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Eddy Spensers Erlebnis-Schatzkiste

von - Leela -
Kurzbeschreibung
SammlungAbenteuer, Freundschaft / P12 / Gen
Eddie Jake Tracy
05.01.2021
27.06.2022
78
128.089
2
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16 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
28.10.2021 1.341
 
Anm. d. Aut.: Dieses Kapitel wurde für die »Wochen-Challenge« von Sira-la geschrieben. Die Vorgaben sind zur Vermeidung von Spoilern am Ende des Kapitels.
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Nicht immer sind die Dinge so, wie sie zu sein scheinen. Das muß Eddy auch erfahren, bei dem Auftrag, der ihm und der Firma hier ins Haus gestanden haben. Aber lassen wir ihn selbst erzählen.

Halb so wild

Es gibt Indizien. Wenn man genug Indizien hat, kann man die Hinweise kombinieren, etwas daraus ableiten und beweisen. Wichtig dafür ist, daß man weiß, daß man Indizien hat. Und damit beginnt unsere neue Geschichte.

Ich kam am Morgen ins Ghostkommando, wo Jake die Zeitung las. Alles in allem also ein ganz normaler Tag – bis das Skelefon klingelte. Es war ein Auftrag. Na gut, auch das war nicht unbedingt unnormal. Aber die Aufträge waren ja immer anders, und ab da war dann meistens nicht mehr alles normal.
      Jedenfalls zeichnete sich schon jetzt ab, daß Prime Evil am Werk war. Jake sah besorgt aus. Es mußte wirklich ernst sein. So kannte ich ihn gar nicht. Aber mit Prime Evil war auch nicht zu spaßen, und als ich hörte, daß er in einem Kinderheim sein Unwesen trieb, verstand ich Jakes Sorge.
      Jetzt war schnelles Handeln gefragt. Wir sprangen mit einem enthusiastischen „Let’s Go, Ghostbusters!“ in das High Five. Anschließend seufzte ich so tief, daß ich fast zu einer Kugel zusammensackte.
      Jake sah sich zu mir um und fragte, ob alles in Ordnung sei. Ich konnte nicht anders. Dieses Mal nicht. Ich ließ alles raus und sagte ihm wie sehr ich die Umkleidestrecke haßte. Nicht, daß ich das nicht schon ein paar Mal angebracht hätte! Dieses Mal mußte meine Reaktion besonders eindrucksvoll gewesen sein, denn Jake sah mich nachdenklich an und fragte mich, ob ich mich im Büro umziehen wollte, und wir uns dann bei GB treffen wollten.
      Ich war einigermaßen verblüfft. Hätte ich doch nur den Mut gehabt, meine Emotionen schon früher mal so rauszulassen! Aber da Jake immer so euphorisch auf die Umkleidestrecke war, hatte ich nicht damit gerechnet, daß er so viel Verständnis haben würde.
      Das aber nur nebenbei. Wir hatten uns jetzt um etwas wichtiges zu kümmern. Jake durchlief die Transformationsstrecke, während ich mich im Büro umzog. Das Ergebnis war, daß weder das eine noch das andere einen Zeitvorteil brachte.
      Jake war während der Fahrt sehr ruhig. Nicht so aufgedreht, wie ich ihn kannte. Daß hier Kinder mit im Spiel waren, schien ihm zuzusetzen. Ich muß gestehen, daß ich sehr beruhigt war, daß er so weit dachte, und zumindest in dieser Hinsicht seinen fast schon kindlichen Enthusiasmus in Bezug auf die Ghostbusterei hinten anstellte. Er hatte den Ernst der Lage erkannt. Manchmal war ich mir dessen nicht so sicher, insoweit war dieser Auftrag zumindest dafür ein schönes Signal.
      Als wir das Kinderheim erreichten, mußten wir nicht lange suchen. Die Flammenrobe war deutlich in dem großen Garten mit den Spielgeräten zu sehen. Immer wieder tauchte sie zwischen den Bäumen und Büschen auf. Die Kinder schrien vor Panik.
      Jake sah sich die Sache konzentriert an. Wir durften die Kinder nicht gefährden. Er beriet sich sogar mit Tracy, etwas, was ich so noch nie erlebt hatte. Im Normalfall ging er kühn voran, oft genug sogar, ohne richtig nachzudenken. Aber es waren Kinder im Spiel. Das merkte man ganz deutlich. Selbst Jake war vorsichtig.
      Wir legten uns eine Strategie zurecht. Wir wollten von drei Seiten angreifen. Jake mit dem Dematerialisator, Tracy mit den Geistergranaten und ich mit dem Ghostgummer. Wir hatten schon mal Erfolg gehabt beim kombinieren unserer Waffen.
      Prinzipiell klappte unser Vorhaben gut! Wäre da nicht ein Faktor gewesen, der unvorhergesehen kam. Wir hatten Prime Evil gerade ins Visier genommen, als die aufgeregte Heimleiterin in das Szenario stürzte und aufgeregt mit den Händen wedelte. Als sich der Geist zu uns umdrehte, erkannten wir, warum. Es war gar nicht Prime Evil! Das war ein Mann in einem Flammenkostüm!
      Äußerst irritiert traten wir aus dem Hinterhalt ins Freie. Die sehr verlegene Heimleiterin erklärte uns, daß alles nur ein Mißverständnis gewesen war. Der vermeintliche Geist war ein Animateur, der zu einem Kindergeburtstag eingeladen worden war. Und die Köchin hatte davon nichts gewußt, und sofort die Ghostbuster gerufen. Das Geschrei der Kinder hatte also nichts mit Panik zu tun gehabt, sondern mit ausgelassener Freude.
      Ich habe Jake selten so erleichtert erlebt.

Den Auftrag berechneten wir nicht. Eigentlich ist Jake mit so etwas schnell bei der Hand, immerhin hatten wir die Anfahrt gehabt. Aber hier ging es um Kinder, und wir waren nur froh, daß sie nicht wirklich in der Hand von Prime Evil gewesen waren. Zuzutrauen wäre es dem Großbösegeist gewesen.
      Nun waren wir aber froh, wieder nach Hause zu kommen und den Tag für uns zu haben. Sogar Jake schmollte nicht, weil es keine Geister zu jagen gegeben hatte.
      Daheim unterhielten Tracy und ich uns. Wir waren beeindruckt! So wie heute hatten wir Jake noch nie erlebt. So besonnen und umsichtig, empathisch und verständnisvoll. Professionell, statt überkandidelt, wenn es um den Job ging. Tracy meinte, er würde richtig erwachsen werden, und zeigte sich ebenfalls sehr angetan von der heutigen Entwicklung.
      Wir beschlossen, ihm unseren Stolz und unsere Freude auch irgendwie mitzuteilen, damit er wußte, daß er sich so bei uns viel Sympathie erwarb, und sich diese charakterliche Entwicklung lohnte. Wir gingen also zu ihm ins Büro, und schon das Lächeln, mit dem wir uns zu ihm stellten, sprach für sich.
      Er war ahnungslos. Als er aufsah, konnte man ihm ansehen, daß er gar nicht wußte, was ihn erwartete. Verwirrt fragte er uns, ob etwas besonderes wäre.
      Das war unser großer Moment. Tracy wollte gerade loslegen, als sein Blick plötzlich irritiert knapp an Jake vorbei ging. Ich folgte seinem Blick ebenfalls verwirrt, da mir nicht ganz klar war, was seine Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte. In dem Augenblick schon hatte Tracy den Schalter auf Jakes Rücken umgelegt, und unser Freund erstarrte in der Bewegung – wortwörtlich!
      Wir starrten uns entsetzt an. Der Jake vor uns – der, der uns heute den Tag über begleitet hatte, war ein Android! Wir hatten nichts bemerkt! Ja, klar, Kleinigkeiten waren uns aufgefallen, aber wir hatten für alle eine Erklärung gehabt. Jetzt wurde uns klar, warum Jake so reagiert hatte, wie er reagiert hatte. Es war gar nicht Jake! Das meinte ich mit Indizien, und daß man sie als solche erkennen mußte!
      Tracy reagierte sofort. Wenn wir hier einen Androiden sitzen hatten, dann mußte unser Jake ja irgendwo sein! Er wollte über das Frequenzband des Skelevisions versuchen, etwas herauszufinden. Wir hatten schon bei dem ersten Suchlauf Glück. Es war die Hauntquarters-Frequenz. Prime Evil lachte diabolisch. Auf dem Bonetrollermonitor konnte man Jake gefesselt und geknebelt in einer der Kerkerzellen liegen sehen. Und der Dämonenfürst donnerte, was für ein Geniestreich für seine persönliche Rache es gewesen war, Jake durch einen Androiden zu ersetzen, und daß niemand etwas davon bemerken würde.
      Wir hatten genug gesehen. Also hatten wir doch noch mit Prime Evil zu tun, nur anders als gedacht.
      Tracy schaltete das Skelevision aus, und den Jake-Androiden wieder an. Tracy proklamierte aufgeregt, daß wir sofort eine Rettungsaktion einleiten mußten. Jake, also seine androidische Version, schlug vor, ob wir zukünftig auf die Umkleidestrecke verzichten wollten, da wir nun wußten, daß sie keinen Zeitvorteil brachte. Ich konnte nicht anders. Ich fragte, ob wir nicht einfach diese Version von Jake behalten konnten…


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Die Vorgabe für Kalenderwoche 43/2021 von mir war:
      Plötzlich taucht eine Androidenversion von einem Charakter deiner Geschichte auf. Es dauert, bis diese von den anderen als Android erkannt wird, und aus irgendeinem Grund wird der Android von den anderen als sympathischer angesehen als das Original.
      (Inspiriert von Doctor Who, »Android Invasion«)
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