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Semantik

GeschichteDrama, Romance / P12 / Gen
Draco Malfoy Hermine Granger OC (Own Character) Severus Snape
04.01.2021
09.05.2021
84
240.879
40
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Dieses Kapitel
1 Review
 
04.05.2021 3.201
 
Disclaimer: Nichts gehört mir; Übersetzung aus dem Englischen (Original von coffeeonthepatio).

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Fossilisierung

Wenn einige Lerner ein ziemlich festes Repertoire an L2-Formen entwickeln, das viele Merkmale enthält, die nicht mit der Zielsprache übereinstimmen, und sie keine weiteren Fortschritte machen, sagt man, dass ihre Interimsprache ‚fossilisiert‘ ist. Der Prozess der Fossilisierung in der L2-Aussprache ist eine offensichtliche Ursache für einen ausländischen Akzent.

(nach Yule, 1996)

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Eleanor war schrecklich misstrauisch. Sie wusste, irgendetwas war im Busch, doch wann immer sie Severus fragte, antwortete er ihr nicht. Er lächelte nicht so oft. Am Tag zuvor war er erschaudert, als sie seine Hand genommen hatte. War die vergangenen drei Tage seltsam gewesen. Etwas war merkwürdig und sein Gesicht schien kälter zu sein als zuvor. Er ging immer noch zur Uni und er kam immer noch zum Essen herüber, doch abgesehen davon blieb er sehr für sich alleine und das bereite ihr Sorgen.

Etwas war vorgefallen und sie wusste nicht, was es war. Fragen brachte nichts. Nichts half. Weder sein Lieblingsessen noch Draco und Aideen auf ihn zu anzusetzen halfen. Sie war besorgt und das zeigte sich. Normalerweise, wenn sie besorgt gewesen war, hatte er es gesehen und er hatte was dagegen unternommen. Nicht jetzt. Jetzt schien er beinahe abwesend und gleichgültig zu sein – wenn er da war. Nachts hörte sie ihn nicht, nie irgendwelche Schreie, ausgelöst durch Albträume, nichts.

Sie war besorgt und sie musste noch einmal mit Draco und Aideen darüber sprechen. Diese beiden saßen an ihrem Tisch und warteten darauf, dass sie den Tee brachte, und obwohl sie beiden Jugendlichen gesagte hatte, sie sollten sich mit Hermine Granger in Verbindung setzen, war die junge Frau noch nicht aufgetaucht und irgendwie bezweifelte Eleanor, dass sie es würde.

Mit dem Tablett mit den Teesachen in ihren Händen schleppte sie sich an den Tisch. Ihr Rücken bereitete ihr wieder Probleme und ihre Füße schmerzten. Sie wurde nicht jünger und das wusste sie. Die Sorge um Severus ließ sie auch nicht unbedingt besser fühlen.

„Omi?“ fragte Aideen sanft als Reaktion auf ihren leisen Seufzer.

„Ich will wissen, was mit ihm los ist,“ sagte sie hart.

Draco räusperte sich und blickte sie eindringlich an. „Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, dass er wieder zu seinen alten Gewohnheiten zurückgekehrt ist. So wie er in der Schule war und daher seine Magie und damit auch die Okklumentik wieder hat,“ er zuckte mit den Achseln. „Ich habe versucht, Granger zu fragen, doch sie ist nicht rangegangen, als ich versucht habe sie anzurufen, und als ich sie in London besuchen wollte, war sie auch nicht dort. Zumindest haben Potter und Weasley das gesagt.“

„Kannst du sie nicht Harry und Ronald nennen, Draco? Und Hermine?“ Aiden boxte ihn scherzhaft. „Vielleicht hat es nichts mit Magie zu tun, doch sie ist auch nicht ans Telefon gegangen, als ich sie angerufen habe, und als ich Severus gefragt habe, wo sie sei, sah er irgendwie finster aus und hat ebenfalls nichts gesagt. Was wenn …“

„Das einfach Liebeskummer ist?“ keuchte Eleanor. „Wenn diese beiden … nun ja … sie würden gut zusammenpassen, doch sie ist so jung und … bist du sicher?“

„Granger sicherlich …“ begann Draco, doch die sanfte Berührung ihrer Enkelin auf seinem Arm hielt ihn auf und brachte ihn dazu, sie anzuschauen.

„Ich glaube, Hermine hat Gefühle für ihn,“ sagte sie leise. „Aber Severus …“ sie zuckte mit den Schultern.

„Diese dummen Kinder,“ sagte Eleanor wütend und stemmte ihre Hände gegen die Tischplatte, wodurch sie sich (mit einem schmerzhaften Stöhnen) hochdrückte und die beiden jungen Leute anblitzte. „Warum habt ihr mir das nicht schon früher erzählt?“

Draco zuckte mit den Achseln. „Ich war mir nicht sicher.“

„Ich dachte, dass sie es vielleicht irgendwie selbst hinbekommen würden. Dass er, wenn er weiter so schmollen würde, er mit ihr reden würde“, sagte Aideen entschuldigend. „Ich meine, er kann doch nicht weiter so Trübsal blasen ...“

„Er bläst tatsächlich kein Trübsal, Aideen,“ Draco schüttelte den Kopf. „Ehrlich, so war er in der Schule. Man wusste nie, was er fühlte oder ob er überhaupt irgendetwas fühlte. Er befand sich die ganze Zeit in einer Art zornig-gleichgültigem Zustand. Er war entweder wütend oder er war gar nichts. Ernsthaft. Und so ist er.“

„Ich werde mit ihm reden,“ schnaubte Eleanor. „Er kann sich nicht wie ein Teenager benehmen.“

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Harry hatte Quidditch endgültig aufgegeben. Es war in Ordnung, Teddy hin und wieder im Fuchsbau zu lassen, doch als er sich dafür entscheiden musste, eine weitere Saison zu spielen, musste er nein sagen. Teddy war wichtiger. Und wenn er sich vielleicht, letztendlich, dazu entschloss, ein Buch über den Krieg zu schreiben (unter einem Pseudonym, wenn überhaupt), würde das eine Menge Geld bringen, wenn es ihm ausgehen sollte – was er bezweifelte. Er würde ein Vollzeitvater für Teddy sein. Würde ihn nicht bei Kreacher lassen, würde Kreacher nicht einmal auf ihn aufpassen lassen, während er schlief. Nein, Teddy war seine Verantwortung und das war das Ende dieser speziellen Geschichte.

Es gab andere Geschichten in seinem Leben – und er würde trotzdem ausgehen. Er wollte immer noch einige Dinge herausfinden – über sich selbst. Doch all das konnte warten.

Er könnte Teddy ein guter Vater, nun ja, Pate sein, doch gleichzeitig gab es immer noch das Rätsel um Hermine zu lösen. Üblicherweise war es Hermine, die alle Rätsel löste. Hermine, die alle Antworten kannte. Doch da Hermine selbst das Rätsel war – konnte sie es nicht tun.

In den vergangenen Tagen hatte sie sich seltsam benommen. Sehr, sehr seltsam. Sie aß immer noch – brav – die meisten Mahlzeiten mit ihnen zusammen, oder zumindest Frühstück, bevor sie zur Uni apparierte, und aß lediglich einen kleinen Happen nach ihren Vorlesungen, bevor sie auf ihr Zimmer ging. Und dort bis zum folgenden Morgen und Frühstück blieb.

Das an sich war nicht rätselhaft. Hermine lernte gerne und sie tat es gerne in völliger Stille. Aber sie scherzte nicht einmal mit Teddy, schimpfte nicht einmal mit Ron, weil er wie ein Schwein aß. Sie saß einfach und aß schnell, schlang im Grunde ihr Essen hinunter, flüchtete dann. Sie war ruhig und blass und nachdenklich. Und wenn Harry nicht darauf bestanden hätte, dass Kreacher sättigende, vollwertige, nahrhafte Speisen kochte, dann bezweifelte er nicht, dass Hermine ebenfalls abnehmen würde. Etwas stimmte nicht mit ihr und er konnte nicht ausmachen, was es war.

Ja, sie redete weniger über Snape und Malfoy und all diese Leute um sie herum, doch sie hatte angefangen, weniger über sie zu reden, nachdem Ron und er sie nach dem Fall von Apparieren-mit-niedrigem-Blutzucker hatten abholen müssen. Irgendwie hatte sie aufgehört, über sie zu sprechen. Insbesondere über Snape und er wusste nicht einmal, ob sie immer noch an dem Gegenfluch arbeitete. Es sah sicherlich nicht so aus.

Ihr Zimmer, dachte er, als er Teddy dorthin getragen hatte, kurz nachdem sie zur Uni gegangen war, war sauber und die einzigen Dinge, die herumlagen, waren Bücher über Mathematik. Ja, er fühlte sich also ein wenig schlecht, weil er herumschnüffelte, aber es war seltsam, wie sie sich verhielt, und er wollte dieses Hermine-Rätsel ohne Rons Hilfe (der mit seinem Bruder arbeitete) und natürlich ohne Hermines Hilfe lösen.

Das war sozusagen der Testlauf, entschied er. Wenn er herausfinden könnte, was Hermine bedrückte, könnte er sicherlich herausfinden, wo er genau stand.

Ihr Zimmer an sich gab ihm keine Anhaltspunkte, als er sich nur umsah, und da es Donnerstag war und er wusste, dass Hermine bis spät Vorlesungen hatte, beschloss er, ein noch größeres Risiko einzugehen und sich genauer umzusehen.

„Du wirst wirklich zu schwer, um dich lange herumzutragen,“ sagte er zu seinem Patenkind mit einem Lächeln, küsste Teddy und setzte ihm auf dem Boden ab. „Geh auf Entdeckungstour,“ sagte er sanft, „vielleicht wirst du mir dabei helfen, das Hermine-Rätsel zu lösen. Wenn du etwas findest, das Snape betrifft, schreist du, okay?“ lachte er, dann rückte er näher an ihren Schreibtisch, ein halbes Auge auf sein Patenkind gerichtet.

Er achtete darauf, sich genau anzusehen, wo alles lag oder stand, bevor er Dinge auf ihrem Schreibtisch anfasste. Es waren nur Mathenotizen; es war nichts, was auch nur im Entferntesten mit Magie zu tun hatte. Nichts im Geringsten Magisches. Es waren nur Muggelsachen. Ein kleines schwarzes Buch, das er nicht zu öffnen wagte (könnte ihr Tagebuch sein und er war sich sicher, dass er nicht ganz so tief in das Rätsel eintauchen wollte, das Hermine war), eine Vielzahl an Kabeln, ihr Laptop, Bücher. Viele Bücher. Alle mit Bezug zu Mathe.

Das war nicht der Schreibtisch einer Hexe. Das war der Schreibtisch einer Muggel Mathematikstudentin. Er seufzte und setzte sich vorsichtig auf ihren Stuhl, wobei er zusah, wie Teddy auf das Bett zu krabbelte und glücklich brabbelte.

Vielleicht war es einfach das. Vielleicht hatte es etwas mit Snape und diesen Leuten um ihn zu tun – vielleicht war sie der Magie überdrüssig, und wenn er es sich recht überlegte, benutzte er sie gar nicht so viel. Sie apparierte, ja, aber das war's, soweit er in letzter Zeit sehen konnte. Vielleicht hatte Snape sie beeinflusst. Vielleicht hatte Draco sie dadurch, dass er zu den Muggeln zurückgekehrt war, beeinflusst. Vielleicht war sie einfach selbst verwirrt und das war der Grund, weshalb sie in letzter Zeit komisch war.

„Onkel, schau,“ quietschte Teddy und zeigte mit einem pummeligen Finger auf eine wunderschön bemalte Holzkiste, die unter Hermines Bett stand. Dieser Junge war wahrscheinlich besser als jeder Bluthund. Oder er mochte einfach die bemalte Kiste. Harry zog es vor, eher Ersteres zu denken als Letzteres, besonders als er ebenfalls auf Hände und Knie ging und die Box herauszog und Teddy sie ehrfürchtig mit seinen Babyfingern nachzeichnete.

„Meinst du, wir sollten sie öffnen?“ fragte Harry sein Patenkind, dann nickte er vor sich hin. „Es wird nicht schaden, einen Blick reinzuwerfen, oder?“

Teddy lächelte, wobei sich ein wenig Spucke in der Ecke seines Mundes sammelte, die Harry – automatisch – mit dem Ärmel seines Pullovers wegwischte, bevor er sich über die Box beugte und sie langsam öffnete.

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„Severus,“ die Frau stand vor ihm, ein wenig gebeugt, eine Hand auf ihren Rücken gepresst, und er wusste, dass er etwas für diese Frau verspürte. Da war etwas, doch er konnte es nicht erkennen. Er wusste, dass die an ihren Rücken gepresste Hand ebenfalls etwas bedeutete.

Ah – die Hand bedeutete Schmerz. Ja, das wusste er.

„Ja?“ fragte er gedehnt und sah kaum von dem Buch auf, das er gelesen hatte, bevor sie ihn so unhöflich unterbrochen hatte.

„Ich werde dich ein letztes Mal fragen, was ist los mit dir?“ kreischte sie beinahe.

„Ich habe gelesen und du hast mich unterbrochen,“ sagte er.

„Das bist du nicht,“ die Frau schüttelte den Kopf. „Das ist nicht der Junge, der hier die letzten …“

„Ich bin kein Junge,“ erklärte er kalt. „Und du tätest gut daran, dir das zu merken.“

Die Frau starrte ihn wahrlich entgeistert an, ging dann zu ihm hinüber und klemmte sein Ohr zwischen Daumen und Finger. „Keine Ausreden mehr. Ich kenne dich nicht mehr. Ich weiß nicht, was los ist, und ich möchte es wissen. Ich beköstige dich nicht, damit du dich so benimmst und dich mir gegenüber so benimmst. Ist das dieses Imperius Ding? Stehst du unter dem Einfluss eines Zaubers?“ fragte sie sehr leise. „Ist es das=“

„Ich weiß nicht, wovon du sprichst, und ich wäre dir sehr verbunden, wenn du mich alleine lassen könntest,“ murmelte er über das Buch gebeugt, sein Ohr schmerzte von ihrem festen Griff.

„Das werde ich nicht. Ich werde dich nicht alleine lassen, bis ich weiß, was hier geschieht,“ sie schüttelte den Kopf und der Druck auf seinem Ohr nahm noch mehr zu.

„Hör auf, mich zu bedrängen, Frau!“

„Du wirst mich nicht so nennen. Du wirst mich nicht Frau nennen und damit davonkommen,“ rief sie laut und zwickte sein Ohr fester. „Du wirst mir erklären, was los ist. Um Himmels willen, Severus …”

Er sah hoch in ihre Augen. Sie waren blassgrün. Blassgrün und ziemlich feucht. Ihre dünne Unterlippe war zwischen die Zähne geklemmt und sie schien darauf zu kauen. Da war etwas. Etwas, das er für diese Frau verspürte.

Seine Okklumentik war stark. Er hatte diese Mauern, die seine Gefühle umgaben, noch stärker aufgebaut als die, die den Rest seiner Gedanken umgaben, und er wusste, dass da Gefühle waren. Für sie und für Draco Malfoy und Aideen Callaghan und für Granger. Er wusste, dass sie dort waren, hinter seinen Wänden. Die Wände, die er selbst errichtet hatte. Hatte Jahre damit verbracht, sie zu verstärken. Da war etwas.

Er kniff seine Augen zusammen, dann öffnete er sie, als er etwas wie einen Regentropfen auf seiner Wange spürte. Er war drinnen, es konnte nicht regnen. Es konnte unmöglich. Drinnen. Er sah hoch zu ihr und diese Frau weinte. Die Frau hatte eine Träne auf ihn vergossen.

„Ich …“ wieder schloss er seine Augen und wusste, dass einige dieser Wände wegmussten. Diejenigen, welche die Gefühle für diese Frau umgaben, mussten weg. Sofort. Er konzentrierte sich. Er konzentrierte sich sehr stark. Und es gab kein Durchkommen. Er hatte sich seine eigene Festung gebaut und sich eingeschlossen.

Eine weitere Träne tropfte auf seine Wange, doch dieses Mal überraschte es ihn nicht allzu sehr. Er konnte nicht ganz ergründen, warum sie weinen sollte. Oder in sein Ohr kneifen sollte.

„Du bist dort drin, Severus. Ich weiß, dass du es bist. Der Junge, den ich liebe, ist irgendwo dort drin. Was haben sie mit dir gemacht? Was ist mit dir geschehen?“

„Granger hat mir meine Magie zurückgegeben,“ antwortete er automatisch, kalt. Distanziert.

„Was?“ der Schmerz an seinem Ohr war auf einmal verschwunden.

„Bist du schwerhörig?“ bellte er.

„Ja, offenbar schon. Magie, Severus? Ist es das? Ist das der Grund, weswegen du komisch bist? Draco hat etwas darüber gesagt … er sagte, du … doch du kannst das nicht leicht ändern. Nicht so, Severus. Erinnerst du dich nicht? Hast du das vergessen? Erinnerst du dich daran, dass ich dich liebe? Dass ich möchte, dass du glücklich bist? Hast du das vergessen?“ schrie sie beinahe.

Da war etwas. Wie das schwache Licht einer flackernden Fackel in seinem Geist. Ein wenig Licht und er folgte ihm. Instinktiv folgten seine Gedanken dem hellen Licht.

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Harry schien außerordentlich blass zu sein. Eine ungesunde Art der Blässe. Die Art von Blässe, die Snape immer gehabt hatte. Er war es nicht gewesen, wenn er es sich recht überlegte, als sie Hermine zurück nach Hause gebracht hatten. Armes Mädchen. Seit diesem Zeitpunkt war es ihr zu peinlich, mehr zu tun, als mit ihnen gemeinsam zu essen. Verdammt, ihm wäre es auch peinlich, wenn ihn jemand im Grunde nach Hause tragen müsste. Naja, nach Hause apparieren, doch die Idee dahinter war dieselbe.

„Was ist los, Kumpel?“ fragte er, als er seinen Freund blass und träge am Küchentisch sitzend vorfand, kein Essen vorbereitet, kein Kreacher in Sicht.

„Sie ist wirklich in Snape verknallt,“ sagte Harry. „Und sie hat versucht, ihm zu schreiben, aber das hat sie nicht …“

„Hä? Wir wussten, dass sie verknallt ist. Sie hat es uns erzählt und die Art, wie …“

„Unterbrich mich nicht,“ knurrte Harry. „Ich habe Briefe in ihrem Zimmer gefunden, die sie ihm schreiben wollte.“

„Warum würdest du die in ihrem Zimmer finden? Was hast du in ihrem Zimmer zu suchen?“

„Ich war verdammt besorgt um sie. Sie hat ihm geschrieben. Oder hat es versucht. Sie liebt ihn. Oder glaubt, dass sie es tut, was zur Hölle weiß ich schon, und er hat sie wahrscheinlich abgewiesen und das ist der Grund, weswegen sie so ist. Der verdammte Bastard. Hermine abweisen? Nur ein verdammter Idiot würde so dumm sein.“

„Vielen Dank auch,“ antwortete Ron verletzt. Er war ein Idiot gewesen, weil er sie hatte gehen lassen oder weil er nichts mit ihr begann, doch welche andere Chance hatte er? Er wollte glücklich sein und er wollte, dass Hermine glücklich war. Als Paar wären sie zusammen nicht glücklich gewesen. Sein Bauchgefühl hatte ihm das mitgeteilt, und wenn Hermine die Art von Mädchen war, die Typen wie Snape verfiel, hatte sein Bauchgefühl wahrscheinlich Recht behalten.

„Ron, ich hab’s nicht so gemeint,“ sagte Harry. „Aber wir haben jetzt ein Problem, siehst du es nicht?“

„Nein, wir gehen zum fettigen, alten Penner und sagen ihm, dass er ein Idiot ist, weil er sie abserviert,“ Ron zuckte mit den Schultern.

„Verspürst du einen Todeswunsch?“

„Manchmal, ja,“ grinste er und versuchte, den Schmerz von Harrys impulsiven Kommentars davonzuschieben.

„Nein, ernsthaft. Wir müssen sie aufmuntern,“ sagte Harry. „Liebeskranke Mädchen sind …“

„Ja, sag du es mir. Ich musste mit Ginny zusammenleben, nachdem … oh. Naja, tut mir leid, ich glaube, wir sind jetzt quitt, hm?“

Harry verdrehte die Augen, dann nickte er, während sich Schweigen über den beiden ausbreitete, jeder von ihnen dachte wahrscheinlich darüber nach, wie er seinen Freund aufmuntern könnte.

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Nun ja, es war … nicht, wie sie gedacht hatte, dass es sein würde. Die Jungs würden sich Sorgen um sie machen, doch wenn Harry sich immer noch weigerte, sich ein Handy oder eine E-Mail-Adresse zuzulegen, konnte sie nicht anders. Es wäre zu verdächtig gewesen, eine Eule zu schicken, während sie, nun ja, mit einem Typen knutschte. Er fühlte sich wirklich falsch an. Er war zu klein und sein Haar war anders und er umarmte anders. Doch sie war – verzweifelt gewesen. Sie hatte aufhören wollen, über Snape nachzudenken und die Umarmung und das Feuer und Licht in seinen Augen. Sie hatte all dies vergessen wollen.

Nicht, dass sie geplant hatte, dass die Dinge in, nun ja, Ians Studentenwohnheimzimmer enden würden. Oder, um präziser zu sein, mit hochgezogenem Rock, offener Bluse und BH auf seinem Bett. Mit ihrem Schlüpfer … nun ja, irgendwo. Nicht wo er sein sollte.

Sie hatte vergessen wollen und war kläglich gescheitert. Jedes Mal, das schwor sie, jedes Mal, wenn er etwas gesagt hatte oder getan hatte, hatte sie sogleich darüber nachgedacht, was Snape tun oder sagen würde. Wie Snape küssen würde. Wie Snape sich bewegen würde. Wie Snape bestimmte Geräusche machen würde und ob Snape sie danach in seine Arme ziehen würde oder sich einfach irgendwie an ihrer Seite niederfallen lassen würde, wie Ian es getan hatte. Ob es mit Snape besser sein würde, weil, ehrlich gesagt, wenn Sex immer so war, nahezu langweilig und in ihr das Verlangen weckte, gleichzeitig zu lesen, dann hatte sie keinen Zweifel, dass sie problemlos für den Rest ihres Lebens ohne ihn leben könnte.

Er war nicht Snape. Und sie hatte gewollt, dass Snape ihr … Erster sein würde. Jetzt hatte irgendein Idiot namens Ian (und sie kannte nicht einmal seinen Nachnamen) dieses Privileg gehabt. Mit einem seltsamen Glitzern in seinen Augen, als sie es ihm gesagt hatte. Ein ungläubiger Blick. Als hätte er gedacht, dass sie lächerlich sei, weil sie bisher nicht … hatte.

Hermine errötete und zog ihren Rock wieder hinunter zu ihren Knien, bevor sie sich aufsetzte und ihren BH schloss und ihre Bluse zuknöpfte.

„Hey, wo gehst du hin?“ fragte Ian träge und sie schaute ihn an und war angewidert. Von sich, von ihm. Es war alles so widerlich. Würdelos. Schrecklich falsch.

„Ich muss gehen,“ sagte sie schnell und ignorierte, dass ihr Schlüpfer immer noch irgendwo, aber nicht an ihr war.

„Kommst du zurück? Werden wir uns sehen?“

„Nein,“ sagte sie schnell. „Das war ein Fehler. Entschuldigung.“ Erneut errötete sie und verließ mit ihrer Büchertasche über ihrer Schulter sein Zimmer und das Gebäude und apparierte nach Hause in ihr Zimmer im Grimmauld Platz, sobald sie ein ruhiges Plätzchen gefunden hatte.

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