Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Semantik

GeschichteDrama, Romance / P12 / Gen
Draco Malfoy Hermine Granger OC (Own Character) Severus Snape
04.01.2021
08.07.2021
89
258.774
48
Alle Kapitel
169 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
04.01.2021 2.018
 
A/N: Vor Jahren habe ich mich in diese lange, englische HG/SS Fanfiction von coffeeonthepatio verliebt. Ich hoffe, ihr findet genauso viel Freude an ihr wie ich. Viel Spaß!

Disclaimer: Harry Potter gehört J. K. Rowling; diese Geschichte gehört der tollen coffeeonthepatio und darf durch ihre Einwilligung von mir aus dem Englischen übersetzt werden.

.

Semantik:

Semantik ist die Lehre von der Bedeutung von Wörtern, Phrasen und Sätzen. Bei semantischen Analysen wird stets versucht, den Fokus auf die konventionelle Bedeutung von Wörtern zu legen anstelle der vom Sprecher gewünschten Bedeutung der Worte in einer speziellen Situation. Dieser fachliche Bedeutungsansatz unterstreicht das Objektive und das Allgemeine. Es vermeidet das Subjektive und das Lokale. Linguistische Semantik beschäftigt sich mit der konventionellen Bedeutung übermittelt durch die Nutzung von Worten und Sätzen einer Sprache.

(nach Yule, 1985)

.

Der runzlige Zauberer mit den buschigen Augenbrauen starrte Severus Snape, ehemaliger Todesser, ehemaliger Tränkemeister von Hogwarts und Mörder von Albus Dumbledore, an. Es hatte eine Abstimmung gegeben. Es war alles mehr oder weniger demokratisch abgelaufen, und während die Helden des Lichts, darunter das neu ernannte Goldene Trio, alle mehr oder weniger gut von ihm sprachen, seine Tapferkeit priesen, schien es das alte und hochgeschätzte Zaubergamot nicht zu beeindrucken. Diese kleine Gestalt in Schwarz, dachten die Meisten von ihnen, die gerade und stolz in der Mitte des riesengroßen dunklen Raums saß, umgeben von ihnen, hatte ihren ehemaligen Großmeister getötet. Der gegenwärtige Großmeister, der runzlige Zauberer mit den buschigen Augenbrauen, war eine sehr alte Person mit dem Namen Adalbert Tremlett, der die Zeit während Lord Voldemorts Herrschaft in Norwegen verbracht hatte, weit weg vom Krieg. Diese eine Person räusperte sich, und da er immer noch versuchte, einen Weg in Severus Snapes Geist zu finden, wusste er, dass er gegen die Wünsche der meisten anderen Hexen und Zauberer im Zaubergamot gehen musste, die wollten, dass diese einsame dunkle Figur den Kuss des Dementors bekam. Er konnte das diesem Mann nicht antun und daher entschied er schnell, sich dem Rest zu widersetzen.

Aber Strafe musste sein und auf diese Weise würde er imstande sein, das Zaubergamot zu besänftigen.

„Ihre Strafe, Severus Tobias Snape ...“ sagte Adalbert Tremlett langsam. „Händigen Sie Ihren Zauberstab aus. Er wird zerbrochen und von diesem Tag an werden Sie aus der Zauberwelt verbannt. Jeglicher Wiedereintritt in unsere Welt wird den Kuss des Dementors zur Folge haben!“ Er musste den letzten Teil laut rufen. Es war idiotisch, einen solch hellen Kopf und einen solch mutigen Mann zu verlieren, aber es war besser, als ihn seelenlos in einem dunklen Loch in Askaban verrotten zu lassen. Aber er konnte kein Zauberer sein. Er hatte eine Sünde begangen, er musste bestraft werden. „Sie werden überwacht werden, ganz wie ein minderjähriger Zauberer. Irgendein Gebrauch von Magie und Sie werden den Kuss bekommen. Nun händigen Sie ihn aus und dann ... verschwinden Sie einfach.“

Der dunkle, einsame Mann schien Schuhe aus Blei zu tragen und machte einen schwachen Eindruck, als er vorwärts schlurfte, seine Augen niedergeschlagen. Er holte einen wunderschönen Zauberstab aus dunklem Holz aus den Falten seiner Roben hervor und gab ihn widerstrebend einem Gerichtsschreiber, welcher ihn wiederum dem Großmeister mit einer überschwänglichen Geste überreichte.

Es war das sonderbarste Geräusch, wie widerwillig knarrende Zweige, wie Holz, das nicht zerbrochen werden wollte, und das Geräusch des Zerbrechens ließ eine lange Zeit auf sich warten, aber da war es schließlich. Ein Knacken und Severus Snapes Zauberstab war nicht mehr.

.

Obwohl niemand außer dem Zaubergamot beim Urteilspruch erlaubt war, waren zwei Personen unter einem Tarnumhang auf der obersten, leeren Besuchertribüne versteckt. Es war einengend unter dem Tarnumhang und die Luft war so stickig, dass es vielleicht möglich war, sie mit einem Messer zu schneiden, doch die beiden jungen Menschen, die sich dort versteckten, hörten mit gespannter Aufmerksamkeit zu.

„Können die das machen?“ fragte die Frau.

„Es ist unfair,“ murmelte der Mann.

„Das meine ich. Können die das machen?“ zischte die Frau.

„Ich nehme es an,“ antwortete der Mann.

„Kannst du nicht jemanden fragen? Können wir es nicht ändern?“

„Er hat Glück, dass er doch nicht den Kuss bekommen hat,“ murmelte der Mann wütend. „Das hat Arthur gesagt.“

„Aber er ist ein Held,“ kreischte die Frau. Leise. So leise, wie man kreischen konnte.

„Ich denke, sie sehen ihn eher als Mörder,“ sagte der Mann finster.

„Lächerlich.“

„Genau.“

.

Es schien beinahe ironisch, dachte Severus Snape, ganz neuer Muggel, dass er aus dem Zauberministerium direkt ins Muggellondon von einem seiner ehemaligen Schüler, Michael Singh, einem Hufflepuff, der mehr Nachsitzstunden für geschmolzene Kessel bekommen hatte als jeder andere, hinausgeführt wurde. Es war wahrhaft ironisch, dachte Severus Snape, dass dieser Michael Singh immer noch unter seinem festen Blick zitterte. Und er hatte keine Kraft welcher Art auch immer mehr. Er war vor Gericht gestellt und verurteilt worden für seine Taten, für die begangenen Sünden, für all seine Vergehen. Er hatte Glück, dass er noch lebte, er hatte Glück, den Rest seiner verkrüppelten Seele noch zu besitzen. Und dann stand er dort. Auf einer kleinen Straße, ein wenig abseits von der Charing Cross Road. Wenn er diese Straße entlangging, würde er auf der Shaftesbury Avenue auskommen. Und von dort aus konnte er leicht seinen Weg in Richtung Piccadilly Circus finden. Mit den fünfzig Pfund, die das Ministerium ihm gnädigerweise gegeben hatte. Vermutlich wollten sie nicht, dass er irgendwo in der Mitte Englands strandete. Hätten sie gewusst, dass er so vorausschauend gewesen war und sein gesamtes Geld aus Gringotts geholt, in Pfund umgetauscht hatte und dass es im Inneren seiner Matratze in Spinner’s End versteckt war, wären sie wohl nicht so gnädig gewesen. Aber er könnte die U-Bahn von Piccadilly Circus aus nehmen, dann den Zug in Richtung Norden von Euston oder St Pancras. Wenn er bis zu seinem schäbigen Haus in Spinner’s End kam, würde es ihm gutgehen. Das Geld dort würde reichen, bis er einen Plan hatte.

Er brauchte einen Plan.

Sein komplettes Leben war auf den Kopf gestellt worden. Er hatte vermutet, den Kuss zu erhalten. Oder zumindest hatte er erwartet, den Rest seines Lebens in Askaban zu verbringen. Er hatte nicht damit gerechnet, aus der Zauberwelt verstoßen zu werden. Er hatte nicht erwartet, frei zu sein.

Frei. Er wusste nicht, was das bedeutete. Und jetzt war er frei – was auch immer das bedeutete – ohne einen Zauberstab. Ohne die Befähigung, Magie zu benutzen. Zum Muggel gemacht und das schien beinahe, beinahe wie poetische Gerechtigkeit. Zu dem gemacht, wovon die Menschen, die Allgemeinheit, dachten, dass er so dagegen wäre. Er musste zugeben, dass es noch nicht bei ihm angekommen war. Und nach den beinahe sechs Monaten, die er in Askaban verbracht hatte, war es wundervoll, einfach nur die schmutzige, versmogte Londoner Luft einzuatmen. Severus Snape ließ seinen Kopf nach hinten fallen und sah hoch in den Himmel, die gräulichen Wolken rasten vorüber, ein paar Regentropfen fielen auf sein Gesicht. Er war hungrig und durstig, aber er hatte diese gewundenen Gedanken im Kopf, die zurück und vor und wieder zurück rasten. An diesem Morgen war sein Kopf klar gewesen, in seiner Zelle in Askaban. Er hatte gewusst, dass er bestenfalls sterben würde. Schlimmstenfalls würde er Schlimmeres als den Tod erleiden. Sechs Monate, in denen er Zeit gehabt hatte, über die Wirkungen eines Dementorenkusses nachzudenken, und obwohl sie nicht mehr als Gefängniswachen eingesetzt wurden, waren sie immer noch dort, in der Nähe, gehalten, um Küsse durchzuführen. In manchen Nächten war er imstande gewesen, sie zu fühlen. Vielleicht war es aber auch nur die überwältige Verzweiflung in ihm selbst gewesen.

Er hatte niemals damit gerechnet, zu überleben, und von dem, was er wusste, war er am Rande des Todes gewesen und hatte etwa drei Wochen lang an die Tür des Todes geklopft. Drei Wochen, während denen Heilhexen und –zauberer im St. Mungos für sein Leben gekämpft hatten, nur um wieder nach sechs weiteren Wochen Genesungszeit nach Askaban geschickt zu werden. Sie hätten, hatte er so oft gedacht, ihn einfach sterben lassen sollen. Es hätte der magischen Bevölkerung des Vereinigten Königreichs eine Menge Kosten erspart. Das übermäßig lange Gerichtsverfahren. Sein verlängerter Aufenthalt in Askaban und jetzt die fünfzig Pfund.

Nichtsdestotrotz konnte er die Erleichterung nicht verleugnen, die er spürte, als der Regen auf sein Gesicht und sein fettiges Haar fiel, und es kümmerte ihn nicht einmal, dass er seine alten Roben trug – diejenigen, in denen er gefunden worden war, und diejenigen, die nur geringfügig ausgebessert worden waren. Er hatte andere Anziehsachen zu Hause. Alte Kleidung seines Vaters, aber trotzdem Kleidung. Er konnte seine Roben jetzt nicht einfach verwandeln. Er konnte nicht einfach apparieren. Er würde sich wirklich vorsehen müssen, würde sichergehen müssen, nicht einfach Tränke zu brauen und nicht aus Versehen zauberstablose Magie anzuwenden. Sie würden es bemerken. Daran bestand kein Zweifel. Oder vielleicht war sein Gehirn durch diese unerwartete Wende der Ereignisse zu durcheinander, um zu denken.

Er hatte begonnen, die Shafesbury Avenue langsam entlangzulaufen, schwarze Taxis und andere Autos rasten vorüber, einige andere Fußgänger überholten ihn und er kümmerte sich nicht um seine Kleidung, als der Regen stärker wurde. Und das war London. Menschen konnten sich eigentümlich in London anziehen und damit davonkommen. Und zu Hause hatte er die alten Anziehsachen seines Vaters. Er würde dort vorerst bleiben müssen, bis er seine Gedanken sortiert hatte. Bis er wusste, was er tun sollte.

All die Gedanken – keine Einnahmequellen ohne Magie, keine Möglichkeit, Geld zu verdienen – wurden beiseitegeschoben, als er ein Ticket für die U-Bahn kaufte und plötzlich von Menschen umgeben war, sehr vielen Menschen. Er musste sich auf seine Atmung konzentrieren, er wusste genau, dass eine Menschenmenge immer Ärger bedeuten konnte – und er hatte keine Art von Verteidigung, keinen Zauberstab. Er vermisste ihn, sein Ärmel war leer, seine Tasche war leer. Er fühlte sich fast nackt und er stellte fest, dass er inmitten einer Menschenmenge, in der Mitte von sehr vielen Menschen, Schwierigkeiten hatte zu atmen. Er hatte Schwierigkeiten, seinen Schritt auf der Treppe zu finden und er blieb ganz links außen, sich beinahe am Geländer festklammernd. Er traute sich nicht, es anzufassen – aber es war dort und er wusste, dass es dort war. Etwas, an dem er sich festhalten konnte, wenn er es brauchte. Und er folgte der Menschenmenge, versuchte zu atmen und fühlte, wie er in die U-Bahn gezogen wurde.

.

Das Haus sah genauso aus, jedoch hatte er das letzte Mal, dass er hier reingekommen war, das letzte Mal, dass er hier rausgegangen war, unzählige Bannzauber hinzugefügt. Er hatte keinen Zauberstab nun. Er konnte sein eigenes Haus nicht betreten. Nicht auf die normale Weise. Dennoch hoffte er, dass das Haus ihn immer noch erkannte, und so ging er um das Haus herum zur Rückseite und starrte für viele, viele Minuten das Fensterglas an und einen Moment lang machte er sich Gedanken, dann formte er langsam eine Faust und seine Hand zerbrach das Glas. Nichts geschah außer dem Zerschlagen des Glases, seine Hand blutete und schmerzte, eine kleine Scherbe Glas steckte zwischen seinen Knöcheln. Er zog sie zuerst heraus, bevor er seine Hand vorsichtig nach innen steckte und den Knauf drehte. Er fühlte absolut keine Banne gegenwärtig. Nichts. Vielleicht waren sie gefallen, als sie seinen Zauberstab zerbrochen hatten, vielleicht waren sie immer noch da und er konnte sie nicht fühlen. Er war sich nicht sicher, aber er konnte sein eigenes Haus betreten. Er konnte reinkommen und realisierte, dass es sich ein wenig wie sein zu Hause anfühlte.

Die dunkle und bedrückende Atmosphäre ignorierend, ging er direkt zur Dusche, zog sich aus und entschied, dass er den alten Kamin wieder anmachen würde – um seine Klamotten zu verbrennen. Er gehörte nicht länger in einen schwarzen Gehrock und er gehörte nicht länger in Roben. Er gehörte in Muggelkleidung. Nicht, dass es schon bei ihm angekommen wäre. Er war zurück in seinem schäbigen alten Heim. Es fühlte sich nicht an, als hätte sich etwas geändert – abgesehen von seiner blutenden, schmerzenden Hand und der Tatsache, dass er keine Tränke in seinem Haus aufbewahrt hatte. Nicht, dass er sie womöglich nutzen könnte.

Es war nichts in seinem Kühlschrank, er hatte keine Pflaster im Haus. Er brauchte eine Dusche, er musste in die Geschäfte gehen, er musste herausfinden, was er mit seinem Leben anfangen sollte. Wenn es ein Leben ohne Magie gab.

.

 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast