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Shooting Stars

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
Iwaizumi Hajime Oikawa Tooru
06.01.2021
06.01.2021
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Nachdem ich so viel zu Ushijima geschrieben habe, gibt es nun auch mal wieder was zu meinem Hauptship. ❤


Shooting Stars


„Beeil dich, Iwa-Chan!", forderte Oikawa und tänzelte ungeduldig vor Iwaizumi her, während der mit nicht gerade begeisterte Miene hinter ihm her trottete und dabei eine gefühlte Wagenladung Decken mit sich herum trug. „Nerv nicht, Trashykawa!", grummelte der Gehetze. Doch Oikawa begab sich wieder ein paar Schritte vor, nur um dann zurückzukehren und am Arm seines besten Freundes zu ziehen.

„Aber Iwa-Chan, wir verpassen es!", jammerte er, was ihm ein genervtes Schnauben einbrachte. „Wir verpassen es nicht! Das sagst du immer, aber wir haben es noch nie verpasst. Wir sind immer zu früh, weil du so eine Nervensäge bist und dann jammerst du mir die Ohren voll, weil es so kalt ist", beschwerte sich Iwaizumi und entriss Oikawa seinen Arm.

Dieser zog prompt eine Schnute, konnte jedoch eigentlich nicht wirklich widersprechen, denn es stimmte. Es war immer das Gleiche. Er scheuchte Iwaizumi aus dem Haus, weil er Angst hatte, das besondere Spektakel zu verpassen und saß dann auf ihrem Stammplatz, wo er sich den Allerwertesten abfror. Aber niemals würde Oikawa deswegen eher nach Hause gehen. Dafür war es ihm viel zu wichtig.

„Aber die Sternschnuppen warten nicht auf uns!", gab er zu bedenken und sah zum Himmel, wie um sich zu versichern, dass sie nicht schon angefangen hatten. „Das muss schockierend für dich sein, zu wissen, dass das Universum sich wirklich nicht um dich dreht", zog Iwaizumi ihn auf, beschleunigte aber dann doch seine Schritte, wie er es letztendlich immer tat. Denn Oikawa diese Freude zu vermiesen schien er dann doch nicht zu wollen.

Seit sie sich kannten, war es nämlich ihr Ding.

Als Kinder hatten sie ihre erste Sternschnuppennacht zusammen erlebt und sich dafür sogar aus dem Haus geschlichen, weil es eigentlich zu spät für sie gewesen war, um alleine rauszugehen. Aber Oikawa hatte sich so sehr gewünscht, die Sternschnuppen vom einem Hügel in der Nähe aus zu sehen, dass Iwaizumi damals beschlossen hatte, ihm diesen Wunsch zu erfüllen.

Und es hatte sich gelohnt. Für Oikawa war es magisch gewesen. Er hatte die Sternschnuppen geliebt und trotz der nächtlichen Kälte mit strahlenden Augen in Richtung Himmel geblickt. Damals hatte er Iwaizumi erklärt, dass sie sich nun etwas wünschen könnten. Denn das durfte man, wenn man eine Sternschnuppe sah!

Dass sein damaliger Wunsch nach einem eigenen Teleskop nicht in Erfüllung gegangen war, ignorierte Oikawa bis heute. Ebenso wie all die anderen Wünsche, die er in all den vergangen Jahren an die Sterne gerichtet hatte. Dass sie gegen Shiratorizawa gewinnen würden, dass sie zu den Nationalen gehen würden, dass Tobio auf magische Weise mit dem Volleyball aufhören würde. Er hatte viele Wünsche heimlich vor sich hingedacht und nicht einer davon war in Erfüllung gegangen - bis jetzt.
Denn war Oikawa nicht bereit, die Hoffnung aufzugeben.

Er liebte die Sternschnuppen viel zu sehr, um mit ihrer Tradition aufzuhören.

Diese hatten sie in all den Jahren immer weiter perfektioniert. Denn durch mehrere kühlende Abende hatten sie gelernt, Decken mitzunehmen. Vielen Decken, weil Oikawa wirklich immer fror. Auch an Tee in einer Thermoskanne hatten sie mittlerweile gedacht. Und so stand einem Deckenlager unter freiem Himmel nie etwas im Wege. Und das machte ihre Tradition nur noch besser.

Oikawa liebte es, zusammen mit Iwaizumi auf und unter mehreren Decken auf dem Rücken zu liegen und zu den Sternen aufzusehen. Dabei war es leicht, die Welt um sie herum zu vergessen. Dann gab es keinen Leistungsdruck beim Volleyball, keine Gegner, die es zu bezwingen galt, keine Verehrerinnen, die um Oikawa herum lungerten. Da waren dann nur sie beide.

Es war einfach, seine Hand in Iwaizumis zu schmuggeln und seinen Kopf dicht neben seinen zu legen und sich einfach in den Sternen zu verlieren.

Mit niemand Anderem wollte Oikawa dieses Erlebnis teilen. Dabei hatte Iwaizumi schon öfter höflicher Weise vorgeschlagen, dass Oikawa eine seiner Freundinnen mitnehmen könnte. Aber das wäre einfach nicht das Selbe gewesen. Denn wieso sollte er diese besondere Nacht mit jemanden teilen, der für ihn nicht so besonders war?

Es war kein Geheimnis, dass Iwaizumi in Oikawas Leben den höchsten Stellenwert hatte. Er kam in fast allen von Oikawas Erinnerungen vor, die furchtbar traurigen und die besonders schönen. Jede gute und jede schlechte Nachricht teilte er mit ihm. Iwaizumi war die erste Person, die ihm bei jedem möglichen Anlass einfiel.

Er war etwas Besonders und deswegen musste er diese Tradition auch weiter mit ihm durchführen. Oikawa hatte ihm schon angedroht, dass der andere das von nun an sein ganzes Leben machen müsse, bis sie beiden grau und alt wären und den Hügel nicht mehr erklimmen könnten.

Der Hügel war in den Jahren ihr Platz geworden. Nicht nur während der Sternschnuppennächte suchten sie ihn auf. Auch bei anderen wichtigen Gesprächen war das ihr gemeinsamer Ort und Oikawa würde es niemals einfallen, jemand Anderen mit dorthin zunehmen.


Lächelnd und schwungvoll wandte sich Oikawa zu Iwaizumi um und nahm ihm die Decken ab, als sie die Hügelkuppe erreicht hatten. Gemeinsam und routiniert platzierten sie die ersten Decken auf dem kühlen Gras, ehe Oikawa sich darauf niederließ und Iwaizumi die nächsten Decken über ihm ausbreitete und Oikawa wiederum stumm die Decken hochhielt, damit Iwaizumi sich dazu legen konnte.

Kaum, dass der Andere ebenfalls lag, schloss Oikawa die Lücke zwischen ihnen und seine Hand fand die von Iwaizumi.

Nicht, dass sie das sonst oft taten. Oikawa war zwar eine sehr anhängliche Person und berührte Menschen, die er mochte auch des Öfteren, was vor allem für Iwaizumi galt. Aber sie hielten sich äußert selten an den Händen. Das hier war etwas Besonders. Etwas, worüber sie nach der Sternschnuppennacht nicht sprachen.

„Ich hab dir doch gesagt, wir kommen rechtzeitig, du Nervensäge", brummte Iwaizumi und wandte den Kopf leicht zu ihm um. Oikawa konnte den Atem des Anderen an seiner Stirn fühlen. Er sah zu ihm auf, obwohl er es sich schon an Iwaizumis Schulter gemütlich gemacht hatte. „Aber nur, weil ich dich immer antreibe!", entgegnete er mit einem Grinsen.

Iwaizumi verdrehte die Augen. „Du meinst, du gehst mir damit auf die Nerven!" „Tu ich nicht!" „Tust du doch!" „Und trotzdem bist du hier, Iwa-Chan", stellte Oikawa nach wie vor gut gelaunt fest und richtete seinen Blick wieder gegen Himmel.

Das zustimmende Brummen ließ Iwaizumis Brust leicht vibrieren, was Oikawa spürte. „Ich will nicht, dass du noch mehr rumjammerst." Doch Oikawa grinste unbeirrt weiter. „Dir gefällt es selber auch", durchschaute er die Lügen seines besten Freundes. „Von einem Galaxie besessenen Freak drei Wochen im Voraus genervt zu werden? Klar, der Sinn meines Lebens...", gab Iwaizumis sarkastisch zurück. Oikawa kicherte begeistert. „Ich wusste, ich bin der Sinn deines Lebens!" „Du filterst auch nur raus, was du hören willst, oder?", beschwerte sich Iwaizumi, ohne es zu verneinen wohlgemerkt.

Doch Oikawa antworte schon gar nicht mehr darauf, denn die ersten Sternschnuppen bahnten sich einen Weg über das Himmelszelt, weswegen er verzückt aufseufzte. „Pscht! Iwa-Chan, es fängt an", wisperte er begeistert und sah mit strahlenden Augen dem Himmelsspektakel zu.

Einige Minuten lang schwiegen sie beide andächtig, bis Iwaizumis leise Stimme die Stille durchbrach. „Wirst du dir wieder etwas wünschen? Deine letzten Wünsche sind nie in Erfüllung gegangen", fragte er leise. Oikawa hatte ihm mittlerweile gesagt, welche das gewesen waren, da sie ja nun wirklich nicht in Erfüllung gegangen waren.

Wieder wandte er den Kopf zu Iwaizumi um, bis sie sich in die Augen sehen konnten. „Ich glaube schon, dass meine Wünsche in Erfüllung gegangen sind", wisperte er und ignorierte das plötzliche Herzklopfen. „Ich enttäusch dich nur ungerne, aber wir waren weder bei den Nationalen, noch haben wir Ushiwaka geschlagen." Eigentlich würde Oikawa nun das Gesicht verziehen und sich über genau diese Tatsachen auslassen. Doch jetzt waren seine Gedanken nicht beim Volleyball.

Dieses Mal waren sie bei Etwas, das ihm sogar noch wichtiger war. Lange hätte Oikawa nicht mal gedacht, dass es etwas gab, das ihm heiliger wäre als der Sport. Aber da gab es etwas. Er hatte selber lange gebraucht, um sich dessen bewusst zu werden. Doch nun, wo er es wusste, war es stetig in seinem Bewusstsein, begleitet ihn bei was auch immer er tat und ließ sein Herz nicht selten höher schlagen.

„Vielleicht waren das ja nicht die Wünsche, die mir als Erstes in den Sinn kamen. Es geht ja auch nur das in Erfüllung, an was du als Allererstes denkst, wenn du die Sternschnuppen siehst", erklärte er Iwaizumi, der ihn erstaunt ansah. Und das konnte Oikawa ihm nicht mal verdenken. Immerhin war Volleyball ja eigentlich das Erste, das ihm immer einfiel.

„Und das wäre?", wollte Iwaizumi wissen. Doch Oikawa, der die Stimme seines besten Freundes in- und auswendig kannte, hörte deutlich heraus, dass sie nicht den normalen Klang hatte. War es möglich, dass er fragend und hoffnungsvoll klang oder bildete sich Oikawa das ein?

Nun war er aber so weit gekommen und es würde vermutlich auch keine bessere und romantischere Gelegenheit geben um diesen Schritt zu gehen. Er konnte jetzt keinen Rückzieher mehr machen. Jetzt würde er es ihm gestehen müssen.
Das, was ihm seit einiger Zeit schon klar war, wogegen er angekämpft hatte, weil er sich davor fürchtete, weil es so viel kaputt machen könnte, weil er damit zu viel aufs Spiel setzte. Aber es gab auch diese kleine Hoffnung, die besonders dann in ihm aufglühte, wenn Iwaizumi seine Hand unter den Sternschnuppen hielt.

Oikawa war mit der Zeit klar gewesen, dass er nichts dagegen tun könnte. Er fühlte eben, wie er fühlte. Und es war keine Überraschung, dass er so empfand. Eigentlich würde es ihm nach allem eher überraschen, wenn er diese Gefühle für jemand Anderen hegen würde.
Denn wer, wenn nicht Iwaizumi, wäre die richtige Person um an seiner Seite zu sein? Wer hielt es sonst schon mit ihm und seinen Launen und Allüren aus? Wer verstand ihn ohne Schwierigkeiten und wusste, wie man mit ihm umgehen musste? Mit wem teilte Oikawa seit Jahren derart sein Leben?

Es kam niemand anders in Frage.

Bei den letzten Sternschnuppen war Oikawa dann auch klar geworden, dass seine Wünsche alle nicht der aufrichtigen Wahrheit entsprochen hatten...
Das, an was er immer als Erstes dachte, war dass er für immer genau das hier wollte. Die Sternschnuppen, ihren Hügel, Iwaizumis Hand in seiner.

„Das musst du noch fragen?", wisperte er leise. Auf seinen Zügen erschien ein unsicheres Lächeln, das jedoch in keinster Weise unecht wirkte. Er wagte nicht, den Blick von Iwaizumis Augen abzuwenden, in denen sich die Sternschnuppen spiegelten.

„Vielleicht... vielleicht haben wir den gleichen Wunsch?", gab dieser ebenfalls leise zurück. Iwaizumi drückte kaum merklich Oikawas Hand fester und dessen Lächeln festigte sich zu einem sichereren, strahlenderen.

„Das hoffe ich, Iwa-Chan!", erwiderte Oikawa, ehe er Iwaizumi küsste.

Sollte jemals wieder irgendjemand behaupten, dass Sternschnuppen keine Wünsche erfüllen würden, würde Oikawa nun mit noch mehr Überzeugung antworten, dass sie das sehr wohl taten.
Die besonders wichtigen Wünsche, die erfüllten die Sternschnuppen nämlich.
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