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Promises

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / MaleSlash
Anthony J. Crowley Erziraphael
06.01.2021
21.04.2021
10
14.491
5
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Dieses Kapitel
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05.03.2021 869
 
Hallo ihr Lieben, heute geht's weiter. Crowley taucht in eine weitere Erinnerung des Engels ein. Danke, dass ihr immer dabei seid. :)

7.

Die Neugierde siegt über die Sorge, dass das, was in den Erinnerungen noch auf ihn warten könnte, noch schlechter zu ertragen sein könnte als das, was Crowley bereits gesehen hat. Also nimmt er eine neue Phiole in die Hand, öffnet sie und gießt sie in das Becken und spürt sofort wieder, wie sein Bewusstsein aus dem Hier und Jetzt gezogen wird, hinein in eine weitere Erinnerung des Engels.


Das Erste, was er wahrnimmt, ist etwas Hartes in seinem Rücken. Erneut. Irgendetwas drückt ihn gleichzeitig dagegen, zerrt aber auch an der vorderen Seite seiner Kleidung. Er öffnet die Augen und erkennt am unteren Ende seines Sichtfeldes die helle Kleidung des Engels und zwei Hände, die sich in das Revers des Gehrocks krallen. Daher also der unangenehme Zug. Er löst seinen Blick von den Händen hin in das Gesicht, welches recht nah vor ihm aufragt. Uriel. „Glaube ja nicht, dass dein Freund mit Sonnenbrille dir eine besondere Behandlung in der Hölle verschaffen wird.“ ‚Freund mit Sonnenbrille? Oh, er selbst ist damit gemeint‘ „Er ist selbst in Schwierigkeiten“, spricht dieses miese Exemplar von einem Engel drohend weiter.
Crowley spürt die Sorge in Arziraphale aufsteigen. Die Drohung verfehlt ihre Wirkung auf den Engel nicht. ‚Wie sollte es auch anders sein‘, denkt Crowley, ‚wie könnte Arziraphale den angedeuteten Fall nicht fürchten.‘
Er hört weiter in den geliehenen Geist hinein, denn diese Begegnung zwischen Arziraphale und den anderen sogenannten Vertretern der guten Seite ist ihm nicht bekannt. Der Engel hat nie davon erzählt, dass sie ihm vor seinem Buchladen aufgelauert haben und ihn unter Druck gesetzt haben. Wut breitet sich in Crowley aus, aber diesmal ist er sich sicher, dass es seine eigene ist.
In Arziraphale sieht es ganz anders aus. Die Angst ist absolut präsent, aber es ist nicht die vor dem Verlust seines Status als Engel. Diese ist unterschwellig vorhanden, aber viel prägnanter ist die Angst um jemand anderen und nicht den Engel selbst.
Gedankenfetzen - Dinge, die dem Engel in diesem Moment durch den Kopf gehen, fliegen an ihm vorbei. In ihnen ist nicht Arziraphale der Protagonist, sondern der Dämon selbst. Sie alle zeigen ihn in quälenden Situationen, die auf Arziraphale einprasseln. Dinge, die in der Vorstellung des Engels mit Crowley passieren könnten, wenn ihre Verbindung aufgedeckt würde. Ein einziger Gedanke formt sich im Geist des Engels und damit gerade auch in Crowleys: Halte ihn auf Abstand. Es ist die einzige Chance.
Die Wut lässt ihn beinahe überschäumen. Egal, wie groß das Elend, dass der Engel über ihre Freundschaft gebracht hat, auch ist, Crowley kann selbst jetzt nicht aus seinen sechstausend Jahre gepflegten Gewohnheiten raus. In dem Moment, in dem jemand den Engel auch nur ein einziges Härchen krümmen will, sieht Crowley rot. Selbst nach allem, was geschehen ist, würde er, ohne mit der Wimper zu zucken, heiligen Boden betreten, wenn die Sicherheit Arziraphales es notwendig machen würde.
Doch es liegt nicht in seiner Macht hier etwas auszurichten. Es ist nicht seine Erinnerung und vor allen Dingen liegt dieses Aufeinandertreffen schon lang zurück, dass sein Intervenieren, selbst wenn es möglich wäre, nun nichts mehr ändern würde.
Dann spürt er, wie sich seine Haltung ein wenig strafft und er das Kinn ein wenig nach oben reckt. Die Augen sind fest auf das Gesicht vor ihm gerichtet. Die Angst wird von etwas anderem in den Hintergrund gedrückt. Er meint, einen Hauch von Irritation im Gesicht des Engels zu erblicken. Aber vielleicht täuscht er sich auch.
Mit einem letzten Blick in das Gesicht mit den goldenen Spuren endet diese Erinnerung. Das Gefühl des Stolzes ob des kampflustigen Hauchs in Arziraphales Körpers bleibt.



Zurück in der Realität kann Crowley nicht anders, ein winziges Lächeln zupft an seinen Mundwinkeln. Diese Erinnerung kann nicht allzu alt sein. Die erste ließ kaum Anknüpfungspunkte zu, um zu erkennen, wann sich diese Episode im Leben des Engels abgespielt haben könnte. Das Innere des Buchladens ändert sich seit so vielen Jahren kaum und er hatte keine Besonderheit ausmachen können, die eine zeitliche Einordnung möglich machen könnte.  
Aber diese zweite Erinnerung scheint noch recht neu zu sein. Er kann kaum glauben, dass er miterlebt hat, wie Arziraphale Widerstand geleistet hat. Einen unauffälligen, kaum sichtbaren, aber dennoch existenten Widerstand. Der Engel hat zwar nicht widersprochen, hat nicht mit seiner Seite brechen können, aber er war nicht gewillt, dass was er und der Dämon hatten, kampflos aufzugeben. Auch wenn der Engel es sich vermutlich selbst nicht bewusst war und Crowley lieber auf Abstand halten wollte, um dessen Sicherheit zu gewährleisten. Crowley hat es gefühlt – das Straffen der Haltung - das Recken des Kinns – der feste Blick – es war der Krieger, der noch immer in dem Engel schlummert. Und auch dieses Miststück von einem Engel schien es gesehen zu haben, Crowley hat die Erkenntnis in den Augen Uriels gesehen und auch, wenn sie ihren Rückzug so gestaltet hatte, als wäre er genauso geplant gewesen, so ist Crowley sich sicher, dass es etwas mit Veränderung Arziraphales zu tun gehabt hat, die sie plötzlich wahrgenommen hatte.
Crowley kann nicht anders, er ist stolz auf den Engel – seinen Engel – fügt seine innere Stimme leise hinzu.
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