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Eddy Spensers Erlebnis-Schatzkiste

von - Leela -
Kurzbeschreibung
SammlungAbenteuer, Freundschaft / P12 / Gen
Eddie Jake Tracy
05.01.2021
27.06.2022
78
128.089
2
Alle Kapitel
16 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
11.11.2021 992
 
Anm. d. Aut.: Dieses Kapitel wurde für die »Wochen-Challenge« von Sira-la geschrieben. Die Vorgaben sind zur Vermeidung von Spoilern am Ende des Kapitels.
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Eddy hat irgendwann seine Liebe zur Malerei entdeckt, und mit ein bißchen Übung wurde er sehr schnell richtig gut. Ein Hobby, das zu einer Leidenschaft wurde – und so immer größere Kreise zieht. Wie groß, darüber möchte er in folgendem Beispiel berichten, in seinem neuen Kapitel:

Meisterwerk

Ich hatte mich für ein Projekt von der Volkshochschule eingetragen. Im Rahmen der Initiative »Verschönert die Stadt« gab es ein Projekt, bei dem bestimmte triste, unansehnliche Hauswände an verschiedenen Stellen der Stadt bemalt werden sollten, um die Umgebung freundlicher zu gestalten. Das war meine Chance, mal auf etwas anderem als Leinwänden zu malen.
      Die Hauswände wurden immer jeweils zwei Teilnehmern zugeteilt. Material wurde gestellt. Dann brauchte man nur noch eine Idee, und konnte loslegen. Ich war gespannt, mit wem ich zusammen arbeiten würde.

Mein Projektpartner war ein gewisser Peter Venkman. Und die Arbeit gestaltete sich ganz anders, als ich sie mir vorgestellt hatte. Ich war mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob er überhaupt Lust zu dem Projekt hatte. Denn er meinte, ich solle mal machen, wie ich mir das vorgestellt hatte.
      Eine Teamarbeit wurde es so natürlich nicht. Anscheinend wollte er nur Ruhm und Ehre einheimsen, während andere die Arbeit machten. Mir war das egal. Für mich war nur entscheidend, daß ich malen konnte.
      Ich hatte mich für ein Motiv entschieden, das in die Stadt paßte, aber eine gewisse romantische Atmosphäre versprach. Dabei orientierte ich mich an meinen Sherlock Holmes-Romanen. Auf diese Hauswand kam eine alte Gasse aus dem 19. Jahrhundert, mit dem nostalgischen Flair, kleinen Läden, Kopfsteinpflaster, alte Gaslaternen… Ich malte sogar eine alte Droschke, die aus der Straße gefahren kam. Es machte sehr viel Spaß.
      Peter machte in der Zwischenzeit alles mögliche, nur nicht malen. Zwischenzeitlich ging er zum Bäcker und besorgte sich Kaffee und Brötchen, ansonsten lümmelte er sich in seinem Cabrio, während er mir zusah. Vielleicht wollte er auch einfach mit seinem tollen Auto angeben. Ich überlegte, ob ich GB vielleicht mal einen Tag mitnehmen sollte.
      Während er beobachtete, wie meine fiktive Baker Street entstand, kamen wir zumindest ins Gespräch. Dadurch erfuhr ich, daß wir aus dem gleichen Gewerbe kamen. Das war überraschend. Damit hatte ich nun nicht rechnen müssen. Ob wir wohl deswegen einander zugeteilt worden waren? Weil irgend jemand gesehen hatte, daß wir beide Ghostbuster waren?
      Vom Typ her hätten wir jedenfalls nicht unterschiedlicher sein können. Er war von der coolen, lässigen Sorte, und als er auch noch irgendwelche vorbeikommenden hübschen jungen Frauen ansprach, und ihnen in allen schillernden Farben erklärte, was »wir« dort machten, wußte ich, daß er der Typ Mann war, der sich gerne profilierte. Ich kann mir nicht helfen. Er war nett, keine Frage. Aber ich wußte, daß wir nie ganz zusammen finden würden. Aber es war ja auch nur für das Projekt, und solange ich meine Ruhe zum malen hatte, war es mir egal.
      So arbeitete ich einige Tage, und er schien in der Zeit die Aufgabe als so eine Art Aufseher zu übernehmen. Es war ein etwas seltsames Gefühl, aber ich ignorierte es einfach.
      Schließlich war ich mit meinem Bild fertig und bewunderte es stolz. Ja, ich konnte mit Fug und Recht behaupten, daß es mir gelungen war. Es fehlte nur noch, daß die Autos von der Straße direkt in das Bild in die Vergangenheit hineinfuhren.
      Sehr zufrieden mit dem Ergebnis schloß ich meine Arbeit ab, und ging davon aus, daß es das gewesen war.
      Jetzt aber kam Peter in Aktion! Ihr könnt euch mein Entsetzen vielleicht vorstellen, als in dem Moment, wo ich mein Werkzeug niederlegte, er es zur Hand nahm, und überall in mein liebevolles Szenario Geister einmalte! Ich konnte ihn nicht aufhalten! Es war ein Gemeinschaftsprojekt!
      Über ein paar Tage entstand eine Flut von Geistern, die meine wunderschöne Baker Street einnahmen. Und ich weiß nicht, was mir lieber gewesen wäre, daß er tat, was er sollte, nämlich sich an dem Projekt zu beteiligen, oder sich meinen Ruhm mit einzuheimsen, und dafür mein Meisterwerk nicht anzurühren. Als das Gemeinschaftswerk fertig war, mochte ich kaum noch als Beteiligter genannt werden.

Sei es, wie es sei. Aus der tristen Hauswand war etwas neues entstanden. Die Projektvorgaben hatten wir jedenfalls erfüllt. Und als ich Tracy und Jake das fertige Werk zeigte, überschlug sich Jake vor Begeisterung. Das war zu erwarten gewesen.
      Ihm gefiel das Geisterszenario. Er konnte gar nicht aufhören, über jeden Geist zu schwärmen. Mir wäre die Baker Street ohne Geister lieber gewesen. Ich beglückwünschte mich dazu, daß ich zumindest vorher noch ein Foto gemacht hatte, damit ich sie so in Erinnerung behalten konnte, wie ich sie vorgesehen hatte.
      Ich muß gestehen, ich war ein bißchen frustriert. Ich hatte mich so auf das Projekt gefreut. Ich hatte ja nicht ahnen können, wohin die Reise mit meinem Projektpartner führen würde. Warum hatte mir ausgerechnet der zugeteilt werden müssen? Aber letzten Endes war es ja auch ein Projekt für die Stadt. Hier ging es nicht um meine Befindlichkeiten, und unser Projekt wurde ein großer Erfolg. Zumindest Jake war glücklich, das war ja auch etwas.
      Ich brauchte ein paar Tage, um mich mit dem Verlauf der Geschichte anzufreunden. Als ich aber noch einmal darüber nachdachte, konnte ich tatsächlich einen gewissen Frieden damit schließen. Denn einen Effekt hatten Peters Ergänzungen ganz sicher: Mit all den Geistern würde ganz sicher niemand versehentlich in die Straße an der Hauswand fahren…


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Die Vorgabe für Kalenderwoche 45/2021 von MiraMiracle war:
      Auf dieses Projekt hast du dich schon lange gefreut, aber von allen möglichen Partnern, warum musste dir ausgerechnet *der* zugewiesen werden?

Anm. d. Aut.: CrossOver mit »The Real Ghostbusters«
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