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Elementalisten

GeschichteDrama, Fantasy / P16 / MaleSlash
07.01.2021
14.01.2021
2
10.913
 
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07.01.2021 6.788
 
Es gab 2 Arten von Menschen in der Welt. Die Menschen, die ohne jegliche Fähigkeiten geboren wurden und die, denen eine Bürde auferlegt war. Diese Menschen nannte man ‚Elementalisten‘. Elementalisten waren in der Lage ein bestimmtes Element zu beherrschen, was je nach Person mehr oder weniger ausgeprägt war. Manche konnten einfach nur vermehrt die Anwesenheit eines Elementes spüren, andere konnten sie erzeugen und kontrollieren. In manchen Kulturkreisen wurden diese Elementalisten wie Götter verehrt, in manchen für ihre Fähigkeiten gefürchtet. Deswegen waren entsprechende Elementalisten besonderes vorsichtig, wenn es um ihre Fähigkeiten ging.

Jeder Elementalist war dazu verpflichtet, der Regierung gemeldet zu werden und musste sich regelmäßig Kontrollen unterziehen, da von ihnen eine Gefahr ausging. Mächtige Elementalisten wären in der Lage im Alleingang die gesamte Menschheit auszurotten. Gerade diese mächtigen Personen wurden unter besondere Beobachtung gestellt. Jedoch, und das passierte nicht häufig, gelang es einem Elementalist seine Fähigkeiten versteckt zu halten. Dies erforderte enorme Anstrengung und ununterbrochene Konzentration des Befähigten. Wurde man dabei erwischt, seine Fähigkeiten nicht gemeldet zu haben, so erwarteten Einen harte Strafen bis hin zum Tod. Dementsprechend wagte es kaum ein Elementalist seine Fähigkeiten nicht zu melden aus Angst, erwischt zu werden.

Alan

Florida, Vereinigte Staaten von Amerika

Alan war ein normaler Schüler, der sein letztes Jahr an der High-School verbrachte. Er war ein mittelmäßiger Schüler, der sich nicht zu sehr darum scherte, gute Leistungen zu bringen, auch wenn er es ohne Zweifel könnte. Alan war zu fokussiert darauf nicht die ganze Schule zu versenken, denn Alan war ein Elementalist. Er konnte Feuer erzeugen und beherrschen, was ihm mehr oder weniger gelang. Doch Alan hatte ein weiteres Problem: Er war nicht gemeldet. Seine Mutter hatte es vermieden, da sie ihn für keinen begabten Elementalisten hielt, als er geboren wurde. Erst mit 13 Jahren wurde bei ihm festgestellt, dass er eine besondere Affinität zu Feuer besaß, was an sich schon ungewöhnlich war. Normalerweise entdeckte man die Fähigkeiten einer Person in den ersten paar Monaten des Lebens. Doch Alan besaß als Kind keine Fähigkeiten. Seine Fähigkeiten erwachten im Alter von 13, als er in der Lage war ein Feuer zu erkennen, was im Nachbarhaus brannte bevor die darin lebende Familie es gemerkt hatte. Er war zu seiner Mutter gerannt und hatte ihr unter Panik geschildert, dass das Nachbarhaus jeden Moment zu brennen beginnen würde und sie umgehend die Feuerwehr rufen müssten. Seine Mutter tat es als albernes Hirngespinst ab, doch als kurze Zeit später tatsächlich Rauchschwaden aus dem ersten Stock des Nachbarhauses aufstiegen und die Familie aus dem Haus gerannt kam wusste seine Mutter, dass er recht gehabt haben musste und mehr dahinterstecken müsse, als einfacher Zufall. Also unterzog sie ihn Tests, um das Ausmaß seiner Fähigkeiten ermitteln zu können.

Alans Mutter war zertifizierte, promovierte und in Regierungsangelegenheiten zugezogene Elementalistenexpertin. Sie wurde hinzugezogen, wenn es um die Fähigkeiten eines Elementalisten ging. Sie schätzte den Gefährlichkeitsgrad ab, der von der entsprechenden Person ausging und beurteilte die Ausgeprägtheit der Fähigkeit. Ihr Urteil konnte über Freispruch oder Gefangenschaft entscheiden. Wenn sie der Meinung war, ein Elementalist wäre zu Gefährlich, wurde er von der Menschheit isoliert. Allerdings gab es nicht viele Menschen, die diesen Beruf ausüben wollten, da sich die meisten davor fürchteten einen Fehler zu machen und das Leben eines Menschen besiegeln zu müssen. Doch Alans Mutter scheute sich nicht davor. Sie vertraute ihrer Beurteilungsgabe und andere teilten ihr Vertrauen.

Dass sie sich dagegen entschieden hatte, Alan den Behörden zu melden hatte einen einfachen Grund. Nachdem sie ihn ausgiebig getestet hatte kam sie zu dem Schluss, Alan habe nur leichte Ansätze einer Fähigkeit und diese wären nicht ausgeprägt genug, um gemeldet zu werden. Was Alans Mutter jedoch nicht wusste war, dass Alan seine Fähigkeiten erweitert hatte. Wie auch die späte Enthüllung seiner Fähigkeiten war auch die Steigerung dieser nicht üblich. Normalerweise wurde man nur besser in dem was man schon konnte. Doch Alan konnte nun nicht nur Feuer wahrnehmen, sondern erzeugen und kontrollieren. Dies hatte er seiner Mutter jedoch nie gesagt, da er befürchtete, man würde ihn einsperren, da sie seine Fähigkeiten nicht gemeldet hatten. Seine Mutter könnte ihre ganze Existenz verlieren, weil sie nicht verantwortungsvoll gehandelt hatte. Und genau das wollte er um jeden Preis verhindern.

Also saß er wie jeden Tag auf seinem Platz in der lauten Klasse, die auf den Lehrer wartete, und versuchte seine Fähigkeiten zu verstecken. Kein Funke durfte ihm entfahren, sonst wäre alles aus. „Hinsetzten allesamt“, rief der Lehrer, als er die Klasse betrat und seine Tasche auf dem Pult ablegte. Die Lautstärke ebbte ab und der Unterricht konnte beginnen.

„So eine Scheiße!“, fluchte Alans bester Freund Paul. „Da hat er uns doch tatsächlich noch Hausaufgaben aufgebrummt! Was für ein Arschloch! Die Prüfungen sind alle rum und wir sitzen hier doch nur um die Zeit rumzukriegen.“, beschwerte er sich weiter.

Alan seufzte und blickte von seiner Zigarette hoch. „Reg dich doch nicht so auf. Du machst sie doch eh nicht“, brummte er und nahm einen weiteren Zug. Während er den heißen Qualm ausblies hörte er Paul schnauben.

„Das stimmt schon, heißt aber nicht, dass es mich nicht nerven kann“, maulte er und schob seine Unterlippe hervor.

Alan lehnte sich zurück und stütze seinen Kopf gegen die kalte Mauer hinter ihm. Es war Hochsommer und unglaublich heiß. Die Sonne schien unbarmherzig auf sie herab und blendete sie. „Du verschwendest deine Energie“, sagte er dann und schirmte seine Augen mit der Handfläche von der Sonne ab. „Die könntest du auch verwenden um tatsächlich Hausaufgaben zu machen.“

„Ach neee“, entgegnete dieser nur. Damit war das Thema vom Tisch. Sie schwiegen für eine Weile, bis Paul wieder das Wort erhob. „Was machst du eigentlich nach der High-School?“, fragte er.

Alan überlegte. Es gab keinen Platz wo er hingehörte. Er fühlte sich überall fehl am Platz, unerwünscht. „Ich weiß nicht“, antwortete er also Wahrheitsgemäß.

„Du weißt aber schon, dass du nicht mehr wirklich viel Zeit hast, oder? Um genau zu sein eigentlich gar keine“

„Ich weiß“, murmelte Alan nur und nahm den letzten Zug seiner Zigarette, bevor er sie auf den Boden warf und sie austrat. „Es wird sich schon was finden“

„Du bist aber zuversichtlich“, mahnte ihn Paul. „Ich würde langsam mal anfangen mich wo zu bewerben“

„Hmm“, entgegnete Alan nur und erhob sich. „Mach ich“

An diesen Abend lag Alan noch lange wach im Bett. Der Schlaf wollte ihn einfach nicht einholen, ließ sich regelrecht Bitten. Zu viele Gedanken kreisten in Alans Kopf umher. Zu viele Ungewissheiten. Zu viel Gefahr. Er konnte sich nicht einfach einen Job aussuchen, der ihm Spaß machen würde. Er musste so viele Dinge berücksichtigen. Am Besten war es, wenn er einen Beruf finden würde, wo er so viel allein war wie irgend möglich. Er konnte es sich nicht erlauben, den Rest seines Lebens damit zu verbringen, möglichst niemanden zu verletzten oder gar zu töten. Denn er wusste, er wäre dazu in der Lage. Also durfte es kein sozialer Beruf sein, denn da war die Gefahr einfach zu groß, dass er die Kontrolle verlor und Dinge geschahen die er nicht wollte. Irgendwas… Irgendwas musste er doch machen können!

„Alan, steh auf! Du musst in die Schule!“, rief seine Mutter aus der Küche. Als keine Antwort kam klopfte es an der Tür. „Alan?“, fragte sie. Als immer noch keine Antwort kam öffnete sie langsam die Tür. Alan saß in seinem Bett und starrte leer aus dem Fenster. Er hatte diese Nacht kein Auge zugetan, doch das spürte er kaum. Er fühlte sich stupf, ausgebrannt, leer. „Alan, was ist los?“, fragte seine Mutter nun, leichte Besorgnis schwang in ihrer Stimme mit. Das war ein Anzeichen dafür, dass sie sich wirklich Sorgen machte. Helen Walker war für ihre kühle, sachliche Art bekannt. Es kam also so gut wie nie vor, dass sich Gefühle in ihre Stimme schlichen.

„Ich fühle mich nicht so gut. Ich bleibe heute Zuhause“, murmelte dieser nur.

Seine Mutter blickte ihn besorgt an. Sie kam auf ihn zu und legte ihm eine Hand auf die Stirn. „Du glühst ja richtig! Du hast Fieber!“

Alan war nicht krank. In dem Moment, wo seine Mutter ihre Hand auf seine Stirn legen wollte hatte er seine Körpertemperatur mit seiner Fähigkeit manipuliert. Doch das war ihm nur recht. Er konnte und wollte das Haus heute nicht verlassen. Er hatte ein schlechtes Gefühl bei der Sache.

„Alan, ich gehe jetzt Einkaufen, soll ich dir etwas mitbringen?“, rief seine Mutter aus dem Flur.

„Nein danke“, erwiderte er nur und vergrub sich tiefer in seine Decke. Er starrte auf sein Handy und scrollte durch die Memes, die ihn zumindest ein wenig aufmunterten.

Nero

Kleines Dorf in England

„Okay, Vater“, murmelte er.

„Es ist das Beste für uns alle“, erwiderte sein Vater. „Du wirst sie heiraten müssen. Es wird unsere Geschäfte mit dem Wind-Clan um einiges verbessern, den Frieden sichern.“

„Ja, Vater“ Er fühlte sich elend. Sein ganzes Leben wurde er bestimmt durch die Entscheidungen seines Vaters. Bis jetzt war es auch nie ein Problem gewesen, er kannte es ja nicht anders.

Er strich sich das weiße Haar aus dem Gesicht und richtete seinen Blick wieder auf das Buch vor ihm. Außer lesen blieb ihm nichts mehr. Er durfte das Versteck nicht verlassen, durfte sich nicht draußen zeigen. Es war zu gefährlich, hatte sein Vater gesagt und damit wahrscheinlich sogar recht behalten.

Er war der jüngste der 5 Söhne des Fürsten des Wasser-Clans. Sein Vater, Fürst Martin Hughes VI., leitete den Clan nach seinem Vater und dessen Vater. Das Fürstentum lag in der Familie. Irgendwann würde der stärkste der Söhne dieses Amt übernehmen, aber das war nicht er. Wahrscheinlich würde Michael, sein ältester Bruder, das Amt übernehmen, sollte Vater irgendwann sterben. Doch bis dahin würde noch Zeit vergehen. Der Wasser-Clan war bekannt für ihre Vorsicht und die Besonnenheit der getroffenen Entscheidungen. Das Volk vertraute Vater und seinen Entscheidungen, dass er immer die beste Entscheidung für das Wohlergehen seines Volkes traf und nicht auf Risiko spielte.

Anders als der Feuer-Clan, welcher immer sehr risikoreiche Entscheidungen traf, dadurch aber auch viel gewinnen konnte.

Nero blätterte die Seite um. Das Buch lag schwer in seiner Hand, es war die Entstehungsgeschichte der Clans.

Zu Beginn waren die Elementalisten verteilt, verstreut über die ganze Welt ohne Zuflucht oder Erklärungen. Sie waren auf sich gestellt, ohne Leitung oder Gesetzte. Doch 100 vor Christus beschloss eine Gruppe von Wind-Elementalisten dies zu ändern. Im fernen Griechenland, wo die Elementalisten lebten, schlossen sie sich zum ersten Clan zusammen. Der Wind-Clan, unter der Führung von Abraam Valhos bildete sie die erste Gemeinschaft von sich unterstützenden Elementalisten.

In den nachfolgenden Jahrhunderten wuchs die Gemeinschaft stätig an, viele Wind-Elementalisten zogen von weit her nach Griechenland um sich dem Clan anzuschließen, denn ihnen allen hatte etwas gefehlt: Zusammengehörigkeit. Jeder einzelne von ihnen war ein Verstoßener, ein Außenseiter. Doch innerhalb des Clans konnten sie sein wie sie waren und mussten ihre Fähigkeit nicht verstecken. Sie konnten stolz darauf sein und sie perfektionieren um der Gemeinschaft von Nutzen zu sein.

Nach und nach kamen dann auch andere Elementarbändiger nach Griechenland, welche von dem Wind-Clan mit offenen Armen begrüßt wurden. Er nahm alle Elementalisten auf, die Zuflucht suchten, sodass der Clan irgendwann eine bunte Vielfalt an Elementalisten beherbergte. Der Name wurde geändert, sodass sich jeder zugehörig fühlte. Der Zusammenschluss der Elementalisten.

Doch wie in jeder Gemeinschaft kam es zu Auseinandersetzungen. Vor allem zwischen den Wasser- und den Feuer-Elementalisten. Jedes Element beherbergte bestimmte Charakterzüge, welche die Träger der jeweiligen Fähigkeit trugen. Und die Charakterzüge der Feuer-Elementalisten, Impulsivität und Aggressivität, eckten mit denen der Wasser-Elementlisten, Harmonie und Gleichgewicht, zu stark an. Während die Wasser-Elementalisten stätig versuchten dem Streit aus dem Weg zu gehen, provozierten die Feuer-Elementalisten diese mit Absicht. Es kam zur Eskalation, zu einem Massaker.

Infolge dessen wurde der Zusammenschluss der Elementalisten aufgeteilt in die jeweiligen Elemente die sie zu bändigen vermochten. So entstanden der Feuer-Clan, der Wasser-Clan, der Wind-Clan und der Erd-Clan. Sie handelten untereinander und pflegten Allianzen oder Feindschaften. Der Wind-Clan hielt sich meist aus allen Angelegenheiten heraus und agierte als oberste Instanz des Elementalisten-Gerichts, wobei jedoch von jedem Element ein Vertreter eingesetzt wurde, und der Verwaltung.



Nero seufzte und legte das Buch zur Seite. Er hatte diese Geschichte schon 100mal gelesen, doch er wusste, dass Vater es gern sah, wenn er sich für sie interessierte. Also las er sie, wenn er in der Nähe war. Wenn sein Vater allerdings gegangen war holte er die Bücher heraus die er wirklich mochte. Er liebte Fantasy-Romane. Sie brachten ihn in eine Welt, fernab von all diesen komplizierten Bündnissen, Feindschaften und dem immer gleichen Alltag.

Alan

Florida, Vereinigte Staaten von Amerika

Die letzte Prüfung war geschrieben, es waren nur noch wenige Tage bis zum Abschluss. Alan war unglaublich erleichtert, dass er es endlich hinter sich gebracht hatte. Die letzten Tage hatte er damit verbracht seine Zukunft zu gestalten. Er war einige Möglichkeiten durchgegangen, die ihm jetzt noch offen standen. Es waren nicht mehr viele gewesen, doch er hatte etwas gefunden, dass er als wirklich großes Glück empfand. Er würde mit Paul für 2 Jahre nach England gehen um dort zu studieren. Sie beide hatten ein relativ gutes Abschlusszeugnis vorzulegen und wurden für die 4 Auslandsemester noch aufgenommen. Es war eigentlich viel zu viel Glück um tatsächlich wahr zu sein.

Alans Mutter Helen Walker war aus allen Wolken gefallen, als sie hörte ihr Sohn würde über 2 Jahre nicht zu Hause sein, doch sie überspielte ihre Überraschung routiniert und souverän. Wie immer waren ihre Gesichtszüge vereist.

„Komm schon, sonst erwischen wir den Flug nicht“, murrte Paul, während er seinen Koffer hinter sich herziehend zum Gate lief. Das Boarding hatte schon begonnen, doch sie waren nicht mehr weit entfernt. Nach Atem ringend kamen sie am Schalter an, erleichtert zu sehen, dass noch einige Personen in der Schlage standen. „Warum musstest du auch bis zur letzten Minute warten mit dem packen?“, warf sein Freund ihm vor und stütze seine Hände auf die Knie.

„Ich hab‘s vergessen“, murmelte Alan und warf einen Blick zur Seite. Er hatte es natürlich nicht vergessen. Doch er konnte Paul ja wohl schlecht sagen, dass er kurz davor gewesen war das gesamte Haus niederzubrennen, weil er nervös war. Er war noch nie geflogen, hatte noch nie einen Fuß in einen Flughafen gesetzt. Er hatte seine Emotionen nicht unter Kontrolle gehabt, seine Fähigkeiten waren einfach nicht zu bändigen gewesen.

Paul strich sein blondes Haar aus seinem Gesicht. Seine sonst so perfekt gestylte Frisur hatte durch den Sprint seine Form verloren. Die braunen Augen, die sein Gesicht schmückten, sahen Alan vorwurfsvoll an. „Wie kann man sowas bitte vergessen?“

Alan zuckte nur mit den Schultern. „Ist halt passiert“ Alan fühlte sich schuldig. Er hasste es selbst Paul anzulügen. Er vertraute ihm, doch das konnte er ihm unmöglich anvertrauen. Es wäre einfach zu gefährlich. Alan vermutete, er hätte noch nicht einmal Angst vor ihm, welche er aber absolut haben sollte. Paul war eine Person die von sowas fasziniert wurde. Er würde ihm ständig in den Ohren liegen, er solle es ihm zeigen. Doch er würde nicht bedenken, was eine solche Macht mit sich trug. Die Bürde, die Alan tagein tagaus trug.

Seufzend gab Alan der Angestellten seine Boarding Card. Sie scannte sie ein und gab ihm die Karte zurück. „Einen guten Flug“, wünschte sie den beiden. Alans Knie wurden weich. Nur noch wenige Meter und er würde ein Flugzeug betreten. Nur noch der lange Tunnel, der das Gate mit dem Eingang des Flugzeugs verband trennte ihn von diesem Ereignis. Er zog seinen Koffer über den unebenen Boden, welcher grausam laute Geräusche von sich gab. Vor ihnen drängten sich die Passagiere in die beengende Maschine und versuchten so schnell wie möglich ihnen Platz zu finden, um nicht unnötig lange in den Gängen verweilen zu müssen.

Alan und Paul hatten 2 Plätze nebeneinander in der First Class. Sie fanden ihre Plätze dementsprechend relativ schnell. Sie ließen sich erleichtert auf ihre Sitze fallen. Nach dem ganzen Stress um hier her zu kommen war es eine angenehme Abwechslung endlich zu sitzen. Pauls Eltern verdienten ziemlich viel, weshalb sie den beiden den Flug in der First Class spendiert hatten. Sein Vater war Broker an der Wall Street, seine Mutter Pflichtverteidigerin der größten Schwerverbrecher Amerikas. Alan hieß es nicht unbedingt gut, wie sie ihr Geld verdienten, doch an sich musste jeder sein täglich Brot verdienen, und wenn sie es so taten, war es ihm recht egal. Alan kam nur selten mit ihnen in Kontakt, genauso wie seine Mutter waren Pauls Eltern ständig unterwegs. Sein Vater hatte eine zweite Wohnung in New York, wo er hauptsächlich wohnte und wahrscheinlich irgendeine Affäre hatte. Seine Mutter bleib zwar bei Paul, aber Alan vermutete, dass sie ziemlich glücklich darüber war, dass ihr Sohn nicht mehr Zuhause war. So konnte sie mehr arbeiten. Das war eine der Gründe, warum Alan sich so gut mit Paul verstand. Paul wusste wie es sich anfühlte, allein zu sein. Manche Menschen sollten einfach keine Kinder bekommen, ihre Eltern waren solche Menschen. Sie bekamen nur Kinder, weil sie Angst hatten, irgendwann zu sterben und nichts zurück zu lassen. Alan wusste, dass seine Mutter ihn liebte, er liebte sie auch, aber er wusste auch, dass er nicht das war, was sie sich erhofft hatte. Er war nicht die Art von Person, die in die Fußstapfen der Eltern steigen wollte. Abgesehen davon, dass er das überhaupt nicht wollte, konnte er auch nicht.

„Schon aufgeregt?“, fragte ihn Paul von dem rechten Sitz neben ihm. Paul wollte unbedingt am Fenster sitzen, und Alan war es nicht so wichtig gewesen wo er saß. Alan sah ihn an, wie er auf seinem Sitz rumfummelte und versuchte den Gurt zu finden, auf den er sich elegant gesetzt hatte. „Nicht wirklich“, log Alan. Sein erster Flug, und dann noch nach England! Mit Paul, seinem besten Freund! Er konnte es immer noch nicht fassen, ein solches Glück verdient zu haben.

Paul und Alan wurden an The University of Manchester angenommen. Alan würde Psychologie studieren, während sich Paul eher für Computertechnik interessierte. Paul und Alan hatten auch schon eine Wohnung nicht weit vom Campus. Zuerst wollten sie im Studentenwohnheim unterkommen, doch ihre Eltern bestanden darauf, zumindest eine kleine Wohnung anzumieten, wo die beiden in Ruhe ihren Studien nachkommen könnten. Dennoch ließ es sich für beide nicht vermeiden, einen kleinen Nebenjob anzunehmen. Denn auch wenn ihre Eltern im Geld schwammen, mussten Paul und Alan immer noch Selbstständigkeit lernen, und das tat man nicht indem man nur Zuhause sitzt und nichts tut. Alan hatte einen Job als Bedienung in einem kleinen Café in Manchester, nicht weit von der Uni entfernt. Paul nahm sich IT-Problemen an und arbeitete im 3rd Level Support. Das bedeutete, dass er bei Problemen mit Hard- oder Software zu dem Kunden fuhr, und sich vor Ort darum kümmerte.

Alan

Manchester, England

Der Flug war ruhig verlaufen. Sie waren vom Orlando International Airport in Florida über den Newark International Airport in New York nach Manchester geflogen. Der Flug dauerte insgesamt 11 Stunden und 30 Minuten. Also hatte Alan noch ein wenig Zeit, ein wenig Schlaf nachzuholen, was sich aber als gefährlich herausstellte. Mehr als einmal wachte er schreckhaft auf und bemerkte, dass seine Körpertemperatur hoch genug war, um den Bezug des Flugzeugsitzes zu schmelzen. Glücklicherweise war er der Einzige, der dies bemerkt hatte. Die Stewardess würde es merken, sobald Alan den Flieger verließ, aber dass war dann nicht mehr sein Problem.

Nun standen er und Paul in ihrer ersten, zumindest fast, eigenen Wohnung. Ihre eigenen vier Wände, in denen sie machen konnten was sie wollten, ohne ihre Taten vor den Eltern rechtfertigen zu müssen. Das eigene Reich!

„Dann wollen wir mal auspacken, oder?“, schlug Paul vor. Das Meiste ihrer Sachen wurde schon hergebracht, die Inneneinrichtung war spärlich, aber ausreichend für eine Männer-WG. Die Wohnung lag im 2. Stock eines Hochhauses mit 7 Stockwerken. Pro Stockwerk gab es 2 recht große Wohnungen. Ihre bestand aus einem großen Raum, in dem sich Küche und Wohnzimmer den Platz teilten und von dem 3 Türen abgingen. Wenn man die Wohnung betrat war auf der rechten Seite eine Küche, die sich in die Ecke einfügte. Kühlschrank, Backofen, Herd, Mikrowelle; alles war schon vorhanden. Die Theke war mit ausrechend Stauraum ausgestattet, auf Kopfhöhe hingen jedoch auch noch Schränke, die den Stauraum enorm steigerten. Ebenfalls bei der Küche war ein quadratischer Thekenblock mit mehreren Barhockern an der Seite, die in den Raum hineinzeigte. Die Theke konnte man also als Arbeitsfläche, aber auch als Esstisch verwenden. Auf der anderen Seite der Wohnung, also von der Eingangstür links, war ein kleines Wohnzimmer eingerichtet. Eine einladende schwarze Stoffcouch mit zwei hellgrauen Sesseln waren auf einen SmartTV gerichtet, der an der Wand hing. Umrahmt wurde dieser von 2 Regalen, in denen man Konsolen, DVDs, CDs, BlueRays und Spiele aufbewahren konnte. Zurzeit war jedoch noch nichts eingerichtet worden, also wirken sie kahl und leer. Die Zimmer und das Bad waren gegenüber dem Eingang. Pauls Zimmer würde das Zimmer ganz rechts sein, neben der Küche. Alans war das ganz links, neben dem Wohnzimmer. Das Bad war genau zwischen ihren Zimmern.

Alan zog seinen kleinen Koffer, mit dem er geflogen war, in eines der Zimmer, welches sein Schlafzimmer werden würde. Das Zimmer hatte eine Größe von ca. 16 Quadratmetern. Die Wände waren in einem warmen Sandton gestrichen, das relativ große Fenster am anderen Ende des Zimmers spendete viel Licht. Rechts neben der Tür war das 1,40 mal 2 Meter große Bett schon aufgebaut, auf der anderen Seite der Schrank für seine Kleidung. Unter dem Fenster stand ein großer Schreibtisch mit einem Laptop, und einer kleinen Lampe. Die Schubladen in dem Schreibtisch waren noch nicht befüllt, boten aber ausreichend Platz für seine Uni-Bücher. Direkt rechts neben dem Schreibtisch stand aber auch noch ein längliches Bücherregal, also musste Alan sich um den Platz keine Gedanken machen.

Er stellte den Koffer auf seinem Bett ab und fing an die Klamotten in den Schrank zu räumen. Er hatte nicht wirklich viel mitgenommen, nur so viel wie er für die ersten Tage brauchen würde. Den Rest wollte er sich vor Ort kaufen und sich bei der Gelegenheit ein wenig die Stadt anschauen. Er wusste nicht ob Paul dieses Vorhaben auch teilte, aber Alan hatte auch kein Problem damit allein loszuziehen. Nachdem er alles in den Schrank geräumt hatte und seine Hygieneutensilien im Bad verteilt hatte, schritt er zum Fenster und warf einen Blick hinaus. Er hatte Sicht auf die Straße und die gegenüberliegenden Häuser. Nichts Spannendes. Ein wenig enttäuscht wandte er sich dem Bett zu. Es war schon mit einem einfachen grauen Bettlacken und blauem Bettzeug bezogen. Es war größer als sein altes Bett.

Seufzend ging er in die Küche und warf einen Blick durch Pauls offene Zimmertür. Sein Raum war genauso groß wie seiner, war aber ein bisschen anders Eingerichtet. Doch bevor Alan einen genaueren Blick darauf werfen konnte, kam Paul ihm auch schon entgegen. „Willst du auch was essen?“, fragte er Alan und sah ihn mit seinen braunen Augen erwartungsvoll an. „Kannst du kochen?“, fragte Alan ihn überrascht.„Ach Quatsch, ich hatte an einen guten, alten Döner gedacht. Es dürfte hier doch sowas geben“Alan nickte nur kurz. Etwas zu Essen würde ihn wieder auf Fahrt bringen. Er hatte noch ungefähr eine Woche bis sein Job anfangen würde, und noch ca. 4 bis die Uni losging. Sie hatten also mehr als genug Zeit sich einzugewöhnen und die Stadt besser kennenzulernen.

Es war Sommer, also gingen sie in T-Shirt und Shorts auf die Straße und sahen sich nach Fast-Food Ständen um. Aber alles was sie fanden war Fish`n`Chips und Restaurants. „Wo sind die Hotdogs, Döner, Corndogs und der ganze ungesunde Kram?“, beschwerte sich Paul lautstark. Sein amerikanischer Akzent fiel hier in Großbritannien sofort auf. Alan kam sich so vor wie ein Sprachenschänder, wenn er die ganzen Leute um sich herum hörte. Auch wenn es ab und zu mal vorkam, dass irgendwer an ihnen vorbeilief, der einen stärkeren Akzent hatte wie sie. Wenn auch einen Anderen.

Entnervt kamen sie wieder zu Hause an, ohne Essen. „Lass uns einfach eine Pizza bestellen“, schlug Alan vor, Paul stimmte zu. Also suchten sie einen Lieferservice aus und bestellten sich eine Pizza. Paul war so jemand, der auf jede Pizza Hollandaise Soße klatschen musste. Und das in Verbindung mit einer Pizza mit Meeresfrüchten. Es hörte sich abartig an, schien ihm aber zu schmecken. Alan bestellte sich einfach eine Salamipizza.

Als Alan und Paul in ihren Zimmern waren und den Tag ausklingen ließen, ging Alan die heutigen Ereignisse im Kopf Revue passieren. Seit er in Manchester war, hatte er noch nicht einmal das Gefühl gehabt, die Kontrolle zu verlieren. Klar, ihm war sowieso immer wärmer als anderen Menschen, aber das hatte sich heute wirklich in Grenzen gehalten. Er war stolz auf sich und sein Durchhaltevermögen. Doch ein Problem gab es immer noch. Er hatte, anders als Zuhause, keinen Platz, an dem er sich wirklich auslassen konnte. Keinen Platz um seine Fähigkeiten rauszulassen. Den musste er noch unbedingt finden, sonst würde er platzen. Früher oder später würde der Augenblick kommen, und in dieser Wohnung konnte er das wohl kaum tun. Er richtete sich vom Bett auf und trat ans Fenster. Draußen legte sich langsam der Schleier der Nacht über sie Stadt und tauchte sie in ein mysteriöses Leuchten. Es würde eine Aufregende Zeit werden.

Nero

Kleines Dorf in England

Es war wieder der gleiche Tag wie gestern. Und wie vorgestern. Und wie der Tag vor vorgestern. Nichts änderte sich, alles blieb gleich. Der gleiche Matsch, die gleichen Leute, die gleiche Scheiße. Jeden Tag, auf und ab. Jeden Tag die gleiche Routine.

„Vater, darf ich rausgehen?“, fragte Nero den Fürsten. „Wohin willst du?“, fragte dieser kritisch zurück. Nero zuckte zusammen. Auch wenn er diesen Ton von ihm gewohnt war, tat er jedes Mal weh. „Ich will ein bisschen an die frische Luft, ein wenig unter Leute“Er musterte ihn argwöhnisch. „Nimm deinen Bruder mit. Victor wird dich beschützen können“Nero antwortete nicht, auch wenn er seinem Vater gern widersprochen hätte. Victor Hughes war der 3. Sohn des Königs und nach Michael, seinem ältesten Bruder, der stärkste Wasser-Elementalist der Familie. Nero brauchte keinen Beschützer, aber er wusste, dass dies seine einzige Möglichkeit war, raus zu kommen.

Also saß er jetzt mit Victor in seinem Wagen und fuhr Richtung Manchester, die nächstliegende Stadt. Sie stöberten durch einen Buchladen, der die besten Tage offensichtlich schon hinter sich, einen gewissen Charme jedoch behalten hatte. Die alten Eichenregale, in denen sich über und über Bücher stapelten und diesen besonderen Geruch ausströmten, eine Mischung aus Staub und altem Papier. Nero fühlte sich sofort wohl. Victor blieb schweigend am Eingang stehen und beobachtete ihn, während Nero durch die Reihen schlenderte und sich die Bücher anschaute. Er hatte auch überhaupt keine Lust darauf, den Aufpasser für Nero zu spielen, doch er richtete sich nach Vaters Befehlen.

Als sie später in einem kleinen Café anhielten, um eine Tasse Tee zu trinken, las Nero in seinem neu erworbenen Buch, während Victor einfach nur in die Gegend starrte. Ein junger Mann bediente sie. Zunächst schenkte Nero ihm kaum Aufmerksamkeit. Sein Namensschild verriet, dass er Walker hieß. Ein recht typischer Nachname in England, doch er hatte einen interessanten amerikanischen Akzent. Nero kümmerte sich nicht weiter darum und las seinen Hamlet weiter. Klassische Werke faszinierten ihn, die Stimmung die vermittelt wird, die Welt, die sich in ihnen wiederspiegelt. Etwas vollkommen anders als das, was er sonst lesen musste. Geschichten über Liebe, Verrat, Tod, Verzweiflung, Sehnsucht. Alles Gefühle, von denen er lesen konnte, aber ganz verstehen würde er sie nie. Dafür war er zu abgeschottet. Zu allein.

„Wie lang wird das hier noch dauern?“, fragte Victor ungeduldig. „Ich will noch meinen Tee trinken, dann können wir fahren“, schlug Nero vor. „Das dauert mir zu lange.“, machte sein Bruder klar.Nero seufzte und nahm seine Tasse in die Hand. In zwei großen Zügen war sie geleert. Victor zahlte und schob ihn zum Auto. Und damit war sein 2 Stündiger Aufenthalt in der Welt der Lebenden vorbei. Ein kleiner Hoffnungsschimmer an dem ewig grauen Bild seines Lebens. Ein winziger, jedoch vorhandener roter Punkt auf der grauen Farbe.

Alan

Manchester, England

Die Woche war schnell vergangen, die ersten Tage in seinem neuen Job verliefen Reibungslos. Die meisten Gäste waren sehr freundlich und aufgeschlossen, unterhielten sich mit ihm oder fragten ihn nach seinem amerikanischen Akzent. Doch ein Paar ist ihm im Gedächtnis hängen geblieben. Alan saß am Fenster und rauchte gerade eine Zigarette, als das Bild der beiden Männer wieder vor seinem Geistigen Auge erschien. Ein Junge, vielleicht 15 oder 16, in Begleitung eines ca. 25-jährigen. Das allein machte es jedoch nicht seltsam, sondern die Art wie sie dort saßen. Der jüngere las Hamlet, während der Ältere in die Gegend starrte und plötzlich aufstand um zu gehen. Sie schienen sich nicht unterhalten zu haben, noch in irgendeiner Art nonverbal Kommuniziert zu haben. Sie hätten Fremde seinen können, hätte Alan nicht gesehen, wie sie zusammen in einen schwarzen Audi gestiegen sind. Äußerst merkwürdig.

Doch Alan ging davon aus, dass er noch mehr solcher schrägen Vögel kennenlernen würde, also ließ er die Gedanken schweifen und lehnte seinen Kopf an den Fensterrahmen. Mit seiner Mutter hatte er auch schon telefoniert. Er hatte sie darüber informiert, dass der Flug ohne Probleme von statten gegangen war und sie sich langsam in der neuen Wohnung eingelebt hatten. Von ihr kam nur das gewohnte, monotone Bestätigen. Sie fragte nicht wie es ihm ging, oder was er noch so vorhatte. Sie war einfach wie immer, kalt und gefühlslos. Alan glaubte nicht, dass sie eine schlechte Mutter war, er vermutete, dass es ihr einfach schwer fiel Gefühle zu zeigen, und die Führsorge im Hintergrund stattfand. Sonst hätte sie ihm nicht diese Wohnung einrichten lassen. Sie hätte ihn einfach fortgeschickt, froh ihn los zu sein.

Am nächsten Tag war Alan wieder pünktlich bei seinem Job und begrüßte seinen Chef. Er war ein freundlicher älterer Mann Mitte 50, dessen gekrümmte Haltung und verkrüppelten Füße von einer lebenslangen Erfahrung im Gastronomiegewerbe zeugten. Es schien, als würden die grünen Augen das Mannes die Wünsche von jedem Kunden genau kennen, und das erwartete er auch von seinen Mitarbeitern. Mr. Jefferson hatte jedoch noch Nachsicht mit Alan, da er ja erst seit knapp einer Woche bei ihm arbeitete. Das Café öffnete um 10 Uhr morgens und schloss um 19 Uhr. Alan konnte, solange die Uni noch nicht begonnen hatte, den kompletten Tag arbeiten, solange er die vorgeschriebenen Pausen einhielt. Er würde jeden verdienten Penny zur Seite legen. Als er auf die Uhr schaute, schlug es gerade 20 vor 10. Alan hatte also noch genug Zeit alles vorzubereiten. Während er also die Tische abwischte und die Stühle zurecht schob konnte er die Gedanken schweifen lassen.

Als Alan das nächste Mal auf die Uhr schaute, war es schon halb 1. Das Café war gut besetzt, ohne überfüllt zu wirken. Doch er hatte alle Hände voll zu tun. Seine Kollegin Madlyn, ungefähr 20 und ebenfalls Studentin, war eine enorme Entlastung. Oder Alan war eine Entlastung für sie, immerhin arbeitete sie hier schon seit knapp 2 Jahren. Alles war normal, bis eine außergewöhnliche Person durch die Tür trat. Der Mann war groß gebaut, vielleicht sogar 1,90m groß, aber dafür relativ schlank. Es Zeichneten sich Muskeln an seinem Hemd ab, als er sich an einen der Tische setzte und sein Jackett über den Stuhl hing. Er wirkte sehr vornehm und elegant, jedoch zerstörten seine Haare das ganze Bild. Sie waren schwarz, mit einem leichten Rotstich, und auch wenn sie an sich glatt waren, hingen vereinzelt Strähnen ab. Seine Augen, die zuvor noch von einer RayeBen Sonnenbrille überdeckt gewesen waren, besaßen eine braune Farbe. Dieser Mensch, wie er so an diesem Tisch saß, wirkte so dermaßen deplatziert, sowohl in diesem Lokal als auch in sich selbst, dass es schon fast wehtat. An seinem rechten Zeigefinger blitze ein unscheinbarere, goldener Ring auf.

Alan schritt zu seinem Tisch heran und lächelte den seltsamen Mann freundlich an. „Was kann ich Ihnen bringen?“, fragte er höflich.
Der Mann musterte ihn. „Einen Earl Grey, bitte“, bestellte er. Seine Stimme war unerwartet dunkel.
„Kommt sofort“ Als Alan hinter der Theke verschwand um den Tee vorzubereiten, kam Madlyn zu ihm.
„Wer ist denn der gutaussehende Mann den du gerade bedienst?“, fragte sie sofort.
Alan warf einen Blick rüber zu dem betroffenen Mann. „Ich weiß es nicht, Madlyn. Aber er wirkt irgendwie… fehl am Platz?“, antwortete Alan mehr als Frage.
„Gott sei dank wird es langsam leerer. Die ganzen Leute haben also doch noch ein Leben“, neckte sie sofort, ohne weiter darauf einzugehen. Sie stand neben Alan und bereitete einen Kaffee für Tisch 6 vor, an dem ein junges Pärchen eine Pause von einer Shopping-Tour machte. Der Mann wirkte doppelt so erschöpft wie die Frau, schien aber glücklich. Seufzend brachte Alan dem Mann an Tisch 9 seinen Earl Grey, den er soeben bestellt hatte.
„Haben Sie sich die Karte schon angeschaut? Heute gibt es frisch gebackenen Apfelkuchen oder eine leichte Himbeer-Sahne Torte.“, bot Alan an, während er die dampfende Tasse Tee vor ihm abstellte.
Der Mann musterte Alan wieder mit so einem besonderen Blick. „Wie haben Sie das Wasser heiß gemacht?“, fragte er dann unvermittelt.
Alan blickte ihn verwirrt an. „Mit einem Wasserkocher, Sir“, antwortete er dann.
„Obwohl Sie es auch anders könnten?“ Der Blick des Mannes wurde immer intensiver.
„Pardon?“
„Mein Name ist Christian Matthews.“, stellte dich der Mann dann vor. „Ich bin wie Sie“
Immer mehr Unverständnis bildete sich in Alan. Wovon redete der Mann? Dann ließ Matthews eine kleine Flamme an seinen Fingern entfachen, zu klein, dass sie jemand anders als Alan sehen würde. Dieser starrte ihn fassungslos an. „Sie müssen sich irren“, versicherte Alam ihm. „Ich bin kein Elementalist“
Matthews zog skeptisch eine Augenbraue hoch. „Ach ja? Nun dann muss ich mich entschuldigen. Bitte, lassen Sie sich nicht weiter von mir stören.“
„Ähhm. Wollen sie denn noch ein Gebäckstück?“, fragte Alan, immer noch komplett aus dem Konzept gebracht.
„Ach nein“, der Mann schenkte ihm ein Lächeln. „Aber vielen Dank für den Tee“ Alan drehte sich um und wollte gehen, doch Matthews räusperte sich noch einmal. Ohne Alan die Zeit zu geben sich umzudrehen, stand er auf einmal hinter ihm, sein Mund gefährlich nahe an seinem Ohr. „Wenn Sie es sich doch anders überlegen, treffen sie mich nach Ihrer Schicht an der Manchester Piccadilly U-Bahn Station.“ Und damit legte er 2 Scheine auf den Tisch und verließ das Lokal, ohne auch nur einen Schluck seines Tees getrunken zu haben.

Was zur Hölle? Dieser Mann, Christian Matthews, war ein wandelndes Mysterium. Alan durchblickte nicht eine seiner Handlungen oder Aussagen. Er hatte für einen Tee, den er noch nicht mal berührt hatte, das Dreifache des eigentlichen Preises bezahlt. Und vor allem, wie zur Hölle hatte er herausgefunden, dass Alan ein Elementalist war? Hatte er einen Hitzeaufschwung gehabt? Eigentlich nicht, sonst hätte Madlyn ihn darauf angesprochen. Aber wie konnte es dieser ominöse Mann wissen. Was hatte ihn verraten? Und die eine Frage die im Raum stehen blieb und in der Luft zu kleben schien wie eine Fliege im Spinnennetz. Sollte Alan wirklich der Aufforderung des Mannes nachkommen und zur Station gehen? Immerhin war das ein enormes Risiko. Matthews war ein Elementalist und dazu auch noch überaus trainiert und groß. Wenn er Alan etwas antun wollte, könnte er es wahrscheinlich ohne seine Fähigkeiten zu benutzen. Es war viel zu Gefährlich, aber Alan war zu neugierig, um eine solche Gelegenheit verstreichen zu lassen.

„Bis morgen“, verabschiedete sich Madlyn, als Alan aus der Tür hinaus ging. Die warme Abendluft strömte ihm entgegen, gemischt mit dem verwehenden Geruch des Regens, der noch vor einer Stunde Manchester heimgesucht hatte. Wobei heimgesucht vielleicht etwas untertrieben war. Manchester war ein verfluchtes Schloss, so oft wie es hier regnete. Immerhin war es das berühmte England, das Land des dauernden Regens. Das genaue Gegenteil von dem sonnigen Florida, wo Alan seine Kindheit verbracht hatte. Und er liebte es.

Er schlenderte in Richtung Wohnung und schaute sich nebenbei in den Schaufenstern Dinge an, die er sich niemals leisten konnte oder wollte. Das Angebot des fremden Mannes war stets präsent, doch Alan hatte die Entscheidung getroffen, sich nicht darauf einzulassen. Es war einfach zu gefährlich. Und niemand würde etwas gegen Matthews ausrichten können. Alan schob sich seine Kopfhörer in die Ohren und drehte die Musik auf. Er wollte diese ganze Geschichte so schnell wie möglich aus dem Kopf bekommen. Nur nicht darüber nachdenken, ermahnte er sich selbst. Wenn du darüber nachdenkst, wirst du dir ewig den Kopf darüber zermartern, was du verpasst, sagte er immer wieder zu sich selbst, fast wie sein eigenes Mojo.

„Ah, Sie sind gekommen“, hörte Alan eine Stimme vor sich. Erschrocken riss er den Blick hoch. Er hatte nicht mehr auf den Weg geachtet und stand nun vor ihm. Christian Matthews, in seiner vollen Größe, stand nun vor ihm und lächelte ihn sanft an, fast schon väterlich. Alan starrte ihn mit großen Augen an. Wie in Trance war er an die Manchester Piccadilly Station gelaufen. Ach, verdammt!
„Ähhm… Guten Abend“, stammelte Alan und zog sich die Kopfhörer aus den Ohren.
„Nun. Es wäre nun vielleicht angebracht, wenn Sie mir Ihren Namen verraten würden“
„Oh, natürlich. Mein Name ist Alan Walker“, stellte sich Alan nun vor.
Matthews richte ihm die Hand. „Sehr erfreut Sich kennenzulernen, Mr. Walker. Nun, was hat Sie nun doch überzeugt herzukommen?“
Komm schon, Alan! Lass dir eine Ausrede einfallen! „Ich bin neugierig geworden. Ich habe noch nie einen Elementalisten getroffen“, log Alan.
Matthews braune Augen blitzen für einen Bruchteil einer Sekunde. Alan war sich sicher, dass er die Lüge durchschaut hatte. Aber zu seiner Verwunderung spielte Matthews mit. „Nun, dann wollen wir doch mal anfangen“, sagte der hochgewachsene Mann erfreut.
„Anfangen womit?“, fragte ihn Alan verunsichert.
„Na, mit der Aufklärung. Willst du etwas über uns Elementalisten erfahren?“
Alan nickte nur stumm.
„Dann folgen Sie mir bitte“, forderte Matthews ihn auf. Entgegen seiner Erwartungen gingen sie nicht zur U-Bahn, sondern Matthews deutete auf eine schwarze Limousine die gerade neben ihnen gehalten hatte. „Bitte, nach Ihnen“
Alan stieg mit zitternden Knien in den Wagen. Das war eine absolut bescheuerte Selbstmordmission!
„Wie stark sind Ihre Fähigkeiten, Mr. Walker?“, fragte Matthews dann ganz unvermittelt.
Alan fühlte sich gegen den Kopf gestoßen. „Ich sagte es Ihnen doch. Ich habe keine Fähigkeiten!“, beteuerte Alan.
Matthews legte seinen Kopf ein wenig zurück und seufzte. Dann linste er zu Alan. „Wie lange wollen Sie an dieser Lüge festhalten, Mr. Walker? Wir wissen beide, dass das nicht stimmt“ Und damit packte er Alan am Handgelenk und zog ihn zu sich heran. Sie trennten jetzt nur noch ein paar Zentimeter. „Mr. Walker“, flüsterte Matthews nun eindringlich. „Offensichtlich haben sie keinen blassen Schimmer wen Sie hier gerade anlügen“ Die Atmosphäre war statisch. Alan fühlte sich, als könnte jeder seiner Bewegungen einen Gewittersturm hervorrufen. „Ich-“, setzte er an, doch Matthews unterbrach ihn.
„Seinen Sie still, wenn nur Lügen aus Ihrem Mund zu kommen vermögen“
Damit schwieg Alan. Er hatte sich in die Höhle des Löwen begeben. Doch der Löwe entpuppte sich als der Teufel höchstpersönlich. „Lassen Sie mich bitte aussteigen“, bat Alan höflich. Die Angst in seiner Stimme war fast greifbar.
„Aber nicht doch“, tadelte ihn Matthews. „Der Spaß hat doch gerade erst begonnen“ Ein ominöses Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus, doch er ließ Alans Handgelenk frei. Seine Hand hatte sich in Alans Fleisch gebrannt, doch Alan spürte keinen Schmerz. Das Adrenalin pumpte so stark durch seinen Blutkreislauf, dass er sich noch nicht mal mehr als Lebewesen fühlte. Er wollte einfach nur raus hier! „Nun, vielleicht war ich etwas zu melodramatisch“, sagte Matthews und legte den Kopf schief. „Fangen wir nochmal von vorn an, Mr. Walker. Mein Name ist Christian Matthews und ich bin der Fürst des Feuer-Clans“




Heyhoo und hier einmal ein Herzliches Willkommen von meiner Seite :) Wie schon auf meiner Seite angekündigt, hab ich etwas großes geplant, und hier ist es! Diese Geschichte ist bereits abgeschlossen, daher wird es kein langes Warten geben, wenn ich mal wieder eine Schreibblockade oder so was habe ^^'
Ich arbeitete an dieser Geschichte insgesamt über 2 Jahre und sie ist mir sehr ans Herz gewachsen :') Ich hatte auch mit dem Gedanken gespielt, die Geschichte als Buch zu veröffentlichen, allerdings bezweifle ich, dass sie so gut ankommt, dass man dafür auch Geld für zahlen würde ^^' Aber ich wollte sie dennoch veröffentlichen, denn für mich ist dies die beste Geschichte, die ich je geschrieben habe.

Genug der Nachrede :) Wenn euch dieses Kapitel gefallen hat, dann lasst mir doch gern einen Favoriten oder eine Review da, das würde mich sehr freuen! Geplant sind Uploads jede Woche bis alle 2 Wochen. Lasst es mich wissen, wenn ihr einen Vorschlag für den Rhythmus habt, vielleicht ist er besser als meine Idee :D

Vielen Dank fürs Lesen und bleibt gesund!

Sabi-chan :3
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