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Erkenntnis des Tages

von Votis
SammlungAllgemein / P6 / Gen
05.01.2021
03.03.2021
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23.02.2021 350
 
23. Februar, Dienstag: Dinge, über die ich nicht reden kann


Eigentlich wollte ich heute über ein bestimmtes Erlebnis berichten, das mich sehr aufgewühlt hat. Nachdem allerdings vier Versuche, die Ganze aufzuschreiben, gescheitert sind, habe ich aufgegeben und bin in mich gegangen, wieso ich es nicht schaffte.
Zu einem Ergebnis gelangte ich schnell: um besagtes Erlebnis verständlich und nachvollziehbar wiederzugeben, müsste ich vorher darauf eingehen, unter welcher Phobie ich leide. Und das kann ich nicht!

In Ordnung ich gebe zu, dieses „kann ich nicht“ kam jetzt sehr schnell und prompt. Also sollte ich zumindest ein kleines bisschen weiter ausholen.

Seit meiner frühen Kindheit leide ich unter einer Phobie. Es handelt sich um eine eher unübliche Angst vor etwas, das den meisten Menschen gut gefällt. Eine Therapie habe ich versucht, hat aber nicht wirklich geholfen.
Wenn ich anderen davon erzählt habe, war die Reaktion darauf meistens Unverständnis. Einige haben sich auch lustig darüber gemacht und wieder andere haben mit aggressiven Anfeindungen reagiert – die, als ich jünger war, oft meine Eltern abbekommen haben. Ein trauriger Höhepunkt war, als mir zwei nahe Verwandte ins Gesicht sagten, ich sei aufgrund meiner Angst unerwünscht.
Daher ist meine Phobie für mich etwas, worüber ich nicht reden beziehungsweise schreiben kann.

Ich wünsche mir wirklich, ich hätte den Mut, hier einfach zu schreiben: „Hey Leute, wisst ihr, ich habe folgende Angst und daraus ergeben sich in meinem Alltag ab und zu ein paar sehr unangenehme Momente“. Aber ich fürchte mich doch zu sehr vor möglichen Reaktionen darauf.
Ich erwarte schon lange kein Verständnis mehr für meine Phobie. Ich wünsche mir einfach nur, dass akzeptiert wird, dass sie da ist. Offen dazu zu stehen, wäre wohl ein erster Schritt dorthin, aber die vielen schlechten Erfahrungen aus meiner Vergangenheit halten mich noch zurück.

Worauf ich mit diesem Text hinaus will, weiss ich selber nicht so genau. Aber diese Zeilen zu schreiben, hat mir sehr geholfen, meine Gedanken zu sortieren und mich zu beruhigen. Und wie ich das hier nochmal lese, glaube ich teilweise, meine Phobie ist nur halb so schlimm. Die Intoleranz so mancher Mitmenschen macht mir mehr zu schaffen.
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