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von Kassalla
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P18 / FemSlash
Aden Bellamy "Bell" Blake Clarke Griffin Echo Lexa Madi
04.01.2021
29.03.2021
20
119.966
21
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04.01.2021 3.287
 
Hallo liebe*r Leser*in, wie bereits aus der Beschreibung hervor geht ist das hier nichts mit einer heftigen Story/Hintergrund-Geschichte. Im voraus möchte ich sagen, dass alle Informationen über Feuerwehr, Ärzt*innen etc. auf Google und Fernsehen basieren und somit manchmal vielleicht nicht ganz richtig sind. Zum Auftakt gibt es gleich drei Kapitel und jeden Montag kommen Weitere.

Ich wünsche euch viel Spaß und freue mich wieder über eure Anmerkungen und Kommentare :)


____________________________________________

Lexa:

Ein heftiges Donnern an der Türe, lässt mich ruckartig aus dem Bett springen. Ich schlüpfe schnell in meine Schuhe, schnüre sie penibel fest und renne dann raus.

„Wie kannst du den Alarm überhören?  Es gibt einen Wohnungsbrand“, erklärt Bellamy und wir rennen zu den Schränken. Wir ziehen die Jacken an und rutschen dann nacheinander die Stange runter. Octavia wartet bereits im Wagen.

„Kommt schon ihr Schlafmützen!“, ruft sie und wir springen in das Fahrzeug. Kaum ist die Tür zu, gibt Octavia Gas und wir rasen mit dem Martinshorn durch die Stadt.

Ich bin seit mittlerweile circa einem halben Jahr auf dieser Station in einem Stadtteil von Weather. Davor war ich an unterschiedlichen Orten Feuerwehrfrau, aber etwas zog mich zurück hier her. Vor fast zehn Jahren bin ich in einem Stadtteil weiter südlich zur Schule gegangen. Meine damalige Pflegefamilie hat sich einen Dreck darum gescherrt, ob ich dort hingegangen ist oder nicht. Also war es auch mir egal. Der große breite dunkelhaarige Mann neben mir und seine Schwester am Steuer sind mit mir damals in einer Stufe gewesen. Wir haben uns abgrundtief gehasst und ich kann die Schlägereien mit Bellamy gar nicht mehr zählen. Ich war damals anders. Ich habe mich während der Schulzeit entweder in Parks mit meinen damaligen besten Freunden Lincoln und Echo rumgetrieben oder doch mal am langweiligsten Unterricht der Welt teilgenommen und da den ganzen Schwachköpfen gezeigt, was es bedeutet denken zu können. Als ich meiner Pflegefamilie zu viel wurde, haben sie mich rausgeschmissen. Raus aus der „Familie“ wieder rein in ein System, das sich einen Scheiß darum kümmert, was mit einem passiert. Einige Monate mit Lincoln auf der Straße haben mich verändert. Aber das einschneidendste Erlebnis war meine damalige Betreuerin, die rausgefunden hat, dass ich kein Dach mehr über dem Kopf hatte und mich direkt in die nächste Familie eine Stadt weiter gesteckt hatte. Diese Familie war anders, als alle anderen. Indra und Marcus waren anders, als alle Pflegeeltern. Sie interessierten sich wirklich für mich und setzten alles daran, dass ich mich bei ihnen wohlfühlte. Ich bekam ein eigenes Zimmer, Geburtstagsgeschenke und ihre Aufmerksamkeit. Sie hatten noch eine weitere Pflegetochter. Anya. Wir stellen schnell Gemeinsamkeiten in unserer Pflegekarriere fest und wurden wie Schwestern. Ich machte einen guten Abschluss, bekam einen Collageplatz und entschied mich dann doch dazu mit Lincoln zum Militär zu gehen. Dort arbeitete ich als Sanitäterin und er wurde Arzt. Ich rettete und nahm fast gleichermaßen Leben. Irgendwann wurde mir das Töten zu viel und ich kam zurück. Ich konnte kein Blut mehr sehen, zu viel davon hatte ich an meinen Händen gehabt. Deswegen entschied ich mich dazu statt Blut und Tod lieber Flammen und das Chaos zu bekämpfen. In der Station vor dieser war mir nicht genug passiert. Ich lebte in einer Kleinstadt, wo hin und wieder eine Katze auf einem Baum festhing oder Jugendliche ein Fass anzündeten und es eine Böschung runter rollen. Was, das muss ich zugegebenen, schon ziemlich viel Spaß macht. Ich wollte aber mehr Herausforderung. Lincoln und ich telefonierten zufällig, als er die Nachricht bekam, dass in einer Feuerwehr-Station in seinem Viertel eine Stelle frei geworden ist. Er arbeitet hier in dem nächstgelegenen Krankenhaus als Notarzt und kannte somit viele der Rettungskräfte. Er erzählte mir natürlich nicht, wer hier noch arbeitete.

Mein erster Tag hier war wirklich… interessant. Bellamy ist fast umgekippt, als er mich gesehen und nach einigen Minuten erkannt hat. „Woods, scheiße! Du bist ein normaler Mensch geworden?“, hatte er damals aufgerufen und direkt einen Schlag gegen den Arm kassiert. An so einem Ort wächst man aber schnell zusammen. Diese Männer und Frauen und ganz besonders Bellamy und Octavia sind eine zweite Familie für mich geworden. Hier muss man sich aufeinander verlassen können und vollstes Vertrauen haben. Brände, Überschwemmungen und andere Katastrophen  in Großstädten erfordern höchste Konzentration, Routine und gutes Teamwork. Es dauerte nicht lange bis unsere Streitereien der Schulzeit zu Witzen wurden und Bellamy zu einem wirklich guten Freund.  



„Was eine Schicht“, keucht Octavia und lehnt sich in meinem Sofa zurück. „Wann ist Brandstiftung zur Mode geworden?“ Sie trinkt ihr Bier leer. Seit einigen Wochen verbringt sie viel Zeit bei mir. Ich wohne mit am nächsten an der Station und es gibt egal zu welcher Uhrzeit nach einem wirklich harten Tag ein Feierabendbier. Es ist fünf Uhr morgens. Sie schiebt sich kopfschüttelnd das letzte Stück Pizza in den Mund. „Wir löschen den Brand doch eh.“

„Jaa, aber einigen macht es Spaß etwas anzuzünden und sich dann in die gaffende Menge zu stellen und uns zu beobachten.“ Ich sehe zu ihr rüber. Sie ist eindeutig der attraktivere Geschwisterteil…

„Fang nicht mit denen an. Irgendwann rutscht mir der Schlauch ab und ich dusche die alle!“  

Es klingelt an der Tür und ich sehe, wie Octavia sich sofort aufsetzt und ihre Stimmung sich ändert. Ich grinse sie an und gehe zur Tür. „Hey, Lincoln. Komm rein. Schichtende oder eine Pause?“

„Feierabend“, lächelt er und drückt mich. „Ist O…“

„Jap“, lache ich und schiebe ihn in mein kleines Wohnzimmer. Ich sehe, wie beide sich angrinsen. Seit Wochen verbringt nicht nur Octavia auffallend viel Zeit bei mir, sondern auch Lincoln. Durch Zufall waren mal beide da und seitdem ergeben sich immer mehr dieser Zufälle bei denen ich Lincoln schreibe, dass ich Schluss habe und zu Hause bin und er dann spontan bei mir auftaucht. Seine Trefferquote Octavia zu sehen ist überraschend gut. Aber leider verkürzt das meine Schlafzeit und mir ist dieses Spielchen mich als Ausrede zu benutzen langsam zu viel. „Leute jetzt reichts mir echt.“ Sie schauen mich an. „Ich bin es leid das dritte Alibi-Rad an eurem ‚Ich weiß nicht ob sie bzw. er auf mich steht‘-Wagen zu sein. Ich bin jetzt weg und ihr beide klärt bitte endlich, dass ihr seit Wochen aufeinander steht. Macht am besten gleich ein Date aus!“

„Lexa!“; funkelt mich Octavia wütend an und bewirft mich mit einer Wasserflasche.

Ich fange sie lachend auf. „Ihr beide redet, küsst euch oder was auch immer gleich passiert. Ich bin einkaufen. Und danach hätte ich gerne
wieder einen ruhigen Feierabend ohne so viele spontane Besuche.“

Ich schnappe mir meine Jacke und den Hausschlüssel und gehe. Ich laufe zu dem kleinen Laden direkt in meinem Wohnhaus, der eigentlich immer aufhat. Ich kaufe etwas Obst, Brot und sonst noch Sachen zum Essen ein.

„Hey Farid“, begrüße ich den Verkäufer.

„Lexa! Lange nicht gesehen, wie geht es dir? Schon die Welt gerettet?“ Er kassiert ab und wir verfallen in einen angenehmen Plausch.



Ich lasse meinen Schlüsselbund extra laut gegen meine Haustür knallen, bevor ich den Schlüssel polternd reinstecke und mit einem Schlag die Tür öffne. Ich betrete meine Wohnung und sie ist leer. Da hätte ich mir das Theater ja sparen können. Ich sehe einen Zettel auf dem Wohnzimmertisch. Mit der Tüte auf dem Arm lese ich ihn.

‚Sind bei mir. Danke – L‘

Ich zerknülle den Zettel. Nachdem ich meine Einkäufe einsortiert habe, mache ich mir einen Tee und klettere auf die Feuerleiter vor meinem Fenster. Ich setzte mich in eine Decke eingewickelt dort hin und genieße den Sonnenaufgang. Ich seufzte zufrieden und stelle fest, dass sich mein Leben in eine angenehme Richtung entwickelt. Ich hätte in der Schulzeit niemals gedacht, dass ich sowohl eine Familie als auch einen mehr als stabilen Freundeskreis hinter mir haben werde. Ich krame mein Handy raus und rufe Anya an.

„Hey Lexa, wie geht’s dir? Bin grade nach Hause gekommen.“ Anya leitet mehrere Clubs und Bars hier in Weather und in Polis, der Stadt in der wir beide zu Ende groß geworden sind. Es ist praktisch, dass wir beide einen verqueren Schlafrhythmus haben. Ich erzähle ihr von meinem Tag, lausche ihren Ausführungen und berichte dann das mit Lincoln und Octavia.

„Na endlich! Ich dachte echt Octavia macht den ersten Schritt und nicht du“, lacht sie.

„Ich hoffe Bell reißt mir nicht den Kopf ab, dass ich seine kleine Schwester verkuppelt habe.“ Ich nippe an meinem Tee.

„Ach quatsch. Ihr seid doch jetzt best-buddys!“ Sie gähnt laut. „Ich muss ins Bett und du auch.“

„Ja, Mama“, antworte ich sarkastisch.

„Arsch. Hab dich lieb.“

„Ich dich auch. Schlaf gut.“

Wir legen auf. Ich bleibe noch eine Weile dort sitzen und genieße dieses entspannte Gefühl, dass alles richtig läuft.

Clarke:

Ich gähne einmal laut, kippe dann den kaltgewordenen Kaffee herunter und steige aus. Ich muss mich einmal strecken, damit mein Rücken knackt. Ich warte schon seit einigen Minuten auf dem Parkplatz der Station auf Bellamy.

Der aber offensichtlich Besseres zu tun hat, als endlich rauszukommen, damit ich ins Bett kann…

Ich habe keine Geduld mehr dafür. Als ich die Station betrete, kommt mir schon ein lautes Getöse und Gegröle entgegen.

„Das ist nicht sein Ernst.“

Ich biege um die Ecke um gerade noch sehen zu können, dass das Gesicht meines Freundes unter einer brünetten Frau auf eine Übungsmatte gedrückt wird.

„Sie hat gewonnen. Schon wieder“, ruft Octavia und schlägt sich mit der Frau ab. Sie hilft Bellamy grinsend auf und klopft ihm auf die Schulter.

„Gar nicht so schlecht. Vielleicht hast du irgendwann eine Chance gegen mich“, lacht sie mit funkelnden Augen. Mein Blick rutscht etwas tiefer. Sie trägt eine Shorts und ein enges Top, was ihren durchtrainierten Körper nur noch mehr betont. Scheiße, ist das die Neue? Kein Wunder, dass Bellamy länger bleibt… Als hätte er meine Gedanken gehört, dreht er sich um und wird klatschrot.

„Hey Schatz“, ruft er und kommt zu mir. Er gibt mir einen kurzen Kuss auf den Mund. „Tut mir leid, das…“

„War ein Notfall?“, fauche ich ihn scharf an. Übermüdet verstehe ich keinen Spaß.

„Ich habe nicht auf die Uhr geachtet. Warte ich stell dich vor.“ Er grinst plötzlich dreckig. „Ihr kennt euch ja noch nicht.“
Was soll der Unterton?! Ich will doch einfach nur ins Bett…

„Das ist meine Freundin. Clarke das ist die Neue.“

Sechs Augenpaare sind auf mich gerichtet. „Ähm… Hey?“ Ich bin verwirrt. Die Neue – wie auch immer ihr Name ist – reicht mir ihre Hand.

„Hallo.“ Sie sieht mich etwas herausfordernd an und legt leicht den Kopf schief. Wir schütteln uns die Hände.

Stille.

Octavia prustet irgendwann los. Ich schaue genervt zu ihr.

Was auch immer das für ein Spiel ist, dafür habe ich weder die Zeit noch die Nerven…

Ich funkele Bellamy wütend an – da wird er gleich im Auto noch etwas zu hören bekommen – und schürze dann die Lippen. „Wir müssen los.“

„Wer braucht denn da ne Mütze voll Schlaf?“, fragt Octavia immer noch halb lachend.

„O. Es reicht mir. Ich habe gerade 48 Stunden entweder in einem Rettungswagen, einem Auto oder im OP verbracht. Ich bin müde und was auch immer das hier für ein Spielchen…“

„Ganz ruhig, Prinzessin“, sagt die Neue und ich verstumme augenblicklich. Wenn ich bis gerade angesäuert war, bin ich jetzt richtig wütend.
Wie hast du mich gerade genannt? So nennt mich niemand! „Was zur Hölle fällt dir eigentlich ein mich so zu nennen? Erst musst du mit meinem Freund kämpfen und er kommt hier nicht pünktlich raus. Dann stellst du dich nicht mal richtig vor und jetzt erlaubst du dir einfach mir irgendeinen dummen degradierenden Spitznamen zu geben? Was fällt dir eigentlich ein? Du kennst mich überhaupt nicht und…“ Da schaue ich ihr das erste Mal richtig in die Augen und der Groschen fällt laut klirrend in meinem Kopf. Oh…  „Scheiße, Woods!?“

„Hey Clarke Griffin, Prinzessin der Mittelstufe“, gibt sie immer noch grinsend zurück und verbeugt sich. Ich starre zu Bellamy. Octavia legt ihren Arm um Lexas Schulter und lacht mich weiter aus.

„Sie ist die Neue?“ Ich bin immer noch wütend. „Das hättest du nicht einmal in den letzten Monaten erwähnen können, dass Lexa Woods deine neue Kollegin ist?“ Worauf bin ich eigentlich noch sauer? Ich will doch einfach nur schlafen…

„Ganz ruhig. Wir haben demokratisch entschieden, dass wir alle deinen Blick sehen wollen, wenn du es erfährst“, antwortet Octavia für ihn. „Lexa gehört jetzt zu den coolen Kids.“

Ich verdrehe meine Augen. „Das ist ja schön, dass du offensichtlich ein normal denkendes und handelndes Wesen geworden bist, aber wir müssen jetzt zu unserer Tochter, damit die Mitbewohnerin meiner Mutter endlich zur Arbeit fahren kann. Wir sind super spät dran und das offensichtlich dank dir, Woods. Es gibt Menschen, die haben Verantwortung zu tragen“, fauche ich sie an ohne auch nur irgendetwas über ihre aktuelle Lebenslage zu wissen. Ich sehe, dass sie sich ein Grinsen verkneifen muss.

„Alles klar, Skyprincess“, antwortet sie, was mich nur noch mehr aufregt. Ich weiß, dass sie mich nur provozieren will. Bellamy meinte die Neue sei total nett und ich würde mich super mit ihr verstehen…Ja klar.

„Ich fahre jetzt. Mit oder ohne dich.“ Ich drehe mich auf dem Absatz um, lasse Bellamy stehen und laufe zum Auto.

Der Motor ist bereits an und ich bin zwei Zentimeter losgefahren, als Bellamy keuchend auf den Beifahrersitz springt.

„Clarke, jetzt komm mal wieder runter.“

„Bellamy“, äffe ich seinen Tonfall nach und parke aus. „Ich hatte zwei wirklich beschissene Tage. Schön, dass du nur eine Schicht hattest und das so ein lustiger Arbeitsplatz ist. Mir sind heute zwei Menschen weggestorben!“, fahre ich ihn an. Ich sehe, dass er ruhiger wird. Er kennt mich einfach mit am besten und weiß, dass meine Wut nicht direkt gegen ihn, sondern gegen das Universum gerichtet ist. Aber in diesem Moment empfinde ich das noch nicht so, erst wenn ich geschlafen habe, weiß ich, dass mich nicht Bellamy so aufregt. „Und Lexas Woods… Wirklich?“

Er muss lachen. „Clarke, sie hat sich echt verändert. So wie wir. Keiner von uns ist mehr wie in der Schule.“ Er legt seine Hand auf meinen Oberschenkel. „Es tut mir leid, dass deine Schicht so scheiße war. Ich wünschte ihr hättet euch unter anderen Umständen wieder getroffen, weil sie wirklich nett ist. Octavia und sie sind fast schon beste Freundinnen und ich…“ Er fängt meinen Blick auf. „Ich mag sie und vertraue ihr mittlerweile. Sie ist verdammt gut in ihrem Job.“

Ich atme tief durch. „Sonntag grillen?“, frage ich nach einer Weile, die wir stumm nebeneinandergesessen haben.

Er lächelt mich an. „Gerne.“ Ich sehe, dass er sein Handy rausholt und eine Nachricht schickt.

„Dann lade ich Lincoln und Harper auch noch ein.“

„Also ein großes Grillen?“

„Muss mal wieder sein, oder? Seit…“ Ich sehe rüber. Bellamys Blick wird traurig. „Seit Murphys Unfall haben wir die Gruppe nicht mehr zusammen gebracht.“

„Ich weiß.“ Bellamy atmet tief durch. „Lexa hat ihn gut im Team ersetzt“, sagt er leise. „Um ehrlich zu sein, ist sie wesentlich kompetenter als er. Murphy würde mich dafür schlagen“, lacht er und seufzt dann traurig. „Ich vermisse ihn.“

Ich lege meine Hand auf seine. „Ich weiß.“


„Hey Callie!“ Ich umarme die Frau, die mir freudestrahlend die Tür öffnet.

„Hallo Clarke.“ Sie drückt mich an sich. „Es freut mich euch zu sehen. Madi spielt in ihrem Zimmer. Kommt rein. Wollt ihr noch einen Kaffee und ein Stück Kuchen?“

Bellamy sieht mich fragend an. „Ja, gerne“, antworte ich. Ich bin zwar immer noch müde, aber zu Callies Kuchen würde ich niemals Nein sagen. Ich gehe hoch in mein altes Zimmer und finde dort meine Tochter mit einem Feuerwehrauto spielend. Sie redet ganz aufgeregt mit sich selbst.

„Hey meine Kleine“, sage ich und sie wirbelt herum.

„Mama ist wieder da!“, ruft sie und trappelt ungeschickt auf mich zu. Ich hebe sie an und drücke sie an mich. Ich atme ihren Duft ein und genieße es, dass sie mir mit ihren kleinen Händchen durchs Gesicht patscht. Uns ist aufgefallen, dass sie das bei der Begrüßung nur bei Personen macht, die sie wirklich mag und die etwas Besonderes für sie sind. Octavias Gesicht wird zum Beispiel nicht bepatscht.

„Hattest du Spaß mit Callie?“ Sie nickt.

„Wir haben Notfall gespielt.“ Sie zeigt auf das Schlachtfeld auf dem Boden, wo Stofftiere zwischen Rettungsfahrzeugen verteilt liegen. „Omi und ich haben alle gerettet.“

„Zeig mal her.“ Ich setzte mich mit ihr auf den Boden und wir spielen noch eine kleine Weile zusammen.

„Willst du Kuchen und den Papa?“, frage ich mit einem Grinsen und sie streckt die Hände in die Luft.

„Ja, Kuchen!“ Ich muss lachen.

Ich trage sie runter und wir setzten uns. Bellamy nimmt mit einem breiten Lächeln unsere dreijährige Tochter auf seinen Schoss. „Hallo mein Krümelchen.“

„Hallo Papa.“ Sie tatscht auch in seinem Gesicht rum und verzieht ihren Mund, als sie seinen Bart berührt. „Das sticht.“ Callie muss lachen, als sie uns Kuchen und Kaffee hinstellt.  

„Ich dachte du musst arbeiten?“, frage ich und schenke mir etwas von dem braunen Lebensschenker ein.

„Ich habe mir die Fallakten zuschicken lassen, damit ich von hier aus daran arbeiten kann.“ Sie nippt an ihrem Kaffee.

„Das ist lieb.“

„Für die Familie tut man doch alles“, zwinkert sie und ich muss sie warm anlächeln.

Nach dem Tod meines Vaters war meine Mutter eine ganze Zeit lang einsam. Sie hat sich in ihre Arbeit gestürzt und war kaum noch am Leben beteiligt. Ich war damals in meinem letzten Jahr in der Highschool, als meine Mutter Callie Cartwig kennen lernte. Eine toughe Kriminalpolizisten mit wahren Zauberkräften in der Küche. Callie und meine Mutter freundeten sich damals schnell an und weil beide alleine waren, nachdem ich ausgezogen bin, beschlossen sie zusammen zu ziehen. Ich freue mich immer noch für meine Mutter, dass sie nicht alleine ist und jemanden hat mit dem sie zu Abendessen kann, aber manchmal frage ich mich, ob ihr das reicht. Callie ist zwar mittlerweile ein vollständiges Mitglied unserer Familie, aber einen Partner fürs Leben wünsche ich meiner Mutter trotzdem. Auch wenn ich zugeben muss, dass Callie fast wie eine zweite Mutter für mich ist und vor allem eine zweite Oma für Madi.

„Clarke?“

Ich blicke überrascht auf. „Ja?“

Callie lacht. „Bell, ich glaube du solltest deine beiden Mädels ins Bett bringen.“ Er stimmt mit ein und reicht mir Madi. Sie klatscht begeistert in die Hände und gähnt. „Sie hatte ihr Schläfchen noch nicht, weil ich früher mit euch gerechnet habe und dachte…“

„Alles gut“, unterbreche ich ihre Erklärung schnell. „Ich bin froh, dass sie wach war. Nicht wahr mein Mäuschen? So konnten wir uns noch sehen.“

„Jaa.“ Sie knuddelt sich in meine Brust und schmatz an ihrem Kuchenstück.

Madi schläft einige Minuten später fast beim Essen ein, also nehme ich sie hoch und verabschiede mich von Callie. „Grüß bitte meine Mom von mir.“

„Immer. Schlaft gut.“ Sie drückt mich. „Es hat mich sehr gefreut euch beide hier gehabt zu haben.“ Bellamy drückt sie auch.


„Callie ist echt super“, sagt Bellamy im Auto und schaut in den Rückspiegel. Ich sitze neben Madi und streichele ihren Kopf.

„Das stimmt. Ich mag sie wirklich gerne und bin froh, dass meine Mom eine so gute Freundin gefunden hat.“ Ich beobachte meine schlafende Tochter. Sie war vor über drei Jahren alles andere als geplant, aber jetzt bin ich – und ich weiß Bellamy geht es genauso – überglück, dass sie da ist. Wir haben unsere Schichtpläne so angepasst, dass die meiste Zeit mindestens einer von uns da ist. Die restlichen Tage verbringt Madi bei meiner Mutter und Callie. Manchmal nimmt Bell sie an seinen freien Tagen mit zur Station, wo sie dann von allen betüddelt wird und Sachen geschenkt bekommt. Sie kommt dann immer ganz aufgeregt wieder nach Hause und will auch da arbeiten. Ich kuschele mich etwas auf dem Rücksitz und schlafe bevor wir zu Hause ankommen.
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