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Eddy Spensers Erlebnis-Schatzkiste

von - Leela -
Kurzbeschreibung
SammlungAbenteuer, Freundschaft / P12 / Gen
Eddie Jake Tracy
05.01.2021
01.07.2022
79
129.384
2
Alle Kapitel
16 Reviews
Dieses Kapitel
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23.04.2022 1.433
 
Anm. d. Aut.: Dieses Kapitel wurde für die »Wochen-Challenge« von Sira-la geschrieben. Die Vorgaben sind zur Vermeidung von Spoilern am Ende des Kapitels.
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Mit Eddy kann man viel anstellen – solange es nicht im Übermaß ist. Kein Übermaß an Geistern, kein Übermaß an Bananen, kein Übermaß an… Lassen wir ihn selbst von seinem neuen Abenteuer erzählen, das ein Hauch an Übermaß hat.

Unter der Erde

Es gab Karottenauflauf. Tracy hatte gekocht. Nun habe ich nichts gegen Karotten. Aber wie mit den Bananen ist es auch hier, es kann von allem zu viel werden. Und da in diesem Auflauf knapp etwas anderes drin war als Karotten, wurde ich dem schon bald über. Warum der Gorilla beim Essen immer so in die Extreme gehen mußte, wußte ich nicht. Aber von mir aus konnten die Karotten schon bald unter der Erde bleiben, wo sie herkamen!

Warum erzähle ich euch all das banale Zeug?
      Nun, ihr werdet es in der weiteren Geschichte verstehen.

Nach einem eher leidenschaftslosen Essen meinerseits gingen wir alle wieder unseren Tätigkeiten nach. Ich war heute dran mit der Wäsche. Das wollte ich erledigen, bevor ich mich einem neuen Bild widmete.
      Ich nahm also den Wäschekorb und ging hinunter in den Keller. Bis dahin hatte ich die Karotten fast schon wieder verdrängt.
      Die Wäsche war schnell in die Skelewaschmaschine geworfen und das Programm angestellt. Den leeren Korb stellte ich oben drauf. Damit war die Hausarbeit erledigt, ich konnte mich um schönere Sachen kümmern.
      Ich war schon auf dem Sprung die Treppe nach oben, als mein Blick plötzlich auf eine Tür fiel, die ich hier unten im Keller noch nie wahrgenommen hatte. Ich würde sogar behaupten, ich hatte sie noch nie gesehen.
      Nun haben Türen, die man zum ersten Mal wahrnimmt, eine besondere Eigenschaft. Sie ziehen einen magisch an! Ich wollte wissen, was dahinter war. Ich vermutete einen Abstellraum. Für mehr würde kaum Platz sein. Aber ich wollte es zumindest wissen!
      Als ich vorsichtig die Klinke herunterdrückte, stellte ich schon mal beruhigt fest, daß die Tür nicht verschlossen war. Langsam öffnete ich die Tür. Ich weiß nicht, was ich alles in den Rahmen des möglichen gezogen hätte. Einen Raum vielleicht, Regale, einen Schaltkasten… Sicher aber nicht das, was ich fand: Eine Treppe, die weiter hinabführte.
      Wir hatten also einen Keller unter dem Keller? Das kam überraschend! Und machte mich nur um so neugieriger. Obwohl ich nichts anderes erwartete als eine Art Heizungskeller oder so.
      An den Wänden waren Lichter angebracht. Ich konnte eine ganze Reihe von Stufen vor mir sehen, die in die Tiefe führten. Es schien tiefer hinabzugehen als ich es erwartet hätte. Die Tür ließ ich angelehnt. So nahm ich Stufe um Stufe und arbeitete mich mit Bedacht weiter vor. Das ist auch so eine Eigenschaft von Orten, an denen man noch nie gewesen war; man sollte mit einer gewissen Portion Respekt an die Sache herangehen. Und das beachtete ich auch sehr, als ich mich Schritt um Schritt in das unbekannte Terrain vorwagte.
      Zunächst war das nicht so aufregend. Als ich aber am Ende der Treppe angelangt war, kam die nächste Überraschung! Nun hatte ich vor mir einen Gang, der ebenfalls durch die Lichter erhellt wurde. Ein wenig Unsicherheit mischte sich in meine Gefühlswelt, aber meine Neugier war stärker. Ich wollte wissen, wohin mich dieser Gang führte. Also wagte ich mich auch hier sachte weiter vor.
      Es ging immer noch leicht abschüssig, dann kamen noch einmal Stufen. Hier war alles erdiger als zu Beginn. Natürlicher, könnte man sagen. Nicht so gebaut wie unser Haus, fast so, als würde man direkt in das Erdreich hinabsteigen. Trotzdem war es solide genug, um daß ich keine Befürchtungen hatte, der Erde zum Opfer zu fallen.
      Die Stufen führten ein Stück hinunter, und von dort in einen offenen Raum. Und hier wurde die Überraschung perfekt! Ich betrat eine vollkommen andere Welt, eine eigene Welt unter unserer! Ein riesiger Hohlraum erstreckte sich hier, dessen Grenzen man mit den bloßen Augen nicht ausmachen konnte. Wahrscheinlich endete der Raum nie – oder zumindest sehr weit hinten. Es gab Straßen, und Gebäude aus Erde, Felder und Fuhrwerke, eine richtige Infrastruktur, und das alles wurde bewohnt von… Karotten!
      Ja, ihr habt richtig gelesen, hier sah ich Karotten auf den Straßen unterwegs, bei der Arbeit, bei der Freizeit, im öffentlichen Leben… Alles machte einen ähnlichen Anschein so wie bei uns, nur eine Ebene tiefer gesetzt!
      Ich spürte mein Herz rasen. Jetzt hatte ich noch weniger Lust auf Karottengerichte. Bedächtig ging ich die Stufen hinunter, die seitlich auf einen großen Platz führten, der eine Art Marktplatz sein mochte. Ich hielt mich sehr im Hintergrund. Ich wußte ja nicht, wie die Karotten auf mich reagierten! Ich wollte sie nicht aufschrecken, aber ich wollte unbedingt mehr erfahren.
      Eine kleine Mauer aus Erde versprach mir Schutz, hinter der ich mich verbergen und beobachten konnte. Ich sah Karotten im Gespräch, verstehen konnte ich aber nichts. Es wäre auch zu großer Zufall gewesen, wenn wir die gleiche Sprache gesprochen hätten.
      Die Karotten bemerkten mich nicht. Ich gewann den Eindruck, daß sie ein ganz anderes Sinnessystem hatten als wir, was auch wiederum logisch erschien. Ich konnte keine Augen ausmachen. Vielmehr schien es, daß sie die Präsenz anderer Karotten oder überhaupt ihre Position und die anderer Gegenstände in gewisser Weise spürten. Auch hier gab es die Lichtquellen, die ich schon auf dem Flur bemerkt hatte, und ich denke, das Licht war für sie auch wichtig, allerdings nicht zum sehen. Vielmehr schienen sie es als Energie zu absorbieren, so wie wir es ja auch mit der Sonne machen.
      Je mehr ich beobachtete, desto mehr begriff ich, warum nicht schon jemand auf mich aufmerksam geworden war, als ich die Treppe heruntergekommen war. Sie konnten mich nicht sehen, sie konnten aber meine Präsenz spüren, wenn ich nah genug war! Konnten sie hören?
      Vor meinem geistigen Auge entstand das Bild, was passieren würde, wenn das Karottenvolk mich bemerkte. Würde dann hier eine Panik ausbrechen? Das wollte ich um jeden Preis verhindern! Ich war schon viel zu weit gegangen!
      Vorsichtig zog ich mich zur Treppe zurück und trat sinnig den Rückweg an. Ich mußte erst mit Tracy und Jake darüber sprechen! Vielleicht gelang es uns, Kontakt zu dem Volk aufzunehmen, und vielleicht gab es dann nie wieder Karottenauflauf! Beides faszinierende Vorstellungen für mich.
      Ich huschte bis zum oberen Treppenabsatz und sah mich noch einmal um. Fast konnte ich mich nicht von der weiten, interessanten Welt lösen, die hier vor mir lag, aber ich mußte. So unbemerkt wie ich gekommen war, verschwand ich wieder in dem Gang, der in meine eigene Welt führte. Noch eine Treppe hinauf, dann erwartete mich wieder die Tür, die mich hierher geführt hatte.
      In unserem Keller angelangt, drückte ich die Tür leicht ins Schloß. Eine andere Assoziation kam mir dazu in den Sinn: Ein Gemüsekeller, wobei die Definition hier etwas anders auszulegen war. Aufgedreht lief ich die Stufen zu unserem Haus hinauf. Was meine Kameraden wohl dazu sagen würden?

Tja. Was soll ich sagen? Ich hatte Jake und Tracy noch nie so herzlich lachen gehört, wie jetzt, als wir in der Küche zusammen saßen, und ich ihnen von meiner Entdeckung erzählte. Okay. Hätte ich es ihnen verdenken können? Ich war ja selbst sehr überrascht gewesen.
      Aber ich hatte ja die Tür! Und so nahm ich die beiden mit in den Keller, damit sie es sich selbst ansehen konnten. Als wir dort ankamen, war die Tür allerdings verschwunden.
      Das brachte meine Kameraden natürlich nur um so mehr zum lachen. Es war zum verrückt werden! Tracy bescheinigte mir eine ungeheure Phantasie, und Jake meinte, ich hätte nach dem Auflauf wohl zu wild geträumt. Ich hatte aber nicht geschlafen! Es war real gewesen!
      Nur hatte ich jetzt nichts mehr in der Hand, um das zu beweisen. Jake wischte sich noch die Lachtränen aus den Augen, als er und Tracy den Keller wieder verließen.
      Am nächsten Tag gab es Karottenauflauf. Jetzt hatte ich erst recht keine Ambitionen mehr darauf. So etwas konnte auch nur mir passieren…


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Kalenderwoche 16/2022 von MiraMiracle war:
      Sie sind unter uns. Wortwörtlich. Tief unter der Erde existiert eine geheime Welt, die bevölkert ist von – ja, wovon eigentlich? Und wie kommt euer Charakter in Kontakt damit?
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