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Coronoha

von Kakati
KurzgeschichteHumor / P12 / Gen
Anko Mitarashi Genma Shiranui Kakashi Hatake Yamato (Tenzo)
08.01.2021
29.01.2021
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08.01.2021 3.752
 

Hallo meine Lieben!

Diese Geschichte war mir irgendwie ein Anliegen.
Natürlich ist das Coronavirus eine ernste Sache und man sollte es auf gar keinen Fall auf die leichte Schulter nehmen. Aber nach 2 bzw. 3 Lockdowns, Home-Office, Ausgangsbeschränkungen und der Tatsache, dass wir wohl noch eine ganze Weile damit leben müssen, musste ich diesem oder zumindest irgendeinem Virus zumindest schriftlich mal etwas humorvoller gegenübertreten.
Und was eignet sich besser dafür, als ein geheimnisvolles Virus einen kleinen Ausflug nach Konoha unternehmen zu lassen? ^^

Da es sich um eine Kurzgeschichte handelt, kommen die nächsten Kapitel, wann sie eben fertig sind. Ich versuche aber, nie mehr als zwei Wochen verstreichen zu lassen.

Ich wünsche euch viel Vergnügen und bedanke mich wie immer herzlich bei Nayle für die viele Inputs und das Korrekturlesen!




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Kapitel 1
Von Meteoriten und Rennschnecken
 


Mehr als nur genervt schlug Kakashi seine Hand vor die Stirn und seufzte laut auf, bevor er dem gefühlt hundertfünfundzwanzigsten Bewohner Konohas nacheilte, der heute den Verstand verloren zu haben schien. Und dabei war es noch nicht mal Mittag.

Er hatte keine Ahnung, was heute los war.

Er war in den frühen Morgenstunden aufgewacht, an seinem freien Tag, als er lautes Geschrei gehört hatte und was er bei dem verschlafenen Blick aus dem Fenster gesehen hatte, hatte ihn an seinem eigenen Verstand zweifeln lassen.
Eine alte Frau war mit ihrem Gehstock auf eine grüne Regentonne losgegangen und hatte gebrüllt und gekreischt, als ob der Teufel persönlich in sie gefahren wäre, aber Kakashi hatte geglaubt, Wörter wie „Spuck ihn wieder aus, du Monster“ und „Holt die Drachentöter, es hat meinen Mann gefressen“ gehört zu haben, während besagter Mann hinter ihr gestanden war und versucht hatte, nicht von ihrem Stock getroffen zu werden.
Daneben hatte ein kleiner Hund, der wohl zu dem Ehepaar gehörte, aufgeregt ein verwelktes Blatt am Boden angebellt, war dann ein paar Mal die Straße auf und ab gestürmt und schließlich war er einfach umgefallen.

Natürlich hatte Kakashi versucht, die tobende Frau zu beruhigen und ihren Mann, den sie ein paarmal ordentlich mit ihrem Stock am Kopf getroffen hatte, zu versorgen, aber bei dem kleinen Hund hatte er nur mehr den Tod feststellen können. Vermutlich war er an Überanstrengung gestorben, so wie dieser kurz vor seinem Tod noch durchgedreht war.  
Durch den Lärm waren ihm auch andere Shinobi zur Hilfe gekommen, sodass sie schließlich Mann, Frau und Hund erfolgreich hatten ins Krankenhaus bringen können – der Hund sollte wohl obduziert werden, um die Todesursache festzustellen.

Aber das war nicht das Highlight von Kakashis Morgen gewesen, ganz im Gegenteil. Als er wieder zurück zu seiner Wohnung hatte gehen wollen, war er an einem kleinen blonden Mädchen vorbeigegangen, das mit staunend geöffnetem Mund ins Leere gestarrt hatte und als Kakashi gefragt hatte, was sie denn da sehe, hatte sie nur von einem glitzernden rosa Einhorn geschwärmt, das vor ihr auf der Straße stand, dass sie geglaubt hatte, dass es Einhörner gar nicht gäbe und dass sie es unbedingt behalten wolle.
Natürlich war da kein Einhorn gewesen, sodass Kakashi bei dem Haus, in dem das Mädchen wohl lebte geklopft hatte, um den Eltern von den Halluzinationen ihrer Tochter zu erzählen, aber die einzig anwesende Frau in dem Haus hatte sich gerade mit einem Küchenmesser die Haare abgeschnitten und gekreischt, dass die Würmer auf ihrem Kopf endlich verschwinden sollten, bevor sie ihr Gehirn auffraßen.

Und so war er erneut zum Krankenhaus spaziert, um die beiden dort abzuliefern. Zu dem Zeitpunkt waren bereits mehrere Menschen dort gewesen, manche hatten gekreischt und geweint, manche hatte man an die vor dem Krankenhaus stehenden Bänke gefesselt, da sie wohl auf jeden losgegangen waren, der ihnen vor die Augen gekommen war.

Das war nun ungefähr vier Stunden her und Kakashi tat seit aller Früh, ebenso wie viele seiner Shinobi-Kollegen, nichts anderes, als halluzinierende Menschen voreinander zu beschützen und viele davon ins Krankenhaus zu bringen, das aber bereits rappelvoll zu sein schien, wie er feststellte, als er den soeben eingefangenen Jugendlichen zwei wachehaltenden Kollegen von ihm übergab.

Kurzum – über Nacht schien die Hälfte aller Bewohner Konohas von diversen verschiedenen Halluzinationen heimgesucht worden zu sein, von glitzernden Einhörnern, Lava am Boden, Giftschlangen im Kleiderschrank und schwarzer Milch über Häuser, die menschenfressende Monster geworden waren und deshalb natürlich in Brand gesteckt werden mussten, um sie zu vernichten.
Aber am schlimmsten waren einige Shinobi, die in ihren Familienmitgliedern und Freunden plötzlich ihre Feinde zu sehen schienen und auf sie losgingen – gestorben war zum Glück noch niemand, aber es gab bereits ein ausgestochenes Auge und diverse Schnitt- und Stichverletzungen zu behandeln.

Noch dazu hatte Kakashi eben erfahren, dass nach ein paar Stunden Halluzinationen plötzlich hohes Fieber einzusetzen schien, dicht gefolgt von Bewusstlosigkeit oder gar komatösem Zustand, was die Menschen verständlicherweise noch mehr in Panik versetzte und ihm noch mehr Rätsel aufgab. Denn damit war seine anfängliche Theorie, dass jemand das halbe Dorf in ein Genjutsu versetzt hatte, dahin – Genjutsus verursachten kein Fieber.

Er musste dringend mit Tsunade sprechen. Womöglich wusste sie als Hokage und Ärztin bereits, was hier los war.

Aber vorher musste er zusehen, dass sich die Menschen hier nicht gegenseitig verletzten.


Kakashi lief durch das Dorf, versuchte die Menschen und deren Verhalten so genau wie möglich zu beobachten, bis er schließlich ein lautes „In Deckung, Kakashi!“, neben sich hörte und schon im nächsten Moment zu Boden gerissen wurde.
„Was zum …“, fluchte er und wollte sich von seinem unliebsamen Angreifer befreien, sah aber schon im nächsten Moment Gais verschwitztes Gesicht vor sich, sein schwarzes Haar klebte ihm förmlich an der Stirn und er drückte ihn unbarmherzig zu Boden.
„Bleib unten Kakashi! Der Meteorit hat uns nur knapp verfehlt und da kommen noch mehr!“

Der … Meteorit?

Kakashi konnte nicht anders, als die Augen zu verdrehen.
„Nicht du auch noch …“, seufzte er und versucht erneut, sich aus Gais Griff zu befreien.
„Was? Das Ding hätte dich fast erschlagen, Kakashi! Zum Glück war ich rechtzeitig da!“
Kakashi seufzte müde.

Womit hat er das jetzt wieder verdient?

„Gai, lass mich los“, sagte er mit fester Stimme. „Da ich jetzt von der Gefahr weiß, kann ich auf mich aufpassen.“
„Oh, ähm … natürlich natürlich“, sagte Kakashis grüngekleideter Freund schnell und ließ tatsächlich von ihm ab. Kakashi stand auf und klopfte sich den Staub von der Kleidung, ignorierte die belustigten Blicke der vorbeilaufenden Leute und schüttelte anhand von Gais geduckter Haltung und seinen vorsichtigen Blicken zum Himmel den Kopf. Gai wirkte erschöpft und verschwitzt, als wäre er bereits lange auf der Flucht vor irgendwas und vorsichtshalber warf Kakashi selbst auch einen Blick nach oben, worauf er sich selbst fragte, ob er jetzt auch einen an der Waffel hatte.

Natürlich waren da keine Meteoriten! Nur eine viel zu heiße Sonne.

Litt Gai womöglich an einem Sonnenstich? Rot genug war sein Kopf auf jeden Fall.


Er wollte Gai gerade vorschlagen, mit ihm in ein sicheres Gebäude – das Krankenhaus – zu gehen, als er zwischen zwei Häusern noch eine grüne Gestalt hervorlaufen sah. Er musste nicht lange überlegen, um zu begreifen, dass es sich nur um Lee, Gais Schüler handeln konnte. Die trockene Erde stob nur so hinter seinen Füßen auf, so schnell rannte er auf sie zu.

„Gai-Senseeei!“, rief er Junge freudestrahlen und blieb vor ihnen stehen, streckte ihnen seine leeren Hände entgegen. „Ich habe sie gefangen! Es war harte Arbeit, aber ich habe es geschafft!“
Gai strahlte regelrecht vor Begeisterung, mit einem Mal schien seine Angst vor den Meteoriten wie weggeblasen.
„Ausgezeichnet!“, rief er aus. „Ich habe noch nie so prachtvolle Rennschnecken gesehen!“
„Rennschnecken …“, murmelte Kakashi massierte sich die Nasenwurzel – gut, Gai und Lee waren schon immer eine Klasse für sich gewesen, aber Meteoriten und Rennschnecken waren dann doch etwas … ungewöhnlich.

Dann halluzinierten sie wohl ebenfalls.

„Okay, gehen wir erstmal irgendwo in Deckung, damit euren Rennschnecken nichts passiert“, sagte Kakashi müde, worauf Gais Augen wieder groß wurden.
„Richtig, die Meteoriten!“, rief er aus. „Wir sollten …“
„Ich kenne da einen sicheren Ort“, unterbrach Kakashi seinen Freund. „Los, kommt mit!“
Gai und Lee nickten energisch und folgten ihm. Und da beide bis auf Meteoriten und Rennschnecken noch halbwegs klar zu sein schienen, fragte Kakashi: „Wart ihr heute Nacht oder heute Morgen irgendwo? Ist euch etwas Ungewöhnliches aufgefallen?“
„Nein. Wir waren ab etwa drei Uhr am Fluss trainieren und als die Sonne aufgegangen ist, sind plötzlich Meteoriten vom Himmel gefallen!“
„… aha.“ Mehr brachte Kakashi irgendwie nicht über seine Lippen, zu sehr war er damit beschäftigt, mit Gai und Lee unter jedem Dachvorsprung Deckung zu suchen, während sie sich zum Krankenhaus vorarbeiteten.

Am Fluss also? Wenn auch noch andere Betroffenen dort gewesen waren, war das womöglich ein erster Anhaltspunkt.

Nachdem Kakashi es geschafft hatte, Gai und Lee zum Krankenhaus zu bringen und sie davon zu überzeugen, dass das im Moment wohl das einzige meteoritensichere Gebäude im ganzen Dorf war – wovon er tatsächlich überzeugt war – brauchte er erstmal einen Moment, um durchzuatmen.

Es war heiß und die Luft so dick, dass man sie beinah schneiden könnte. Kakashi nahm einen Schluck aus der Wasserflasche, die er ständig bei sich trug – das Wasser schmeckte bereits etwas schal, es war noch von gestern und er hatte noch keine Gelegenheit gehabt, die Flasche neu zu befüllen, aber zumindest linderte es seinen Durst.

Er seufzte er und wedelte mit einer Hand vor seinem Gesicht herum, um die Mücken zu verscheuchen, die immer tiefer flogen, bevor er seinen Blick auf den Horizont richtete, wo sich bereits dicke dunkle Wolken aufzutürmen begannen. Innerhalb der nächsten Stunde würde es wohl ein Gewitter geben – Gott sein Dank, denn diese feuchte Hitze war kaum auszuhalten. Nach einem ordentlichen Donnerwetter würde es im Dorf wieder um einiges erträglicher werden, zumindest was das Wetter betraf.

„Siehst du die Wolken auch, Kakashi-Senpai?“, erklang es plötzlich neben ihm und riss ihn aus seinen Gedanken.
„Ja, Tenzō. Das tue ich“, sagte Kakashi und nahm erneut einen Schluck aus seiner Flasche, bevor er diese wieder wegpackte.
„Gut, dann bin ich wohl noch klar im Kopf“, sagte Kakashis Gesprächspartner. „Und bitte nenn mit endlich Yamato.“
Kakashi schmunzelte unter seiner Maske. „Sobald du dir dieses Senpai abgewöhnst.“
Diese Diskussion führten sie schon seit Monaten, aber es war einfach schwer, alte Gewohnheiten abzulegen. Vor allem bei Menschen, die man schon so lange kannte.

Stille entstand zwischen ihnen beiden, worauf Yamato mit leiser Stimme fragte: „Was geht hier vor, Kakashi-Senpai?“
Kakashi zuckte bloß mit den Schultern – er hatte nicht die geringste Ahnung. „Halluzinationen, Fieber, Koma … ich will nicht warten, bis die ersten Toten zu beklagen sind.“
„Ich ebenfalls nicht“, stimmte Yamato ihm zu. „Weißt du noch jemanden, den es bisher nicht erwischt hat?“
„Hm …“ Kakashi überlegte einen Moment und rekapitulierte, wen er unter den Helfenden gesehen hatte.
„Ich habe Asuma und Genma gesehen … einige der Kinder …“
„Gai und Iruka? Oder Izumo und Kotetsu? Kurenai hat’s erwischt, soweit ich weiß.“
„Na wunderbar. Gai sieht Meteoriten und Rennschnecken. Von den anderen weiß ich nichts.“
„Meteoriten und Rennschnecken …“ Yamato schüttelte den Kopf.

Kakashi seufzte erneut und fuhr sich mit einer Hand durchs Haar – die Strähnen fühlten sich aufgrund der ekelhaft hohen Luftfeuchtigkeit regelrecht feucht an.
„Weißt du, wo Tsunade ist?“, fragte er Yamato, da er keine Lust hatte, sie im ganzen Dorf zu suchen.
„Sie ist vor etwa einer halben Stunde aus dem Krankenhaus gestürmt. Vermutlich ist sie jetzt in ihrem Büro.“
Kakashi nickte dankend, konnte aber nicht anders, als leicht das Gesicht zu verziehen. Wenn Tsunade aus dem Krankenhaus gestürmt war, dann war sie schlecht gelaunt und Tsunade war mehr als nur unerträglich, wenn sie schlecht gelaunt war.

Hoffentlich halluzinierte sie nicht auch …

Wie schon so oft an diesem Tag seufzte Kakashi, als plötzlich aus einiger Entfernung laute Stimmen an seine Ohren drangen.
„Da haben wir wohl die nächsten“, sprach Yamato aus, was er sich soeben gedacht hatte.
„Ja … ich erledige das noch und suche dann Tsunade auf“, sagte Kakashi und warf einen Blick zum Himmel, wo sich mehr und mehr dunkle Wolken auftürmten. „Außerdem habe ich keine Lust, in dieses Gewitter zu geraten.“
„Geht mir genauso“, sagte Yamato und verzog das Gesicht. „Ich helfe dir, dann sind wir beide schneller wieder unter Dach.“
„Danke.“


Es dauerte länger als gedacht, die beiden Shinobi, die einander plötzlich als Feinde zu betrachten schienen, voneinander zu trennen und mehr oder weniger ruhig zu stellen. Der eine war der Ansicht, dass der andere der Mörder seiner Frau war und dementsprechend hitzig waren die Gemüter geworden, die nun aber vom strömenden Regen wieder abgekühlt wurden.

Kakashi war mehr als nur schlecht gelaunt, als er schließlich vollkommen durchnässt den Hokageturm betrat – Yamato war immer noch hinter ihm.
„Tja, der Regen scheint auch echt zu sein“, sagte Yamato und schüttelte wie ein nasser Hund den Kopf, worauf kleine Tröpfchen aus seinem braunen Haar durch die Gegend flogen.
Kakashi verkniff sich einen Kommentar und ließ seine Hand durch sein Haar gleiten, um zumindest einen Teil des Wassers daraus zu entfernen. Die nasse Stoffmaske vor Mund und Nase erschwerte das Atmen, aber er war zu schlecht gelaunt, um auch nur daran zu denken, sie abzunehmen.

Und er hatte gehofft, dass sein Leben jetzt, wo Sasuke Konoha den Rücken gekehrt hatte und Naruto mit Jiraiya auf Trainingsreise gegangen war, etwas ruhiger werden würde.
Aber ständig passierte irgendwas. Und dieses Gewitter war nun die Krönung des heutigen Tages.

Seinen freien Tag konnte er wohl endgültig in den Wind schießen.


Ein grelles Licht flammte vor den Fenstern auf, nur um genauso schnell wieder zu verschwinden, dicht gefolgt von einem gewaltigen Donnergrollen, welches das Gebäude regelrecht vibrieren ließ – das Gewitter schien nun direkt über dem Dorf zu sein.
Kakashi warf einen Blick aus dem Fenster. Der Regen war so dicht, dass er das nächste Gebäude kaum sehen konnte, als wäre es hinter einem grauen Schleier verborgen und obwohl er nicht geglaubt hatte, dass das möglich war, verschlechterte sich seine Laune noch mehr. Wenn das so weiterging, würden alle noch verfügbaren Shinobi den Rest des Tages mit Reparaturen der durch dieses Gewitter entstandenen Schäden verbringen. Und dafür hatten sie eigentlich keine Zeit.

Erneut blitzte es, die gezackte weiße Linie war selbst durch den Regenschleier deutlich zu sehen, nur um sofort wieder zu verschwinden. Kakashi setzte sich in Bewegung, als das Gebäude erneut unter dem Donner erbebte und fragte sich, ob er heute Morgen, nach dem Drama mit der Regentonne, sein Fenster wieder geschlossen hatte, denn wenn nicht, stand seine Wohnung nun mit Sicherheit unter Wasser.
Aber nun war es ohnehin zu spät.

Mit finsterer Miene und tropfender Kleidung ging Kakashi zielsicher weiter, bis er vor der großen Tür stand, die ins Büro des Dorfoberhauptes führte. Bereits hier konnte er durch das dicke Holz Tsunades laute Stimme hören, was ihn unwillkürlich wie schon so oft an diesem Tag seufzen ließ.
„Gehst du vor?“, fragte er Yamato.
„Auf gar keinen Fall.“
Und so schob Kakashi schulterzuckend die schwere Tür auf – anzuklopfen ersparte er sich, Tsunade würde es wohl ohnehin nicht hören, so wie sie gerade Shikaku Nara anbrüllte, der vor ihrem Schreibtisch stand. Aber dieser wirkte gelassen wie eh und je.

„… wenn du keine Aufzeichnungen über ein Heilmittel finden kannst, dann such gefälligst weiter!“, beendete Tsunade gerade lautstark ihren Satz, nur um sich gleich darauf mit einem „Was?!“ an Kakashi und Yamato zu wenden.
Kakashi blickte einfach stumm zurück, bis Tsunade schließlich tief seufzte und sich damit ein bisschen zu beruhigen schien.
„Kakashi, Yamato. Ihr seid noch bei Sinnen?“
„Ja“, sagte Kakashi knapp, nur um gleich darauf zu fragen: „Weißt du, worum es sich bei dieser mysteriösen Krankheit handelt, Tsunade?“
Tsunade öffnete den Mund, aber in dem Moment donnerte es erneut, sodass ihre Antwort ein wenig auf sich warten ließ.
„Nein“, knurrte sie. „Wir wissen bisher nur, dass dieses Bakterium oder Virus im Wasser ist. Vielleicht auch ein Giftstoff. Einen Pilz konnten wir ausschließen.“

Im Wasser? Also waren Gai und Lee womöglich tatsächlich bei ihrem Training am Fluss infiziert worden?

Mit einem Mal war Kakashi froh, in seiner Wasserflasche noch das Wasser von gestern zu haben.

„Außerdem scheinen sich die Menschen, sobald sie infiziert sind, gegenseitig durch Tröpfcheninfektion anzustecken, soweit ich das heute beobachten konnte“, fügte Shikaku hinzu und erst jetzt fiel Kakashi auf, dass dieser eine Maske trug. Ganz ähnlich wie bei ihm bedeckte sie Mund und Nase. „Kinder stecken ihre Eltern an, und so weiter.“
„Tröpfcheninfektion? Also … was, jeder der mit mir redet, kann mich anstecken?“, kam es von Yamato.
„Korrekt“, sagte Shikaku. „Ebenso wie du jeden anstecken kannst, mit dem du redest. Genau genommen reicht es, etwas anzufassen, das ein Infizierter vor dir angefasst hat. Dann fasst du dir ins Gesicht und das war’s.“
Tsunade nickte: „Menschen fassen sich erstaunlich oft ins Gesicht und merken es nicht einmal. Deshalb die Masken.“

Yamato, der sich gerade an der Nase kratze, hielt inne.
„Also soll ich jetzt auch so eine Maske tragen?“, fragte er – er klang nur mäßig begeistert.
„JEDER wird eine Maske tragen, bis wir wissen, womit wir es hier zu tun haben!“, donnerte Tsuande. „Wir müssen jedes Risiko minimieren! Kakashi lebt seit Jahren damit, also wirst du es wohl auch überleben!“
Kakashi musste ein Schmunzeln unterdrücken, als er Yamatos giftigen Blick im Rücken spürte.

„Außerdem darf kein Wasser aus den Leitungen getrunken werden. Shizune, mach d- …“ Tsunade hielt inne, als sie merkte, dass sich ihre Sekretärin Shizune gar nicht im Raum befand.
„Ach richtig, sie auch“, knurrte sie und rieb sich die braunen Augen, nur um sich gleich darauf an Shikaku zu wenden, den sie wohl als ihre neue rechte Hand auserkoren hatte.
„Shikaku, such dir jemanden vom Yamanaka-Clan und kümmere dich darum, dass JEDER folgendes erfährt: Niemand darf mit Leitungswasser, Grundwasser oder dem Fluss in Berührung kommen! Der Regen sollte kein Problem sein, es geht nur um das Wasser im Boden. Ach ja, und es dürfen AUSSCHLIEßLICH vor dem gestrigen Tag abgepackte Getränke getrunken werden, verstanden?!“
Shikaku nickte bloß. „Sonst noch was?“

Seine Ruhe schien Tsunade wütend zu machen, doch sie beherrschte sich und sagte: „Allerdings! Ausnahmslos jeder hat ab sofort eine Maske zu tragen, die die Atemwege bedeckt. So können wir hoffentlich großflächigere Infektionen vermeiden, aber ganz verhindern werden wir es so auch nicht können. Und niemand verlässt sein Haus oder seine Wohnung, sofern es nicht absolut notwendig ist! Zwischenmenschliche Kontakte müssen aufs Minimum beschränkt werden!“
„Also eine Ausgangssperre?“, fragte Shikaku mit gehobener Augenbraue. „Das wird mit Sicherheit nicht auf Begeisterung stoßen.“
„Es soll die Menschen nicht begeistern, es soll sie beschützen“, sagte Tsunade bestimmt. „Nur für so lange, bis wir wissen, womit wir es hier zu tun haben.“
„Wir haben noch keine Ahnung, wie lang das dauern wird“, sagte Shikaku. „Tsunade, du kannst die Menschen nicht einsperren! Was ist mit Lebensmitteln? Getränken?“
Tsunades Blick verdüsterte sich erneut. „Shikaku, ich will nicht deine Meinung hören, sondern dass du tust, was ich dir sage! Und recherchiere weiter, ob du nicht irgendwo einen Hinweis darauf findest, worum es sich bei dieser Krankheit handeln könnte! Ich werde versuchen, im Krankenhaus durch die Patienten mehr herauszufinden.“

Shikakus zweite Augenbraue hob sich und er verschränkte die Arme vor der Brust. „Ich kann mich nicht zweiteilen, Tsunade. Schattendoppelgänger sind in derart wichtigen Situationen nicht effektiv.“
Tsunade verdrehte die Augen. „Dann nimm dir verdammt nochmal alles und jeden, den du gebrauchen kannst oder der dir helfen kann. Hauptsache es wird erledigt! Aber die beiden da …“, sie deutete auf Kakashi und Yamato „… brauche ich!“
Erneut nickte Shikaku und drehte sich um, um den Raum zu verlassen, worauf er Kakashi einen vielsagenden Blick zuwarf.
Jetzt konnte Kakashi ein Schmunzeln nicht mehr unterdrücken. Zum einen sah Shikaku mit dieser Maske komisch aus und zum anderen wusste er genau was er meinte und er nickte schwach, um ihm recht zu geben.
Wenn Tsunade überfordert war, wurde sie zur Diktatorin. Unerträglich und machthaberisch und dennoch mussten sie froh sein, sie zu haben. Sie war zwar nicht der beste Hokage, aber eine verdammt gute Ärztin.

„Jetzt zu euch beiden!“, brüllte Tsunade, noch bevor sie Tür hinter Shikaku zugefallen war und wandte sich nun endlich an Kakashi und Yamato. Zum Glück, denn Kakashi wurde in seiner durchnässten Kleidung zunehmend kalt.
„Für euch habe ich einen besonderen Auftrag“, sagte Tsunade nun etwas leiser und erhob sich schwungvoll von ihrem Stuhl, stellte sich vor sie und stemmte die Hände in die Hüften. „Findet heraus, woher diese gottverdammte Krankheit kommt! Sie ist im Wasser, also muss es irgendwo Flussaufwärts eine Ursache dafür geben! Die besten Chancen, um ein Gegenmittel zu entwickeln, haben wir, wenn wir zusätzlich zu den Untersuchungen die Ursache dieser Krankheit kennen. Ob Bakterium, Gift oder Virus – ich will den Ursprungsort kennen!“

Kakashi nickte müde – er hatte schon mit etwas in der Art gerechnet, war aber alles andere als begeistert, wieder in diesen Regen hinauszumüssen.
„Reicht der Ort oder benötigst du Proben?“, fragte er müde.
„Am idealsten wäre natürlich, wenn ihr Patient Null finden könnt, aber zur Not reichen auch Proben und Informationen vom Ursprungsort. Wasser, Erde, Gras, Tierkadaver … was ihr finden könnt und was euch verdächtig vorkommt! Yamato, trag eine Maske! Und auch für euch gilt – nehmt euch alles und jeden, der dabei helfen kann, aber verdammt nochmal, beeilt euch! Ihr findet mich im Krankenhaus.“
Mit diesen Worten zog sich Tsuande selbst eine grüne Stoffmaske übers Gesicht, die sich bereits um ihren Hals befunden hatte und stürmte aus dem Raum, ihr blondes Haar, welches seltsamerweise offen war, wehte wie ein Sandsturm hinter ihr her.  

Yamato seufzte lautstark. „Patient Null?“
„Die Person, die nachweislich als erster erkrankt ist“, erklärte Kakashi.
„Und woher sollen wir das wissen, wenn wir ihn oder sie finden?“
Kakashi zuckte mit den Schultern. „Entweder handelt es sich um den ersten Toten oder wir fragen einfach.“
„Na klasse“, Yamato seufzte erneut. „Ich hoffe, ich finde meine Masken noch irgendwo. Die habe ich seit der ANBU nicht mehr getragen.“
„Zur Not kannst du eine von meinen haben“, murmelte Kakashi – er überlegte bereits, was sie für diese überstürzte Unternehmung alles benötigen würden.

Nahrung, Wasser, Waffen, Kleidung, Handschuhe, Reagenzgläschen, Decke oder Schlafsack. Eigentlich war es nicht viel.

„Wir brauchen einen dritten Mann, vielleicht auch einen vierten“, sagte Kakashi nachdenklich. „Auf jeder Seite des Flusses zwei wären ideal.“
„Äh … ja“, kam es von Yamato. „Können wir vielleicht noch zehn Minuten warten, bis wir uns auf die Suche nach zwei verfügbaren Shinobi machen und unser Zeug holen? Dann werden wir nicht mehr so nass.“
Kakashi warf einen Blick aus dem Fenster und stellte fest, dass sein Kollege recht hatte – der Regenschleier lichtete sich zunehmend, aber trotzdem konnten sie nicht warten. Die Situation war ernst.

„Befehl unserer Hokage“, sagte er schulterzuckend. „Komm schon Tenzō, je schneller wir weg sind, desto schneller sind wir wieder zurück. Und vielleicht ist die Situation in Konoha dann auch schon wieder eine andere.“
„Ja, Kakashi-Senpai …“
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