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Kälte

GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Chiara Nadolny Ina Ziegler
05.01.2021
05.01.2021
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3.471
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Disclaimer: RTL/TVNOW und UFA Serial Drama gehören die Rechte an „Alles was zählt“ und den darin enthaltenen Charakteren. Ich habe sie mir nur kurz „ausgeliehen“, um den beiden ein Happy End zu ermöglichen.

Ich hoffe, Euch gefällt mir One Shot. Viel Spaß beim Lesen!

- - -

Chiara ging gedankenverloren durch den nahegelegenen Park des Sport- und Wellness-Zentrums der Steinkamps. Ihre Hände vergrub sie tief in ihre Jackentaschen, denn draußen war es ziemlich kühl. Es war Anfang Dezember und die Temperatur lag gerade mal über dem Gefrierpunkt. Es hatte in den vergangenen Tagen sogar so stark geschneit, dass jetzt immer noch ein paar kleine weiße Flecken auf dem Boden zu sehen waren. Chiara mochte diese Jahreszeit. Wenn es kühl war und schneite, fühlte sie sich am wohlsten. Eigentlich war es gar nicht abwegig, dass sie diese Jahreszeit am meisten mochte, denn ihre große Leidenschaft, der Eiskunstlauf, spielte sich nun mal auf glatten Eis und in einer kühlen Eishalle ab. Sie konnte Stunden auf der Bahn verbringen und Runden drehen. Wenn sie in ihren Schlittschuhen steckte, waren ihre Gedanken ausgeknipst. Nur sie und das Eis. Auch Blessuren, die sie von anspruchsvollen Sprüngen erhielt, machten ihr nicht mehr zu schaffen. Alles um sie herum war dann nebensächlich. Denn das Eis war ihr Leben, ihre Leidenschaft bis... ja, bis...

Ein kalter Windstoß blies ihr um die Nase, der sie erschaudern lies. Eigentlich störte sie die Kälte im Allgemeinen nicht, da sie die Kälte gewohnt war. An intensiven Trainingstagen verbrachte sie 4-5 Stunden in der Eishalle, also sollte sie abgehärtet sein. Doch in den vergangenen Tagen machte ihr die Kälte zu schaffen. Sie fror von innen - wie so oft in den letzten Wochen. Eine wohlige Wärme wollte sich einfach nicht in ihrem Körper auftun. Auch mit einem Heißgetränk oder Schaumbad wurde es nicht besser. Langsam hatte sie sich damit abgefunden, dass sie, die Eisdiva, ihrem Spitznamen alle Ehre machte.
Diese Kälte war ihr nicht allzu unbekannt. In ihrer Kindheit hatte sie schon öfters solche Phasen, in denen sie sich kalt und einsam gefühlt hatte. Ja, einsam... Ihre Eltern jetteten durch die Welt und ihre Tochter war stundenlang in der Eishalle mit ihrem harten Training beschäftigt. Ein großes Interesse an dem Leben ihrer Tochter zeigten Chiaras Eltern nicht. Das kleine Energiebündel, welches auf dem glatten Eis in ihrem Element war und vollkommen aufblühte, spürte an Tagen, an denen sie abends alleine in ihrem viel zu großen Kinderzimmer mit unpersönlichen Gegenständen saß, wieder das Unwohlsein in ihrem zierlichen Körper und nicht genug für ihre Eltern zu sein. So sehr sie sich auch anstrengte, Chiara konnte ihren Eltern nicht gerecht werden. Anerkennung und vielleicht auch ein bisschen Liebe zeigten ihre Mutter und ihr Vater nur, wenn Chiara einen Wettkampf gewann. In solchen Momenten machte sich eine eisige Kälte in ihr breit, die sie nur zu gut kannte. Ja, die Kälte war ihr ständiger Begleiter und verfolgte sie bei jedem ihrer Schritte.

Chiara zog ihren hellblauen Wintermantel enger um ihren durchtrainierten Körper und streifte ihre Mütze tiefer ins Gesicht, um Schutz vor dem kalten Wind zu erhalten. Sie wusste nicht, wie lange sie schon im Park spazieren war, aber es war ihr auch egal. Ihr war in letzter Zeit so vieles egal. Ihr Training absolvierte sie wortlos ohne das Glänzen in ihren Augen und dem strahlenden Lächeln, welches noch vor zwei Monaten in ihrem Gesicht zu sehen war. Bei nicht gestandenen Sprüngen oder falschen Schrittfolgen regte sich Chiara noch nicht mal über ihre Fehler auf, sie machte einfach weiter. Dieses Verhalten war für die Eisdiva sehr ungewöhnlich, da sie in der Vergangenheit ihr Training mit Perfektion durchführte. Bei kleinen Patzern fluchte sie vor sich hin und fragte ihren Trainer Deniz, was sie falsch machte. Doch jetzt war von diesem  Ehrgeiz nichts mehr zu spüren. Ihre Runden auf dem Eis drehte sie mit einem Elan, der einem wabbeligen Toast glich. Ihre Trainer, Deniz und Mo, machten sich so langsam Sorgen. Sie wussten, dass Chiara derzeit eine schwierige Phase durchlebte, aber das sie keinen Spaß an ihrem Sport zeigte, verwunderte sie doch sehr. So konnte es jedenfalls nicht weitergehen, da waren sich die beiden einig. Auch war ihr egal, dass Simone Steinkamp ein ernstes Gespräch über ihre schlechte Leistung mit ihr führte und damit drohte, Chiara in die zweite Mannschaft zu stecken, wenn ihr Training sich nicht verbessere. Chiara nahm dies nur mit einem Schulterzucken zur Kenntnis.
Nach ihren Trainings lief sie meistens schnurstracks zur Steinkamp-Villa, die seit nunmehr einem Dreiviertel Jahr ihr zuhause war. Nein, ein Zuhause konnte sie das nicht nennen. Es war vielmehr eine Unterkunft für sie, in der sie wohnte, mehr aber auch nicht. Sie verband keinerlei Heimatgefühle oder ähnliches, wenn sie in ihrem Zimmer auf dem Kingsize Bett saß und mit trüben Augen an die Decke starrte. Hin und wieder versuchte Vanessa, Chiara zu ermutigen, mit der Steinkamp-Familie zusammen zu Abend zu essen. Das Verhältnis zu ihrer Halbschwester hatte sich zwar in den letzten Monaten verbessert und Chiara konnte mit Vanessa normal reden ohne sich anzugiften, doch auf ein Familienessen, bei dem sie sich fehl am Platz fühlte, hatte sie wirklich keine Lust. Aus diesem Grund lehnte Chiara immer dankend ab und aß das von Frau Scholz zubereitete Essen in ihrem Zimmer.

Gedankenverloren lief Chiara weiter und steuerte unbewusst auf eine Parkbank zu. Je näher sie der Bank kam, umso weniger spürte sie die Kälte in ihr. Als sie kurz vor der Bank zum stehen kam, blickte sie auf. Es war ihre Bank... Nun konnte sich die Eiskunstläuferin erklären, warum ihr plötzlich warm ums Herz wurde. Sie seufzte schwer und setzte sich auf die Bank. Von der unangenehmen Kälte, die ein ständiger Begleiter war, spürte Chiara nichts mehr. Sie lehnte sich zurück und strich sanft mit ihren Fingerspitzen über das dunkle Holz. Eine kleine Träne lief ihr über das Gesicht und wieder entwich ihr ein tiefer Seufzer. Bilder rauschten durch ihren Kopf, die sie in den letzten Tagen so gut hatte verdrängen können. Doch genau jetzt waren diese für sie so vertrauten Bilder sehr präsent. Ihr Blut pumpte unentwegt durch ihren Körper und rauschte laut in ihren Ohren. Ein leichtes Kribbeln machte sich in ihr breit.
So sehr sie versuchte, die Bilder aus ihrem Kopf zu verdrängen, es wollte ihr einfach nicht gelingen. Das Bild von einer ihr nur zu bekannten Person war so deutlich vor ihrem inneren Auge zu sehen, dass Chiara glaubte, diese Person würde vor ihr stehen. Schon bei ihrem ersten Aufeinandertreffen war sie von der Ausstrahlung der jungen Frau fasziniert. Sie hatte einen netten und etwas zu feucht fröhlichen Abend mit ihrer Begleitung verbracht. An diesem besagten Abend konnte die Kufenflitzerin all ihre Sorgen für einen Moment vergessen und sich auf das hier und jetzt mit ihrer Thekennachbarin konzentrieren. Sie hatte sich das erste Mal verstanden gefühlt und konnte befreit auflachen. So viel hatte sie schon lange nicht mehr gelacht. Der Party-Ausflug ins A40 sollte das Leben der ehrgeizigen Sportlerin so richtig auf den Kopf stellen. Damals wie heute konnte sie ihre Augen nicht von der Dame abwenden. Noch nie hatte Chiara eine so fesselnde Persönlichkeit kennengelernt. Das verschmitzte Lächeln, die rotblonden Strubbelhaare und dieser wohlgeformte Hintern verursachten starkes Herzklopfen und ein Ziehen im Unterleib der Eisdiva. Die wohlige Wärme, die sich an diesem Abend in ihr ausbreitete, war Chiara fremd und machte ihr Angst. Schon damals wusste sie, dass die Unbekannte eine wichtige Rolle in ihrem Leben spielen wird. Nur wusste sie noch nicht, wie wichtig sie ihr werden wird und dass sie abhängig von ihr werden würde. Heute konnte Chiara die damals aufkeimenden Gefühle einordnen. Doch all die Gefühle waren heute nichts mehr wert dachte Chiara schluchzend.

Plötzlich durchzog sie ein wärmendes Gefühl, doch dieses Mal war es noch viel intensiver. Wieder spürte sie kleine Stromschläge, die kräftig auf ihrer Haut bitzelten. Sie meinte innerlich zu verglühen, so heiß wurde ihr. Den heftigen Temperaturwechsel konnte sich Chiara nicht erklären. Diese extremen Schwankungen kannte sie nur, wenn sie in der Nähe der Person, an die sie unentwegt dachte, war. Am schlimmsten waren die starken Hitzewellen und Stromschläge, wenn sie von der Frau, nach der sich Chiara so sehr sehnte, berührt wurde. Sowohl emotional als auch körperlich. Doch woher gerade jetzt ihr Körper so verrückt spielte, wusste sie nicht. Es war ihr ein Rätsel. Ja, sie schwelgte in Erinnerungen an die schönen Zeiten mit der Frau, die ihr so den Kopf verdrehte. Aber das hatte sie in den letzten zwei Monaten, in denen sie nicht mehr an der Seite ihres Herzensmenschen verbringen durfte, oft gemacht. Und bei keinen Bildern, die sich dabei in ihrem Kopf abspielten, hatte sie diese Wärme, wie sie gerade durch ihren Körper floss, gespürt.

Chiara wurde aus ihren Gedanken gerissen, als sie merkte, dass jemand neben ihr Platz nahm. Eigentlich wollte sie gar nicht aufschauen und herausfinden, wer sich an einem kalten Abend, auf eine Parkbank, die bereits in Beschlag genommen wurde, setzte. Sie wischte sich schnell ihre Tränen aus dem Gesicht, um dem Sitznachbarn oder gar der Sitznachbarin ein nicht all zu verweintes Gesicht zu zeigen. Sie spürte einen Blick, den sie in der Vergangenheit schon so oft gefühlt hatte, auf sich und wieder zuckte sie zusammen. Sie traute sich nicht, nach links zu schauen. Denn sie wusste, wer ihre Sitznachbarin war.Chiara hatte eins und eins zusammengezählt. Die Wärme, die sich in ihr ausbreitete. Den brennenden Blick, den sie auf ihrem Körper spüren konnte. Die Tatsache, dass die Bank sich in einem abgelegen Teil des Parks befand und nur wenige Parkbesucher sich zu diesen späten Stunden und der Eiseskälte hier her verirrten. Es konnte nur sie sein. Zu groß war die Angst vor dem Gespräch, was jetzt folgen würde. Zu oft hatte sich Chiara davor gedrückt. Zu oft ist sie ihrer Sitznachbarin aus dem Weg gegangen. Zu oft malte sie sich die schlimmsten Szenarien eines Gesprächs aus. Aus diesem Grund vermied sie jeden möglichen Kontakt, da sie einen endgültigen Verlust ihrer großen Liebe nicht verkraften würde.

Tatsächlich war die Sitznachbarin, die nun neben Chiara saß, die erste große Liebe der Eisdiva. So starke Gefühle hatte sie zuvor noch nie entwickelt. Sowohl bei einem Mann als auch einer Frau nicht. Sie hatte zwar schon einige Beziehungen, aber wirklich angekommen und geliebt gefühlt, hatte Chiara sich nie. Auch beim Sex konnte sie sich nicht fallen lassen und spürte keine große Anziehungskraft. Ihr war das ganze Beziehungsding nie geheuer und sie konnte nicht verstehen, warum alle so von der Liebe schwärmten, als sei es das größte. Das Eis konnte Chiara ansatzweise das geben, was mit einer Liebe zwischen zwei Menschen gleichzusetzen war. Sie fühlte sich auf dem Eis sicher und geborgen. Dort konnte sie alles vergessen und einfach sie selbst sein. Aber nie hatte sie dieses Gefühl bei einem Menschen entwickeln können. Auch nicht in ihrer letzten Beziehung, ausgenommen der Partnerschaft zwischen ihr und ihrer Nebenfrau, mit Ronny. Es war wie eine gute Freundschaft mit dem Zusatz, das sie Zärtlichkeiten austauschten. Chiara merkte aber schnell, dass es nicht das richtige war. Ronny engte sie zu sehr ein und sie konnte ihm nicht das geben, was er wollte. Eine enge Verbindung hatte sie in der Vergangenheit zwar aufbauen können, aber nur auf freundschaftlicher Ebene. Mit ihrer besten Freundin Nathalie konnte sie sich über alles unterhalten und musste sich nicht verstellen. Sie fühlte sich bei ihr verstanden. Chiara fühlte sich angekommen. An einem Abend, an dem ein bisschen zu viel Alkohol floss, stellte sie sich sogar vor, wie es wäre, Nathalie zu küssen. Doch schnell verwarf sie den Gedanken, da sie nicht wollte, dass Nathalie ein falsches Bild von ihr hat. Chiara war von ihrem Wesen und schlagfertigen, aber dennoch liebevollen Art berauscht. Sie hatte die Krankenschwester seit ihrem ersten Aufeinandertreffen direkt ins Herz geschlossen.

Richtig erfahren, was genau die große Liebe bedeutet und wie sich diese anfühlte, hatte die Eiskunstläuferin beim Kennenlernen der Frau, die gerade neben ihr saß. Sie fühlte eine tiefe Verbundenheit und eine Anziehungskraft. Bei ihrem ersten Kuss war es dann um sie geschehen. Ein Feuerwerk explodierte in ihrem Körper und sie schwebte auf Wolke 7. Das Dauergrinsen, welches sich an dem Abend in ihr Gesicht brannte, ging so schnell nicht weg. Von da an passierte alles wie in einem Rausch. Chiara gewann den Inka-Kraft-Cup und „bedankte“ sich entsprechend bei ihrer persönlichen Muse. Paar Tage später verbrachten sie eine gemeinsame Nacht und versuchten zu definieren, was das nun zwischen ihnen ist. Nach einem holprigen Start in ihre Beziehung, geprägt von kleineren Missverständnissen und einem Schicksalsschlag, führten sie eine glückliche Beziehung. Chiara hatte sich sogar geoutet, um allen zeigen zu können, wer sie so glücklich machte. Beflügelt von ihrer Liebe startete sie bei der NRW-Meisterschaft. Sie war stark davon überzeugt, einen Platz auf dem Treppchen zu ergattern. Umso enttäuschter war sie, als sie erfuhr, dass ihre Kür nur für den vierten Platz reichte. Sie konnte nicht glauben, dass all ihre Mühe und Kraft nicht ausreichend war. Chiara war so wütend, dass sie in ihrem Frust unschöne und nicht ganz faire Worte ihrer Partnerin an den Kopf warf. Diese beendete daraufhin ihre noch junge Beziehung. An diesem Abend fiel Chiara in ein tiefes Loch und verstand die Welt nicht mehr. Eine kalte Leere erfüllte ihren Körper und lies sie erschaudern. In den darauffolgenden Tagen war mit Chiara nichts anzufangen, da sie um ihre große Liebe trauerte. Sie versuchte, so gut es ging, ihre Fassade aufrechtzuerhalten, doch abends überfielen sie starke Tränenschübe.

„Chiara...?“, sprach ihre Sitznachbarin und durchbrach die Stille. Chiara reagierte jedoch nicht, da sie noch viel zu sehr in ihren Gedanken versunken war. Als Chiara eine Hand auf ihrem Oberarm spürte, schrak sie ruckartig zusammen und schaute das erste Mal ihrem Gegenüber in die Augen.

„Ina...“, wisperte sie leise.

„Hast du mir eben zugehört?“, wollte Ina von ihr wissen.

„Nein, entschuldige. Ich war zu sehr in Gedanken...“, antworte Chiara.

Ina nahm Chiara`s Hand in ihre, nachdem Chiara aufgab, sich gegen den Körperkontakt zu wehren.

„Hör zu, Chiara. Ich weiß, dass ich die letzte bin, die du gerade sehen möchtest. Du hast mir unmissverständlich gezeigt, dass du Abstand brauchst und nicht mit mir reden willst. Das habe ich verstanden, aber akzeptieren kann und will ich es nicht. Mit meiner Trennung habe ich nicht nur dir, sondern auch mir selbst das Herz gebrochen. Das habe ich in den letzten Wochen gemerkt, als du nicht mehr an meiner Seite warst. Ja, deine Worte, die du mir an den Kopf geworfen hast, haben scheiß weh getan und darüber müssen wir noch mal in Ruhe und vernünftig sprechen, aber deswegen bin ich nicht hier...  Auch ich habe falsch gehandelt und mich nicht an mein Versprechen gehalten. Ich wollte nicht vor Problemen weglaufen, sondern sie mit dir gemeinsam klären und auch lösen. Ich kann manchmal so ein Hornochse sein, wenn mich Menschen verletzen, die ich liebe und die mir wahnsinnig wichtig sind. Ja Chiara, du bist mir wichtig und ich liebe dich verdammt nochmal. Das habe ich von Anfang an gewusst, als ich im A40 auf dich traf. Du hast mich damals schon umgehauen und fasziniert, das ist gar nicht in Worte zu fassen. Deine wunderschönen Augen haben mich in deinen Bann gezogen. Mit dir hatte ich meine schönste und aufregendste Beziehung. Du hast mir gezeigt, was wahre Liebe ist. Bei dir bin ich angekommen und konnte mich endlich wieder fallen lassen. Du hast meine Mauer, die ich nach der beschissenen Beziehung zu Julia um mich herum aufgebaut habe, bröckeln lassen. Du bist in mein Inneres vorgedrungen und hast mich mit deiner Art stark emotional berührt. Du lässt mein Herz aussetzen, wenn du mich schelmisch angegrinst. Du lässt mich innerlich brodeln aber auch zeitlich grinsen, wenn wir uns mal wieder einen Schlagabtausch kleiner Nickligkeiten liefern. Mein Körper hat noch nie so stark auf Berührungen und Blicke reagiert wie bei dir. Ich weiß, dass ich dein Vertrauen mal wieder missbraucht habe und es ein langer Weg sein wird, bis wir wieder da sind, wo wir mal waren. Aber verzeihst du mir, und gibst mir eine dritte Chance? Ich will diejenige sein, die dich zum Strahlen bringt. Ich will diejenige sein, neben der du abends einschläfst und morgens aufwachst. Ich will diejenige sein, die dir eine starke Schulte zum Anlehnen gibt. Ich will diejenige sein, mit der du hitzige Diskussionen führst, um sie dann bei einem heißen Versöhnungssex zu vergessen. Ich will diejenige sein, die an deiner Seite ist“, aus Ina sprudelten die Worte nur so heraus und sie musste sich zusammenreißen, Chiara, welche sie mit großen Augen anstarrte und einzelne Tränen aus ihrem Gesicht wusch, nicht zu küssen.

„Ina...“, war das einzige, was Chiara mit gebrochener Stimme von sich geben konnte.

„Ich meine es wirklich ernst! Ich war einfach nur dumm und es tut mir wahnsinnig leid, was ich dir angetan habe“, Ina schaute Chiara tief in die Augen. Immer noch hielt sie Chiara`s Hand in ihrer. Sie verstärkte den Druck, um Chiara zu signalisieren, das es sich hier um keine Kurzschlussreaktion handelte, sondern dass Ina die Worte wirklich so meinte.

Chiara erwachte aus ihrer Starre und räusperte sich kurz. Sie wollte antworten, doch es ging nicht. Ina`s Worte hallten immer wieder in ihrem Kopf nach. Sie hinterließen eine Gänsehaut bei Chiara, so sehr berührten sie sie. Chiara blinzelte, um sich zu vergewissern, dass sie nicht träumte. Ihr erschien das Gesagte so surreal und sie konnte nicht glauben, was Ina ihr gerade sagte. So oft hatte sie sich gewünscht, dass Ina das Gespräch suchen würde und ihr eine Liebeserklärung macht. Doch das hier übertraf alles, was sich Chiara je erträumt hatte. Zu überwältigt war sie, um Ina zu antworten.

„Sag doch etwas. Schrei mich an oder geig mir deine Meinung. Aber bitte Chiara, sag irgendetwas“, bat die Köchin um eine Antwort.

Chiara packte Ina an dem Kragen ihrer Jacke und zog sie zu sich. Ihre Köpfe waren nur noch Millimeter voneinander entfernt. Chiara atmete tief ein, um anschließend ihre Lippen auf die der Köchin zu pressen. Von Chiaras Reaktion überrumpelte, reagierte Ina zunächst nicht. Doch als sie eine Zunge spürte, die sanft an ihre Unterlippe stupste und um Einlas bat, war es um Ina geschehen. Sie erwiderte den Kuss ebenso stürmisch und energisch, wie er begann und zog Chiara an ihrem Hinterkopf noch näher zu sich heran. Als beiden der Atem ausging und sie sich voneinander lösten, um nach Luft schnappen zu können, war Chiara die Erste, die ihre Worte wiederfand.

„In der Tat warst du ein ziemlicher Sturkopf, Ina. Meine Versuche, mit dir zu reden, hast du gekonnt abgeblockt und mich wie ein nasser Pudel dastehen lassen. Deine Abweisung hat höllisch wehgetan und wir müssen wirklich über das Passierte nochmal sprechen, damit es in der Zukunft nicht wieder zu solchen blöden Kurzschlussreaktionen kommt. Aber ich könnte es mir niemals verzeihen, dir nicht eine weitere Chance zu geben. Dafür liebe ich dich viel zu sehr, meine Pommestante. Ich würde mir in den Arsch beißen, wenn ich dich gehen lassen würde. Du hast mein Herz für dich eingenommen und so schnell lasse ich dich da auch nicht mehr raus.“

Nun war es Ina, der Tränen über das Gesicht kullerten. Einen solchen Fehler, ihre große Liebe zu verlassen, würde sie nie wieder begehen. Sie wollte ihr Leben mit Chiara teilen und alt werden, da war sie sich absolut sicher. Ina zog ihre Eisdiva näher zu sich und legte ihren Kopf auf Chiaras Schulter ab. So saßen sie noch eine Weile angeschmiegt nebeneinander und genossen die neu gewonnene Zweisamkeit.

„Ist dir etwa kalt?“, fragte Chiara Ina, da sie das Zittern bemerkte.

„Ein wenig... ich bin hier im Park auf der Suche nach dir und hatte gehofft, dich hier an unserer Bank zu treffen. Ich war so voller Adrenalin, dass ich erst jetzt die Kälte spüre. Ist dir nicht kalt?“, wollte Ina von Chiara wissen.

„Naja... Sagen wir`s so. Ich habe mich an die Kälte, die sich nach unserer Trennung in mir ausgebreitet hat, in den letzten Wochen gewöhnt. Und außerdem trainiere ich in einer Eishalle“, zwinkerte Chiara ihr zu.

„Chiara, es tut mir leid, dass du dich so gefühlt hast. Ab jetzt werde ich nicht mehr zulassen, dass dir kalt ist. Ich werde dir nicht mehr von der Seite weichen und dein persönlicher Heizpilz sein“, neckte Ina sie.

„Das gefällt mir! Komm, lass uns gehen. Was hältst du davon, wenn ihr in die Villa gehen? Das Gästebad hat eine große Regendusche, in der wir uns aufwärmen könnten“, sprach Chiara. Beim letzten Satz wurde sie immer leiser und Ina sah, wie Chiaras Pupillen sich tiefschwarz verfärbten. Sie kannte diesen Blick nur zu gut und wusste genau, auf was Chiara hinauswollte. Sie hatte ebenfalls die bedingungslose Hingabe vermisst und konnte es kaum erwarten, Chiara so nah zu sein, wie es nur ging. Ina packte Chiara an der Hand und riss sie von der Bank hoch. Kichernd folgte Chiara ihr und überlegte schon, was sie nun mit Ina alles anstellen würde...

- Ende -
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