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Eddy Spensers Erlebnis-Schatzkiste

von - Leela -
Kurzbeschreibung
SammlungAbenteuer, Freundschaft / P12 / Gen
Eddie Jake Tracy
05.01.2021
24.11.2022
100
157.611
2
Alle Kapitel
16 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
17.07.2022 1.512
 
Anm. d. Aut.: Dieses Kapitel wurde für die »Wochen-Challenge« von Sira-la geschrieben. Die Vorgaben sind zur Vermeidung von Spoilern am Ende des Kapitels.
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Eddy schlägt eigentlich nur beim essen über die Stränge. Es gibt aber Ausnahmesituationen, da kann man es auch mal mit etwas anderem übertreiben. Was darausresultieren kann, das hat er kürzlich erlebt, in einem Abenteuer, was er euch gerne heute in seinem neuen Kapitel erzählen möchte.

Hotel Hotel…

Man sollte den Alkohol aus dem Kopf lassen!
      Wir hatten einen großen Ghostbusting-Auftrag in einem Hotel hinter uns, der nicht ohne gewesen war. Küchenschabengeister hatten das ganze Gebäude befallen, und alle von den kleinen Viechern zu finden und zu busten war eine Herausforderung gewesen. Hier hatte sich das Geisterentfernerspray bewährt, besser als der Dematerialisator.
      Den Erfolg hatten wir gefeiert. Richtig gefeiert! Es gab hauseigenen Whiskey. Mehr muß ich, glaube ich, nicht sagen…
      Okay. Wir waren in einem Hotel. Man hätte jetzt meinen können, wir hätten Zimmer nehmen können zum ausnüchtern. Tracy wollte fahren. Also brachen wir mitten in der Nacht auf. Weder Tracy, noch Jake, noch ich waren fahrtüchtig. GB fuhr! Was haben wir für ein Glück, daß unser Ghostbuggy mitdenken kann.
      Und das tat GB wirklich! Auf halber Strecke streikte er nämlich und weigerte sich, weiterzufahren. Ich glaube, der Auslöser war letztendlich gewesen, als Tracy und Jake angefangen hatten, »Time of my life« zu grölen. Ich hatte nur ganz leise mitgesungen.
      Da standen wir nun also, irgendwo im Nirgendwo. Naja, das stimmt nicht ganz. GB hatte sich von einem Schild inspirieren lassen. Auf dem stand »Hotel«. Als wenn wir nicht gerade von einem herkämen…

In dem Hotel herrschte reges Treiben. Und ich brauchte dringend Schlaf! Der Typ an der Rezeption hatte Hörner. Das Pärchen, das vor uns eincheckte, fiel durch einen Schuppenpanzer auf. Und ich konnte den Blick nicht von der beleibten Dame nehmen, die im Wartebereich saß, und deren rotgepunkteten Schlüpper man durch die weiße Leggins sehen konnte. Davon bekam ich Kopfschmerzen. Ich mußte dringend ins Bett.
      Tracy hatte es geschafft, die Anmeldung zu machen. Wie, ist mir ein Rätsel. Es könnte sein, daß die lallenden Geräusche, die er von sich gab, in der Heimat-Sprache des Rezeptionisten vorkamen, und es deswegen so gut funktionierte. Wußte die Hölle, wo der ursprünglich herkam.
      Das echte Abenteuer fing aber erst jetzt an! Dreibett-Suite 205 sollte eigentlich nicht so schwer zu finden sein! In unserem Zustand aber, begannen wir, durch das Haus zu irren. Und das war… gruselig!
      Ein Mann kam aus einem Zimmer, unrasiert und in gestreiften Bademantel. Ich stellte die Vermutung an, daß der zu der Gepunkteten gehörte. Ich war froh, als der Minotaur ankam und ihm ein Tablett in die Hand drückte, mit dem der Bademanteltyp wieder im Zimmer verschwand. So währte der Anblick nicht allzu lange.
      Tracy nutzte die Chance und fragte nach dem Weg. Dazu fingerte er mit dem Schildchen am Schlüssel herum, damit der Minotaur es ablesen konnte – daran erkennt man, wie die geistige Verfassung unsere Gorillas aktuell war. Der Minotaur war aber wirklich sehr hilfsbereit. Wahrscheinlich kannte der solche Phänomene schon. Suite 502, so erklärte er uns, war drei Stockwerke höher, hier den Flur entlang, da die Treppe hoch, noch einmal einen Flur entlang, dann rechts abbiegen…
      Mein Gehirn bog schon vorher ab. Das konnte Tracy klären. Ich wollte schlafen!
      Als der Minotaur seines Weges ging, machten wir uns in entgegengesetzter Richtung auf den Weg. Den Flur entlang, die Treppe hoch, noch einmal den Flur entlang, dann rechts abbiegen…
      Mir fielen die quirligen Haarbälle auf, die überall durch die Gegend sprangen. Ich mußte wirklich dringend ins Bett!
      Endlich kamen wir bei der Suite an. Und jetzt kommt der Klassiker! Man versuche, in strunzeligem Zustand, die Tür aufzubekommen. Ich hatte Tracy noch nie so ungeschickt an etwas herumfingern gesehen! Irgendwann wollte Jake ihm schon die Arbeit abnehmen und es selber versuchen, aber da war die Gorillageduld schon zu Ende, er trommelte sich ein paar mal wild auf die Brust und hob die Tür aus den Angeln.
      Der Anblick, der sich uns bot war… spektakulär. Man bekommt nicht oft die Gelegenheit, einen Menschen und ein Monster mit zwanzig Stielaugen mitten beim Akt zu beobachten…

Tracy war sauer. So richtig sauer! Es war aber auch verständlich, wir waren alle fix und fertig. Und so stapfte der Gorilla voraus, und Jake und ich schleppten uns hinterher. Im Aufzug, den wir erst jetzt auf dem Weg entdeckt hatten, lauschte ich der Fahrstuhlmusik und sah mir die anderen Gäste an, die mit uns fuhren. Ein Geschäftsmann und ein Geschäftsmonster unterhielten sich leise. Ein ganz hübsches Dienstmädchen fuhr mit. Außerdem waren da die zwei Behaarten, die keine Gorillas waren.
      Wir kamen unten an, und Tracy stratzte auf die Rezeption zu. Mein Blick glitt automatisch zu der Rotgepunkteten. Einem Segen zufolge saß sie nicht mehr da, wo ich sie in Erinnerung hatte.
      Der Typ an der Rezeption war schon eindrucksvoll. Das konnte man nicht anders sagen, mit der großen stämmigen Statur und den Hörnern, und von der Seite konnte man auch den Schwanz und die Pferdefüße sehen. Das war nichts gegen einen wütenden Gorilla!
      Tracy kannte kein Pardon, obwohl der andere ihn um einiges überragte. Jake und ich ließen ihn machen. Und taten so, als wenn wir nicht dazugehörten, vorsichtshalber. Blumig schilderte Tracy, was uns widerfahren war und regte sich darüber auf, wie es passieren konnte, daß ein Zimmer zwei mal vergeben wurde.
      In meinem Geiste sah ich schon, wie unser Mentor von dem Monsterkerl auseinander genommen wurde – doppelt, denn das Bild verschwamm vor meinen Augen.
      Der Typ von der Rezeption sah sich verwundert das Etikett an dem Schlüssel an und checkte seine Unterlagen. Er kam zu dem Schluß, daß Zimmer 205 nicht anderweitig vergeben war. Daraufhin regte Tracy sich auf, was das Pärchen dann in unserem Zimmer zu suchen gehabt hätte.
      Ich sah, wie Jake neben mir etwas an seinen Fingern abzählte und dann gedankenvoll nach oben guckte. Man merkte deutlich, daß ihm das Denken in seinem aktuellen Zustand schwer fiel, und dennoch…
      Mutig trat er zu den beiden Männern am Tresen und nahm den Schlüssel. Er drehte ihn hin und her. Dann fragte er den Rezeptionstypen, ob Zimmer 205 auf der fünften Etage liegen würde.
      Sein Gegenüber verneinte und korrigierte, daß es die zweite Etage wäre, wie bei allen Zweihunderter-Nummern.
      Langsam ging mir etwas auf. Wir waren in der fünften Etage gewesen. Das erklärte auch, warum der Schlüssel nicht bei der Tür gepaßt hatte. Doch wie hatte uns so ein Fehler unterlaufen können? Hatte der Mimotaur uns etwa veralbert?
      Jake drehte noch den Schlüsselanhänger in den Händen hin und her. Seine Miene war ausdruckslos, das schreibe ich aber dem alkoholisierten Zustand zu. Ich fürchte, wenn man sonst nicht viel trinkt, so wie Jake und ich, dann haut so ein Whiskey um so mehr rein. Sonst hätte er vermutlich schon gleich realisiert, was sich jetzt erst langsam in seinen benebelten Geist vorarbeitete: Drehte man das Etikett mit der Zimmernummer 205 auf den Kopf, dann wurde daraus 502! Man hätte darauf kommen können, daß etwas nicht stimmt, wenn man bedacht hätte, daß der Hotelname ganz klein darüber stand. Dann hätte man sehen können, wie rum das Schildchen gehört. Aber nicht in unserem Zustand!
      Das Mißverständnis war Tracy sichtlich peinlich, und ich hatte den Eindruck, daß es ihm schlagartig ein bißchen mehr Klarheit in den Kopf zurückbrachte. Er murmelte eine Entschuldigung, verschwieg taktisch die aus den Angeln gehobene Tür von Suite 502 und ging voraus zum Fahrstuhl, um endlich auf Etage zwei nach unserer Suite zu suchen.
      Ich muß sagen, in dem Hotel waren alle wirklich sehr freundlich. Der Minotaur, der Rezeptionist, auch die Gäste, denen man so begegnete. Und ich war froh, als ich ein paar Minuten später ins Bett sinken konnte, um ins Schlummerland überzugehen. Ich träumte von der Rotgepunkteten und anderen Monstern. Aber das machte nichts. Wichtig war, daß ich den Alkoholgehalt in mir wieder loswurde.

Mein Fazit, welches mich auf meinen Einleitungssatz zurückbringt, war wie folgt:
      Der Alkohol war nicht dafür verantwortlich, ob man Monster sah oder nicht. Aber dafür, wie man mit herausfordernden Situationen umgehen konnte! Und ich schwor mir an dem Tag, mich von keinem guten Whiskey mehr aus dem Konzept werfen zu lassen. Wenngleich ich zugeben muß, daß ich dieses erstaunliche Hotel ohne den Whiskey nicht kennen gelernt hätte, und das wäre doch sehr schade gewesen…


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Die Vorgabe für Kalenderwoche 28/2022 von Caralia war:
      Nach einer durchzechten Nacht findet sich deine Truppe in einem Hotel wieder, in dem es vor Monstern – und Menschen! – nur so wimmelt.
      [inspiriert von der Kinder-Filmreihe „Hotel Transsilvanien“]
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