du isst ja gar nicht richtig.» «Ich habe irgendwie nicht so einen Hunger.» «Denkst du, der Spaziergang ist eine gute Idee oder sollen wir lieber etwas Gemütliches machen?» Ich schüttle vehement den Kopf. «Nein, auf gar keinen Fall. Wir gehen spazieren. Ich hoffe nur, wir finden diesen See.» «Das sollte ja nicht so schwer sein. Herbert meinte es sind nur zehn Minuten zu Fuss. Ich pass schon auf dich auf.» Sie hat recht. «Gut. Wollen wir dann los? Vielleicht verschafft mir der Fussmarsch ein wenig Appetit.» «Klar. Ich packe uns eine Kleinigkeit ein und dann können wir am See noch etwas essen.» Ich nicke lächelnd. Als Lea das Lunchpaket fertig zusammengestellt und in ihren kleinen Rucksack gepackt hat, machen wir uns auf den Weg.

Wir sind schon eine gefühlte Ewigkeit unterwegs. «Denkst du, wir finden diesen See noch?» frage ich atemlos. Ich muss zwischendurch immer wieder stehen bleiben, weil mich ein Hustenanfall überkommt. Lea blickt mich besorgt an. «Ich glaube, ich sehe da vorne eine Lichtung. Lass uns dort einen Rast machen und vielleicht drehen wir dann um, ja?» Ich nicke übermüdet. Hoffentlich schaffe ich es noch bis dorthin. Lea geht vor und ich folge ihr angestrengt. Ich kann sie schon fast nicht mehr sehen. Das Atmen fällt mir immer schwerer. Ich stütze mich an einem Baum ab und bleibe schnaufend stehen. ‘Komm schon, Sophia, es sind nur noch wenige Schritte, ‘ ermutige ich mich zum Weitergehen. Ich setze mich mühsam in Bewegung und endlich bin ich angekommen. Ich stütze mich an den Knien ab und als ich meinen Blick hebe, werden meine Augen gross. Der Ausblick ist einfach atemberaubend. Man kann von der kleinen Lichtung, welche direkt an einem Felsvorsprung liebt über ganz Transsylvanien blicken. Die Nachmittagssonne taucht das Tal in wunderschöne glitzernde Farben. «Wow, das ist ja viel besser als der See,» bringe ich atemlos hervor. «Da hast du recht. Es ist wunderschön.» Lea und ich setzen uns auf einen kleinen Fleck vorne an der Klippe. Wir essen etwas Kleines. Nach ein paar Minuten der Stille, ergreift Lea das Wort: «Wirst du je wieder in die Schweiz kommen, Sophia?» «Wie kommst du gerade darauf?» Mit dieser Frage habe ich nicht gerechnet. «Naja, ich sehe, wie sehr du den Grafen liebst. Du bist im regelrecht verfallen.» «Das stimmt doch gar nicht,» gebe ich empört zurück. Lea lacht auf: «Oh doch, Sophia. Ich nehme es dir nicht einmal übel. Er ist wirklich attraktiv.» Ja das ist er, denke ich bei mir und sehe Bredas Gesicht vor meinem geistigen Auge. «Also, wirst du zurückkommen?» Ich seufze: «Ich denke nicht, Lea. In der Schweiz hält mich nichts mehr, ausser dich. Ich habe keine Familie, keine fernen Verwandten oder einen Job. Zudem halten mich sowieso alle für tot. Wieso sollte ich zurückkommen?» «Wegen mir?» Das erstaunt mich jetzt. «Lea, was ist los?» Ich blicke sie an und sehe Tränen in ihren Augen glitzern. «Ach nichts, es ist einfach nicht dasselbe ohne dich. Du fehlst mir!» Das berührt mich und ich nehme Lea in den Arm. Wir schweigen einen Moment. «Du fehlst mir auch, Lea. Aber bitte versteh mich doch. Ich kann hier ein ganz neues Leben beginnen. Fernab von allem.» Sie nickt und wischt sich ungalant die Tränen weg. «Ich weiss. Ich sehe, wie glücklich du bist.» Sie drückt mich. «Versprich mir aber, dass wir immer in Kontakt bleiben werden.» Ich zögere mit meinem Versprechen. Kann ich es halten, wenn ich erstmal ein Vampir bin? Ich muss es versuchen, daher bleibt mir keine andere Wahl: «Ich verspreche es, Lea.» Ich gebe ihr einen Kuss auf den Scheitel: «Komm wir sollten langsam zurück, sonst verlaufen wir uns in der Dunkelheit noch. Ausserdem möchte ich ungern von Wölfen zerfleischt werden.» Lea nickt, packt ihren Rucksack und hilft mir dann beim Aufstehen. Schweigend gehen wir zurück zum Schloss.

Wir haben uns beim Rückweg ein paar Mal verlaufen, aber wir haben es knapp vor Einbruch der Dunkelheit zurückgeschafft. Als wir das Tor passieren, wartet auch schon Kokoul auf uns: «Esseeeeen feeertigggg. Huuuungerrr?» Wir blicken uns an und nicken beide. Er weist uns an, einzutreten. Als wir in der Eingangshalle sind, gehen wir direkt in den Speisesaal. Nach der Lauferei habe ich keinen grossen Appetit und nehme, wie bereits am Mittag, nur eine Kleinigkeit zu mir. «Ich gehe nochmals hoch in mein Zimmer und gönne mir ein Bad. Sehen wir uns anschliessend im Kaminzimmer?» Lea nickt und ich erhebe mich. Ich bin fast an meinem Zimmer angekommen als ich Schritte hinter mir höre. Ich drehe mich um – Alfred. Ich seufze: «Was möchtest du, Alfred?» «Ich möchte mit dir sprechen. Gehst du heute mit dem Grafen aus?» Woher weiss der das schon wieder? Ich nicke zögerlich. «Ich bitte dich, das nicht zu tun.» Was ist denn in ihn gefahren?! «Alfred, lass es. Ich werde es tun und nun entschuldige mich. Ich habe eine Verabredung mit der Wanne.» Er hält mich zurück und ich blicke im zornig in die Augen. Mit zischender Stimme geige ich ihm meine Meinung: «Lass mich sofort los und wage es nicht mir zu folgen.» Er lässt mich mit schreckgeweiteten Augen los und ich kann endlich in mein Zimmer. Sicherheitshalber verschliesse ich die Tür und gehe ins Bad. Ein entspanntes Bad nach diesem Tag wird mir guttun. Ich spüre jeden einzelnen Knochen und meine Lungen fühlen sich an wie Blei. Hoffentlich wird der Ausflug nicht allzu anstrengend.

Als ich nach knapp einer Stunde ins Kaminzimmer komme, sind bereits alle da – ausser Breda. «Wo ist Graf von Krolock?» frage ich in die Runde. «Der kommt gleich. Er muss noch etwas für euren Ausflug vorbereiten,» antwortet Herbert auf meine Frage. «Das heisst, der Arzt hat das Einverständnis erteilt?» Ich blicke zu Herbert und er nickt wissend. «Was weisst du, was ich nicht weiss?» Ein neckisches Grinsen erscheint auf Herberts Gesicht: «Ach, nichts.» Ich ziehe fragend eine Augenbraue hoch, aber bevor ich noch etwas sagen kann, kann ich Bredas Anwesenheit bereits spüren. Ich drehe mich um und blicke geradewegs in seine Augen. Er sieht wieder einmal umwerfend aus. Seine silbergraue Weste und der rotgefütterte Umhang lassen ihn einfach majestätisch erscheinen. Seine schwarzen mit grauen Strähnen durchzogenen Haare fallen ihm elegant über die Schultern. Es ist einfach zum Dahinschmelzen. «Der Arzt ist einverstanden?» Breda nickt und ein leichtes Lächeln umspielt seine Lippen. «Sagst du mir, wohin wir gehen?» Er schüttelt den Kopf und sein Grinsen wird breiter. Ich beginne zu schmollen. «Alles zu seiner Zeit, Sternenkind. Bist du so weit?» Ich nicke. «Gut, ich hole dir noch einen dicken Umhang. Es ist immer noch kalt bei Nacht. Wir treffen uns gleich vor der Eingangstür.» Mit diesen Worten ist er bereits verschwunden. Ich drehe mich nochmal zu den anderen und alle lächeln, ausser Alfred. «Ihr wisst alle, wo er mit mir hin will, oder?» Herbert und Lea nicken lächelnd, Alfred eher gelangweilt, aber der interessiert mich nicht. «Nun geh schon, Süsse. Vater wartet nicht gern und geniess den Abend,» scheucht Herbert mich aus dem Raum. «Ich bin ja schon weg,» sage ich und hebe abwehrend die Hände. Als ich mich in Richtung Tür bewege, höre ich Leas Stimme: «Du musst mir morgen alles bis ins kleinste Detail erzählen, ja?» «Werde ich. Ich wünsche euch noch einen schönen Abend.» Mit diesen Worten schliesse ich die Tür hinter mir und gehe aus der Eingangstür. Was mich davor erwartet, verschlägt mir die Sprache.

Ich erblicke eine kleine schwarze Kutsche, davor sind zwei schwarze Pferde gespannt. Gleich daneben steht Breda und hält mir seinen ausgestreckten Arm hin. «Ist das deine?» frage ich verblüfft. Er nickt. «Komm, meine Schöne. Heute ist eine klare Nacht. Wir werden jede Menge Sterne sehen.» Ich reiche ihm die Hand und er hilft mir beim Aufstieg. Vorne Auf dem Kutschbock kann ich Kokoul erkennen. Als Breda zu mir eingestiegen ist, setzt die Kutsche sich auch schon in Bewegung. «Sagst du mir jetzt endlich, wohin wir fahren?» frage ich ihn neugierig. «Du gibst nie auf, oder?» Ich schüttle lächelnd den Kopf. «Also gut. Ihr wolltet ja eigentlich zum See, aber habt ihn, wie ich gehört habe, nicht gefunden, daher fahren wir jetzt gemeinsam hin. Er ist bei Nacht ohnehin schöner.» Ich freue mich wie ein kleines Kind. Der Rest der kurzen Fahrt verläuft schweigend. Ich sauge alle Eindrücke in mich ein. Wie schön die Landschaft doch ist. Ich geniesse die kühle Abendluft Nur das ferne Wolfsgeheul macht mir ein wenig Angst. «Keine Sorge, Sternenkind. Die werden dir nichts tun,» beruhigt mich Breda, als er bemerkt, wie ich bei jedem Heulen zusammenzucke. Ich entspanne mich ein wenig und nach ein paar weiteren Augenblicken hält die Kutsche an. Breda steigt vor mir aus und hilft mir anschliessend. «Es ist nur noch ein kleiner Weg. Wir sind gleich da.» Ich nicke und ergreife seinen hingehaltenen Arm. Als wir nach wenigen Schritten am See ankommen, bin ich, wie bereits heute Nachmittag, vom Anblick verzaubert.

Der See glitzert im Mondlicht und auch hier hat man einen fantastischen Ausblick auf das Tal. «Wunderschön,» flüstere ich. «Genauso wie du, meine Schöne,» höre ich dicht hinter mir Bredas Stimme. Er tritt näher an mich heran und legt seine Hände auf meine Schultern. «Ich habe eine Decke dabei. Wollen wir uns etwas an den See gesellen?» Ich drehe meinen Kopf in seine Richtung und nicke. Er holt die Decke von der Kutsche, breitet sie nahe am Seeufer aus und setzt sich hin. «Bitteschön, Sophia. Setz dich doch zu mir.» Langsam gehe ich auf ihn zu und lasse mich auf der Decke nieder. Ich blicke gen Himmel. Die Sterne erscheinen klar und der Mon leuchtet in voller Pracht. Es scheint Vollmond zu sein. Ich bin ganz in Gedanken versunken und geniesse den Ausblick. Wir sitzen schweigend da und geniessen die Nacht. ‘Das kannst du jeden Abend haben, Sophia, ‘ denke ich bei mir.
‘Möchtest du das denn, Sternenkind? ‘
Breda ist in meine Gedanken eingedrungen. Ruckartig bewege ich meinen Kopf in seine Richtung. Bei seiner Frage ist mir die letzte Nacht wieder präsent. «Du hast mich gebissen, Breda. Wieso?» Er erwidert nichts darauf. «Breda? Was ist los? Du warst danach auf einmal verschwunden.» Mit Blick auf den See gibt er mir eine Erklärung: «Ich konnte nicht mehr widerstehen. Dein Geruch war so verführerisch. Ich musste einfach kosten. Leider begriff ich zu spät, was ich tat.» «Das verstehe ich nicht, es war doch nur ein kleiner Biss.» Er lacht auf: «Das glaubst du, Sophia. Mich kostet es Überwindung, nicht mehr von deinem Blut zu nehmen.» Ich runzle die Stirn. «Erklär es mir. Ich kann mir das irgendwie nicht so richtig vorstellen.» Graf von Krolock hadert mit sich. «Breda, ich kann es nur verstehen, wenn du es mir erklärst. Wie war es denn für dich?» Nun blickt er mir tief in die Augen und beginn langsam zu erzählen.

«Für mich war es schrecklich. Zu Beginn meines untoten Daseins wusste ich nicht, wie mir geschah. Ich habe die Tatsache, dass ich ein Vampir bin lange Zeit verdrängt. Jedoch spürte ich schnell, dass ich Hunger hatte, aber nicht nach einem guten Braten oder einem Auflauf. Immer wenn abends jemand an mir vorbeiging, roch ich sein Blut.» Ich spüre, wie sehr es ihn quält. Ich höre ihm aufmerksam zu und ermuntere ihn weiterzusprechen. «Irgendwann kam der Zeitpunkt, da musste ich einsehen, dass ich mich verändert hatte. Für Juliana und Herbert wollte ich stark sein. Ich stillte meinen Durst immer an Übeltätern und das ging auch ganz gut. Bis zu jenem schicksalshaften Tag… diesen Teil der Geschichte kennst du ja bereits,» schliesst Breda seine Erzählungen. Eine Frage brennt mir auf der Seele: «Kann man nicht dagegen ankämpfen?» Breda lacht laut auf: «Wie sehr ich das anfangs geglaubt habe. Bei Lucifer, ich wollte nie so werden. Irgendwann unterliegt man der Gier. Die Macht ist grösser als alles andere. Viel stärker als du je zu träumen glaubst.» Als alles andere? Auch als die Liebe? Habe ich mich in ihm getäuscht? Er bemerkt meine Skepsis.
‘Sophia, du bist so unschuldig. Wieso begreifst du das nicht? Ein Vampir ist nicht fähig, etwas anderes zu lieben ausser dem Blut seines Opfers. ‘
Meine Augen weiten sich. Er kann nichts anderes lieben ausser dessen Blut? Das heisst… auch nicht den Menschen davor? «Das heisst… du liebst mich nicht? Du willst wirklich nur mein Blut?» Ich scheine ihn ganz schön verletzt anzusehen. Ich drehe meinen Kopf weg. «Alfred hatte also recht,» sage ich mit tränenerstickter Stimme. Leider scheint der Graf mich gehört zu haben. «Was hat dieser Alfred gesagt?!» Oho… ich hätte besser meine Klappe gehalten. Mit tränenerfüllten Augen blicke ich in Graf von Krolock an. «Du sagst selbst, ein Vampir ist nicht fähig zu lieben. So ungefähr hat es auch Alfred ausgedrückt. Ich dachte, er lügt. Anscheinend habe ich mich aber getäuscht,» sage ich mit weinerlicher Stimme. Breda zieht mich in die Arme: «Sophia, meine liebste Sophia. Ich muss dir etwas gestehen.» Das lässt mich jetzt hellhörig werden. Augenblicklich versiegen meine Tränen. Was jetzt wohl kommt?

Lange Zeit geschieht gar nichts. Breda hält mich nur im Arm. Alles könnte so schön sein. Wieso muss er ausgerechnet ein Vampir sein? Er lacht in sich hinein. Er muss meinen Gedanken gehört haben. Ich bin es, die die Initiative ergreift: «Was musst du mir gestehen Breda?» Sein Lachen verstummt. Er lässt mich los und sieht mir tief in die Augen. Schlagartig wendet er seinen Blick ab. «Was ist los?» Ruckartig steht er auf und läuft auf und ab. «Ich weiss selbst nicht, was los ist, Sophia! Nie war ich so durch den Wind. Erst seit du in mein untotes Dasein getreten bist, denke ich über Dinge nach, die eigentlich längst erloschen sind. Bei Lucifer!» Ich bin völlig perplex und starre ihn mit offenem Mund an. Mir fehlen die Worte. Erneut sammeln sich Tränen in meinen Augen und ich beginne zu weinen. Das scheint ihn aufzuhalten und er bleibt plötzlich stehen. Er kniet sich neben mich und streichelt mir sanft über den Kopf. Wie durch einen Nebel kann ich seine Stimme wahrnehmen. «Du hast mir gezeigt, dass es anders sein könnte. Erst durch dich, wurde mir klar, dass es mehr gibt als nur Blut und die Gier, die niemals aufhört. Vielleicht hatte diese Wahrsagerin recht.» Ich wische mir die Tränen aus dem Gesicht. «Welche Wahrsagerin?» Er schliesst die Augen, als ob er nachdenken müsste. «Vor einigen Jahrzehnten sagte mir mal eine weise und alte Frau, ich werde irgendwann ein junges Mädchen treffen, deren Augen so hellleuchten wie die Sterne. Sie würde mein Dasein verändern.» Er hält inne, hebt mein Kinn an und sieht mir tief in die Augen: «Vermutlich hat sie damals dich gemeint, Sternenkind. Lange war ich auf der Suche nach diesem Mädchen, aber nie habe ich es gefunden. Erst als ich dich traf, änderte sich alles. Ich sah noch nie zuvor eine so junge Frau, mit solch leuchtenden Augen.» Trotz meines Stirnrunzelns bringe ich ein kleines Lächeln zustande. «Ich hoffe, Sie täuschen sich nicht, Eure Excellenz,» gebe ich kokett zurück. Auch um seine Lippen spielt ein Lächeln. Er hat sich wieder beruhigt. Breda setzt sich wieder zu mir und gemeinsam geniessen wir die restliche Nacht.

Bald schon wird die Sonne aufgehen. Bevor wir aber zurück zum Schloss gehen, brennt mir noch eine Frage unter den Nägeln. «Wann findet der Mitternachtsball statt?» Er versteift sich. «Wieso möchtest du das wissen?» «Du hast meine Frage nicht beantwortet. Es interessiert mich einfach. Herbert schwärmt immer so davon,» lüge ich ein wenig. Er sieht mich an: «Bist du dir ganz sicher, Sophia?» Ich nicke schnell. Er seufzt: «In knapp zehn Tagen. Wir haben also noch genügend Zeit, um unser Duett nochmals zu proben.» Ich werde blass, das habe ich ganz vergessen. Er muss lachen. «Du hast es verdrängt, nicht vergessen, Sternenkind.» Da hat er vermutlich recht. «Kannst du mir sagen, wie das mit der Verwandlung ablaufen würde?» wechsle ich schnell das Thema. Er schweigt. «Alles zu seiner Zeit, Sternenkind. Ich werde dir das erklären, sobald Lea abgereist ist, ja?» Ich nicke schmollend. Immer weicht er mir aus, aber vielleicht ist es besser so. So kann ich den letzten Tag mit Lea noch richtig geniessen. Es wird für lange Zeit das letzte Mal sein, dass ich Lea so nahe bei mir habe. Es macht mich traurig, aber ich freue mich auf den neuen Abschnitt. Ausserdem ist Lea nicht meilenweit von mir entfernt. Ich beginne zu gähnen. «Ich denke wir sollten zurückgehen. Bist du soweit?» Graf von Krolock erhebt sich und streckt mir die Hand hin. Ich ergreife sie. Eine Weile bleiben wir eng umschlungen stehen und ich blicke nochmals in seine dunklen Augen. Wie schnell ich darin doch ertrinke. Ich muss meinen Kopf dafür ganz schön in den Nacken legen, aber es lohnt sich. Nach einer Weile breche ich das Schweigen. «Breda?» «Ja, meine Schöne?» «Küss mich,» sage ich zu ihm. Er zögert keine Sekunde. Schon verschliessen seine Lippen, die meinen. Der Kuss ist leidenschaftlicher als sonst. Ich geniesse jeden Augenblick und versinke ins Tal der Dunkelheit.

***

Ich hoffe, es war euch am Ende nicht zu kitschig, aber ich glaube, es nähert sich langsam dem Mitternachtsball. Zwar müsst ihr euch noch ein wenig gedulden, aber er kommt schon bald. Zuerst wird Sophia aber Lea und Herbert Rede und Antwort stehen müssen.

Ich hoffe, ich erhalte ein paar Reviews? *liebguck*

Hochachtungsvoll
Sophia von Krolock
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