Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Eddy Spensers Erlebnis-Schatzkiste

von - Leela -
Kurzbeschreibung
SammlungAbenteuer, Freundschaft / P12 / Gen
Eddie Jake Tracy
05.01.2021
27.06.2022
78
128.089
2
Alle Kapitel
16 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
06.11.2021 1.468
 
Anm. d. Aut.: Dieses Kapitel wurde für die »Wochen-Challenge« von Sira-la geschrieben. Die Vorgaben sind zur Vermeidung von Spoilern am Ende des Kapitels.
__________________________________________________________________________________________




Eddy hat nicht nur aus seinem Leben interessante Geschichten im Gepäck. Manchmal faszinieren ihn auch Geschichten, die schon länger herliegen, und die doch irgendwie einen Zusammenhang mit ihm haben. Und wenn auch vage, so wie in diesem Fall. Heute erzählt er euch gerne eine Geschichte, die er selbst nur aus Erzählungen kennt. Herzlich Willkommen zu:

Gefangen in Faszination

Die nachfolgende Geschichte ist ausnahmsweise einmal nicht von mir oder dem GhostbusterService, sondern von meinem Vater, als die Firma noch in Piru war, und an Jake und mich noch gar nicht zu denken gewesen war.
      Wußtet ihr, daß das Ghostbuster-Team eigentlich mal aus vier Ghostbustern bestanden hatte? Also nicht unseres, sondern das von unseren Vätern? Dazu gehörten damals schon Tracy, Jack Kong, also Jakes Vater, mein Vater Eddie Spenser und ein gewisser Marty Alex. So hatte die Firma damals angefangen.
      Marty war kurz nach der Eröffnung der Firma zu dem Team dazu gekommen. Und es hatte einen Grund, daß er nicht mehr dabei war. Einen nicht ganz alltäglichen, so wie ein Umzug oder der Wechsel zu einem anderen Arbeitgeber. Und davon werde ich in diesem Kapitel berichten.

Es war die Zeit um Halloween gewesen. In dem Ort, in welchem die Firma unserer Väter ihren Sitz hatte, gab es ein altes Schloß, und dort lag auch das riesige Friedhofsgelände. Mein Vater mochte die Gegend nicht. Es war so schon unheimlich, und gerade auf dem Friedhof war die Schwelle zwischen unserer und der Geisterwelt niedriger. Deswegen sammelten sich dort gerne Spukgestalten.
      Das war es auch gewesen, weswegen die Firma schon vor Halloween ständig dort unterwegs zu sein hatte, um neue Geister und Spukgestalten dorthin zu schicken, wo sie hergekommen waren.
      Was unsere Väter und ihre Kollegen in der Zeit feststellten war, daß nicht nur vermehrt Geister in unsere Welt überwechselten. Auch die Grenze zwischen unserer und der überirdischen Welt verschmolzen immer mehr.
      Manchmal war es so, daß die Jungs ein vages Bild vor Augen hatten, von einem Ort, der den Friedhof zu überlagern schien. Oder sie sahen Wesen, die gar nicht in unserer Welt existierten. Je näher Halloween rückte, desto klarer wurden die Eindrücke. Die Frequenzen, in denen sich die Bilder überlagerten, wurden länger und deutlicher. Immer mehr hatten die vier das Gefühl, in zwei Welten gleichzeitig zu existieren. Sie, und diejenigen, die aus der anderen Welt kamen. Die Übergänge waren fließend. Das ganze ging so weit, daß sie aufpassen mußten, auf welcher Seite sie waren, wenn sie nach Hause zurückkehrten. Denn sobald sie den Friedhof verließen, hörte der Spuk auf. Oder blieb permanent, je nachdem.
      Mein Vater war verschreckt. Tracy war fasziniert. Jack genoß den Effekt mit großer Vorsicht. Und Marty war hellauf begeistert, und konnte kaum genug von der überirdischen Welt bekommen. Inzwischen konnte kaum noch unterschieden werden, ob sich ein Geist in unserer oder seiner eigenen Welt befand. Erst, wenn er das Friedhofsgelände verließ, ließ sich beobachten, ob er in seiner Welt verschwand, oder in unserer landete. Im zweiten Fall war für unser Ghostbuster-Team handeln angesagt.
      Mein Vater hatte sich freiwillig für eine Patrouille außerhalb des Friedhofs bereit erklärt. So lief er nicht Gefahr, in der Halloweenwelt, wie sie von den Jungs mittlerweile genannt wurde, zu landen.
      Während Jack und Marty die Situation im Auge behielten, um meinem Vater mitzuteilen, wo er einen Geist abzufangen hatte, führte Tracy diverse Messungen durch, um mehr über das Phänomen herauszufinden. Er hatte dafür speziell Meßgeräte entwickelt, um eine umfassende Analyse machen zu können. Das war wichtig, um zu wissen, wie sie damit umgehen mußten.
      Der Gorilla lief also mit seinem Meßgerät über den ganzen Friedhofsplatz, wechselte dabei mal in diese mal in unsere Welt und studierte die Anzeigen. Die Ergebnisse hielt er in einem Protokoll fest. Dabei fand er schon recht früh heraus, daß sich mit jedem Tag die Überlagerung mehr und mehr verfestigte. An Halloween war es dann soweit. Die beiden Welten waren komplett miteinander verschmolzen. So weit, daß man selbst nicht mehr steuern konnte, in welcher Welt man landete, wenn man den Friedhof verließ.
      Mein Vater setzte keinen Fuß mehr auf das Friedhofsgelände. Auch Tracy gemahnte zur Vorsicht, und Jack folgte dieser gut gemeinten Warnung. Marty hingegen war viel zu fasziniert. Da es dem Zufall geschuldet war, ob er im Diesseits oder im Jenseits landete, machte er sich nicht allzu viele Sorgen. Tracy jedoch rechnete noch immer Algorithmen aus. Das brachte ihn zu einer schockierenden Erkenntnis. Die Tore zu der anderen Welt würden nur bis Mitternacht offen bleiben. Und dann würden sie sich weit schneller schließen, als daß sie sich geöffnet hatten!
      Tracy zeigte Jack und meinem Vater besorgt die Kurve, die er erarbeitet hatte. Sie stieg über einen Zeitraum von mehreren Tagen sachte an, bis sie zum Höhepunkt kam, nur um dann abrupt wieder abzuflachen. „Sonnenaufgang!“ Das war das Stichwort, das Tracy seinen Kollegen mit auf den Weg gab. Bis dahin hatte man Zeit, in unsere Welt zurückzukehren. Wer das nicht schaffte, blieb in der anderen Welt gefangen.
      Jack reagierte auf den Hinweis sofort. Er ordnete den Rückzug vom Friedhof an - ein Befehl, den mein Vater mit Belieben ausführte - und untersagte es allen, das Gelände noch einmal zu betreten, bis der Spuk vorbei war.
      Marty sah das anders. Die Hexen und Geister, Skelette und Kürbisköpfe faszinierten ihn viel zu sehr. Die dunkle Spukatmosphäre war genau seins. Er war ja nicht umsonst zu den Ghostbustern gekommen! Er übernahm die Verantwortung für sich selbst und beschloß, die Halloweenwelt so lange wie möglich zu genießen. Er brauchte ja nur mehrere Anläufe, um von dem Friedhof wieder herunter in die richtige Welt zu kommen!
      Ein kühner Gedanke. Mir wäre so etwas nie in den Sinn gekommen. Und Jack, Tracy und meinem Vater auch nicht.
      Ihr ahnt vermutlich, was jetzt kommt. Erst kam Mitternacht, und schon da konnte man beobachten, die sich die Grenzen wieder auflösten. Die Halloweenwelt verblaßte, die Bilder überlagerten sich mehr und mehr nur phasenweise. Sie konnten Marty sehen, wie er flackerte. Mal war er da, wenn die Halloweenwelt verschwand, mal nicht. Jack schrie ihm zu, daß er jetzt sofort den Friedhof verlassen sollte. Doch in dem Moment, als Marty sich den Ruf zu Herzen nahm und auf das große Tor zuging, passierte es. Die Halloweenwelt flackerte noch einmal auf, und sie nahm Marty mit in ihre eigene Sphäre. Für immer. Die Sonne war aufgegangen. Und die Halloweenwelt kehrte nie in dieser Form in unserer Welt zurück.
      So kam es, daß das Team der Ghostbuster im Endeffekt nur aus drei Mitgliedern bestand. Wie gut, daß es Jakes und mein Vater gewesen waren, die so umsichtig gewesen waren. Sonst hätte es uns nie gegeben. … Gut, ich gebe zu, in einem anderen Fall hätten wir es auch nicht gewußt. Vielleicht würde ich die Firma dann heute zusammen mit dem Sohn vorn Marty führen. Oder Jake. Nein, das wohl nicht, denn mein Vater war ja viel zu schockiert gewesen, um sich überhaupt auf den Friedhof zu trauen. Aber vielleicht hätten wir heute auch noch ein weiteres Mitglied in der Firma. Oder zwei, wer weiß? Vielleicht ja sogar auch eine Frau?
      Immer wenn ich an dieser Stelle meiner Gedanken zu dieser Geschichte ankomme, muß ich schmunzeln. Wir werden es ja nie erfahren. Es werden immer Spekulationen bleiben. Was ich aber gerne wissen würde ist, was aus Marty geworden ist. Wie ist es ihm in der Halloweenwelt ergangen? Konnte er dort heimisch werden? Hat er vielleicht eine nette Hexe kennen gelernt, mit der er sich zusammen niedergelassen hat? Sehen wir ihn vielleicht eines Tages als Spukgestalt aus der überirdischen Welt wieder?
      Auch das läßt sich nur spekulieren. Wir haben jedenfalls daraus gelernt, daß man nicht vorsichtig genug sein kann! Und zumindest ich nehme mir das auch sehr zu Herzen. Ich hoffe nur sehr, daß ich nicht eines Tages Jake dadurch verliere, weil er sich genauso fasziniert in der Halloweenwelt verliert, wie Marty es einst getan hat…


__________________________________________________________________________________________

Die Vorgabe für Kalenderwoche 44/2021 von Luxet umbra war:
      Je dichter Halloween kommt, umso mehr verschwimmen die Grenzen zwischen irdischer und überirdischer Welt. Am 31.10 sind sie fast gänzlich verschwunden und lassen somit ein Verschmelzen zu. Was passiert an diesem Tag? Bekommt ihr unerwarteten Besuch? Stolpert ihr versehentlich in eine andere Welt? Bedenkt aber, dass sich die Tore zur anderen Dimension ab Mitternacht wieder beginnen zu schließen. Wer nicht pünktlich vor Sonnenaufgang zurück ist, der muss bleiben, wo er dann gerade ist.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast