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Das Gestehen von Gefühlen

KurzgeschichteRomance, Familie / P12 / Mix
Effie Trinket Haymitch Abernathy Katniss Everdeen Peeta Mellark
04.01.2021
13.05.2021
6
6.942
7
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14.04.2021 1.092
 
Süßer Schmerz

Effie schnappte hektisch nach Luft. Sie war nicht weit gelaufen, aber ihre Seiten brannten. Unbewusst war sie zu einem Haus der Sieger gelaufen, welches unbewohnt war. Genau jenes, in welchem sich Katniss nach der Verkündung des Jubeljubiläums versteckt hatte. Ohne weiter darüber nachzudenken ging sie hinein, hatte keine Ohren und Augen außer für ein Versteck, welches sie in einem Wandschrank fand. Vielleicht hätte sie die Schritte, das Atmen einer anderen Person bemerkt, wenn sie sich nicht dort versteckt und die Tür geschlossen hätte. Alles in Effie bebte. Sie musste an die Tribute aus Distrikt 12 denken, die alle in den Hungerspielen gestorben waren. Durch ihre Hand, durch ihre Wahl der Zettel. Wahrscheinlich hatte sie es verdient in genau diesen Spielen zu sterben. Der Gedanke beruhigte sie ein wenig und doch brach sie in Tränen aus und konnte mit dem Schluchzen nicht mehr aufhören.
Ihre Lungen brannten vom Weinen, Betteln und Jammern nach einiger Zeit, Tränen floßen schon lange keine mehr und doch konnte sie diesen Anfall nicht stoppen. Panik keimte in ihr auf, als sie das Gefühl hatte nicht mehr atmen zu können, doch sie konnte es nicht abstellen. Ein wenig Licht drang durch die Schranktür, welche immer weiter geöffnet wurde. Eine Erinnerung kam hoch. Ein Friedenswächter, der sie in ihrer Zelle packte, als sie zusammengekauert in einer Ecke lag. Zum Weinen hatte ihr in diesem Moment die Kraft gefehlt.
Effie weinte noch immer und schluchzte, doch sie warf wild die Arme um sich, als sie aus dem Schrank gehoben wurde. Der Angreifer hatte Mühe sie festzuhalten. In alter Gewohnheit hielt sie die Augen geschlossen und schlug wild um sich, wie zu Anfang ihrer Gefangenschaft. Damals hatte sie Fesseln bekommen, bis sie gebrochen genug war um sich nicht mehr zu wehren. Ihre Arme erschlafften und wurden müde, der Angreifer konnte nun ihre beiden Arme mit einer Hand festhalten, da Effie ihren Widerstand aufgegeben hatte. ,,Bitte keine Tabletten.”, brachte sie schwach hervor, bevor sie den Nadelstich spürte und sie langsam in einen tiefen Schlaf fiel.

,,Sie ist wach.” Effie hörte Schritte und Stimmen, die ihr bekannt vorkamen. Haymitch. Zaghaft bewegte sie ihre Hand und spürte seine rauen Finger, die auf ihren ruhten. Wie oft hatte sie ihm zu einer Handcreme geraten gehabt. Katniss. Ihre Stimme klang sorgenvoll und kam von weiter weg. Peeta. Nah bei Haymitch stand er und redete von Kälte. Erst jetzt nahm Effie ihr Zittern wahr. Jemand legte ihr eine weitere Decke über ihren Körper. Zaghaft umschloss einer ihrer Finger die warme Decke. Ein komischer Laut drang aus ihrer Kehle, eine Mischung aus Seufzen und Wimmern. Ihr Arm juckte und die Finger ihrer anderen Hand zuckten zu der Stelle. Es dauerte einen Moment und gerade hatte sich ein beruhigendes Gefühl auf ihr Kratzen eingestellt, als jemand ihre Hand wegschlug und seine Finger fest um ihre verschloss.
,,Nicht.”, sprach Haymitch und Effie konnte sein Bemühen um einen festen Tonfall heraushören. Etwas schwang in seiner Stimme mit - Angst, Verzweiflung, Wut? Sie wusste nicht einmal was sie gerade fühlte und konnte vielleicht deswegen seine Gefühle nicht einordnen. ,,Du darfst nicht kratzen, Effie. Die Einstichstelle muss gekühlt werden.” Eine schwache Erinnerung blitzte auf. Eine junge Effie, die in der Nacht in ihrem Bett kauerte und sich jenen Arm aufkratzte, der zuvor eine Impfung erhalten hatte. Der Tag an dem sie eine panische Angst vor Spritzen entwickelt hatte, welche sie erst bei ihrer Folter abgelegt hatte. Erbarmungslos waren ihr die spitzen Nadeln in den Arm gerammt worden, nur einer ihrer Folterer hatte nicht den Mut aufgebracht. Vielleicht konnte er keiner anderen Person eine Nadel in die Haut jagen, aber er hatte ihr immer Tabletten gegeben, welche noch schlimmere Halluzinationen als das Mittel in den Spritzen ausgelöst hatten. Manchmal hatte auch er ihre Stellen gekühlt, weil sie diese zu sehr aufgekratzt hatte.
,,Du bist fortgelaufen zu einem Haus der Sieger. Du hattest einen Zusammenbruch und ich musste for ein Beruhigungsmittel spritzen.”
Beruhigungsmittel. Distrikt 13. Automatisch schlug ihr Herz, als wolle es ihr aus der Brust springen. Im Krankenzimmer von Distrikt 13 hatte sie häufiger die Beherrschung verloren und ihr wurde eine Spritze zur Beruhigung verabreicht. Eine Erkenntnis erreichte ihre Gedanken und ihr wurde schwindelig. Haymitch wusste es. Als es ihr besser ging und sie für Katniss da sein sollte, besonders am Tag von Snows Hinrichtung, hatte keiner mehr ein Wort über diese Anfälle verloren. Sie hatte gute Kleidung, Make-up und Perücken zugewiesen bekommen und mit niemanden über ihre Zeit in Behandlung gesprochen.
,,Du trägst immer eine Spritze bei dir?”, fragte sie Haymitch und zwang ihre Augen sich zu öffnen. Bei den Bildern der Vergangenheit musste sie sie geschlossen haben.
,,Nein. Ich trage sie bei mir seit wir nicht mehr in Distrikt 13 sind. Doktor Aurelius hat mir dazu geraten. Jetzt schau nicht so ungläubig. Wir haben nicht darüber gesprochen, aber er hat immer Berichte über deine Genesung-“, er stockte, zwang sich dann aber doch zum Weitersprechen, ,,Oder über deine Rückfälle gegeben.” Beide konnten einander nicht in die Augen sehen. Effie dachte an Doktor Aurelius. Sie hatte nicht wirklich mit ihm sprechen wollen, manchmal hatte er von Katniss oder von Peetas Fortschritten erzählt. Was das Kapitol in Panem angestellt hatte. Mit keiner Silbe hatte er die Nachfragen von Haymitch erwähnt und war auf ihren Wunsch keinen Besuch zu empfangen eingegangen.
Sie hob den Blick. ,,Du hast nie erzählt, dass du von meinen Zusammenbrüchen wusstest.” Süßer Schmerz durchfuhr Effie. Süß, weil Haymitch sich um sie gesorgt hatte und Schmerz, weil er es nie zugegeben hat. Vielleicht wäre sie nicht so kalt gewesen zu ihm, wenn sie es gewusst hätte. Nicht so förmlich und hätte ihren gemeinsamen Kuss nicht als Verzweiflungstat gesehen, sondern als ... Als was eigentlich? Einen Akt der Liebe? Ihre Gedanken rasten und doch kam sie zu dem Entschluss, dass es sich nicht lohnte darüber nachzudenken. Die Hungerspiele, sie  warfen einen Schatten auf ihre nächsten Taten. Keine Losung war beeinflusst gewesen, aber würde das auch hier der Fall sein? Rebellin. Kapitolerin. Was war sie? Als was wurde sie gesehen?
,,Schlaf wieder, Effie. Das Mittel wirkt noch etwas.” Es war Peetas Stimme, der sie aus dem Strudel ihrer Gedanken bewahrte. Das Beruhigungsmittel wirkt, wiederholte sie in ihrem Kopf. Wenn das ihr Zustand unter einem starken Mittel war, wie würde es dann ohne sein?
,,Ich will nicht in die Spiele. Ich will sterben.”

***
Diesmal gibt es schneller ein neues Kapitel! *freu* Wie gefällt es euch? Dreht Effie jetzt vollkommen durch und tut sich etwas an aus Angst in die Spiele zu müssen oder ist vielleicht jede Sorge umsonst und sie wird gar nicht gezogen?
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