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Eddy Spensers Erlebnis-Schatzkiste

von - Leela -
Kurzbeschreibung
SammlungAbenteuer, Freundschaft / P12 / Gen
Eddie Jake Tracy
05.01.2021
27.06.2022
78
128.089
2
Alle Kapitel
16 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
13.10.2021 2.228
 
Anm. d. Aut.: Dieses Kapitel wurde für die »Wochen-Challenge« von Sira-la geschrieben. Die Vorgaben sind zur Vermeidung von Spoilern am Ende des Kapitels.
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Eddy ist nach diversen Jahren Dienstzeit als Ghostbuster mit fast nichts mehr zu schocken. Und dennoch gelingt es dann und wann. Eine solche Begebenheit erzählt er in seinem heutigen Kapitel. Eine Geschichte, die selbst seine grandiose Phantasie nicht für ihn hatte ausmalen können…

The Nose Knows!

Es gibt Momente im Leben, die sind so skurril, daß man überzeugt davon ist, sich in einem Traum zu befinden. Selbst für mich, und ich habe schon einiges erlebt. So etwas passierte mir kürzlich, und ich könnte mir vorstellen, wenn ich gleich beginne, die Geschichte zu erzählen, dann werdet ihr sie mir nicht glauben. Aber hört sie euch bis zum Ende an. Denn warum soll es euch besser gehen als mir?

Die Geschichte beginnt so: Ich kam gerade von unserem kleinen Einkaufsladen nach Hause. Vor unserer Haustür zog etwas seine Aufmerksamkeit auf sich. Es war eine Nase. Ja, ihr habt richtig verstanden, eine richtige Nase, ich meine damit den Körperteil. Sie kam aufgeregt auf mich zugelaufen. Und dann hielt sie ein kleines Schild hoch mit der Aufschrift »Hilfe«.

So, nachdem das einen Moment gesackt ist, wie ging es nun weiter? Da stand ich also, zusammen mit der Nase auf der Straße. Der Ausspruch »laufende Nase« bekam da plötzlich eine ganz neue Bedeutung.
      Was hätte ich tun sollen? Ich konnte die Nase ja nicht auf der Straße lassen! Also nahm ich sie mit in unser Büro. Schon während dessen fragte ich mich, ob es Zufall gewesen war, daß ausgerechnet ich auf sie aufmerksam geworden war, oder ob sie gezielt auf mich zugenommen war. Im Grunde wußte ich nicht, was ich mit einer Nase zu tun haben sollte, die herrenlos auf der Straße herumlief, andererseits schien sie so zielstrebig auf mich zugenommen zu sein, als wenn sie direkt zu mir wollte. Ich konnte es nur nicht mit Bestimmtheit sagen.
      Die Verblüffung bei Jake und Tracy hätte nicht größer sein können, als ich mit der Nase im Büro ankam. Wer hätte es ihnen verdenken können? Allein Jakes Blick war Gold wert gewesen.
      Jetzt saßen wir in der Sitzecke, mit der verzweifelten Nase, die aufgeregt auf unserem Couchtisch hin und her lief. Tracy kratzte sich nachdenklich am Kopf.
      Ich berichtete noch einmal, daß ich den Eindruck gehabt hatte, sie hatte direkt zu mir gewollt, oder zu uns vielleicht. Eventuell hatte sie schon länger vor dem Ghostkommando gewartet, um einen von uns abzufangen. Denn an die Klingel kam sie nicht heran. Jake war schon fasziniert davon, woher sie wohl das Schild mit der Aufschrift »Hilfe« haben mochte. Das schien aber ein Stück aus einer Tageszeitung zusein, wie ich bei näherem Ansehen identifizieren konnte.
      Letzten Endes hatten wir aber ein ganz anderes Problem. Wie sollten wir der Nase jetzt helfen? Wir wußten ja nicht einmal, wo sie herkam! Tracy stellte die Vermutung an, daß die Nase zu jemandem gehören müßte, den wir kannten, wenn sie so zielgenau zu uns kam, um Hilfe zu bekommen. Das klang einleuchtend. Aber zu wem gehörte die Nase dann?
      Wir sahen sie uns noch einmal genau an. In so etwas bin ich aber wirklich nicht gut. So eine einzelne Nase wirkte ja auch ganz anders, als wenn sie sich in jemandes Gesicht befand.
      Tracy war darin besser, so etwas zu kombinieren, und offenbar hatte er gerade eine Eingebung. Man merkte es, als er mit einem Mal tief Luft holte. „John Benton!“ gab er von sich. Und dann schauderte er. Es ist beeindruckend zu sehen, wie sich das komplette Fell eines Gorillas aufstellt und einmal durchschüttelt.
      Jake fragte, ob er sich sicher war. Und er gab ungehalten zurück, wir sollten uns die Nase noch einmal genau ansehen. Jetzt, wo ich diesen Anhaltspunkt hatte, stellte ich mir unseren Freund im Geiste vor. Ja, das konnte tatsächlich der Fall sein! Und Tracy irrt sich äußerst selten, auf seine Meinung kann man eigentlich immer bauen.
      Wir wechselten beklommene Blicke. Wenn das hier wirklich die Nase von John war, erklärte es, warum sie bei uns Hilfe suchte. Jetzt bedeutete es aber auch, daß wir helfen konnten! Warum sie einzeln kam, war uns nicht ganz klar, aber zumindest, daß Nase und Besitzer wieder zueinander gebracht werden mußten! Ohne weitere Umschweife begaben wir uns zu unserem Ghostbuggy, Ziel: Der britische U.N.I.T.-Komplex. Wir mochten uns gar nicht vorstellen, in was für einer Verfassung John sein mochte…

Ich weiß nicht, ob ihr euch vorstellen könnt, was für Gedanken und Bilder einem durch den Kopf gehen, wenn man zu jemandem ohne Nase fährt! Wir wollten natürlich unbedingt helfen, John und seine Nase wieder zu vereinen, wir stellten uns aber auf keinen schönen Anblick ein.
      Meine Vorstellung war jedenfalls gruselig, führte aber auch dazu, daß ich den armen John am liebsten tröstend in die Arme genommen hätte. Was war nur passiert? Ein Unfall? Hatte es vielleicht einen Zwischenfall mit einer Granate gegeben? Beim Militär wäre das ja nicht ganz abwegig! War von unserem Freund eventuell gar nicht mehr übrig als die Nase? An der Stelle schaltete sich mein Gehirn weg.
      Wir kamen aufgeregt auf dem U.N.I.T.-Campus an. Unser erster Weg führte uns zur Kaserne – der Uhrzeit nach müßte John schon Dienstschluß haben. Als Tracy erwähnte, daß wir ihn andernfalls wohl eher auf der Krankenstation als im Dienst finden würden, schauderte es mich gleich noch mal. Da hatte er sicher Recht. Wahrscheinlich war er nicht einmal zuhause. Trotzdem war das erst mal unsere erste Anlaufstelle. Den anderen Gedanken, der mir während des Fluges gekommen war, ließ ich noch immer nicht zu.
      Wir zitterten alle, als wir vor Johns Quartier standen. Was für ein Anblick mochte uns erwarten für den Fall, daß er doch zuhause war? Fast stellten wir uns aber darauf ein, daß niemand öffnen würde, als Tracy klopfte.
      Wir wurden in unseren Erwartungen deutlich überrascht, als nur kurze Zeit später ein fröhlicher John Benton die Tür öffnete. Ein John Benton mit einer Nase im Gesicht! Er sah uns überrascht an. Die Wiedersehensfreude glitt allerdings bald schon in Irritation ab. Naja, mir wäre es ähnlich gegangen. Immerhin standen wir drei noch immer sprachlos da und starrten desorientiert auf seine Nase…

Nachdem wir unsere Sprache wiedergefunden hatten, hatte Jake dankenswerterweise die Aufgabe übernommen, uns ein wenig aus unserem peinlichen Auftreten zu befreien, indem er John schon einmal den Hinweis gab, daß wir ein Problem hätten, von dem wir dachten, daß wir die Lösung bei ihm finden würden, was jetzt doch nicht der Fall war.
      Das machte ihn natürlich neugierig, und so bat er uns herein, in der Hoffnung, uns vielleicht doch unterstützen zu können. Ich bezweifelte es fast. Wenn er nicht derjenige war, der seine Nase vermißte, woher sollte er dann wissen, woher sie kam? Tracy war frustriert. Er irrte sich nicht gerne.
      Da saßen wir nun also bei John auf dem Sofa. Es ist ein komisches Gefühl, wenn man einen Sachverhalt wie unseren zu erklären hatte. Glücklicherweise hatten wir ja die Nase dabei, damit John uns nicht gleich von vornherein für völlig bekloppt abstempelte.
      Wir erklärten also noch einmal, was vorgefallen war, und wie es gekommen war, daß wir ausgerechnet bei ihm aufgelaufen waren. Tracy hielt die Nase zum Vergleich hoch. Er hatte Recht! Sie war John wie aus dem Gesicht geschnitten, nur daß sie es glücklicherweise nicht tatsächlich war. Eine Tatsache, die mich sehr beruhigte! Aber wem gehörte die Nase nun?
      John sah sich die laufende Nase nachdenklich an. So etwas hatte er auch noch nie erlebt. Interessant war allerdings auch, daß es jemanden geben mußte, der exakt seine Nase hatte.
      Wir standen jedenfalls wieder am Anfang unserer Bemühungen. Ehrlich gesagt, ich hatte mir noch nie die Mühe gemacht zu beobachten, ob zwei Leute in meinem Umfeld die gleichen Nasen hatten.
      Jakes Idee ging in Richtung von Johns Familie. Die meisten davon konnte John aber verneinen. Überhaupt hatte er sich nie richtig mit seiner Nase anfreunden können. Ich wußte gar nicht, was er gegen seine Nase hatte. Er hatte eine hübsche Nase, die zudem auch noch gut zu ihm paßte.
      In Gedanken ging er noch immer seine Familie durch und dachte gerade an einen Cousin von ihm. Eine Möglichkeit, die nicht ganz ausgeschlossen war. Ob das wohl wirklich der richtige Ansatzpunkt für uns war? Ich mochte mir niemanden ohne Nase vorstellen, erst recht jemanden aus der Familie eines guten Freundes nicht.
      Er hatte ein Bild von Tony da, und er hatte Recht, das mochte passen. Wir wechselten beklommene Blicke. John fackelte nicht lange und rief bei seinem Cousin an. Er hatte Glück ihn zu erwischen, denn Tony war Pilot und viel unterwegs. Vielleicht war das aber auch schon ein Indiz für einen Volltreffer.
      Tonys Miene mußte göttlich gewesen sein, als John ihn fragte, ob er seine Nase noch hätte. Anhand des Gesprächsverlaufs, den wir von Johns Seite mitbekamen, merkten wir, daß es ein eher peinliches Gespräch war. Tony mußte John für völlig durchgeknallt halten, als er ihm erklärte, daß er natürlich seine Nase noch hätte. John verabschiedete sich recht schnell wieder und ließ sich erschöpft auf das Sofa sinken, nur um im nächsten Moment wieder aufzuspringen und ein Foto von der Nase zu machen. Als Beweis, daß er noch Herr seiner Sinne war.
      Unsere Idee hatte jedenfalls wieder in eine Sackgasse geführt. Die Nase mußte also zu jemandem gehören, der tatsächlich durch puren Zufall genau so eine Nase hatte wie John. Oder er war ein verschollener Verwandter, wie Tracy sinnierte.
      Wir beratschlagten gerade, wie wir weiter vorgehen wollten, und Jake schlug gerade vor, einen Aushang zu machen in der Art von »Nase gefunden«, als John ein förmlicher Schock erteilte. Offenbar war ihm gerade etwas eingefallen. Und das bestätigte er auch, als er verkündete, daß er einen Verdacht hatte, woher die Nase kam. Jetzt waren wir mehr als neugierig!
      Er fackelte nicht lange, sondern sprang auf, um seine Theorie zu testen. Uns gab er einen Wink, ihm zu folgen. Er nahm uns mit in seinem Wagen und erklärte uns unterwegs alles. Und ab da wurde es noch spannender.
      John erzählte uns, daß es vor einiger Zeit zu einiger Zeit zu einer Androideninvasion gekommen war, wobei Invasion nicht ganz das richtige Wort war. Die Androiden sollten dafür eingesetzt werden, verschiedene Schlüsselpositionen beim Militär zu ersetzen. Unter anderem auch von unserem Freund John.
      Es gab also eine Androidenversion von ihm! Das war interessant. Laut John waren die Androiden erstaunlich originalgetreu. Sie mußten ja auch täuschend echt sein, um ihre Vorbilder zu ersetzen.
      Das alles war schon einige Zeit her, doch die Androiden gab es immer, zumindest diejenigen, die überlebt hatten. Vor kurzem kam die Meldung, daß die Androiden in ein Forschungszentrum verlegt werden sollten. John hatte dem gar nicht viel Aufmerksamkeit beigemessen; jetzt hatte er sich aber daran erinnert. Und wir ahnten, warum…

Für John war es mit seinem U.N.I.T.-Ausweis kein Problem, uns Zutritt zu den Räumlichkeiten des Forschungszentrums zu verschaffen. Wir wurden von einer Wissenschaftlerin in eine große Halle geführt, wo auf diversen Liegen die Androiden lagen. Zielstrebig führte sie uns zu einem der Liegeplätze. Und uns stockte der Atem! Da lag der Benton-Android, und tatsächlich! Ihm fehlte die Nase! Darunter war die reine Elektronik zu sehen. Ich muß ehrlich sagen, daß ich es so ein bißchen besser verkraften konnte, als wenn wirklich unserem Freund die Nase gefehlt hätte…
      Ich setzte die laufende Nase einfach auf der Brust des Androiden ab, und gleich darauf konnten wir beobachten, wie sie zum Gesicht lief und sich dort an ihrem Platz einfügte. Jetzt war der Android wieder vollständig, und er glich John wirklich verblüffend! Tracy war daraufhin auch wieder zufrieden. Denn gewissermaßen hatte er mit seiner Vermutung ja nun doch Recht gehabt. Ich sage ja, auf den Gorilla ist Verlaß, auch wenn wir hier um eine Ecke herum hatten denken müssen – auf die wir ohne John gar nicht gekommen wären. Wie gut, daß wir ihn nicht nur angerufen hatten, sondern gleich hingefahren waren! So sorgte dieser glückliche Umstand dafür, daß der Android wieder vollständig war. Und das stimmte uns alle recht zufrieden.
      Die Wissenschaftlerin kommentierte es bloß mit den Worten, daß sie sich schon gewundert hatte, wo die Nase hingekommen sei.

Was genau passiert war, und wie die Nase es zu uns geschafft hat, werden wir wohl nie erfahren. Oder vielleicht doch irgendwann; es gibt die Vermutung, wenn die Androiden wieder aktiviert werden, daß der Benton-Android die Informationen eventuell abrufen kann. Das wäre natürlich sehr interessant. Im Augenblick wird mit Hochdruck an der Erforschung der Androiden gearbeitet, bis sie schließlich wieder aktiviert werden sollen. Aber das ist eine andere Geschichte.


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Die Vorgabe für Kalenderwoche 41/2021 von mir war:
      Eine laufende Nase kennt jeder. In diesem Kapitel ist dies allzu wörtlich zu nehmen…

Anm. d. Aut.:
      CrossOver mit U.N.I.T.
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