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Eddy Spensers Erlebnis-Schatzkiste

von - Leela -
Kurzbeschreibung
SammlungAbenteuer, Freundschaft / P12 / Gen
Eddie Jake Tracy
05.01.2021
27.06.2022
78
128.089
2
Alle Kapitel
16 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
21.11.2021 1.847
 
Anm. d. Aut.: Dieses Kapitel wurde für die »Wochen-Challenge« von Sira-la geschrieben. Die Vorgaben sind zur Vermeidung von Spoilern am Ende des Kapitels.
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Besser das Übel, das man kennt, als das Übel, das man nicht kennt. Davon kann Eddy auch ein Lied singen. Denn Prime Evil können die Ghostbuster mittlerweile einschätzen – was aber, wenn sie es mit etwas neuem zu tun bekommen? Von einer solchen Geschichte berichtet Eddy für uns in seinem neuen Kapitel.

Die Strahlen von Corona

Der letzte Anschlag von Prime Evil war schon eine Weile her. Gott sei Dank! Jake war zwar unzufrieden, weil keine neuen Aufträge reinkamen, aber ich freute mich, daß New York im Augenblick katastrophenfrei zu sein schien. Ich meine, okay, mit der Geisterjägerei verdienten wir unseren Lebensunterhalt. Aber seien wir mal ehrlich: Machte es die Sache besser, herumzujammern? Wir hatten ein abbezahltes Haus, und ich hatte mir einen Nebenjob bei einer Tankstelle gesucht. Selbst wenn die Auftragslage mal etwas schlechter war, kam ich gut über die Runden, und wenn ich ehrlich war, mochte ich meinen Tankstellenjob lieber als die Geisterjagd. Das war ungefährlicher.
      Ihr könnt euch denken, daß dieser entspannte Zustand nicht ewig anhielt. Die Firma gab es ja nicht umsonst und hielt sich schon seit Jahrzehnten. Und so erreichte uns schließlich ein Anruf, der uns einen neuen Auftrag ankündigte. Ein Spuk in einem Museum. Es klang wie ein Klassiker.
      Auf dem Weg zum Einsatzort reflektierten wir die Informationen, die wir erhalten hatten. Konnte Prime Evil dahinter stecken? Immerhin, wir kannten den Großbösegeist und wußten, wozu er fähig war. Ebenso hatten wir gelernt, seine Gefolgsleute einzuschätzen. Haunter zum Beispiel, der hin und wieder in seinem Hut reiste, Sir Trancealot mit seiner Trancelanze, Floatzart, ein nicht zu unterschätzender Dirigent des Bösen, FibFace, ein Koboldgeist, und wie sie alle heißen. Prime Evil war kreativ. Aber das hier klang irgendwie nicht nach einem seiner Coups.
      So wie uns der Fall geschildert wurde, klang es nach einem wandernden Geist. Es handelte sich offenbar aber auch nicht um verstorbene Seelen, die gerne mal durch alte Gemäuer spukten. Auch die konnten wir relativ gut einschätzen. Manche waren harmlos, andere weniger. Aber man konnte ihnen recht gut beikommen. In diesem Fall schlossen wir diese Möglichkeit gleich aus. Denn der Geist, oder der Spuk, der unsichtbar durch die Räume geisterte, zeigte sich nur in der Veränderung der Bedingungen.
      Was war damit gemeint? Der Direktor des Museums hatte seine Mühe gehabt, das Phänomen in Worte zu fassen. Mal war es ein Abfall der Temperatur. Mal ein Anstieg. Zuerst hatte er dem nicht einmal richtig Bedeutung beigemessen. Eine defekte Heizungsanlage mochte die Ursache sein, auch wenn die Art, wie die Temperatur wechselte, dagegen sprach. Mal betraf es einen ganzen Raum. Mal nur bestimmte Bereiche.
      Es begann, die Menschen zu beeinträchtigen. Mal holte sich jemand einen Schnupfen, während sein Nebenmann kurz darauf einen Kreislaufflash bekam. Hier vermutete der Direktor schon, daß etwas nicht mit rechten Dingen zuging. Aber es war ein unerklärbares Phänomen, und so schob er es weiter auf offene Türen, Klimawechsel, defekte Heizkörper und all so etwas. Bis die ersten Todesfälle eintraten. Ein Museumsbesucher erfror an Ort und Stelle, als er sich die Ägypten-Ausstellung ansah. Ein anderer verbrannte innerlich bei der Besichtigung von Pompeji. Spätestens hier ging dem guten Mann der Hut hoch. Weltliche Erklärungen reichten nicht mehr aus, um sich zu beruhigen, und so verständigte er uns. Die Ghostbuster!
      Tracy hatte uns gut vorbereitet. Unsere Uniformen wurden durch ein von ihm entwickeltes System thermoreguliert, so daß wir hofften, dem Effekt im Notfall entgegenwirken zu können. Auch er trug so einen Anzug.
      Der Direktor hatte das Museum geschlossen, um den Gefahren weiterer Vorfälle vorzubeugen. Die Idee war nicht die schlechteste. Allerdings um das Phänomen zu untersuchen brauchten wir Leute, um den Geist aus der Reserve zu locken.
      Wir baten den Direktor, kleine Gruppen zuzulassen, damit wir beobachten konnten. Leute, die wußten, worauf sie sich einließen. Und so organisierte der gute Mann Führungen zu je überschaubaren acht Personen, die wir unbeteiligt überwachen konnten.
      Tracy war vor der ersten Führung einmal durch die Räume gegangen – er hatte einmal Geisterenergie gemessen und ein eindeutiges Ergebnis bekommen, daß im Museum eine hohe Konzentration spiritueller Frequenzen vorhanden war, und einmal hatte er eine Temperaturmessung vorgenommen, aber nichts ungewöhnliches festgestellt. Ich war einmal mit dem Ectostrobe umhergegangen, mit dem man Geisteraktivitäten der letzten 24 Stunden sichtbar machen konnte. Aber da war nichts mehr. Die letzte Geisteraktivität war anscheinend schon zu lange her. Das war schade, denn ich hätte sehr gerne zumindest schon mal eine optische Vorstellung von unserem Gegner gehabt.
      Jake besprach in der Zwischenzeit das Vorgehen mit dem Direktor. Die Sicherheit der Leute mußte gewährleistet sein. Auch ein Rettungsteam war im Hintergrund organisiert, um sich im schlimmsten Fall gleich um verletzte kümmern zu können.
      Nun hieß es, in Aktion zu treten. Acht Freiwillige zu finden war nicht schwer. Es gab immer Leute, die entweder unerschütterlich oder zu neugierig waren. Oder lebensmüde.
      Wir hielten uns im Hintergrund und behielten die Situation im Auge, als die Führung begann. Tracy hatte sein Temperaturmeßgerät in der Hand, um sofort reagieren zu können, wenn sich die Bedingungen änderten.
      Gemächlich ging es durch die Räume, und es passierte nichts. Wir fragten uns schon, ob der Geist aufgegeben hatte. In der indianischen Ausstellung war es dann soweit. Eine Frau schlang die Arme um den Körper als würde sie frösteln. Gewöhnlich eine Geste, der man nicht viel Aufmerksamkeit beigemessen hätte, insbesondere, wenn sie sich gerade einen Totempfahl ansah. Für uns war es ein eindeutiges Alarmsignal!
      Einen Geist sehen konnten wir nicht. Aber Tracy maß spirituelle Energie! Jake hatte sofort den Dematerialisator in der Hand. Ich fragte mich, wie wir den Geist lokalisieren sollten. Nein, das hier war nicht die Handschrift von Prime Evil! Das war etwas anderes, subtileres.
      Tracy winkte die Frau zu sich. Es änderte nichts, ihr war kalt, während wir anderen den Raum als angenehm warm empfanden. Der Geist mußte sich direkt an sie geheftet haben. Um ihn erledigen zu können, mußten wir ihn aber von seinem Opfer separieren! Das schien unmöglich, da wir nicht einmal seine Position bestimmen konnten. War er in der Frau drinnen?
      Ich beriet leise mit Jake. Wenn die Vermutung zutraf, mußten wir eine andere Möglichkeit finden, dem Geist beizukommen. Mit dem Dematerialisator ging es nicht, so viel war klar. Auch Geisterspray, Bubbleblaster und Geistergranaten schieden so aus. In dieser Situation merkten wir erst, daß wir so einen Fall noch nie gehabt hatten!
      Jake machte eine geistige Notiz, daran mußten wir unbedingt arbeiten – eine super Aufgabe für unseren genialen Gorilla. Nur augenblicklich half es uns nicht weiter.
      Apropos genialer Gorilla. Tracy hatte in der Zwischenzeit sehr aufmerksam beobachtet. Jetzt trat er zu uns heran, deutete auf die Frau und sagte: „Corona!“
      Jake und ich sahen ihn erstaunt an. Und hier griff einmal mehr die mir eigene Naivität, als ich ihn verblüfft fragte: „Du kennst den Geist persönlich?“
      Tracy wollte bald zusammenbrechen. Jake begriff da schneller als ich, als Tracy den Direktor schon bat, das Licht auszuschalten.
      Der Mann kam der Aufforderung sofort nach, und in dem Halbdunkel des Raumes konnten wir es sehen. Die Frau umgab eine Corona wie die der Sonne, bei Licht war sie kaum wahrnehmbar gewesen, aber Tracy war doch darauf aufmerksam geworden. Bei weniger Licht wurde sie für alle sichtbar. Die spirituelle Energie, die hier für Unruhe sorgte, war also anscheinend doch nicht in die Frau gefahren, sondern wirkte von außen, fast unsichtbar – aber eben nur fast!
      Für uns bedeutete das, daß wir einen Ansatzpunkt zum Handeln hatten. Jake steckte den Dematerialisator ein und nahm das Antigeisterspray. Er bedeutete der Frau, sich nicht zu bewegen. Vorsichtig setzte er das Spray ein und bearbeitete damit die Corona – und zu meiner Freude wirkte es! Das Leuchten löste sich immer mehr auf, und je mehr es verschwand, desto mehr kehrte die Wärme für das Opfer zurück.
      Als von der Corona nichts mehr zu sehen war, schaltete der Direktor das Licht wieder ein und Tracy ging noch einmal mit einem Scan durch den Raum. Keine komischen Temperaturunterschiede mehr, die spirituelle Restenergie sank zusehends. Ich konnte nicht anders. Ich mußte noch einmal das Ectostrobe einsetzen. Das interessierte mich. Tatsächlich ließen sich jetzt noch die Umrisse erahnen, die von der Corona erzeugt worden waren. Wer weiß, vielleicht hatte das Gerät vorher auch schon etwas angezeigt, was so nicht eindeutig für mich zu erkennen gewesen war, weil ich nicht gewußt hatte, worauf ich achten mußte.
      Das Geisterproblem war jedenfalls gelöst, und der Direktor des Museums bedauerte es, nicht gleich die Profis verständigt zu haben. Der Auftrag hatte sich gelohnt. Zu Hause setzte Jake sich an den Bericht, um alles festzuhalten, was wir über den Geist herausgefunden hatten. Er nannte den Geist auch passenderweise Corona, welcher andere Name wäre dem gerecht geworden?
      Tracy nahm die Begegnung mit Corona zum Anlaß, um in die Richtung weiter zu forschen und Hilfsmittel zu entwickeln, um solchen Phänomenen schneller auf die Spur zu kommen und sie besser bekämpfen zu können. Auch nahm er Jakes Hinweis auf, Optionen zu entwickeln, falls ein Geist sich in einer Person versteckte.
      Das Museum hatte seit dem Erfolg wieder geöffnet. Die Erleichterung kam selbst über die Distanz immer noch bei uns an. Bis es einen neuen Vorfall gab.
      Wir wußten nicht so recht, ob wir überrascht sein sollten. Aber zumindest waren wir jetzt Dank Tracys Forschungen gut vorbereitet. Wir waren also sofort zur Stelle, als neue Temperaturphänomene bei einer großen Veranstaltung im Museum gemeldet wurden.
      Wir richteten uns mit unserer neuen Ausrüstung auf der Empore in der großen Eingangshalle ein, in der es nur so von Leuten wimmelte. Tracy gab den Angestellten des Museums das Zeichen, das Licht zu löschen. Im Halbdunkel der Halle stockte uns der Atem! Überall im gesamten Raum verteilt konnten wir die Umrisse von Menschen sehen, die durch eine unnatürliche Corona verursacht wurden! Es waren unzählige! Erst in diesem Moment wurde uns etwas entscheidendes bewußt. Wir hatten es hier nicht mit einem Geist namens Corona zu tun! Wir hatten es mit einer ganzen Horde von Corona-Geistern zu tun…


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Die Vorgabe für Kalenderwoche 46/2021 von mir war:
      Schreibe eine Geschichte mit Corona, aber NICHT mit dem Virus, und auch nicht mit irgend einem anderen Virus! (Beispiele: Die Band namens Corona [»Rhythm of the night«], das Bier namens Corona, Corona als Frauenname…) Die Geschichte soll den Grundtenor Corona haben, aber eben in dem Zusammenhang, den ihr auswählt, und der Name soll auch im Titel vorkommen.
      Damit soll einmal daran erinnert werden, daß es auch andere, normale, schöne und vor allem ältere Dinge gibt, die man mit dem Begriff verbinden kann.
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