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kokonbruch

DrabbleAllgemein / P12 / Gen
06.01.2021
05.12.2021
48
14.739
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06.01.2021 343
 
Inktober52

00|kokonbruch


Kunst und Herz verpuppt, einen Faden jahrelang um mich gezogen; seht mich nicht an, ich schlafe hier in meinem Kokon, wo ich spinne und atme, schreibe und fühle. So viel Sicherheit gewoben, in mir entlang gelebt, am Ende alles irgendwie gut.

Da wuchsen mir Flügel und der Kokon wurde zu eng; plötzlich hungrig auf die Weite, die Höhe, neugierig auf ein freies Vertrauen, ein offenes Herz, auf eine Kunst, wo ich mich nicht selbst einsperre, auf eine Sprache, die mir unbekümmert ehrlich von den Lippen kommt, überall und jederzeit.

Mit Worten schneide ich mich aus den Fäden und nach dem Kokonbruch – da breite ich endlich, langsam und genüsslich, meine Tintenflügel aus.

[111]


01|Horizontdach


Dort, wo mein ungebundenes Lachen zuhause ist, wo ich langsam atme, wo Bluten nie schlimm ist, weil wir alle Gefühle so intensiv schmecken – dort wurde mir Liebe geschenkt, ohne dass ich etwas dafür tun musste.

Ein magischer Ort, weit und unendlich, wo am Abend immer viel getrunken und zwanglos gefeiert wird, wir einfach nur wir sind, in einem gewaltigen, grenzenlosen Hier.

Meist nach dem Aufwachen im Bett wetzend, mit dieser anschwellenden Panik in der Brust, die mir mein Herz fast zersprengt – um dann den einem Impuls zu folgen, hinauszugehen, wegzugehen, im Ort zu verschwinden.

Meine Beine immer schwer zu Beginn, doch nur drei, vier Schritte und die Frischluft reißt mir meine Flügel wieder hoch, Tränen überschwemmen Totgedanken und plötzlich kann ich alles loslassen, gehe nur weiter und bin in diesem Moment, mitten unterm Horizont, einfach genug.

Denn an den grünen Hügeln platzen meine Sorgen ab und wenn mich der Wald dann verschluckt, ist es nicht mehr wichtig zu wissen, wer ich bin. Im Nebel schwimmend brauche ich mich nicht mehr zu erkennen, gehe fremde Wege, weil ich weiß, das Ziel trägt hier nichts.

In Hagenberg darf immer alles enden, um mir einen Neubeginn frisch aus der Brust zu trommeln. Dort war ich zuhause, mit dem weiten Horizontdach und einem vergebenden Selbst, einem Herz, das dann wieder in Liebe und Mut sprechen konnte.  

[222]
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