Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Promises

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / MaleSlash
Anthony J. Crowley Erziraphael
06.01.2021
21.04.2021
10
14.491
5
Alle Kapitel
24 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
22.01.2021 1.016
 
Guten Abend ihr Lieben,
die emotionale Achterbahnfahrt des Crowley geht in die nächste Runde. Danke für eure lieben Nachrichten. Sie sind mehr als willkommen.  :)
Ich wünsche euch ganz viel Spaß beim Lesen.
Lasst es euch geht gehen.
Kitty



Promises III

Crowleys Hände liegen stoisch auf dem Lederlenkrad des Bentleys. Sein Blick streift die Straße vor ihm nur sporadisch, statt dessen betrachtet er seine schlanken Finger und wundert sich, wie es sein konnte, dass sie fünfzig Jahre lang vergessen konnten, wie sich der Körper des Engels bei ihren Berührungen angefühlt hatte. Nun plötzlich sind alle Erinnerung wieder da und er ist sich sicher, dass er eine vollständige Kartographie des so lang begehrten Körpers mit jeder Besonderheit, jeder Unebenheit, jeder willkommenen Rundung erstellen könnte.

Er meint die Wärme des Gesichts Arziraphales zu spüren, die er fühlte, als er das Gesicht in beide Hände genommen hatte, um sich einen weiteren Kuss zu stehlen. Der Versuch sich in der Irritation, des Glücks, der Verzweiflung des Moments und der Angst vor dem Ende eben jenes, festzuhalten an dem Wesen, das immer sein sicherer Anker gewesen war.

Er fühlt wieder die zarten Kreise, die Arziraphale mit seinem Daumen auf seiner Hand gezeichnet hat, als sie Hand in Hand den Hauptraum des Clubs verlassen hatten.

Unwillkürlich greift eine Hand an seine Lippen. Die Lippen, die die des Engels geküsst hatten. Nun ist der Geschmack wieder da, süß, verlangend, absolut süchtig machend. Sein Herz zieht sich schmerzhaft zusammen.

Das was er ersehnt, solange er diesen irdischen Körper durch diese Welt führt, wurde ihm geschenkt und im selben Moment genommen. Er vermag nicht zu sagen, wie er das Wissen darum in sich tragen soll, die Gerüche, das Gefühl auf seiner Haut, die Geräusche in seine Ohren omnipräsent und gleichzeitig Gewissheit, genau das nie wieder zu erleben, ertragen soll. Wie könnte er Arziraphale je wieder nah sein, ohne sich das Gefühl der starken Arme um ihn vorzustellen und das beruhigend und gleichzeitig so anregende Gewicht des anderen Körpers gegen den eignen gepresst herbeizusehnen.

Der Wunsch, die gesegneten Lippen zu küssen, war immer schon beinahe übermächtig. Doch jetzt, da er weiß, wie blass seine Vorstellung gegen die Realität wirkt, glaubt er nicht, der Versuchung widerstehen zu können.

Doch der Gedanke, dass er all das erneut wird erleben können, erscheint ihm mindestens so abwegig wie seine Wiederaufnahme in den Schoß des Himmels und seiner Rückkehr zu seinem engelhaften Ursprung. Eine Nacht war der Engel bereit zu geben, und auch wenn Crowley nicht versteht, warum es zu dieser einen gekommen ist, so ist er doch sicher, dass es dabei bleiben wird. Welchen anderen Grund sollte es sonst geben, ihn all das vergessen lassen zu wollen. Er schmeckt den scharfen Geschmack des Verrats, den Arziraphale an ihm und ihrer Freundschaft begangen hat geradezu auf der Zunge. Er vermischt sich mit dem der vergangenen Küsse und hinterlässt eine bittersüße Spur.



*******



Irgendwann hält der Bentley einfach an. Die Wut, der Treibstoff der Irrfahrt, einem gehetzten Tier gleich, das unendliche Runden auf den Straßen dreht, scheint verraucht. Fort. Zurück bleibt Leere. Crowley fühlt sich wie ein Vakuum. Und er ist müde. Selten spürte er die Erschöpfung derart körperlich. Es erscheint ihm absolut ausgeschlossen an diesem Umstand durch ein Wunder oder schiere dämonische Willenskraft etwas zu ändern. Selbst das Verhindern der Apokalypse hatte ihm nicht so viel Kraft abverlangt und da hatte er die Zeit angehalten, gegen Himmel, Hölle und den Fürsten der selbigen gekämpft und gesiegt.

Crowley blickt sich um, das erste Mal seit - er kann nicht sagen, wie viel Zeit vergangen ist- Stunden, Tage, Monate - klärt sich seine Sicht so weit, dass er seine Umgebung bewusst wahrnimmt. Vor ihm erstreckt sich nichts als Horizont und Meer. Der Übergang zwischen beidem ist kaum wahrnehmbar, es muss Nacht sein. Dunkel und aufbrausend liegt der Atlantik vor ihm. Er steigt aus dem Wagen, geht einige Schritte bis an die Kante der Klippe, die rau, steil, tödlich abfällt. Die Luft ist kalt und beißend. Er stellt unbewusst den Kragen seiner Jacke hoch, schiebt die Hände danach in die Hosentaschen.

Dann steht er am Übergang zwischen Untergrund und nichts, starrt in die Ferne, eingelullt von dem wiederkehrenden Rauschen des Meeres. Jede Welle füllt die Leere in ihm mit ein wenig mehr Ruhe. Er atmet durch. Langsam, bewusst, nimmt er die raue, kalte Luft auf. Spürt beinahe, wie sie sich erst durch seine Luftröhre schiebt und dann in seinen Lungenflügeln ausbreitet. Ebenso bewusst atmet er aus, und spürt das erste Mal seit diesem verhängnisvollen Abend, dass der Druck, der auf seiner Brust lastet, sanfter wird. Mit jedem Atemzug verschwindet er ein wenig mehr, sodass sich Crowley unwillkürlich fragt, ob das Atmen für ihn nicht doch zu einer Notwendigkeit geworden ist. Als ob seine irdische Hülle nach sechstausend Jahren des ‚So-tun-als-ob‘s nun doch dazu übergegangen sei, diese für ihn unnötige Handlung doch zu einer Pflicht zu adaptieren.



Plötzlich verändert sich der Horizont. Licht! Erste Strahlen stehlen sich über den Horizont, spiegeln sich rot und golden auf dem Wasser. Crowleys Blick ist gefangen von dem Schauspiel, dass sich vor ihm – nur für ihn - ausbreitet. Sechstausend Jahre auf dieser Erde und es fühlt sich an wie der erste Tag, der erste Sonnenaufgang, ein neuer Anfang.

Er kann nicht anders, das Glühen und Strahlen ist so fest mit Arziraphale verbunden, dass sich die Gedanken an ihn beim Anblick des Leuchtens der aufgehenden Sonne in ihm festsetzen, ohne dass er es verhindern könnten. Die Wut ist weniger mitreißend und zerstörerisch, sondern mehr ein dumpfer Druck im Hintergrund. Zurück bleibt Trauer, Enttäuschung, den Wunsch es zu verstehen, Antworten zu erhalten und, und das verwirrt ihn sehr, Ruhe. Er kann es sich nicht erklären, nach dem Chaos in ihm hatte er nicht geglaubt, je wieder in seine Mitte zurückzufinden, aber dennoch erscheint er nun wieder nahe daran zu sein und er weiß, dass es an der Zeit ist nach Hause zu fahren. Ein winziges Flämmchen entzündet sich in seiner Brust. Wärme, zart und unsicher breitet sich aus.

Er braucht Antworten. Denn so willkommen das Verebben der Wut gerade auch scheint, Crowley weiß, dass seine dämonische Natur wankelmütig sein kann.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast