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Eddy Spensers Erlebnis-Schatzkiste

von - Leela -
Kurzbeschreibung
SammlungAbenteuer, Freundschaft / P12 / Gen
Eddie Jake Tracy
05.01.2021
01.07.2022
79
129.384
2
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16 Reviews
Dieses Kapitel
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15.05.2022 910
 
Anm. d. Aut.: Dieses Kapitel wurde für die »Wochen-Challenge« von Sira-la geschrieben. Die Vorgaben sind zur Vermeidung von Spoilern am Ende des Kapitels.
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Manche Dinge werden um so mysteriöser, je dunkler es ist, könnte man meinen. Zumindest Eddy hat es so empfunden, in der Geschichte, die er uns gleich erzählen wird. Und die ist schon wirklich sehr… speziell. Begleiten wir ihn ein Stück und schauen mal, was passiert.

Eine sonderbare Nacht

Nachts allein mit dem Auto unterwegs zu sein kann schon eine Herausforderung sein. Besonders wenn man lange Strecken vor sich hat, und diesmal hatte ich nicht einmal GB zur Verfügung, weil Tracy mit ihm zu einem Kongreß unterwegs war.
      Ich hatte meinem Vater versprochen, ihm bei einer Sache zu helfen, und war - wie immer zu solchen Gelegenheiten - erst spät losgekommen, um nach Hause zu kommen. Ich würde die Nacht durchfahren müssen, es war dunkel, und als wäre das nicht schon genug, fing es unterwegs an zu regnen.
      Ich war gerade auf einer Landstraße unterwegs, die ich nur sehr selten fuhr, als mir das zum Verhängnis wurde. Sie führte ein Stück durch den Wald, und durch die Dunkelheit und den Regen wurde es unübersichtlich. Ich orientierte mich mehr nach Gefühl. Aber irgendwie kam mir die Gegend noch weniger bekannt vor, als ich aus dem Wald wieder heraus kam. Zuerst dachte ich noch, daß bestimmt alles anders wirkte aufgrund der Licht- und Wetterverhältnisse. Oftmals ist das ja so. Aber je weiter ich fuhr, desto mehr beschlichen mich Zweifel. Ich war mir fast sicher, daß ich mich verfahren hatte.
      In dem Regen konnte man kaum etwas sehen. Und es mochte noch immer sein, daß ich doch richtig war. Ich hatte es schon ein paar Mal erlebt, daß sich alle Sorgen in Wohlgefallen auflösten, wenn man einfach nur ein Stückchen weiter fuhr. Ich beschloß also, erst einmal weiterzufahren, und mich zu orientieren, wenn ich Schilder fand oder in einen Ort kam.
      Hier war die Gegend eher karg. Soweit man gucken konnte - und das war gerade nicht weit - sah man praktisch nichts. Plötzlich stand da eine Gestalt am Straßenrand, wie aus dem Nichts, und ließ mich in die Bremsen gehen! Mit klopfendem Herzen betrachtete ich sie näher. Groß, hager, in einen dunklen Umhang gehüllt. Unheimlich beschrieb die Gestalt am besten. Aber was war in dieser Atmosphäre nicht unheimlich? Was mich bloß irritierte war, daß die Gestalt bei diesem Wetter hier mitten in der Gegend stand, wo es nichts gab, keine Häuser oder anderen Schutz, und ich sah auch kein Fahrzeug, das ich dem Fremden zuordnen konnte. Wie war er hier hergekommen? Brauchte er vielleicht Hilfe?
      Ich bildete mir ein, daß der Typ eine Sanduhr aus der Tasche seines Umhangs zog und betrachtete. Er winkte mit einer Hand nach rechts.
      Dank des Hinweises entdeckte ich die Straße, an der ich sonst vorbeigefahren wäre. Ich folgte der Aufforderung und bog rechts ab, um so schnell wie möglich von der unheimlichen Gestalt wegzukommen.
      Ich war fix und fertig, als ich versuchte, nicht zu schnell den Abzweig entlangzufahren, den ich nicht kannte. Jetzt wußte ich erst recht nicht mehr, wo ich war.
      Ich versuchte, mich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Und das war die beste Entscheidung, die ich hätte treffen können. Denn als ich auf die nächste Querstraße zukam, entdeckte ich den Wegweiser, der mir sagte, daß ich wieder auf der Strecke war, die mich nach Hause führte.
      Der Rest der Fahrt verlief eher unspektakulär. Jetzt, wo ich wieder auf dem richten Kurs war, ergab sich alles wie von selbst, so daß ich trotz der Wetterverhältnisse und der fortgeschrittenen Zeit bald glücklich Zuhause ankam, und mich endlich in mein Bett sinken lassen konnte. Ganz ließ mich diese sonderbare Begegnung aber nicht los…

Am nächsten Tag entdeckten wir etwas interessantes in der Zeitung. Eigentlich war es gar nichts so interessantes in erster Instanz. Auf einer Landstraße war jemand zu Tode gekommen, weil die Brücke ein Stück weiter vom Unwetter zerstört worden war, und das Auto den Hang hinunter in den Fluß gestürzt war, als diese nachgegeben hatte.
      Was daran interessant war, das war, daß es genau die Straße war, auf der ich kurz zuvor den seltsamen Fremden gesehen hatte. Ich hatte Jake und Tracy natürlich von meinem Erlebnis erzählt! Und das, in Zusammenhang mit dem Bericht, ließ uns nachdenklich werden. Wir konnten es uns nur so erklären, daß Tod dort bereits auf seinen Klienten gewartet hatte. Als ich dort angekommen war, hatte er festgestellt, daß meine Zeit noch nicht abgelaufen war, und hatte mich umgeleitet.
      Ein solcher Moment kann einem einen Schauer über den Rücken jagen. Ich konnte mit Fug und Recht behaupten, Tod hatte mir das Leben gerettet, denn wäre er nicht dagewesen, dann wäre ich mit der Brücke eingestürzt! Und auf den richtigen Weg nach Hause hatte er mich auch gebracht. So hatte er mir in dieser sonderbaren Nacht geholfen, mehr vielleicht, als er ahnte. Auf jeden Fall werde ich Tod ewig dankbar sein, denn ihm verdanke ich mein Leben.


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Die Vorgabe für Kalenderwoche 19/2022 von Fenja Flower war:
      Es ist noch dunkel und du bist auf einer Landstraße unterwegs. Es regnet schon seit einer Weile Nieselregen-Bindfäden. Warum bist du unterwegs und wer oder was begegnet dir? Und hilft er/sie/es dir?
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