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Promises

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / MaleSlash
Anthony J. Crowley Erziraphael
06.01.2021
21.04.2021
10
14.491
6
Alle Kapitel
24 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
06.01.2021 1.974
 
Hallo ihr Lieben,
nun ja, die eine Geschichte ist noch nicht beendet, aber die Muse hat schon wieder  ihren eigenen Willen. Eigentlich wollte ich nur die Weihnachtsdeko abnehmen und Spotify versorgte mich mit irgendeiner Playlist. Und dann war da Sam Smith mit "Promises". Die Muse hüpfte wild tanzend durch das Wohnzimmer und ich war auf direktem Weg zum Laptop... ihr wisst, wie diese Dinge laufen. :)
Also, ich wünsche euch ganz viel Spaß und legt die Taschentücher bereit. :)

1967 Soho, London



Crowley starrte auf die Thermoskanne mit dem ihm bestens bekannten Tartanmuster. Eine geschlagene halbe Stunde war vergangen, seit der Engel ihm die Kanne mit dem für ihn ebenso wichtigen wie gefährlichen Inhalt übergeben hatte. Dreißig Minuten, seit der Engel ihn mit den Worten ‚Du bist zu schnell für mich, Crowley‘ ausgebremst hatte und ihn damit förmlich vor eine Wand hatte laufen lassen. Was zur Hölle war passiert?

Er hatte die Nacht, wie eigentlich immer in letzter Zeit, in seinem Club verbracht. Hatte sich mit seiner Task Force getroffen, um letzte Absprachen für die Operation ‚Weihwasser‘ zu treffen und war schließlich in sein Auto gestiegen. Plötzlich hatte er die Aura des Engels ausmachen können, der sich auf dem Beifahrersitz materialisiert hatte. Crowley hatte sofort gemerkt, dass etwas nicht stimmte. Arziraphale sah gehetzt aus. Unsicher. Ängstlich. Doch bevor Crowley hätte fragen können, was den Engel bedrückte, schob dieser ihm die Thermoskanne hinüber und der Moment war vorbei. Ihm war nur noch übriggeblieben dem Engel eine Mitfahrt anzubieten, die dieser ablehnte, was mehr als ungewöhnlich gewesen war. Noch ungewöhnlicher war allerdings gewesen, dass der Engel es nicht ein Mal über sich gebracht hatte, Crowley anzusehen. Nicht ein einziges Mal waren die blauen Augen auf die des Dämons getroffen. Nichts war von dem Strahlen, welches die gesamte Erscheinung des Engels normalerweise begleitete, da gewesen. Es waren einige Floskeln gefallen, was in einer fernen, möglichweise niemals eintretenden Zukunft sein könnte und dann waren zuletzt die Worte ‚Du bist zu schnell für mich, Crowley‘ gefallen und Crowley war allein in seinem Wagen zurückgeblieben. Da hatte er Zugriff auf das Wissen von sechstausend Jahren auf der Erde und allem, was darüber und darunter existierte und trotzdem keine Antworten auf die vielen Fragen, die sich in ihm manifestierten.



2020 – Soho, London



Arziraphale arbeitete sich gerade genießend und unter der stetigen Beobachtung des Dämons ihm gegenüber durch die Schichten seines Nachtisches. Sie saßen in einem kleinen Restaurant ein wenig abseits in einer Nische, die es Crowley ermöglichte, die Sonnenbrille abzulegen, ohne unnötig Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Im Hintergrund spielte jemand am Klavier. Crowley erkannte die meisten Melodien als mehr oder weniger aktuelle Hits, nur dass die recht angenehme und unaufdringliche Stimme ausschließlich von den sanften Klaviertönen begleitet wurde.

Seitdem sie beide die Fastokalypse gestoppt hatten, taten sie dies hier häufig. Sie trafen sich offen in den unterschiedlichsten Restaurants, sogar ein Essen im Ritz hatte stattgefunden. Ebenso war das vor vielen Jahren versprochene Picknick tatsächlich eingelöst worden. An einem warmen Nachmittag im Herbst hatte der Engel tatsächlich völlig unvermittelt vor seiner Tür gestanden, in der einen Hand einen prall gefüllten Korb, unter dem anderen Arm eine Decke mit einem ganz speziellen Tartanmuster und einem verschmitzten Grinsen auf den Lippen. „Hallo mein Lieber, was hältst du von einem Picknick. Ich habe alles bereits vorbereitet, nur meine Thermoskanne fehlte. Aber ich denke, dass Wein als Alternative zu Tee deinem Geschmack entsprechen dürfte.“, hatte er Crowley begrüßt und der Schalk war Crowley aus den blauen Augen entgegengeschlagen.

Der Beginn eines neuen Liedes brachte die Gedanken Crowleys wieder zurück ins hier und jetzt. Er fokussierte Arziraphale vor ihm, der aber scheinbar zu sehr im Begriff war den Nachtisch zu genießen, als dass er gemerkt hätte, dass Crowley ein wenig abgeschweift war. Automatisch hörte Crowley dem Text des Liedes zu, welches gerade leise durch das Etablissement hallte.


Are you drunk enough?Not to judge what I'm doin'

Are you high enoughTo excuse that I'm ruined?'Cause I'm ruined


Tanzende Menschen vor seinem inneren Auge. Er fühlt das harte Holz der Bar an seinem Rücken und seinem Ellenbogen, wie er dort angelehnt steht und auf die tanzende Menge blickt. In der anderen Hand spürt er das beruhigende Gewicht des Trumblers, in dem die goldene Flüssigkeit träge hin und her schwappt.  


Is it late enoughFor you to come and stay over?'Cause we're free to loveSo tease me



Er nimmt einen weiteren Schluck, um seine Nerven zu beruhigen und wirft einen Blick auf die Uhr. Das Treffen mit seiner Truppe, die den Raub in der Kirche für ihn durchführen wird, findet erst in 2 Stunden statt. Nicht, dass er es jemals zugeben würde, aber er ist ein wenig nervös. Es ist ein gefährliches Spiel, das er hier treibt.  



I make no promises, I can't do golden ringsBut I'll give you everything tonight


Magic is in the air, there ain't no science hereSo come get your everything tonight



Sein Blick wandert einmal mehr gelangweilt über die ekstatische Menge. Ein Konglomerat aus Körperteilen, Körperflüssigkeiten und Verlangen. Eigentlich hätte er seine reinste Freude daran haben sollen, aber irgendwie will der Funke nicht so recht auf seine dämonische Seele überspringen.

Da! Etwas ungewöhnliches lässt das Wandern seines Blickes abrupt stoppen. Ein Leuchten, welches in dieser Umgebung gänzlich unmöglich erscheint. Hell, golden, binnen des Bruchteils einer Sekunde ist Crowley völlig gefangen in dem Anblick.

I make no promises, I can't do golden ringsBut I'll give you everything tonightMagic is in the air, there ain't no science hereSo come get your everything tonight



Das Leuchten kommt näher. Direkt auf ihn zu. Crowley spürt die Wärme. Die Menge scheint sich zu teilen, um der Erscheinung den Platz zu gewähren, den sie braucht, um ihren Weg fortzusetzen. Doch niemand scheint auch nur ansatzweise Notiz von diesem Umstand zu nehmen. Niemand sonst scheint das Leuchten und die Wärme, die es begleitet wahrzunehmen. Und Crowley kann nicht anders, der Atem, den er eigentlich nicht braucht, kommt nur noch stoßweise über seine Lippen.

Is it loud enough?'Cause my body is calling for you, calling for you

I need someoneTo do the things that I do


Nur Zentimeter trennen die leuchtende Gestalt von ihm selbst. Crowley verliert den Griff um den Tumbler, der zu Boden fällt, doch niemand hört das Klirren des splitternden Glases. „Engel!“ Es ist nur ein Flüstern, was Crowley fertig bringt, aber es erhellt das Gesichts vor ihm noch ein wenig mehr, auch wenn das kaum noch möglich scheint. Das Lächeln, welches Crowley entgegenschlägt, würde vermutlich selbst die dunkelsten Tiefen sämtlicher Kreise der Hölle erhellen.

I'm heating upEnergy's taking controlI'm speeding upMy heartbeat's dancing alone


Hände. Plötzlich sind da Hände, die sein Gesicht umfassen. Daumen ziehen sanfte Kreise über seine Wangen, entlang des Kiefers, hoch zu seinen Schläfen. Finger umfassen vorsichtig die Bügel seiner Brille und ziehen sie von seinem Gesicht. Niemand aus der tanzenden Meute blickt ihn an, auch wenn Crowley sich sicher ist, dass seine Augen nie in seiner ganzen Existenz derart offen zur Schau gestellt haben, was er in Wirklichkeit ist. Eine Hand greift an ihm vorbei und legt die Brille auf dem Tresen hinter seinem Rücken ab.

I make no promises, I can't do golden ringsBut I'll give you everything tonight Magic is in the air, there ain't no science hereSo come get your everything tonight


Dann ist auch diese Hand zurück an seinem Gesicht. Sanft, aber bestimmt halten sie seinen Kopf in Position, während das Lächeln näherkommt. Immer näher. Volle, warme Lippen legen sich auf seine. Bewegen sich sanft. Kosten von ihm mit der gleichen Inbrunst, wie der Engel alles betraut, dass ihm wichtig ist. Es ist alles, von dem Crowley jemals geträumt hat und gleichzeitig so viel mehr, als er jemals erwartet hatte.


I make no promises, I can't do golden ringsBut I'll give you everything tonightMagic is in the air, there ain't no science hereSo come get your everything tonight



Crowley spürt das Gewicht des anderen Körpers, der ihn an den Tresen hinter ihn presst. Er kann die Stärke spüren, die unter der selbstgewählten, weichen Hülle steckt. Sein eigener Körper reagiert völlig automatisch, denn er wäre schlichtweg zu keinem zusammenhängenden Gedanken fähig, geschweige denn eines direkten Kommandos an seinen Bewegungsapparat. Die Hände, die mittlerweile jede für sie erreichbare Stelle des dämonischen Körpers erkunden, die Zunge, die seine eigene beinahe verspielt auffordert und das Feuer, welches jeder Berührungspunkt beider Körper entfacht, sind beinahe zu viel für ihn. Und doch will er mehr.


'Cause I need Your green lightDay and night, say that you're mine'Cause I needYour green light


Er nimmt alles, was an Selbstbeherrschung vorhanden ist, zusammen, löst sich ein wenig von dem Körper des Engels. Der Verlust, auch wenn er nur kurz ist, verursacht beinahe körperliche Schmerzen. Er schaut in das Gesicht des Engels, findet das Einverständnis, auf dass er hofft. Er greift nach einer der Hände, die noch immer auf seiner Hüfte liegen und schlängelt sich mit dem Engel durch die Menge.


Day and night, say that you're mine Say that you're mine Say that you're mine



Die Tür fällt hinter ihnen zu, vertreibt die laute Musik und die Geister der Menschen auf der Suche nach Zerstreuung, Befreiung, Befriedigung, Liebe. Sofort ist der Engel wieder überall. Der starke Körper presst ihn gegen die nächste Wand, die Lippen, sonst so sanft und gediegen, suchen nun ungestüm, fast verzweifelt nach denen Crowleys. Die himmlischen Hände zupfen und zerren an seiner dunklen Kleidung. Ungeduldig und so sicher in jeder Bewegung, dass Crowley gar nicht anders kann, als dem tonlosen Flehen nachzugeben. Denn natürlich kann er dem Engel keinen Wunsch abschlagen. Nein, er würde alles tun, um dieses Wesen glücklich zu machen. So war es von Beginn an und so wird es wohl immer sein. Das ist wohl seine Bürde, eine letzte Strafe für seinen Ungehorsam.


I make no promises, I can't do golden ringsBut I'll give you everything tonightMagic is in the air, there ain't no science hereSo come get your everything tonight




Kleidungsstücke fallen. Küsse werden stürmischer und unbeherrschter. Bewegungen werden fahriger und unkontrollierter. Das dumpfe Dröhnen der Welt außerhalb dieses kleinen Raumes vermischt sich mit den Lauten zweier Wesen, die sich zwei Ertrinkenden gleich aneinanderklammern. Crowley weiß nicht, wie er das weiter aushalten kann. Er fühlt zu viel. Gleichzeitig viel zu viel und doch noch nicht genug. Das muss der Grund sein, warum die Menschen es den kleinen Tod nennen. Doch dann sieht er wieder das Gesicht des Engels, sieht das warme Glühen in den blauen Augen und er weiß, dass er weich landen wird, wenn er fällt.

I make no promises, I can't do golden ringsBut I'll give you everything tonightMagic is in the air, there ain't no science hereSo come get your everything tonight


„Verzeihe mir, mein Liebster.“ Ein Schnipsen. Dunkelheit.





Die letzten Töne des Musikstücks spülten ihn zurück an die Oberfläche der Realität. Arziraphale blickte ihn stumm an, sein Gesicht sorgenvoll verzogen. „Crowley, mein Lieber, was ist denn nur los? Du bist völlig weggetreten.“, hörte Crowley den Engel sagen, doch sein gesamtes Denken fühlte sich an, wie in Watte gepackt. Die Stimme des Engels drang nur zäh zu ihm durch. Er spürte, wie sein Sprachzentrum Worte bildete und artikulierte, ohne dass er ihre Botschaft direkt erkannte, den Blick beinahe panisch auf den Engel gerichtet. „Was hast du nur getan, Arziraphale?“
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