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Promises

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / MaleSlash
Anthony J. Crowley Erziraphael
06.01.2021
21.04.2021
10
14.491
5
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Dieses Kapitel
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29.03.2021 1.512
 
Hallo ihr Lieben,
heute gibt es eine letzte Erinnerung des Engels. Mal sehen, was der Dämon davon hält. Ich wünsche euch ganz viel Spaß.
Genießt das tolle Wetter und macht es euch nett!


8.



Crowley weiß nicht, wie viel Zeit bereits vergangen ist, aber es ist nur noch eine Phiole übrig. Er hat mittlerweile so viele Stationen in den Erinnerungen des Engels miterlebt, dass er sich kaum einer Sache bisher so sicher war, wie er sich nun der tiefen Liebe des himmlischen Wesens sicher ist. Immer und immer wieder wurde er Zeuge von Situationen, in denen der Engel von außen betrachtet beherrscht und zurückhaltend war, in seinem Inneren schrie aber alles. Alles zog ihn unweigerlich zu dem Dämon, doch er widerstand jeder dieser Versuchungen, um ihrer beider Sicherheit willen.

Das Wissen wärmt die dunkle Kälte in seiner Brust und flickt zusammen, was scheinbar auf ewig zersplittert, zerbröselt und zu Staub zerfallen war. Und dennoch bleibt die eine quälende Frage unbeantwortet, warum Arziraphale, der den Dämon offensichtlich ebenso liebt, wie der Dämon den Engel, diesen derart hintergehen konnte.

Der Inhalt der letzten Phiole findet seinen Weg in das Gefäß.



Arziraphales Gedanken sind so laut, dass es beinahe weh tut. Immer und immer wieder drehen sie sich im Kreis. Drehen sich um die Sorge, was Crowley mit dem Weihwasser, welches er erbeten hat, vorhat. Wie gefährlich es ist, dies an den Dämon zu übergeben. Die Gedanken, dass der Engel allein auf dieser Welt oder wo auch sonst immer zurückbleiben müsste, weil Crowley den leichten Ausweg nimmt, ziehen das Herz des Engels so fest zusammen, dass es körperlich schmerzt. Und dennoch, das weiß Arziraphale, wird er dem Wunsch des Dämons entsprechen. Das Risiko, dass etwas bei dieser halsbrecherischen Aktion, die er plant, schief geht, ist ungemein höher. So kann er wenigstens sicher sein, dass das Weihwasser angemessen und sicher übergeben wird. Er kann das Gefäß mit einem Wunder sichern und hoffen, darum beten, dass es nie geöffnet werden wird.



Und dann sieht Crowley sich selbst durch die Augen des Engels. Das Karussell der quälenden Gedanken steht plötzlich still und alles, was zu fühlen übrig bleibt ist Liebe. Eine Liebe, die so stark ist, dass sie alles andere in den Hintergrund schiebt, die sich Arziraphale aber immer verbittet, doch Crowley spürt, dass der Engel dieses eine Mal nachgeben wird.

Er sieht sich selbst an der Theke seines Clubs lehnen und spürt, wie sich der Körper, den er gerade okkupiert, wie magnetisch angezogen fühlt. Es ist ein merkwürdiges Gefühl, diese eine Nacht, die alles veränderte, erneut zu erleben. Dieses Mal fühlt er die Sicherheit, die er damals in den Handlungen des Engels erkannte, am eigenen Leibe. Kein Zweifel, keine Zurückhaltung. Nicht heute Nacht. Ein einziges Mal will der Engel nicht das tun, was von ihm erwartet wird. Ein einziges Mal möchte er dem nachgehen, was er sich Jahrtausende lang verwehrt hat, aber nun weiß er nicht, ob sich die Möglichkeit nach heute Nacht je wieder ergeben wird. Ob es je wieder eine Chance geben wird, Crowley so nahe zu sein, wie er es sich ersehnt. Niemand kann sagen, ob und wenn ja, wann er die tödlichste aller Waffen gegen sich richten wird und Arziraphale erträgt den Gedanken kaum, ohne verrückt zu werden. Also verbannt er alle Zweifel, alle Sorge und alle Angst und setzt ruhig, den Blick auf sein Ziel gerichtet, einen Fuß vor den anderen. Mit jedem Schritt, den er tut, schlägt sein Herz ein wenig schneller. Crowley fühlt es, als wäre es sein eigenes.

Die Menge der Feiernden teilt sich von selbst, sobald er in ihre Nähe kommt, ohne dass sie auch nur Ansatzweise Notiz von ihm nehmen würde. Crowley selbst kann das kaum glauben, denn er selbst erinnert sich daran, dass er den Blick nicht eine Sekunde von dem Engel nehmen konnte. Nichts hätte ihn von diesem Anblick ablenken können, weder Himmel noch Hölle, vermutlich hätte Gott selbst nach ihm rufen können und er hätte es ignoriert. Doch nun ist er derjenige, der von allen anderen, außer seinem Ziel an der Theke, unbeobachtet einen Schritt vor den anderen setzt.

Dann steht er nur wenige Zentimeter von seinem eigenen irdischen Körper entfernt, sieht durch die dunkle Sonnenbrille in seine eigenen Augen. Ihm war nie bewusst, wie offen er die Gefühle für den Engel eigentlich in seinem Blick trägt, trotz Brille schlägt ihm die Liebe förmlich entgegen, der Engel müsste ein Narr sein, wenn er es nie gemerkt hätte. Ein weiteres Mal fällt das Glas und zerschellt von allen anderen unbemerkt auf dem Boden. „Engel“, hört er seine eigene Stimme flüstern, belegt, dunkel, rau. Und er spürt die Liebe des Engels, so viel davon, dass die Grenzen des irdischen Körpers nicht ausreichen und sie ungehindert hinausfließt.

Crowley erinnert sich genau an jede Regung im Gesicht des Engels, an jede noch so kleine Bewegung, die dieser getan hat, als sie dort an der Theke standen und dennoch ist er so gebannt davon zu erleben, wie sich das alles für den Engel angefühlt hat. Eigentlich müsste es unglaublich irritierend sein, sich selbst zu sehen, wie die Hände des Engels in diesem Moment die Brille aus seinem Gesicht nehmen und sie auf den Tresen hinter ihm legen. Doch er ist so gefangen in dem Wunsch das Gefühl des ersten Kusses erneut zu erleben, dass er der Tatsache, dass er quasi sich selbst küsst, völlig ausblendet. Alles, was er mitbekommt, ist das, was Arziraphale in diesem Moment gefühlt haben muss. Liebe – natürlich – eine tiefe Zufriedenheit, endlich dem nachzugeben, was er so sehr ersehnt, Verlangen.

Und ein weiteres Mal verliert sich Crowley gänzlich in der Magie des Moments. Natürlich weiß er genau, was passieren wird, aber ähnlich wie einen guten Film, den man bereits kennt, fiebert er schlichtweg den spannenden Stellen entgegen, als sich über die Absurdität der Situation zu wundern.

Erneut erlebt er, wie sich beide, an der Hand haltend, den Weg in ein privateres Umfeld bahnen. Und dann verschwimmt die Grenze zwischen seinen eigenen Empfindungen und denen, die er durch den Körper des Engels wahrnimmt völlig. Es scheint schier unmöglich zu unterscheiden, wessen Verlangen, Sehnsucht, Wunsch nach Erlösung er gerade fühlt, aber eines ist gewiss: Der Engel hat mindestens genauso lange, so quälend lange ausgeharrt, wie er selbst. Der Engel nimmt sich Zeit, betraut den geliebten Körper vor ihm, mit jeder Aufmerksamkeit, die er zu geben vermag. Und jede dieser liebevollen, wertschätzenden, umsorgenden Berührungen der perfekt manikürten Hände, die diese auf dem Körper des Dämons platzieren, jedes feine Streichen der geliebten Lippen scheinen alles nachholen und wiedergut machen zu wollen. Und schließlich schenkt er ihnen beiden die Erlösung, die sie ersehen.

Doch auch, wenn die süße Wärme, die sich im Körper des Engels ausbreitet im Vordergrund steht, so lauert auch etwas Dunkles, Gefährliches im Hintergrund, als warte es nur darauf, dass Arziraphale wieder soweit in die Realität zurücktritt, dass es zuschlagen kann.

Und dann ist der Moment plötzlich da, Crowley merkt, dass sich etwas verändert. Die Angst ist zurück und vertreibt die Wärme. Es fühlt sich so an, als wäre der Körper des Engels plötzlich zu klein. Panik steigt in ihm auf und prescht ungefiltert auf Crowley ein. Die Fragen und quälenden Gedanken sind zurück. ‚Was passiert mit ihm, wenn sie herausfinden, was er für mich bedeutet?‘ ‚Er kann nicht noch einmal fallen, sie werden ihn zerstören.‘ ‚Wie soll ich weiter existieren, wenn sie ihn mir nehmen?‘ Und dann ist da auf einmal ein winziger Ausweg und ehe sich der Engel versieht, ist es auch schon geschehen.

Ein Schnipsen – Worte, die das Herz des Engels ebenso entzweireißen, wie das dämonische – Tränen, die aus blauen Augen rinnen. Einige Minuten steht der Körper des Engels einfach nur still da. Der Verlust des kurzen Glücks und die Sorge vor dem, was er in Kürze wird tun müssen, treiben mehr und mehr Tränen seine Wangen hinab.

Schließlich schafft er es, sich zu sammeln, der Krieger, der er einmal war, übernimmt das Regiment. Er tilgt mit einer Ruhe, für die Crowley Arziraphale beinahe beneidet, sämtliche Spuren, die diese Episode ihrer gemeinsamen Zeit zu einer Waffe gegen das Wesen, dass er mehr liebt, als es möglich sein dürfte, werden lassen könnten. Nachdem alles wieder soweit hergestellt ist, als wäre er nie hier gewesen, blickt er sich kurz um. Obwohl Crowley den Engel nicht vor sich sehen kann, denn sie teilen sich noch immer diesen einen Körper, kann er beinahe vor sich sehen, wie verloren der Blonde in diesem Moment gewirkt haben muss. Das Bedürfnis die Arme um den Engel – seinen Engel - zu schließen, ist kaum zu ertragen.

Ein weiterer Ruck geht durch den Körper des Engels. Ein letztes Mal richtet er sich die Kleider, Falten, die schon lange nicht mehr existieren, werden erneut geglättet. In seiner Hand manifestiert sich die Thermoskanne mit dem Tartanmuster, das die Zugehörigkeit zur Familie des Engels symbolisiert. Crowley spürt, wie gerne der Engel dieses Tartan in jeder anderen Situation an dem Dämon sehen würde, nur nicht an dieser Thermoskanne, die sein gänzliches Ende bedeuten könnte. Aber die Entscheidung ist getroffen. Arziraphale setzt sich in Bewegung, doch Crowley merkt, dass er nicht mitgeht, er bleibt zurück und sein Sichtfeld schwindet.
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