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Promises

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / MaleSlash
Anthony J. Crowley Erziraphael
06.01.2021
21.04.2021
10
14.491
5
Alle Kapitel
24 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
21.04.2021 2.014
 
Hey ihr Zauberhaften,
das ist es nun: Das letzte Kapitel!
Und ich bin so gespannt, was ihr sagt und hoffe, dass ich es nicht auf die letzten Meter verrissen habe. :)
Ganz viel Spaß!


10.

„Gibt es irgendetwas, was du wissen möchtest? Bedürfen einzelne meiner Erinnerungen eine besondere Erklärung?“, versucht Arziraphale das Gespräch erneut zu beginnen. Ja! Nein! Crowley weiß selbst nicht genau, was er will. Ein Teil von ihm möchte den Engel schütteln, zur Vernunft bringen, verstehen, was ihn nur geritten hat. Ein anderer Teil möchte alles fortwischen, einen schmissigen Spruch auf den Lippen und sagen, dass alles ok sei. Aber das ist es nicht. Er braucht Antworten, auch wenn sie vielleicht schmerzlich sein könnten.

„Erkläre mir alles. Ich muss es verstehen.“, antwortet Crowley und ist verwundert, dass sich seiner doch recht zugeschnürten Kehle überhaupt etwas entlocken lässt und erschrocken darüber, wie brüchig sich seine Stimme anhört. Das Gesicht des Engels hellt sich ein winziges bisschen auf, offensichtlich dankbar über die Chance, die diese Antwort für ihn bietet. „In Ordnung, wo fange ich am besten an?“, er atmet einmal tief durch, sammelt sich und beginnt zu sprechen.

„Ich möchte, dass du weißt, dass es mir leidtut, Crowley, auch wenn mir bewusst ist, dass mein Verhalten völlig unverzeihlich ist. Mir ist bewusst, dass ich nicht in der Position bin irgendwelche Forderungen an dich zu stellen, dich um Verzeihung zu bitten, aber ich bin froh, dass du mir die Möglichkeit bietest, mich zu erklären. Bitte sei versichert, dass ich mit jeder Entscheidung, die du später eventuell treffen wirst, leben werde… leben muss. Ich habe wohl jedes Recht auf was auch immer verspielt.“, er nimmt einen großen Schluck Wein aus seinem Glas, „Ich schrieb es bereits, kann es aber nicht oft genug betonen: Nichts, absolut gar nichts rechtfertigt auch nur ansatzweise, was ich tat und nichts kann es ungeschehen machen, so gern es ein Teil von mir auch täte. Du hast meine Erinnerungen gesehen, gefühlt was ich fühlte, es gibt also keinen Grund mehr die Dinge, die nun mal so sind, wie sie sind, zu verschweigen oder zu beschönigen.“, er schlägt die Augen nieder, ganz so als ob der Blick in das Gesicht des Dämons, die Hürde zu sprechen unüberbrückbar machen würde.

„Ich glaube, es lässt sich nicht abstreiten, dass ich unser Zusammentreffen in deinen Nachtclub mehr wollte als alles andere auf dieser Welt. Sonst hätte ich wohl kaum, wie ein hormongesteuerter Teenager, sämtliche Vorsicht außenvorgelassen und uns beide in eine kaum zu kalkulierende Gefahr gebracht. Um ehrlich zu sein, fällt es mir nach wie vor schwer zu erklären, wie ich mich selbst so sehr vergessen konnte.“, ein weiteres tiefes Atmen. „Ich war verzweifelt, Crowley. Du hast es gespürt, oder? Als du meine Erinnerung gesehen hast. Ich hatte Angst. So große Angst… um dich. Du wolltest dieses Himmelfahrtskommando von einem Raub vollziehen, bei dem du mit Sicherheit nicht unbeschadet davongekommen wärest. Also sah ich mich gezwungen, deinem Wunsch nach dem Weihwasser doch noch zu entsprechen. Crowley, du wolltest von mir das Mittel für deine unwiederbringliche Zerstörung. Und du hast nicht mit mir geredet. Du hast mich ausgesperrt aus deinen Plänen. Was hätte ich denn denken sollen? Wie hätte ich erahnen sollen, dass du es nicht für dich verwenden wolltest?“, die Stimme des Engels wird lauter und er stellt ungelenk das Weinglas ab. Die Verzweiflung, die sich ihm auch nun wieder bemächtigt, äußert sich in ausladenden Gesten. „Ich war der festen Überzeugung, dass dieses Treffen unser letztes sein könnte. Dass ich mit der Übergabe des Weihwassers dein Ende besiegele. Und der Gedanke, dass ich dich nie wieder sehen könnte, dass dies alles hier… das mit uns… einfach so aufhören würde, war kaum zu ertragen. Ich weiß auch nicht, was in mich gefahren ist, als ich vor deinem Club stand, aber plötzlich war es für mich völlig klar, dass ich diese eine, vermutlich letzte Chance, dir so nahe zu kommen, wie ich es mir wünschte, nutzen würde.“, Arziraphale hält es nicht mehr in seinem Sessel aus, er durchquert das enge Hinterzimmer wie ein Tiger im Käfig, verschafft seinem aufgebrachten Gemüt Luft.

„Danach… als es vorbei war, kam die Angst plötzlich wieder. Und sie war so stark, dass ich panisch wurde. Wir hätten es nicht verstecken können. Du hast so gestrahlt, mein Lieber. Du warst so wunderschön. Aber sie hätten es rausgefunden und dann hätten sie dich mir weggenommen. Deine Abteilung schickt keine rüden Notizen, wenn sie es erfahren hätte, du selbst sagtest es mir mehr als ein Mal, und meine Seite hätte mich darauf hin mindestens zurück in den Himmel beordert und bis in alle Ewigkeit dort festgehalten, wenn sie es durch eure Boten erfahren hätten. Aber es wäre dein unweigerliches Ende gewesen und damit hätte ich nicht leben können, selbst wenn meine Strafe geringer ausgefallen wäre, als die deine. Also habe ich das getan, was ich für richtig hielt und habe deine Erinnerung an diesen Abend verändert. Bitte verübele mir meine Worte nicht, aber du bist nicht sehr subtil, wenn es um deine Gefühle geht. Meine Seite hatte noch nie genug Interesse an mir, um Notiz davon zu nehmen, dass sich etwas ereignet hatte, aber deine Leute hätten es bemerkt. Du warst so wunderschön, als ich dich zurückließ. So voller Liebe…sie hätten es gemerkt… “, Tränen laufen mittlerweile über die Wangen des Engels hinab, die Stimme ist nicht mehr als ein raues Krächzen.

„Und weißt du, was das Schlimmste ist? Ein kleiner Teil in mir kann es einfach nicht bereuen. Ich weiß, es ist falsch, Crowley. Wirklich, ich meine, ich bin ein Engel des Herrn, kein besonders guter offensichtlich, aber trotzdem kann ich noch zwischen Recht und Unrecht unterscheiden. Aber der Gedanke, dass ich nie das Gefühl erlebt hätte, wie es ist dich zu küssen oder dich im Arm zu halten… ich kann das nicht. Ich liebe dich, Crowley und so gern ich es, um deinetwillen ungeschehen machen würde, aber ich bin zu schwach, um es mir zu versagen. Bitte verzeih‘.“, hier bricht die Stimme des Engels endgültig. Zurück bleibt die gebrochen wirkende irdische Hülle, verloren in der Mitte des Hinterzimmers stehend. Nur das leise Schluchzen durchschneidet die Stille, die schwer zwischen Beiden hängt.



„Komm her, Engel.“, die Worte verlassen Crowleys Mund, bevor er sie überhaupt gedacht hat, aber das Flüstern verfehlt seine Wirkung nicht. Die Augen des Engels öffnen sich und starren den Dämon auf dem Sofa an. „Aber ich...“, versucht Arziraphale eine schwache Entgegnung, doch der Anblick sich öffnender Arme, bringen ihn erneut zum Verstummen. Und ehe sich Crowley der Sache wirklich bewusst wird, hat er ein weinendes Bündel aus hellem Stoff, Tartan und blonden Locken in seinen Armen. Ganz automatisch übernimmt sein Körper die Führung, streicht mit den Händen beruhigend den Rücken des Anderen entlang, hält den Kopf des Engels an seiner Schulter. Der Engel presst sich mit einer Vehemenz an ihn, dass es ihm beinahe erneut das Herz bricht. Er spürt die Wärme des anderen Körpers, wie die Tränen sich langsam durch die Lagen seiner Kleidung drücken und feuchte Spuren auf seiner Haut hinterlassen.

Die Entscheidung ist plötzlich so leicht, dass er fast auflacht. Der Knoten, der sich seit seinem Erinnern um seine Eingeweide gelegt hat, ist verschwunden. Bewusst nimmt er den Duft des Engels bei jedem Einatmen auf. Bemerkt, wie angenehm das Gewicht des Anderen in seinen Armen und an seinem Körper liegt. Spürt die weichen Locken an seinem Kinn.  



Irgendwann Crowley legt beide Hände an die Schultern des Engels und schiebt ihn so weit von sich weg, dass er in sein Gesicht schauen kann. Noch immer fließen die Tränen aus den blauen Augen, die Nase ist mittlerweile tief gerötet, die Lippen, im Versuch die Fassung wiederzuerlangen, zusammengepresst. Wäre das alles nicht ein Zeichen für das Leid, welches Arziraphale gerade empfindet, wäre der Anblick wohl überaus hinreißend. Beide Hände umfassen das Gesicht des Engels und zwingen ihn so Crowley anzusehen. Daumen streichen die Tränen aus dem Gesicht.

„Es ist ok, Engel.“, beginnt Crowley zu reden, nachdem er sicher ist, dass Arziraphale sich soweit beruhigt hat, dass er zuhören kann. Der Engel öffnet den Mund, um zu antworten, doch Crowley lässt ihm keine Zeit zu intervenieren, sondern spricht weiter. „Warte, lass‘ mich bitte ausreden. Ich bin ziemlich sicher, dass ich weiß, was du sagen möchtest. Vermutlich möchtest du jetzt so etwas erwidern, wie ‚Aber Crowley, es ist unverzeihlich, was ich tat. Ich habe dein Vertrauen missbraucht. Ich bin ein furchtbares Wesen… usw.‘ Stimmt’s?“, der Engel nickt. „Fantastisch, dann können wir uns diesen Teil ja ersparen und du kannst zuhören. Ja, du hast einen Fehler begangen, einen ziemlich großen, wenn wir mal ehrlich sind. Und wenn wir gerade bei der Ehrlichkeit sind, war ich, als ich eben in deinen Laden kam, nicht sicher, ob ich jemals verzeihen kann, was passiert ist, geschweige denn vergessen. Dämonen sind im Allgemeinen nicht dafür bekannt zweite Chancen zu geben, aber offensichtlich bist du nach eigener Aussage nicht nur ein lausiger Engel, sondern ich offensichtlich ein ebenso schlechter Dämon.“, ein kleines Grinsen ziert die Lippen des Dämons, „Denn ich bin nicht gewillt, dich jetzt gehen zu lassen. Ja, du hast dich ziemlich tief in die Scheiße geritten, aber hey, du hast mir eben gesagt, dass du mich liebst.“, das Grinsen wird größer und der Schalk glänzt dem Engel aus den goldenen Augen entgegen. Er kann nicht anders und erwidert das Lächeln schwach. „Auch, wenn ich mir gewünscht hätte, dass du es nicht sagst, während du dir gleichzeitig die Augen ausheulst. Das verwässert die ganze Angelegenheit irgendwie recht unangenehm.“, mittweilerweile schaut der Engel ihn doch recht ungläubig an. „Crowley, wie kannst du das Ganze denn jetzt ins Lächerliche ziehen?“

„Ganz ehrlich? Ich habe absolut keine Ahnung, vermutlich eine Übersprunghandlung dieses menschlichen Körpers. Sechstausend Jahre hier auf der Erde haben mich offensichtlich völlig verweichlicht, aber du solltest dich nicht weiter beschweren, denn immerhin kommt dir das ganz schön gelegen. Und jetzt komm wieder her.“ Crowley lässt sich auf das Sofa zurückfallen und zieht Arziraphale mit sich, sodass dieser an der Brust des Dämons zum Liegen kommt. „Aber jetzt mal im Ernst, Arziraphale. Du hast einen Fehler gemacht und bereust ihn, selbst mein dämonisches Herz ist nicht aus Stein. Und, so ungern ich das auch zugebe, ich verstehe, warum du so gehandelt hast. Ich glaube es ist das, was die Menschen eine Ausnahmesituation nennen würden. Aber tu‘ das ja nie wieder! Keine Geheimnisse mehr. Das hier ist unsere Seite, es gibt nichts, was verheimlicht werden müsste. “ Er platziert federleichte Küsse auf den blonden Schopf.

„Crowley?“

„Hm?“

„Ich liebe dich.“

„Ich weiß, Engel. Und ich liebe dich, das weißt du, oder?“

„Hm.“



Einige Zeit später spürt Arziraphale die Unruhe, die den dämonischen Körper unter ihm plötzlich heimsucht. „Was tust du denn nur?“ „Ich ziehe meine Schuhe aus, ich möchte schließlich dieses altehrwürdige Teil von einem Sofa nicht verschmutzen. Der Herr des Hauses ist da ein wenig pingelig, musst du wissen.“, mit einem dumpfen Aufprall landen die Schuhe auf dem Boden. „Außerdem ist es so wesentlich bequemer. Ich weiß ja nicht, wie es dir geht, aber ich habe nicht vor, so bald wieder aufzustehen.

„Was ist das, Crowley?“, die Stimme des Engels klingt ein wenig alarmiert.

„Oh Engel, es ist eine unglaublich neumodische Erfindung. Man nennt sie Strümpfe. Ganz heißes Zeug auf der letzten Fashion Week.“, eine Augenbraue wandert weit in die Stirn des Dämons.  

„Ich weiß, was Strümpfe sind.“, schnauft Arziraphale pikiert, „ich meine das Muster.“

„Das ist Tartan, Engel, ziemlich stylisch. Und jetzt sei ruhig, ich möchte das hier genießen.“, grinst Crowley, drückt einen weiteren Kuss in die blonden Locken und Arziraphale kann nicht anders, als die Strümpfe mit dem ihm so wohlbekannten Tartan anzuschauen und den Körper unter ihm noch ein wenig fester zu halten.

Ende



Nun ja, ihr Lieben, was soll ich sagen... tief in mir bin ich offensichtlich doch ein Softie :) Egal wie viel Drama ich anfangs aufbaue, ich bringe es doch nicht übers Herz, die Beiden nicht am Ende doch wieder zusammenzuführen. Es ist für mich einfach völlig undenkbar, dass Crowley und Arziraphale nicht zusammengehören.
Ich danke euch dafür, dass ihr so mitgefiebert habt und für eure vielen, lieben Worte.
Fühlt euch ganz fest gedrückt
Kitty
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