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Eddy Spensers Erlebnis-Schatzkiste

von - Leela -
Kurzbeschreibung
SammlungAbenteuer, Freundschaft / P12 / Gen
Eddie Jake Tracy
05.01.2021
01.07.2022
79
129.384
2
Alle Kapitel
16 Reviews
Dieses Kapitel
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29.04.2022 1.638
 
Anm. d. Aut.: Dieses Kapitel wurde für die »Wochen-Challenge« von Sira-la geschrieben. Die Vorgaben sind zur Vermeidung von Spoilern am Ende des Kapitels.
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Wenn es um Gorilla Tracy geht, kennt das Mißtrauen keine Grenzen. Gut, bei bestimmten Verhaltensmustern ist eine Portion Skepsis aber auch angebracht, oder nicht? Denn so, wie Tracy auf die Jungs aufpaßt, müssen sie ja auch ein Auge auf ihren alten Mentoren haben, damit da nichts aus dem Ruder läuft. Gerade hat Eddy da etwas erlebt, was er euch nicht vorenthalten möchte!

Wenn Affen gaffen

Jake sprach mich an. Er war besorgt. Es ging um Tracy. Er hatte beobachtet, daß der Gorilla häufig bei einem Bauzaun stand, der ein Stück von unserem Haus entfernt aufgebaut worden war, und durch ein Astloch guckte. Es war nicht die Tatsache, daß man mal einen Blick riskierte, so erzählte mir Jake. Aber Tracy schien besessen davon, und da begann man sich doch zu fragen, was es auf der anderen Seite wohl zu sehen gab.
      Ich fragte ihn, ob er schon mal einen Blick durch den Zaun geworfen hätte. Die Antwort war, wann das denn möglich sein sollte, wenn der Affe die ganze Zeit davor hing. Und nachzufragen nützte nichts, denn - das war das nächste beunruhigende - dann wurde man mit verlegenem Gorillagrinsen bedacht, und in Schweigen gehüllt.
      Was gehen einem jetzt für Gedanken durch den Kopf? Irgend etwas mußte es ja hinter dem Zaun geben, was Tracy gefangen hielt, so viel Interesse konnte eine einfache Baustelle doch nicht auslösen! Ich weiß nicht warum, aber sofort dachte ich an eine Affenlady, die es dort unbemerkt zu begaffen gab. Okay, es mußte nicht unbedingt die Affenlady sein. Aber wenn dort eine Baustelle aufgebaut worden war… Vielleicht war es jemand von den Arbeitern, in ihren durchgeschwitzten Hemden; immerhin gab es da sicher ein paar straffe statt schlaffe Oberkörper zu bewundern. Und wenn Frauen darunter waren, erst recht. Vielleicht gab es aber auch ein Gebäude, ein Fenster, auf das der Blick frei war, und sich eine ahnungslose Schönheit unter der Dusche unter lüsternen Blicken des Menschenaffen wiederfand.
      Jake und ich dachten in ähnliche Richtungen. Und das fanden wir mehr als bedenklich. Ich beschloß also, mir erst einmal selbst einen Überblick zu verschaffen. Und das führte zu Informationen, die unsere Gedanken untermauerten!
      Meine erste Ermittlung ergab erst einmal nichts anderes als das, was ich bereits von Jake wußte. Tracy klebte förmlich an dem Zaun, um darüber schauen zu können, hätte man allerdings eine Giraffe sein müssen. Die Ecke selbst war leider so verbaut, daß wir mit GB nicht darüber fliegen konnten. Durch die Gebäude und Gerüste, wäre die Flügelspanne zu breit gewesen, und wir wollten nicht riskieren, daß sich unser Ghostbuggy verletzte. Was ich aber ermitteln konnte war, daß auf der anderen Seite der Baustelle nebenan eine Saunalandschaft war. Zwar war ein guter Teil dazwischen für die Baustelle abgetrennt - ich konnte nicht einmal sagen, ob das Grundstück dazugehören mochte oder nicht - aber wenn der Blich durch die Baustelle hindurch bis auf die andere Seite reichte, dann hatten die Badeschönheiten in den Whirlpools oder was auch immer es da gab keine Ahnung, wem sie die Hormone durcheinanderbrachten. Das war aber nur ein Bild in meiner Phantasie, und es mochte Zufall sein. Was genau es war, worauf Tracy so versessen war, das konnten man erst sagen, wenn man alles aus seiner Perspektive gesehen hatte. Wobei ich nicht wußte, ob ich das unbedingt wollte!
      In unserem Fall nützte uns unsere eigene Rechtschaffenheit nichts; wir mußten genau wissen, was den Gorilla umtrieb, damit wir ihn damit konfrontieren konnten. Und das herauszufinden war ein Ding der Unmöglichkeit. Ich nahm mir vor, die eine kleine Zeitspanne zu finden, in der Tracy nicht da war, um selbst einen Blick riskieren zu können. Die Hoffnung war müßig.
      Das erste Mal, als ich so unbemerkt wie möglich die Straße entlang flanierte, sah ich ihn beim genüßlichen Pfeifenpaffen, während er durch den Bretterzaun stierte. Ein anderes Mal hatte er eine Karaffe mit Bananenlimonade neben sich aufgebaut. Zur Nacht gab es Kaffee. Ein anderes Mal sah ich ihn mit einer Eiswaffel. Er schaffte es immer, sich dann zu versorgen, wenn Jake und ich keine Möglichkeit hatten, sein Geheimnis zu erkunden.
      Der Hut ging mir hoch, als ich ihn mit der Staffelei erwischte, mitten in eine akribische Malerei vertieft. Vor meinem geistigen Auge sah ich bereits die Gorilladame auf dem Schaffell vor mir, und da platzte etwas in mir. Ich stiefelte also zu meinem animalischen Kameraden herüber, bevor mein Gehirn in die Verlegenheit kam, nachdenken zu können. (Immerhin reden wir hier von einem Gorilla!) Wie schnell Tracy die Leinwand beiseite geschafft hatte und mich ebenfalls kommentarlos angrinste, war enorm.
      Ich setzte mich wieder mit Jake zusammen. Sollten wir Tracy anzeigen? Wir hatten aber nur Vermutungen, keine Beweise. Daß Tracys Gebaren alles andere als rechtschaffen anmutete, nützte uns nichts, wenn wir es nicht beweisen konnten. Aber, wer wollte schon gegen einen Gorilla angehen?
      Jakes Blick ging zu unseren Waffen. Aber wollten wir wirklich den Ghostgummer gegen unseren Mentor einsetzen…?
      Jake war dafür, daß wir Tracy zur Rede stellten und Antworten forderten. Seinetwegen auch mit dem Ghostgummer im Anschlag, wir müßten ihn ja nicht benutzen. Ich war dagegen. Tracy war das kräftigste Teammitglied, und wenn da geistig etwas aushakte, wollte ich so weit wie möglich entfernt sein. Ich wollte lieber herausfinden, was da hinter dem Bauzaun vor sich ging. Wenn wir es schaffen konnten, das herauszufinden, wären wir vielleicht schon einen Schritt weiter. Und wenn wir irgendwo ein eigenes Loch in die Wand sägten. Jake machte zurecht darauf aufmerksam, daß das Sachbeschädigung wäre. Der Zaun gehörte uns ja nicht. Es war aber auch komisch, daß man nirgendwo ein Firmenschild oder irgendeinen Hinweis darauf fand, was da gebaut werden sollte.
      Uns blieb nichts anderes übrig, als die Lage im Auge zu behalten. Irgendwann mußte ja das Projekt hinter dem Zaun mal zu Ende sein, und dann wäre der Zaun und Tracys Gafferei Geschichte.

So ein Bau konnte sich hinziehen! Irgendwann geriet die Sache selbst bei Jake und mir in den Hintergrund. Wann immer wir mal wieder daran dachten, folgten wir unserem Plan, mehr herauszufinden, die Situation blieb aber so, wie wir sie kannten. Tracy spannerte irgend etwas oder irgend jemandem hinterher und war kaum zu Hause, und an mehr Informationen heranzukommen war unmöglich.
      Ich hatte inzwischen alle Staffeln vom vierten Doktor Who gesehen, als sich etwas neues tat. Der Bauzaun war verschwunden. Dafür sah man jetzt eine Bretterbaracke, wo wer weiß was drin sein mochte. Und Tracy war in seinem Bastelkeller verschwunden.
      Jake und ich sahen uns den Platz mit dem riesigen Bretterverschlag genauer an. Das war auch etwas grenzwertig, denn dafür mußten wir, spätabends, als alles möglichst ruhig war, über die Mauer klettern, die hinter dem Bauzaun verborgen gewesen war – und die uns jetzt zumindest darüber Aufschluß gab, daß wir uns tatsächlich auf dem Gelände der Saunalandschaft befanden. Wir wollten uns ja aber auch nur dieses riesige Bretterdings angucken, oder vielmehr, was darin verborgen sein mochte. Da war aber natürlich kein Astloch drin. Hatte Tracy irgend etwas beobachtet, was damit in Zusammenhang stand? Oder hatte das gar keinen Zusammenhang? Immerhin war noch immer die Saunalandschaft auf der anderen Seite. Und wir konnten die eine oder andere Liegefläche und das eine oder andere Badebecken erkennen…
      Wir mußten uns eingestehen, daß wir keine Möglichkeit hatten, das ganze Geschehen nachzuvollziehen. Das seltsame Affengehabe hatte aber schlagartig sein Ende, und das war ja schon mal was. Jake und ich wechselten einen Blick. Und wir kamen stumm überein, die Sache lieber auf sich beruhen zu lassen – sofern sich so etwas nicht wiederholte…

Folgendes passierte in der darauf folgenden Zeit: Zuerst wurde das neue Thermalbad der Saunalandschaft eingeweiht. Das war nämlich das, was dort gebaut worden war, und was bis zur großen Veröffentlichung unter dem Bretterverschlag verborgen gewesen war.
      Es war eine großartige Erweiterung der Anlage, und Jake und ich überlegten schon, ob wir uns nicht auch mal einen Tag dort gönnen wollten, aber das war nicht ganz billig. Es gab zwar eine Preisstaffelung, aber ob mit oder ohne oder nur dem neuen Thermalbad, man konnte sich so etwas nicht so häufig leisten. Es wäre ein Stück Luxus.
      Wenige Wochen später überraschte uns Tracy mit einem exakten Nachbau des Thermalbades, in einer etwas kleineren Variante, direkt in unserem Garten. Und das erklärte dann auch die Geheimnistuerei. Er hatte nämlich die ganze Zeit aufmerksam den Bau verfolgt und für sich mitdokumentiert, damit er dieses Stück Luxus für uns nachbauen konnte. Auf der Staffelei befanden sich noch die technischen Zeichnungen mit den ganzen Daten und Details, die er während der Bauphase für sich gefertigt hatte. Er hatte tatsächlich durch Zufall bei einem Blick durch den Bauzaun davon mitbekommen, und kurzerhand entschlossen, so etwas für uns auch anzuschaffen, damit wir diesen Genuß jederzeit selbst nutzen zu können, und die teuren Eintrittsgebühren nicht zusammenraffen mußten. Davon hatte er uns natürlich nichts erzählen wollen, bis er sein Endergebnis präsentieren konnte.
      Das war wahrlich eine großartige Überraschung! Darauf wären Jake und ich im Leben nicht gekommen. In erster Linie waren wir aber froh, daß wir doch einen rechtschaffenen Gorilla zu Hause hatten.
      Tracy lachte herzlich, als wir ihm bei einem entspannten und für uns ganz kostenfreien Tag in unserem eigenen Thermalbad von unseren Befürchtungen erzählten. Und so nahm das ganze Affentheater ein gutes Ende. Ein richtig gutes Ende! Denn wer hat schon so ein Stück Luxus in seinem Garten…?


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Kalenderwoche 17 von mir war:
      Schreibe eine Geschichte mit mindestens zehn verschiedenen »Affenworten«, zum Beispiel gaffen, Giraffe, Waffe, Affekt, Kaffee etc.
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