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The Missing Parts Of Us

von La Lia
MitmachgeschichteMystery, Freundschaft / P16 / Gen
05.01.2021
05.01.2021
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Prolog

Vor fünf Jahren

Sekundenfetzen








Vor zwei Minuten hatte sie noch gelacht.

So sehr, dass ihre Augen tränten und ihr Bauch wehtat, bis sie keine Luft mehr bekam.

Dreißig Sekunden später blieb ihr das Lachen im Hals stecken. Tibby blieb die Luft vor Angst weg, als die Energiekugel aus dem Nichts ein kratergroßes Loch in den Boden neben ihr riss und sie zu Boden schleuderte.Der brennende Schmerz in ihren Knien und Handgelenken war zweitranging, als sie nach ihrem Digivice griff. Ihre Freunde taten es auch und ihre Partner wuchsen in einem Lichterspiel auf ich Champion-Level heran. Mit polternden Herzen beobachtete Tibby, wie sich ihre Digimon in einen hoffnungslosen Kampf stürzten. Sie wusste, dass sie selbst als gesammelte Front nichts gegen das Megalevel Callismon ausrichten konnten. Ihre einzige Chance war die Flucht. Doch der Kampf war aus heiterem Himmel über sie hineingebrochen und keines der Digimon hatte die Zeit, einen von ihnen in Sicherheit zu bringen. Dabei waren sie so nah am Ziel gewesen. Tibby lag noch am Boden, als ihr der Schreck in die Kehle kroch und sie zuschnürrte. Gerade hatte sie noch geschwitzt. Jetzt war es eiskalt. Der riesenhafte Bär richtete seine dreiläufige Waffe auf das Witchmon, das dem Angriff gerade noch so ausweichen konnte. Die Explosion zerrte an ihrem Trommelfell, zerriss es förmlich, aber sie konnte nicht schreien. Tibby schaffte es nicht einmal, sie die Hände auf ihre Ohren zu schlagen. Die Angst fesselte sie, aber nicht die Übelkeit, die ihren Rachen hochkroch.

Eine Sekunde später zog er sie auf ihre Füße. Das hätte er niemals tun dürfen, denn damit begann das Ende.

Callismon schlug die riesige Pranke in ihre Richtung. Erschrocken, aber steif vor Furcht, starrte sie dem riesigen Affen entgegen.

Tibs!“ Coories Stimme ging in ihrem erstickten Keuchen über. Das Digimon hatte sie gerade noch rechtzeitig mit ihrem Hechtsprung erreicht.

Die Krallen des riesigen Affen bohrten sich in Sangloupmon, die getroffen zu Boden ging.  Hätte sie die beiden nicht in letzter Sekunde geschützt, wäre es Tibbys Ende gewesen. Doch noch immer pulsierte die Angst kalt in ihrem Körper. Du schaffst das, flehte sie ihre Partnerin tonlos an, weil kein Wort über ihre Lippen kam.Mit einem Stöhnen richtete sich Sangloupmon wieder auf. Zitternd baute sie sich vor den beiden Menschen auf, um Callismon keine Möglichkeit zu geben, sie anzugreifen. „Verschwindet“, knurrte sie und setzte zu einem hoffnungslosen Angriff an.

Fünf Sekunden später schrumpfte ihre Partnerin zu Gazimon zurück, weil der gigantische Bär sie mit einem Schlag erneut zu Boden gerissen hatte. Die Angst um ihr Digimon fror das Blut in ihren Adern ein, doch Tibby konnte sich nicht bewegen. Keine Zentimeter. Zur Salzsäule erstarrt klebte ihr Blick an ihrer regungslosen Partnerin. Sie war eine Schande. Absolut unfähig. Ihre Hand verkrampfte sich um das Digivice in ihren Händen. „Digitiere“, bat sie verzweifelt, doch ihr Stoßgebet blieb ungehört und ihr Freund riss sie in letzter Sekunde zur Seite. Eine halbe Sekunde später schlug Witchmon auf dem Boden auf, auf die Stelle, an der sie gerade noch festgewachsen war. Mit einem schmerzerfüllten Stöhnen stützte sie sich auf ihrem Besen ab, um wieder auf die Beine zu kommen. Die Rückendeckung, die sie dabei von Dobermon erhielt, würde nicht mehr lange halten. Deswegen ließ Tibby auch zu, dass ihr Freund sie mit sich zog. Sie war so ein erbärmlicher Feigling.

„Das Tor ist gleich offen!“Er war einer ihrer Freunde, doch die kalte Panik rauschte hinter ihren Ohren und verschluckte fast alles, weswegen sie nicht sagen konnte, wer es war.In diesem Moment erinnerte sich Tibby wieder daran, wie man sich bewegte. Also lief sie los, als sich eine halbe Minute später das Digitor öffnete. Das grellgelbe Licht wirbelte in ihre Richtung. Der Weg nach Hause. In Sicherheit. Tibby machte einen Schritt auf das rettende Tor zu, dann schüttelte sie den Kopf. Ihre Partnerin fehlte. „Gazimon!“ Ihre Stimme hallte fest über den Kampfplatz. Obwohl jede Silbe Tonnen wog und ihre Beine so weich waren, dass sie bei jedem Schritt umfallen konnte. Es überraschte sie, dass die Kraft noch gefunden hatte. Anscheinend schlummerte sie irgendwo unter ihrer feigen Hülle. Was für gigantische Angst sie doch hatte. Trotzdem lief sie los. „Springt jetzt!“, wies jemand an, doch die Kampfgeräusche waren zu laut, um auszumachen, von wem es kam. Dafür hörte sie ihn genau. „Vergiss es, ich hole Coorie.“ Er lief los, ohne sich einmal umzudrehen. Tibbys Worte blieben ihr im Hals stecken, als Witchmon sie auf ihren Besen warf. Im nächsten Augenblick riss der Angriff von Callismon die Erde auf, auf der sie gerade noch gestanden hatte. Witchmon setzte sie wieder ab und stürzte sich in den Kampf zurück.Jemand fasste ihre Hand. Bis auf ihn waren die meisten am Tor. Nur Dobermon und Witchmon kämpften noch an der Seite ihrer Partner.

Er hatte Coorie erreicht und in fünf Sekunden würde sich alles verändern.

Ihr Gazimon bewegte sich noch immer nicht, als er sie an sich drückte und auf das Tor zulief.

Noch vier Sekunden.

Callismon richtete die drei Läufe seiner Waffe auf ihren Freund.

Tibby schrie.

Noch drei Sekunden und jemand brüllte sie an, sie solle in das Digitor springen.Er schleuderte Gazimon von sich weg, doch sie rührte sich nicht einmal, als sie auf den Boden aufkam. Tibby wollte losrennen, doch jemand riss sie zurück.

Noch zwei Sekunden.

Dobermon und Witchmon starteten einen gebündelten Angriff, doch er prallte ab

Eine Sekunde.

Der Schuss löste sich.

Jemand zog Tibby nach hinten, als er von allen drei Kugeln durchbohrt wurde. Sein Körper fetzte auseinander und das Blut spritzte in jede Richtung. Er riss auseinander, so mühelos, als wäre er aus Papier. Doch sein Blut war warm und spritzte ihr bis ins Gesicht.

Sie übergab sich. Ihr Schrei war stumm.

Jemand anderes kreischte panisch, die Partnerin von Dobermon heulte aus, ehe WItchmon sie auf ihren Besen hob und dann richtete sich die Waffe auf Tibby.

In diesem Moment hörte sie nur ihren Herzschlag.

Rabumm.


Das war es.

Rabumm.


Sie schloss die Augen.

Rabumm.


In ein paar Sekunden war es also vorbei.

Rabumm.


Rabumm.


„Jetzt!“, hörte sie jemanden rufen und Dobermon spie einen schwarzen Strahl in ihre Richtung. Sie spürte den Schmerz des Angriffes kaum, denn ihr Herzschlag war lauter, die Bilder vor ihren Augen schmerzvoller.

Sie schrie noch immer stumm, während sich die Bilder der Fetzen seines Körpers in ihr Gedächtnis einbrannten. Seine zerfetzten Innereien. Der abgetrennte Rumpf. Sein Beine… ihn. Das warme Blut auf ihrem Gesicht.

Sie sah ihn auch noch, als sie längst das Bewusstsein verloren hatte.

Fünf Jahre später sah noch immer, wie er in Fetzen gerissen wurde.

Sein warmes Blut klebte noch immer in ihrem Gesicht. Doch ganz besonders an ihren Händen.

Denn auch, wenn die Erinnerungen an damals verschwammen wie ein Traum, wusste sie genau, dass es ihre Schuld war.

Und immer bleiben würde.
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